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Be part of the art

Winston Torr

aus Berlin, Deutschland

Winston Torr lebt seit einiger Zeit in Berlin, eine, wie er sagt, unglaublich graue Stadt die vor Leben nur so sprüht. Seine Collagen bestehen unter anderem aus zerrissenen Magazinen und Zeitungen. Er zerstört so „die falschen Auffassungen der Menschen“ und setzt sie in neue Zusammenhänge.

 
„Als Kind wollte ich Pirat und Archäologe werden. Oder Chocolatier.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Denise van Deesen, www. denisevandeesen.com

Interview

Du benutzt Zeitungen und Magazine, um daraus Kunst zu machen. Was ist das Besondere an diesem Arbeitsmaterial?

Ich benutze Zeitungen und Magazine, um zu kommentieren, was in unserer Gesellschaft täglich gelesen wird. Die meisten Leute glauben, was sie lesen, solange es publiziert wird. Die meisten Leute glauben auch, dass die Bilder in Beauty- und Modezeitschriften echt sind. Jeden Tag fallen Leser auf digitale Retusche rein. Ich nehme diese perfektionierten Körperteile und mache Masken aus meinen Gemälden. Was ich sehr interessant an meinen Collagen finde: Ich entdecke jeden Tag etwas Neues in ihnen.

Was genau passiert mit einer Zeitung oder einem Magazin, wenn du Kunst daraus machst?

Ich mag es, diese Zeitungen und Magazine in Einzelteile zu zerreißen und dadurch die falsche Auffassung zu zerstören, die die Menschen haben. Sie werden dadurch Teil meiner eigenen Welt, was ganz schön heftig sein kann.

Wie lange arbeitest du normalerweise an einem Werk?

Ich würde sagen, eine oder zwei Wochen, kommt auf die Größe an. Manchmal auch Monate und Jahre bei größeren Werken.

Was wolltest du als Kind gerne werden?

Als Kind wollte ich Pirat und Archäologe werden, die Welt entdecken und Spuren unserer Geschichte finden. Außerdem wollte ich noch Konditor und Chocolatier werden. So lang ich zurückdenken kann, habe ich immer gemalt und gezeichnet. Also selbst wenn ich Pirat wäre, würde ich irgendwie an Bord malen. Oder wenn ich Archäologe wäre, würde ich Skulpturen aus den historischen Überresten machen. Als Konditor oder Chocolatier würde ich jedes Dessert einzigartig aussehen lassen.

Was war deine erste bewusste Begegnung mit Kunst?

Das war im Kindergarten, wo die Kinder Buchstaben, Formen und Bilder aus zerbrochenen Minisalzbrezeln formen sollten. Ich benutzte viele Kilo Brezeln, um ein Minischiff zu bauen, das ich als Pirat besitzen wollte.

Wie hast du dich als Künstler entwickelt?

In meinen frühen Jahren habe ich viel Zeit allein mit Zeichnen, Malen und Schreiben verbracht. Das war alles, was ich tun wollte. Ich habe nicht viel Führung bekommen auf dem Weg zum Künstler. Ich wurde einfach allein gelassen, um zu tun, was ich wollte. Es war nie geplant. Es ist einfach geschehen.

Du bist ist Toronto, Kanada geboren und in Los Angeles, USA aufgewachsen. Was hat dich nach Berlin verschlagen?

Ich war auf Rucksackreise durch Europa und fand, dass Berlin so ziemlich die Stadt war, in der man ausspannen und seinen Horizont erweitern konnte. Ich hatte auf der ganzen Welt noch nie so eine graue Stadt gesehen, praktisch das ganze Jahr über! Aber dennoch: Berlin wächst und gedeiht mit so einer Energie. Eine Stadt, die nie schläft! Diese Elektrizität hat mich sofort angezogen.

Bitte beschreib mal die Rolle, die Berlin für deine Kunst und Kreativität spielt.

Ich bekomme eine Menge Inspiration durch Freunde, die auch Künstler aus allen Teilen der Welt sind. Berlin hat so viele Galerien, und so sehr ich es mag, Kunst und Künstler in Berlin zu unterstützen, so sehr mag ich es auch, über künstlerische Prozesse zu lesen. Berlin ist eine großartige Stadt, um zu lernen, zu experimentieren und sich die Zeit zu nehmen, als Künstler zu wachsen. Die Stadt hat mich als Künstler richtig ausbalanciert und dazu gebracht, dass ich härter für meine Ziele arbeite.

Ist Künstler sein in Deutschland anders als in den USA?

Ich glaube nicht. Das einzige, was mir einfällt, ist, dass sich die Umgebung ändert. Und das kann die Art, wie ein Künstler arbeitet, beeinflussen.

Wer und was inspiriert dich?

Wenn ich in Berlin herumlaufe, ist da so viel Dreck auf den Straßen. Das macht die Stadt ganz roh und real für mich und ich fange an, Kunst zu sehen, die von Mutter Natur und den Menschen auf unbewusste Weise geschaffen wurde. Zum Beispiel entsteht durch Plakate, die jahrelang von Menschen übereinander geklebt wurden, ein dicker, stabiler und verwitterter Stapel, der manchmal 50 cm von der Wand absteht. Über die Jahre verändern Wind, Sonne, Regen und Feuchtigkeit die Textur dieser Plakate. Eine Stapel geklebter Plakate wird runzlig, löst sich an den Ecken voneinander und wird schwach, aber kriegt es dennoch hin, zusammenzubleiben. Ich finde das charmant. Es inspiriert mich, meine Collagen zu erschaffen.

Welche notwendigen Zutaten brauchst du, um als Künstler produktiv zu sein?

Ruhe, Musik, natürliches Licht, Raum, Duft, Formen, und ein Riesendurcheinander machen, das sind meine notwendigen Zutaten, um als Künstler produktiv zu sein.

Wie entstehen deine Kunstwerke? Bitte beschreib den Prozess.

Es gibt unterschiedliche Wege, auf denen meine Kunstwerke entstehen. Eines, was ich nie tue, ist planen. Manchmal bitte ich Freunde, für mich Modell zu stehen. Andere Male erschaffe ich einfach etwas aus den Bildern, die ich in meinem Kopf verarbeite. Wenn ich zum Beispiel eine Maskencollage erschaffe, male ich die Form des Gesichts zuerst mit Acrylfarbe und lass sie trocknen. Dann reiße ich mich durch Magazinseiten, finde kleine Artikel, Farben, Objekte und Umgebungen, die ich als passend empfinde. Ich klebe sie dann direkt impulsiv auf die Leinwand oder das Holzbrett. Ich lasse das Werk trocknen und schichte später weiter. Der ganze Prozess kann Tage bis zu Wochen dauern und manchmal Monate, je nach Größe. Ich arbeite oft an verschiedenen Werken auf einmal und manchmal entscheide ich mich, auf die Collagen zu malen, um die Dimension zu erweitern.

Haben die Gesichter und Körper, die du erschaffst, reale Gegenstücke?

Manchmal bitte ich Freunde, für mich Modell zu stehen oder ich lasse mich von anderen Dingen inspirieren, die ich im Leben sehe.

Wie verwandelst du sie in Kunst? Bitte beschreib mal die Metamorphose.

Ich sehe ein Gesicht in Schichten, als Ganzes und auch als seine Teile: Zelle für Zelle, Pore für Pore, jede Falte, die Höhe der Stirn, der Schnitt der Kieferlinie, Wangenknochen, Halslinie, Form der Augen, Ohren, Lippen und Nase. Hiervon gehe ich aus und breche das, was ich sehe, herunter auf Farbkombinationen, Formen, Winkel, Linien, Licht und Schatten. Ich sammle all diese Informationen in wenigen Minuten und beginne den künstlerischen Prozess.

Wie viel Zeit verbringst du mit deiner Kunst?

Ich würde sagen, ich verbringe durchschnittlich 40 bis 60 Stunden pro Woche mit meiner Kunst.

Ist es schwer für dich, dich von einem fertigen Kunstwerk zu trennen?

Ja.

Wie sehr magst du es, über Kunst zu reden?

Ich liebe es, über Kunst zu reden.

Wie wäre das Leben ohne Kunst?

Ein Leben ohne Kunst wäre wie ein Raucher ohne Zigaretten.