Top
Kundenbereich schließen

Willkommen im Kundenbereich

Melde dich mit deinen Zugangsdaten an.

  • Unikate & limitierte Sondereditionen
  • Exklusive Kundenevents
  • Lieblingsartikel merken
  • Bestellungen & Daten verwalten
Be part of the art

Sabine Endres

Malerin und Bildhauerin aus Brühl/Köln, Deutschland

Sabine Endres ist Malerin und Objektkünstlerin. Ihre Malerei war zuerst da, sie ordnet sie mittlerweile dem Informel zu – die Bilder stehen für sich, jenseits von Begrifflichkeiten. Ganz figürlich hingegen ist ihre Objektkunst. „Die plastische Arbeit ist wie ein Spielfeld. Ich kippe meine Schrottkisten aus, finde interessante Teile und baue eine Persönlichkeit drumherum“, sagt die Künstlerin.

 
„Kunst ist so begrenzt oder unbegrenzt wie derjenige, der sie macht“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Dirk Behlau, www.thepixeleye.com.

Interview

Warst du schon als Kind künstlerisch interessiert?

Ja, allerdings habe ich das selber nicht als solches wahrgenommen. Ich war kreativ, experimentierfreudig, habe immer schon tiefere Zusammenhänge hinterfragt und früh handwerkliche Fähigkeiten wie Malen, Nähen und den Umgang mit Werkzeug gelernt, um Ideen umzusetzen. Ich hatte immer kreative „Projekte“.

Seit 2003 beschäftigst du dich ausschließlich mit der bildenden Kunst. Wie verlief dein Weg dorthin?

Ich habe nahtlos vom Kindes- und Jugendalter ins Erwachsenenalter hinein gemalt und richtig intensiv angefangen zu malen, als ich Anfang Zwanzig war. Das Künstlerische zum Beruf zu machen, hatte ich nie vor, das kam einfach so. Ich merkte, dass meine Arbeiten viel Anerkennung bekommen, es folgten Verkäufe, und irgendwann dachte ich: Vielleicht kann ich davon leben. Ich versuchte es dann, setzte meine ganze Energie und Zeit ein und machte nur noch Kunst. Bis dahin war ich 10 Jahre selbstständig und hatte ein Geschäft für Wohndesign. Allerdings stellte ich dort nie meine Malerei aus, das sah ich immer separat. Deshalb war es schon eine mutige Entscheidung, ich war damals alleinerziehend mit kleinem Kind, das musste auch finanziell klappen. Aber ich konnte und wollte es nicht anders entscheiden und es hat sich gelohnt. Ich führe jetzt einfach genau das Leben, was mir entspricht.

Du malst – und du erschaffst Plastiken und sogenannte Objektkästen. Welches davon spielt die Hauptrolle?

Mittlerweile ist beides gleichwertig. Die Malerei ist aber viel tiefer verankert. Es ist ein tiefes Bedürfnis zu malen und ich kämpfe mich bei jedem Bild durch Höhen und Tiefen im Arbeitsprozess. Es ist gleichzeitig ein Akt, der mich glücklich macht und zur Verzweiflung treiben kann, wenn ich nicht weiß, wie es weitergehen soll und ich mich dann durchkämpfe, immer und immer wieder aufs Neue, bei jedem Bild. Ein spannender und anstrengender Prozess. Am Ende bin ich dann manchmal erstaunt und froh zu sehen, wie viel Leichtigkeit, Freude und Lebendigkeit in mir zu finden ist und dass das alles sich in den Bildern ausdrückt.

Mit den Objekten habe ich angefangen, als ich 2009 eine lange Phase hatte, in der ich mit der Malerei nicht vorankam. An einem Sonntag beschloss ich, mein Gehirn einmal auf Neustart zu stellen und irgendwas völlig anderes zu machen, in der Hoffnung, dass es dann wieder weitergeht mit dem Malen. Es hatten ja keine Geschäfte auf, also nahm ich alte Pinsel und Kleinschrott und fing an, im Atelier zu bauen und zu spielen. So entstanden die ersten Köpfe. Ich bin zu meinem eigenen Erstaunen neben der Malerei bei den plastischen Arbeiten geblieben. Heute weiß ich, warum. 2009 war der Zeitpunkt, an dem alles Figürliche aus meiner Malerei verschwunden war. Und ich kam lange nicht weiter – erst als ich die figürliche Ebene wieder besetzt hatte. Ich brauche wohl beides.

Wie arbeitest du – in welcher Umgebung, zu welcher Tageszeit?

Momentan arbeite ich sieben Tage in der Woche, fange morgens um sieben/acht Uhr an und arbeite dann bis nachmittags oder in den Abend hinein. Dafür gibt es bald zwei Monate, in denen ich weniger arbeite. Oft klappt das auch nicht so, aber ich bilde mir immer ein, irgendwann kommt mal mehr Freizeit ... in der Regel kommen aber eher mehr Ausstellungen. Zehn Jahre lang hatte ich ein 70 qm großes Atelier in der Innenstadt von Brühl. Das wurde zu klein und so zog ich Mitte 2016 um in ein ganz schönes, atmosphärisches Fachwerkhaus mit 8 Zimmern, 120 qm und kleinem Hof, in der Fußgängerzone, ich wohne nur 180 Meter entfernt. Ich hatte ganz viel Glück damit, ein echter Traum. Es ist mein zweites Zuhause geworden und durch die tolle Lage kommen viele Interessierte rein. Früher hab ich Malerei und Objekte in einem Raum gemacht, das war oft das totale Chaos, weil alles häufig wochenlang liegenbleibt, bis es endlich fertig wird. Jetzt kann ich die verschiedenen Arbeitsbereiche trennen und habe zusätzlich noch reine Galerie- und Ausstellungsräume.

Wie hat sich deine Malerei entwickelt?

Ich habe immer schon eigene Sachen gemacht. Mich hat es nicht interessiert, im Stil von irgendeinem anderen Künstler, nach Abbildungen oder realistisch zu malen. Noch nicht mal andere Künstler oder Kunst haben mich damals besonders interessiert, das ist jetzt völlig anders. Ich wollte damals einfach malen. Also hab ich von Anfang an autodidaktisch experimentiert und ausprobiert. Ein wirklich mühsamer Prozess, alles durch eigene Erfahrung zu lernen. Aber dadurch habe ich schnell meine eigene Bildsprache entwickelt, völlig ohne Regeln im Kopf, was nicht darf und was nicht geht. Sowohl beim Einsatz von Material als auch kompositorisch oder was künstlerische Kriterien angeht, bin ich einfach losgelaufen. Das empfinde ich bis jetzt als eine große Freiheit. Qualitativ gut wurde meine Malerei natürlich erst später, aber die ganzen Jahre des Ausprobierens war ich ohne Druck, es gab nichts zu verlieren, ich hatte ja nicht vor. „Künstlerin“ zu werden. Ich habe lange Zeit figürlich gemalt, hauptsächlich abstrahierte, florale Fabelwesen, von Anfang an auch großformatig. Große Flächen haben mir nie Angst gemacht. Langsam über die Jahre lösten sich die Formen auf. Es entstanden dann grundrissartige, fast architektonische Bilder, deren Linien sich aber auch irgendwann auflösten, und jetzt arbeite ich viel mit wässriger Farbe und fließenden Formen. Zuerst mit dem Zufall, und in der späteren Arbeitsphase geht es in die Bildkomposition über. Die erste Phase ist das Spiel und die zweite anstrengende Arbeit.

Wie würdest du deinen heutigen Stil beschreiben und warum haben deine Bilder keine Titel?

Meine Malerei ordne ich dem Informel zu. Ich sage nicht so gerne abstrakt, weil meine Darstellungen keine Abstraktionen von irgendwas sind, sie stehen für sich, jenseits von Begrifflichkeiten. Deshalb gebe ich meinen Bildern auch keine Titel. Ich weiß weder vorher noch während noch am Ende des Arbeitsprozesses, was es werden oder darstellen soll. Dann nach Fertigstellung einen Begriff dafür zu erfinden, der etwas erklärt, was keiner Erklärung oder Fixierung bedarf, erscheint mir überflüssig und unehrlich.

Deine Malerei ist vielschichtig, du setzt verschiedene Techniken in einem Bild ein. Bitte beschreibe einmal einen typischen Arbeitsprozess.

Ich kleckse und male zuerst völlig experimentell mit Acrylfarbe auf die Leinwand, die auf dem Boden liegt. Meist arbeite ich an mehreren Bildern gleichzeitig. Zwischendurch trocknen die einzelnen Schichten, dann hänge ich die Bilder auf, an denen ich weiterarbeiten möchte, male, lege sie wieder hin und schütte Farbe drauf. Irgendwann erkenne ich eine Spannung oder einen schönen Moment auf dem Bild und fange dann an zu komponieren, ich ordne, übermale, was zu viel ist, füge hinzu, was fehlt. Es steckt ganz viel Feinarbeit mit Stiften, Kreide, Kohle drin. In den letzten Schichten male ich oft mit Ölfarben, dann ist die Strahlkraft intensiver.

Wie lange dauert es ungefähr, bis ein Bild fertig ist?

Das kann ich nicht sagen, An manchen Bildern arbeite ich fünfmal so lang wie an anderen. Manchmal geht es einfach nicht weiter und ich stelle ein Bild immer wieder weg, während andere Bilder schnell stimmig werden. Mehrere Wochen dauert es auf jeden Fall, es bedarf ja immer längerer Trockenphasen, aber am längsten dauert das Gucken und Überlegen.

Woran erkennst du, dass es komplett ist?

Wenn Farbe und Spannung in meinen Augen perfekt sind.

Eine Plastikenreihe heißt „Kleine Köpfe“. Was sind das für Wesen, die du da formst?

Es sind lauter verschiedene Persönlichkeiten und Charaktere. Ich habe mir oft überlegt, wer sie wohl sind. Wahrscheinlich alle meine eigenen Facetten oder die der Menschen um mich herum. Auch hier arbeite ich spontan und ohne Plan oder fixes Ziel, ich lasse die kleinen Personen einfach entstehen. Die plastische Arbeit ist wie ein Spielfeld. Ich kippe meine Schrottkisten aus, finde interessante Teile und baue eine Persönlichkeit drumherum.

Woraus bestehen sie?

Aus Fantasie, Modelliermasse und Fundstücken.

Die Objektkästen stellen immer eine Szene dar und haben auch richtige Titel wie „Die üblichen Verdächtigen“. Woher kommt die Inspiration zu den Szenen?

Die Frage nach der Inspiration wird mir häufig gestellt. Ich hab diese Ideen und Inspiration einfach in mir. Viel mehr, als ich überhaupt umsetzen kann. Das kommt nicht von außen, ist aber natürlich geprägt von meinen Erfahrungen und dem alltäglich Erlebten. Es macht mir in diesem Fall Spaß, mit Wörtern und Begriffen zu spielen. Es kommen mir die absurdesten Ideen, wenn ich mir zu Begriffen wie „Familienaufstellung“ und „dem Pudel sein Rudel“ Szenen ausdenke.

Wie entstehen die Objektkästen?

Die Kästen baue ich aus Holz und lackiere sie, dann baue ich die Szene bzw. die Figuren ein, manchmal noch Schrift dazu. Man kann sie aufhängen oder -stellen.

Was kann Kunst, was sonst nichts und niemand kann?

Nichts. In allem, bzw. jedem Menschen sind grundsätzlich alle Qualitäten und Möglichkeiten angelegt. Und Kunst ist von Menschen gemacht. Sie ist so begrenzt oder unbegrenzt wie derjenige, der sie macht. Und auch wie derjenige, der sie ansieht.

Wie wichtig ist dir Feedback auf deine Kunst?

Ich hatte das Glück, dass ich von Anfang an viel positive Reaktionen bekam. Ich finde es gut, wenn Menschen ihre Meinung und Wahrnehmung preisgeben. Das ist für mich sehr interessant, ich gucke ja nur mit meinen Augen und mit meiner Wahrnehmung. Das ist aber noch lange nicht die einzige Sicht, die man auf meine Arbeiten haben kann.

Was war das Schönste, das du mit deiner Kunst erlebt hast?

Es ist jedes Mal wieder aufs Neue die Freude, wenn jemand eine Arbeit kauft, weil er sich täglich in seinem Zuhause damit umgeben möchte.

Kannst du Kunstwerke gut loslassen?

Ja, das konnte ich von Anfang an. Der eigentliche Prozess des Malens und wie sich das Bild entwickelt, daran hänge ich. Und das bekomme ich immer wieder neu.

Wohin geht deine künstlerische Reise als Nächstes?

Ich weiß es nicht genau. Ich glaube, es wird in Richtung dreidimensionale informelle Arbeit in Form von großen Objekten gehen, neben meiner Malerei und plastischen Arbeit. Mal schauen, was sich entwickelt!

Kunstwerke