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Be part of the art

Julia Kristin Pittasch

Künstlerin aus Rostock

Die Bilder von Julia Kristin Pittasch aus Rostock sind von geometrischer und farblicher Klarheit geprägt. Meer, Wind und Wellen sind Einflüsse, die in ihrem Schaffen eine Rolle spielen.

 
„Für mich ist Kunst Ausdruck von Freiheit.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Martin Börner, www.martinbörner.de

Interview

Du lebst zur Zeit in Rostock und in Hamburg. Welchen Einfluss haben diese Städte auf deine Kunst?

Ich bin nach dem Abitur zum Studium nach Hamburg gegangen. Hamburg ist eine tolle Stadt, aber Rostock ist meine Heimat. Die Welt ist hier noch langsamer, einfacher. Wie Bismarck schon gesagt haben soll: „Wenn die Welt untergeht, so gehe ich nach Mecklenburg, denn da geschieht alles 50 Jahre später.“ Für mich bedeutet das, dass ich hier zu mir kommen und durchatmen kann. Übrigens im wahrsten Sinne des Wortes, denn den Einfluss von rauschendem Meer, Wind und Wellen auf meine Kunst kann ich wohl auch nicht verleugnen ...

Als Kind hattest du Schauspielauftritte unter anderem im Tatort und in einem Kinofilm mit Dennis Hopper. War es damals dein Traum, Schauspielerin zu werden?

Ich war schon als Kind am Theater und im Kinderchor. Dort wurde ich eher zufällig „entdeckt“ und mit nur 6 Jahren für den ersten Film gecastet. Das war eine aufregende Zeit mit vielen neuen Erlebnissen und ich habe das wirklich gern gemacht. Aber irgendwie stand ein Schauspielstudium für mich später nie zur Debatte. Vielleicht, weil ich eigentlich auch gar nicht so gern im Mittelpunkt stehe.

Bitte erzähl’ uns etwas von deinem Werdegang, wie du zur Kunst gekommen bist.

Ich habe wirklich schon immer gezeichnet. Als Kind habe ich ganze Welten aufs Papier gebracht, jede Menge Comics gemalt und Geschichten dazu geschrieben. Und trotzdem war es beruflich für mich zuerst keine Option, Künstlerin zu werden. Ich bin wirtschaftlich und politisch sehr interessiert und wollte auch zu solchen Themen mehr erfahren. Aber als ich dann in den Vorlesungen saß, habe ich nebenbei immer gemalt. Eines Tages hat eine Professorin mitbekommen, dass ich meinem A3-Block deutlich mehr Aufmerksamkeit als ihr widme. Aber sie hat mich nicht aus der Vorlesung geworfen, sondern meine erste Einzelausstellung in Hamburg besucht und ein Bild von mir gekauft. Das war eine der Situationen, die mir den Mut gegeben haben, es mit der Kunst aufzunehmen.

Was bedeutet Kunst in deinem Leben?

Für mich ist Kunst ein Ausdruck von Freiheit. Und ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch. Natürlich gibt es noch andere Dinge neben der Kunst, die mir wichtig sind. Aber ein paar Stunden hinter der Leinwand sind anders als alles andere. Malen ist sehr erfüllend. Ich kann mich komplett fallenlassen und darin aufgehen. Frei sein und mithilfe von Farben und Formen all das sagen, was mich bewegt.

Gibt es ein Erlebnis oder einen Moment in deiner bisherigen künstlerischen Laufbahn, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es sind viele kleine Momente, die es ausmachen. Als ein guter Freund völlig spontan ein paar Stunden Fahrt auf sich genommen hat, um bei meiner ersten Ausstellung für die musikalische Untermalung zu sorgen. Dass meine Mutter meine Bilder am liebsten alle selbst kaufen würde. Oder wenn fremde Menschen auf einer Messe oder Ausstellung vor einer meiner Zeichnungen hängenbleiben und minutenlang die kleinen Details anschauen. So etwas bleibt mir in Erinnerung.

In welchem Gemütszustand bist du am kreativsten?

Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Kunst ist für mich sehr emotional und leidenschaftlich. Mit vielen Bildern verbinde ich bestimmte Erlebnisse und Gefühle. Es steckt extrem viel von mir in den Bildern. Vielleicht kann man sich das so vorstellen wie mit der ersten großen Liebe. Wenn man 15 ist und alles so unglaublich schön ist und dann wieder so unglaublich weh tut. Ja, Künstler sein ist wie verliebt sein als Teenager.

Wie entstehen die Ideen zu deinen Kunstwerken?

Die fallen vom Himmel, ehrlich. Ich habe das selbst schon versucht zu verstehen, aber meistens überkommt es mich einfach in den wildesten Situationen und ich will plötzlich etwas ausprobieren. Oder nachts kurz vorm Einschlafen. Aber wahrscheinlich bin ich dann in Wirklichkeit nur schon so müde, dass ich diese Ideen für besonders toll halte ...

Wie sieht dein Arbeitsprozess aus und welche Techniken setzt du ein?

Es gibt eigentlich keinen einheitlichen Prozess. Ich mache auch nur selten Skizzen. Die Ideen schwirren mir im Kopf herum und dort entsteht auch das Bild. Auf dem Papier oder der Leinwand wird es dann umgesetzt. Ich male viel mit Acrylfarbe auf Leinwand, zeichne aber auch gern mit Stiften oder Tusche und Feder auf Papier. In letzter Zeit sind einige Drucktechniken dazu gekommen, besonders den Siebdruck mit seinen Verschiebungen finde ich sehr reizvoll. Wenn man von einem Druck spricht, wird das oft als nicht so wertig angesehen wie bei anderen Techniken. Aber tatsächlich ist ein vielfarbiger Siebdruck sehr aufwendig und jedes einzelne Exemplar der Auflage ist etwas anders und ein Unikat.

Wir haben kein Bild von dir gefunden, in dem kein Auge zu sehen ist. Oft stehen Augen im Mittelpunkt deiner Gemälde. Jetzt mal unter uns: Was hat es mit den Augen auf sich? Warum sind sie so wichtig für dich?

Das stimmt, Augen kommen in vielen Bildern vor. Es geht aber nicht um das Auge an sich. Das Auge ist eher sinnbildlich zu verstehen. Für mich ist Freiheit ja ein großes Thema. Sowohl der Wunsch nach Freiheit als auch die Einschränkungen der Freiheit. Insofern kann ein Blick in die Ferne zum Beispiel die Sehnsüchte des Einzelnen symbolisieren. Ein offenes Auge kann auch für Aufgeschlossenheit und Entschlossenheit stehen. Andererseits können auch viele Augen auf einen gerichtet sein, sodass das Auge als Symbol für den kritischen Blick von außen dient, für die Bewertung und die Beurteilung durch die Gesellschaft.

Eines deiner Bilder heißt „Weniger ist Meer“. Du arbeitest mit einer begrenzten Anzahl an Farben und hohen Kontrasten, was deinen Bildern eine Comic- oder Pop-Art-Erscheinung gibt. Ist ein Weniger an Farben für dich mehr? Und warum?

Über zu wenige Farben hat sich bei mir bisher wirklich noch niemand beschwert. (lacht) Nein, mal ehrlich, viele der Motive kommen mit einer klaren, kontrastreichen Farbgebung einfach am besten zur Geltung. Vielleicht passt diese Klarheit auch ganz gut zu mir als Person. Aber es muss nicht immer so laut und farbig sein, ich zeichne auch gern ganz in Schwarz-weiß. Es kommt immer auf die Art des Bildes und den Kontext an.

Wie hat sich denn deine Kunst entwickelt, seit du angefangen hast?

Die Themen verändern sich natürlich mit der Zeit. Außerdem habe ich Phasen, in denen alles groß und laut und bunt sein muss, und dann wieder ruhige Phasen, in denen ich viel zeichne und eher nachdenkliche Werke entstehen. Ich probiere auch gern neue Techniken aus und bin sicher, dass sich meine Arbeiten immer wieder weiterentwickeln und verändern werden. Wobei man so eine grundsätzliche Prägung wohl beibehält ...

Hast du Vorbilder aus den Bereichen Comic und Pop-Art? Oder sonstige künstlerische Vorbilder?

Es gibt viele tolle Persönlichkeiten und auch viele Bilder, an denen ich mich nicht sattsehen kann. Ich liebe zum Beispiel Chagall. Aber wirkliche Vorbilder habe ich nicht. Auch wenn meine Malerei manchmal der Pop Art oder auch Urban Art zugeordnet wird, mag ich diese Schubladen eigentlich nicht. Pop Art widmet sich auch thematisch oft ganz anderen Dingen. Wenn ich ehrlich bin, versuche ich sogar eher Abstand zu bekannten Künstlern und Werken zu nehmen als mich daran zu orientieren. Wie gesagt, Kunst ist für mich Freiheit. Und ich möchte gern ganz frei meinen Intuitionen folgen und meine Bilder so malen, wie sie aus mir kommen. Zu viele andere Eindrücke und der Vergleich mit anderen Künstlern schränken mich da eher ein.

Wie wichtig ist dir die Wirkung deiner Werke, wenn sie dann fertig sind?

Ich male schon immer einfach „aus mir heraus“ und nicht wegen der Wirkung. Aber natürlich liegt es mir trotzdem am Herzen, wie meine Bilder wahrgenommen werden. Es freut mich, wenn meine Bilder den Betrachter einfangen. Vielleicht eigene Sehnsüchte oder Gedanken widerspiegeln. Und ich wünsche mir, dass der ein oder andere Betrachter vielleicht auch versucht, hinter die Fassade zu schauen. Und nach dem ersten Eindruck noch mal einen zweiten Blick darauf wirft.

Was machst du, wenn du nicht malst?

Dann frage ich mich meistens, wann ich wieder Zeit zum Malen habe. Ich reise aber auch gerne und viel, lerne neue Kulturen und vor allem neue Menschen kennen. Und neue Farben. Künstlerisch hat mich dabei sicherlich Indien am meisten beeindruckt. Das Land bietet viele, nicht immer gute, Gegensätze. Aber alles erscheint dort so viel bunter als hier. Und irgendwie sieht es manchmal so aus, als sei das ganze Land in so einen gelben oder orangefarbenen Vorhang gehüllt. Das Licht ist einfach ganz besonders. Ja und dann male ich auch schon wieder ...

Wie viel Zeit verbringst du mit der Kunst?

Das ist ganz unterschiedlich. In manchen Phasen kann man mich kaum von der Leinwand weg bekommen. Dann bin ich wirklich ganz „drin“ und alles andere scheint nur zu stören. Aber manchmal kann so ein bisschen Außenwelt und Abstand auch gar nicht schaden, um wieder eine neue Perspektive auf die Dinge zu bekommen.

Könntest du dir etwas anderes vorstellen, das dich ähnlich ausfüllt?

Nein, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Ich habe mich ja immer für das große Ganze interessiert, was hinter den Dingen steckt. Ich habe darüber geschrieben, mich engagiert. Doch die Worte konnten nicht alles sagen, es waren immer die Farben.

Was war dein schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Wie gesagt, es sind oft die kleinen Dinge. Ich traue mich gar nicht, das zu sagen. Aber für mich sind die Tage beim Großhändler für Künstlerbedarf grundsätzlich großartig. Dann fühle ich mich wie ein Kind im Disneyland.