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Be part of the art

Marianne Borchard

Künstlerin aus Münster, Deutschland

Seit ihrer Schulzeit widmet sich Marianne Borchard der Malerei und hat ihr künstlerisches Schaffen schrittweise immer weiter intensiviert. „Malen ist ein physischer und psychischer Kraftakt für mich“, sagt sie, „ein ständiges Hin und Her von Farbe und Reaktion.“

 
„Ich führe beim Malen einen Dialog mit der Farbe“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Marie Monecke, www.marymoretti.de

Interview

War es schon früh dein Traum, künstlerisch zu arbeiten?

Ich bin eigentlich schon kreativ, so lange ich denken kann. Das ist wohl so meine Natur. Gemalt habe ich schon seit der Schulzeit und wurde dabei von einer besonderen Lehrerin dazu ermutigt.

Wann und warum hast du dich entschieden, dich der Kunst zu widmen?

Vor 25 Jahren habe ich mich intensiv der Malerei gewidmet. Alles begann mit einem Aquarellkurs, aus dem dann später eine freie Künstlergruppe entstand. Ich wollte zu damaliger Zeit immer mehr über weitere Techniken und Möglichkeiten erfahren, um mich in meiner Malerei auszudrücken.

Also begann ich damit, Kunstbücher zu studieren und mich bei Künstlern in unterschiedlichen Techniken ausbilden zu lassen. Nur wenn man die Techniken beherrscht, kann man später auch seinen Weg für seinen eigenen künstlerischen Ausdruck finden.

Natürlich habe ich lange Jahre realistisch gemalt. So, wie eigentlich alle Maler beginnen. Allerdings nie fotoreal. Es war wohl immer schon ein besonders lockerer Strich – meine Mentalität – in meinen Bildern zu erkennen.

Du erschaffst auch Collagen und Assemblagen aus Naturmaterial und Abfallprodukten – wie findest du dein Material?

Auf meinem Weg zu meiner heutigen Kunst begann ich auch zu experimentieren, indem ich verschiedene Techniken miteinander verband und malfremdes Material in die Bilder einbezog. Das Material hierzu habe ich an ganz unterschiedlichen Orten gefunden: in der Natur, aber auch im Abfall, auf der Straße oder sonst wo. Was immer an Gegenständen meine Inspiration anregte, nahm ich mit, um es irgendwann bildnerisch zu verwenden. Da ist es gut, wenn man auf einen großen Fundus zurückgreifen kann.

Wie hast du deinen Stil entwickelt?

Es kam für mich ein Zeitpunkt, an dem ich erkannte, ich möchte mich weiterentwickeln und meine Arbeit professionalisieren. 2010 hatte ich die Möglichkeit, nach bestandener Aufnahme in Bochum am IBKK Kunst zu studieren. Ich absolvierte erfolgreich die erforderlichen 6 Semester des Kunststudiums, besuchte anschließend mehrere Semester die Meisterklasse und beendete das Studium 2015 mit dem Diplom in Freier Malerei und Grafik. Das intensive Auseinandersetzen mit der Kunst während des Studiums in praktischer, aber auch in kunsthistorischer Hinsicht hat mich und meine Arbeit positiv beeinflusst. Es hat mein Leben bereichert und mich zu meinem heutigen Stil gebracht, das kann ich wohl sagen. Ich lernte während dieser Zeit intensiv alles über Malerei und viele mir bis dahin unbekannte Maler und ihre Arbeitsweisen kennen.

Gibt es andere Künstler, die dich inspirieren?

Ja, besonders die Kunst der beiden leider bereits verstorbenen Maler und Wegbereiter des Deutschen Informel Bernard Schultze sowie Fred Thieler faszinieren mich. Allerdings habe ich sie erst zum Schluss des Studiums entdeckt, als ich meinen Malstil bereits gefunden hatte. Die Kunst der beiden genannten Maler ist für mich Inspiration – also Anschub – für eigenes Schaffen. Mir gefallen die Farbigkeit der Bilder des einen und die angewandte Technik des anderen. Ich empfinde besonders mit diesen beiden Malern eine Seelenverwandtschaft und versuche, so oft sich die Gelegenheit bietet, Originale von ihnen zu sehen. Vor einiger Zeit konnte ich ein ganz kleines Bild von Bernard Schultze erwerben. Das war ein besonderer Glücksmoment für mich.

Wie würdest du deinen heutigen Stil mit eigenen Worten beschreiben?

Meine eigenen Bilder heute entstehen ganz aus der Farbe heraus, ohne dass ich vorher eine konkrete Vorstellung habe, wie das Bild später aussehen soll. Das Bild entsteht sozusagen während des Malprozesses. Es ist ein Dialog mit der Farbe, den ich beim Entstehen eines Bildes führe.

Ich eröffne diesen Dialog, indem ich eine von etwa 3 bis 5 vorher ausgesuchten Farben auf die Leinwand auftrage, je nach meiner Gestimmtheit an diesem Tag. Meistens geschieht das durch gestische Bewegungen mit dem Spachtel. Später folgen auf die Spachtelaufträge pastose oder lasierende Schichten anderer bereits ausgewählter Farben. Das geschieht auf der waagerecht liegenden Leinwand. Ich setze auch sehr verdünnte Farbe ein und muss wegen des langen Trocknungsprozesses oft lange auf ein Ergebnis warten. Allerdings führt die Farbe in ihrer Materialität und Beschaffenheit während dieses Prozesses auch ein Eigenleben, in das ich gegebenenfalls unmittelbar eingreifen muss. Es entstehen in dieser Phase oft wunderschöne Farbkonstellationen und Mischtöne. Ein Bewegen der Arbeit zu diesem Zeitpunkt würde sofort ein Zerstören gewisser, von mir als erhaltenswert erachteter Bereiche zur Folge haben. Erst, wenn alles ganz trocken ist, kann ich das Bild auf die Staffelei stellen, um die Komposition zu erarbeiten. Dazu zerstöre ich manchmal entstandene Bereiche, erhalte auf diese Weise aber auch neue, nicht vorhersehbare Elemente. Das ist stets ein sehr spannender und erregender Prozess.

Mein Bild sagt mir quasi, was es noch braucht. Es ist ein ständiges Hin und Her von Farbe und Reaktion auf die Farbe durch mich. Irgendwann merke ich, jetzt ist das Bild fertig. Dieser Zustand stellt sich immer ein, oft begleitet von einem Glücksgefühl, ich weiß nur vorher nicht, wann es sein wird.

Du beschreibst das künstlerische Schaffen als „Kraftakt“. Bitte erkläre mal.

Diese Art zu arbeiten, erfordert meine ganze Aufmerksamkeit und Energie. Sie ist stets auch ein physischer und psychischer Kraftakt für mich, von dem ich mich „nach getaner Arbeit“ regelrecht erholen und erst einmal den Kopf frei bekommen muss, auch um Abstand zu einer neuen Arbeit zu bekommen. Zunächst ist das fertige Bild noch einige Zeit „mein Bild“. Später gelingt es mir dann, die Arbeit mit „fremden Augen“ zu sehen. Was oft ganz heilsam ist. Aber meistens ist der von mir vorher gesetzte Schlussstrich – im wahrsten Sinne des Wortes – auch der bleibende Schlussstrich. Es gibt nicht allzu viele Arbeiten, die ich noch einmal verändere.

Auf deiner Website schreibst du, dass du dem zufälligen Fluss der Farbe Motive entlockst. Bitte beschreib einmal, wie so ein Kunstwerk entsteht.

Zu einem Zeitpunkt, als ich mich noch auf dem Weg zu meiner heutigen Malweise befand, war ich bemüht, aus den abstrakten Farbpartien sichtbare Motive herauszuarbeiten. Hierzu musste ich die Arbeit von allen Seiten intensiv betrachten und hatte oft das Glück, dass sich vor mir vage ein Motiv zeigte, für das ich die schon vorhandenen Farbpartien durch Verbinden oder Auslöschen bearbeiten musste. Es entstanden so oft Tiere oder Köpfe oder andere Motive. Heute vermeide ich dieses Konkretwerden bei meiner Malerei bewusst. Es soll allein die Farbe, verbunden mit Gestik und Haptik, sprechen. Dem Betrachter meiner Bilder lasse ich so Raum für eigene Interpretationen.

In welcher Stimmung und Umgebung musst du sein, um an deiner Kunst arbeiten zu können?

Ich benötige keine besondere Stimmung, um mit einem Bild zu beginnen. Aber wenn ich den Kopf nicht frei habe, weil mich andere alltägliche Dinge oder gar Sorgen beschäftigen, warte ich mit dem Malen lieber ab. Ich bin kein Mensch, der seine negative Stimmung in seinen Bildern verarbeitet.

Wie leicht fällt es dir, dich von deiner Kunst zu trennen?

Einige meiner Arbeiten hängen mir mehr am Herzen als andere. Diejenigen, die mir besonders wichtig sind, hänge ich gern bei mir zu Hause auf, zeige sie aber auch in Ausstellungen. Gibt es einen Interessenten, trenne ich mich auch von diesen Arbeiten, denn es entstehen ja wieder neue Bilder, die stets auch eine neue Herausforderung an mich bedeuten. Der Schaffensprozess ist das Erregende an meiner Arbeit. So folgt auf ein heutiges Lieblingsbild von mir evtl. bald ein neues, jetzt noch unbekanntes.

Welche Kunst hängt noch bei dir zu Hause?

An meinen Wänden sind auch Bilder von Künstlerfreunden und anderen Künstlern. Eben auch ein Bild von Bernard Schultze. Wir haben aber nicht nur Bilder, sondern auch Plastiken und Skulpturen zu Hause. Die Kunst umgibt uns sozusagen jeden Tag.

Brauchst oder suchst du den Austausch mit anderen Künstlern oder deinem Publikum?

Ich freue mich, wenn andere Menschen sich für meine Kunst interessieren, sie betrachten, aber auch erwerben wollen, um sie bei sich zu haben, und so ein besonderes persönliches Verhältnis zu ihr entwickeln.

Was war dein schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Besonders schön fand ich es bei meiner letzten Ausstellung in Münster, als ein Besucher, der von weiter entfernt eigens wegen meiner Ausstellung nach Münster kam, seiner Frau zu Hause von meinen Arbeiten erzählte und mit ihr dann noch ein zweites Mal die Ausstellung besuchte. Ohne dass die Dame wusste, dass mir die Maler Schultze und Thieler wichtig sind, erzählte sie mir, sie hätte vor Kurzem in Köln eine Ausstellung besucht, deren Bilder sie sehr berührt hätten, und meine Arbeiten erinnerten sie positiv an diese Ausstellung. Wie sich herausstellte, war es eine Ausstellung mit Werken von Bernard Schultze gewesen. Das war ein schönes Erlebnis für mich. Ich freue mich, dass die positive Ausstrahlung meiner Arbeiten auch für andere sichtbar ist. In solchen Momenten weiß ich, warum ich Malerin geworden bin. Es musste wohl einfach so sein. Ich habe meinen künstlerischen Weg ja auch kontinuierlich verfolgt und nicht aus dem Auge verloren. Das Kreative in mir hat sich durchgesetzt und gehört zu mir und meinem Leben. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, ohne Kunst zu sein.