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Be part of the art

Donja Rahimzadiany (augenlust)

Künstlerin aus Berlin

Donja Rahimzadiany ist POP-Art-Künstlerin aus Berlin. Mit ihren artworks erschafft sie Parallelwelten, die eine große Bandbreite an Emotionen bei der Künstlerin selbst und beim Betrachter erwecken. Wir sprachen im Interview mit ihr über ihre Liebe zu der Stadt, ihre exotischen Wurzeln, wie sie zur Kunst gekommen ist (oder war es eventuell andersrum?) und weshalb sie sich als „Künstlerin mit Zukunft" bezeichnet (absolut zu recht, wie wir meinen).

 
„Ich kreiere Bilder, um mich selbst zu überraschen“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Swantje Neubohn, www.swantjeneubohn.de

Interview

Dein Nachname lässt auf exotische Wurzeln schließen. Was machst du in Berlin?

Ich bin Berlinerin! Und da Berlin nun mal der einzige Platz ist, das System in Deutschland zu ertragen, häng ich hier ab. Leider entwickelt sich Berlin zu einer Sackgasse. Es hat nur das Image von Absprung. In jeglicher Hinsicht wird alles vom Marktwert „Geld“ geleitet. Ich müsste zu den Obersten in der Rangreihe gehören, um mich mit meiner Kunst wirklich ausleben zu können. Generell habe ich Fluchttendenzen. Ich fühle mich begrenzt, gelangweilt und unausgelebt. Aber ich erkenne, dass es egal ist, wo ich lebe, es ist ein innerer Prozess – die äußere Flucht bietet kein Wachstum. Also bleib ich, halte aus und bitte meine Spirits um Zeichen, wie es weitergeht.

Mein Nachname ist persisch. Mein Dad ist aus City-West mit einer Vorliebe für DDR-Frauen. So kam er immer über den Checkpoint Charlie und schwängerte den ganzen Prenzlauer Berg. Mein Vorname bedeutet, vom Persischen ins Deutsche: Welt; poetisch: Galaxie.

Du bist nun seit 1999 tätig als Künstlerin. Wie ist es dazu gekommen und was ist seitdem so passiert?

Photoshop kam zu mir. Computeraffin war ich schon immer. Meine Neugierde führte mich; ließ mich spielen und entdecken. Allerhand Experimente probierte ich, um mir eine Existenz aufzubauen. Magnete, Taschen, Lampen und all den ganzen Kram. 2011 habe ich dann entschieden, eine solide Basis zu erschaffen, um mich selbst ernst nehmen zu können. Ich habe mir alle Unterstützung von außen geholt, um aus diesem Wunsch die größtmögliche Schöpferkraft fließen lassen zu können. Inzwischen bezeichne ich mich als „Künstlerin mit Zukunft“. Das ist mein Beruf – obwohl ich es nie sein wollte. Ich akzeptiere, dass darin mein größtes Potenzial liegt.

Was macht deine Arbeit einzigartig?

Was ich erschaffe, hat nichts mit der Realität zu tun. Soll es auch gar nicht. Eine Tragödie? Ich nutze Fragmente, Elemente und Bausteine und erschaffe eine Parallelwelt, um mich darin emotional angenommen und geborgen zu fühlen. Manche mögen das als realitätsfern bezeichnen. Gar als Illusion. Damit bin ich einverstanden.

In erste Linie kreiere ich die Bilder, um mich selbst zu überraschen. Um ein Abenteuer zu erleben. Um mit den Elementen eine Affäre einzugehen; mich in Leidenschaft und Ekstase dem Gestalten von etwas Schönem, Einmaligem hinzugeben. Dies bringt mein Innerstes zum Tanzen, schenkt mir das Gefühl des Verliebtseins und eröffnet die Möglichkeit, Ungelebtes erfahrbar zu machen, und soll einladen, das Unerwartete zu entdecken.

Auf deiner Homepage sprichst du kurz vom Berliner Nachtleben und der Rolle deines Vaters darin. Erzähl uns doch, inwiefern dies deine Kunst beeinflusst hat.

Tja, also ich wünschte mir auch immer einen Harem voller Frauen. Er hat eine Möglichkeit davon gelebt, indem er eine „Champagnerbar“ betrieben hat. Voll mit Abgründen – aber von langer Beständigkeit. Ich sehe mich in seiner Rolle, nur in weiblicher Form und spirituellem Kontext. Das habe ich mir in Form eines digitalen Privatklubs mit „augenlust“ ermöglicht. Ein ganzer digitaler Harem, voller eigener Abgründe und Anteile transformiert in Licht, Liebe und Reinheit. Eine sauberes Business, ohne dass meine Seele und andere Schäden nehmen.

Nenn mir 3 Künstler, die dich beeinflussen.

Ich habe keine Einflüsse und erkenne auch keine. Es gibt niemanden, der die Dinge so macht wie ich. Ich habe alles selbst erfunden. Alles, was ich bin, verdanke ich mir selbst – weil ich mich dafür entschieden habe.

Wenn man deinen Namen googelt, findet man ein Profil auf der Musikplattform Soundcloud. Komponierst du selbst Musik?

Die Komposition von Klängen, Tönen und Schwingung erinnert mich an die Tiefe meiner inneren Klangwelt. Meine Bilder sind meine innere Melodie. Mal ein Klavier und mal eine mächtige Bassline, mal beides in einem. Die Sounds werden zur Farblandschaft und treiben den Entstehungsprozess eines Artworks voran.

Musik enthält also einen elementaren wichtigen Bestandteil. Nein, ich komponiere nicht selbst. Wobei ich öfter schon gedacht habe: im nächsten Leben! Musik bringt Emotionen direkt aus dem Herzen zu den Herzen. Musik braucht man nicht versuchen zu verstehen – es erlaubt einfach nur zu fühlen. Ich wäre eine großartige Komponistin – ganz bestimmt! Im Jetzt greife ich auf Macher zurück, die Musik als festen Bestandteil ihres Lebens leben.

Es gibt eine schöne gesprochene Soundline auf Soundcloud. Ich bin ganz kreativ einer Ansprache vor Publikum entgangen, indem ich sie entwickelt habe, um sie als Eingangssituation bei meiner ersten Ausstellungseröffnung in der Boutique Bizarre in Hamburg ablaufen zu lassen. Das Sounddesign hat SIKO umgesetzt. Mit ganz viel Magie und Tiefe. Ich musste erst mal laut lachen, als ich sie mir angehört habe. Dachte dann aber: Ja, das bin ich! Hör doch mal rein: https://soundcloud.com/donja-rahimzadiany/searching-for-the-unexpected

Erklär mir den Begriff „Augenlust“.

In meiner Vorstellung spiele ich an den Reglern eines Mischpults, und schiebe und schiebe und schiebe das Artwork voran. Diese Energie lässt mich reisen – durch meine Neugier, Fantasie und Ekstase. Ich suche das Unerwartete. Und ich finde es nicht. Aber plötzlich übernimmt das Motiv die Führung über mich und begleitet mich zum finalen Mix. Meine „augenlust“ ist bedient, mein Herz erfüllt und die Farbpracht im Bild ist der Sound in mir – fühlbar.

Was tust du, wenn du grad nicht an deinen Werken arbeitest?

Dreaming without sleeping ... auf der Suche nach dem Unerwarteten ...

In welchem Gemütszustand bist du am kreativsten?

Im Schmerz und in der Liebe gleichermaßen. Im gleichen Moment. Es ist eins in mir. Ich bin dann oft überfordert von der Intensität, so zu empfinden. Dann schreib ich ganz persönliche geheime Dinge runter. Finde die schönsten Worte, meinen Schmerz zum Ausdruck zu bringen. Ich mache weiter und führe mich dazu, mich zu erinnern, wie viel Licht und Liebe ich in mir trage – die ich unbedingt teilen will. Daraus entsteht dann etwas Neues, Anderes, Überraschendes.

Wäre ein Leben ohne Kunst lebenswert?

Momentan lebt die Kunst von mir. Ich wünschte mir oft, die Kassiererin bei Penny an der Kasse zu sein. Normal. Aber mein Spirit lässt mich diesen Weg der Künstlerin gehen. Es ist Fluch und begrenzte Freiheit in einem und dennoch die größte Freiheit, gesellschaftspolitisch gesehen.

Wenn ich mich zwischen digitaler Kunst und echtem Leben entscheiden dürfte, würde ich mich für das echte Leben entscheiden. Echte Emotionen teilen, durch Reflexion wachsen, Wünsche bündeln und in Magie freisetzen. Partnerschaft – die Kreativität und Kunst darin ausleben. Ich habe die Erfahrung machen dürfen – für eine Zeit. Sehr erfüllend.

Meine letzte Erfahrung lässt mich erkennen, dass ein echtes Gegenüber mir dafür noch nicht zur Verfügung gestellt wurde. Ich bitte um Balance. Ich bitte um Führung für den Durchbruch in die echte Freiheit. Das bedarf Geduld, Vertrauen und Kreativität.

Nein. Ein Leben ohne Kunst – impossible! Die Kunst ist mein einziges Gegenüber, das mich bedingungslos sein lässt, um das schönste Potenzial der Schöpferkraft zum Vorschein zu bringen.

Irgendwie eine Tragödie: Nichts ist real. Das Auge sieht analog. Das Ohr hört analog. Das Wort ist analog. Die Sehnsucht ist analog. Die Fantasie analog und realitätsfern; die Technik und der emotionale Output digital ... Der Widerspruch in sich. Die Stimme meines Herzens führt mich durch den Tunnel ans Licht.

Erzähl mir etwas über deine Technik. Wie entstehen deine Werke?

Meine Technik ist die Sehnsucht getriggert von meiner „augenlust“ ausgelebt in digitalen Applikationen.

Was war dein schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Der Moment, wenn das Artwork fertig ist und ich tiefe Liebe, Faszination und Befriedigung empfinde.

Der Moment, als eine große Gruppe dem Führer mit einem Nicken zustimmte, als er zu mir sprach: „Vergiss alles, was du glaubst zu sein. Du bist nur eines: Künstlerin!“ Dieser Mann hat mich also auf die Ebene des Künstlerdaseins gesetzt und mich auf diesen Pfad geschickt. Ich vertraue dem, was er ausgereift schon vor Augen hat.

Der Moment, als der Fallmanager vom Jobcenter zu mir sprach: „Sie sind Künstlerin! Sie sind es einfach! Der Champagner ist zum Greifen nahe!“, als ich berichtete, dass drei Artworks für fast 15.000 Euro vertickt wurden. Ich habe somit die härteste Institution Deutschlands überzeugt.

Was sind deine Erwartungen bei der Zusammenarbeit mit ARTvergnuegen?

Vereint ideellen Nutzen und materiellen Luxus, damit die Kunst nicht von mir lebt, sondern ich von der Kunst!