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Be part of the art

Matthias Edlinger

Künstler aus München, Deutschland

Matthias Edlinger wollte als Kind Profi-Fußballer beim FC Bayern werden. Statt dessen wurde er Künstler, Autor und Filmregisseur. Für seine Collagen auf Pappkarton verwendet er häufig eigene Fotografien, die wiederum bei Filmproduktionen entstanden sind.

 
„Mich inspiriert alles, was nicht perfekt ist“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Miu Reck, www.miureck.com

Interview

Du bist nicht nur Künstler, sondern auch Filmregisseur und Autor, alles sogenannte kreative Tätigkeiten. Was war zuerst da? Und wie kamen die anderen Tätigkeiten hinzu?

Schon während meiner Schulzeit war ich in der Münchener Comicszene aktiv und wollte auf die Kunstakademie. Mein erstes Geld hab ich dann aber unerwarteter Weise als Musikvideoregisseur verdient und bin dann da hängen geblieben. Die Arbeit als Autor kam als letztes dazu. Bildende Kunst hab ich ziemlich lange nur nebenher gemacht. Hauptsächlich weil ich in München lange kein bezahlbares Atelier finden konnte. Vor zwei Jahren bin ich dann endlich fündig geworden. Seitdem habe ich begonnen, ernsthaft als bildender Künstler zu arbeiten.

Liegt das Künstlerische bei dir in der Familie?

Nicht auf den ersten Blick. Vater Angestellter bei Siemens, Mutter Bewegungs-Therapeutin. Aber mein Vater war sehr musikalisch. Schon als Teenager hatte er mit einer steirischen Band Auftritte im Radio. Er spielte Klarinette und Mundharmonika. Und meine Mutter war schon immer eine gnadenlos spontane Entertainerin. Alles, was ich als Kind in Richtung Kunst ausprobieren wollte, wurde von meinen Eltern aber schon immer extrem gefördert.

Hattest du einen Traumberuf als Kind? Welchen?

Als wir in der vierten Klasse der Grundschule gefragt wurden, was wir später mal werden wollen, kamen die typischen Antworten: Arzt, Pilot oder Lehrerin. Mein Traumberuf sorgte für großes Gelächter. Damals wollte ich Profi-Fußballer beim FC Bayern werden.

Was ist aus der Fußballkarriere geworden?

Obwohl ich als Linksfuß im Verein sehr gefragt war, hab ich meine Pläne nach der C Jugend an den Nagel gehängt, weil ich mit dem neuen Trainer und seinen sehr autoritären Trainingsmethoden nicht mehr klar gekommen bin. Ich dachte als Kind immer, Sport soll ja auch Spaß machen, daher bin ich dann aufs Skateboarden und Basketball umgestiegen.

Du bist der Autor von Büchern wie „Ein Mann, ein Rost“ (ein Grillbuch), „205.293 Zeichen“ oder einer Krimireihe um den Kunstfälscher Felix Ambach. Schreibst du momentan, und wenn ja, woran?

Die Krimireihe Ambach, die ab November beim Piper Verlag erscheint, ist momentan noch im Lektorat und beschäftigt mich daher natürlich immer noch. Gerade drehe ich einige Trailer zu den Büchern, da bleibt momentan leider keine Zeit zum Schreiben.

Gibt es Wechselwirkungen zwischen deiner bildenden Kunst und der Schriftstellerei?

Die größere Wechselwirkung besteht sicher zwischen meinem Job als Musikvideo-Regisseur und der bildenden Kunst. Gerade bei Musikvideos kann ich sehr frei arbeiten und da greift dann ein Rad ins andere. Ich stelle zum Beispiel die Requisiten oder gemalten Hintergründe selbst her oder verwende Fotos, die beim Dreh entstanden sind wieder als Grundlage für meine Collagen.

Du arbeitest unter anderem mit Collagen. Was schätzt du an der Technik?

Die Technik ähnelt sehr der Arbeit im Schneideraum. Man selektiert, verbindet, schafft neue Zusammenhänge. Dadurch, dass ich dann oft auch Textfragmente in die Collagen einbaue oder Titel für die Werke wähle, die eine neue Ebene eröffnen, verbindet diese Art des künstlerischen Arbeitens ideal alle meine drei Talente.

Woher nimmst du das Material für deine Collagen?

Hier muss man grundsätzlich zwischen zwei Materialien unterschieden. Die „Leinwand“ ist bei meinen Collagen immer gebrauchter Karton. Bei meiner letzten Ausstellung in München habe ich die Böden der kompletten Räume mit Karton ausgelegt. Die Besucher haben natürlich dort ihre Spuren hinterlassen. Diese Kartons dienen mir aktuell als Untergrund für die neue Reihe Collagen, an denen ich gerade arbeite. Bei den Bildinhalten hat alles für die erste Ausstellung mit Fundstücken aus Magazinen begonnen, die ich in meiner Arbeit als Regisseur vor den Zeiten des Internets zum erstellen von Moodboards gebraucht habe. Mittlerweile benutzte ich jedoch ausschließlich eigene Fotos oder Reproduktionen von eignen Zeichnungen oder Gemälden. Das ist der logische nächste Schritt.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Schwierig, sich selbst in eine Schublade zu stecken. Aber der Begriff „Bohemian Rock Art 2.0“ scheint mir ganz passend.

Was inspiriert dich?

Alles, was nicht perfekt ist: Das Klimpern von doppelt gefrorenen Eiswürfeln in einem leeren Glas, makellose Models auf rostigen Rennrädern, die Untiefen des Internet, ein Lächeln mit Zahnlücke, ein Graffiti auf einem ICE, ein hängengebliebenes Youtube-Video mit Drop Outs und natürlich Uli Hoeneß.

Bitte beschreibe mal einen typischen Arbeitsprozess an einem Kunstwerk, von der Idee bis zur Fertigstellung.

Den typischen Prozess gibt es nicht. Da ich momentan mit sehr unterschiedlichen Techniken arbeite. Grundsätzlich gehe ich jedoch immer sehr intuitiv vor. Es gibt nie einen vorher festgelegten Masterplan, sondern nur viele einzelne Elemente, die irgendwie kombiniert werden müssen. Meine Aufgabe ist es, Struktur in das Chaos zu bringen, die passenden Schnittstellen zu finden und die Sachen in der richtigen Reihenfolge zu verbinden. Irgendwann fügen sich dann alle Einzelteile zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

Wie hat sich denn deine Kunst entwickelt, seit du angefangen hast?

Wie hat sich denn deine Kunst entwickelt, seit du angefangen hast?

Welche Rolle spielt München als Schaffensort?

Ich bin in München geboren und aufgewachsen. Ich mochte die Stadt schon immer und habe hier alles, um kreativ sein zu können. Meine Arbeit hat jedoch wenig regionalen Bezug, daher wäre mir das vermutlich mit jeder anderen Großstadt auch so gegangen.

Wie viel Zeit verbringst du gegenwärtig mit der Kunst?

Da ich ja ausschließlich künstlerisch arbeite ist das ein Full-Time-Job. Momentan nimmt die bildende Kunst sicher 50% meiner Zeit in Anspruch, das Schreiben dann weitere 30% und die Regiearbeit habe ich momentan auf 20% runter gefahren. Da ich allerdings gerade mein erstes Videokunstprojekt plane werden die Zahlen schon bald wieder anders aussehen.

Was treibst du, wenn du keine Kunst machst?

Um abzuschalten gehe ich oft laufen. Ansonsten schaue ich mir jedes Spiel des FC Bayern an oder ich stehe in der Küche und optimiere die Einschneide-Technik meiner selbst gemachten Baguettes.

Ist es dir wichtig, wie Menschen auf deine Kunst reagieren?

Ein bisschen Respekt vor der Kunst wäre nett. Ansonsten gehe ich mit Feedback pragmatisch um. Ich freue mich über positive oder konstruktive Kommentare und negatives Feedback geht mir am Arsch vorbei, weil die Menschen offensichtlich keine Ahnung haben.

Welche Reaktion auf deine Kunst hat dich am meisten beeindruckt?

Über Umwege landete mein erster Kurzfilm „Big Gringo Pumpup“, in dem es um die Beziehung eines Mannes zu seiner Gummipuppe geht, an der L.A.-Filmschool. Die wollten den Film dann unbedingt in ihr Archiv aufnehmen, aber sie wussten einfach nicht, in welches Genrefach sie die DVD packen sollten. Sie haben dann eigens für mich das Genre „European Trash“ eingeführt. Das fand ich doch äußerst beeindruckend.

Wie schwer fällt es dir, dich von einem Kunstwerk zu trennen?

Nichts leichter als das. Fertige Kunstwerke müssen raus aus dem Atelier.