Top
Kundenbereich schließen

Willkommen im Kundenbereich

Melde dich mit deinen Zugangsdaten an.

  • Unikate & limitierte Sondereditionen
  • Exklusive Kundenevents
  • Lieblingsartikel merken
  • Bestellungen & Daten verwalten
Be part of the art

Ursula Schregel

Malerin aus Niederzier, Deutschland

Ursula Schregel hat sich erst 2014 für die Kunst entschieden – obwohl ihre Mutter Malerin war und sie ihr Talent schon lange erahnte. Schregels Bilder sind abstrakte, informelle Kompositionen, die meist spontan aus dem Unterbewussten entstehen. Sie sind so stimmig und voller Energie, als hätte die Künstlerin bereits jahrzehntelange Erfahrung mit der Malerei.

 
„Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl zu wissen, jemanden zu berühren mit dem, was man kreiert hat“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Mathias Dorner-Müller, www.dorner-mueller.com

Interview

Hattest du einen Traumberuf als Kind?

Ja, ich wollte Sängerin werden. Und da Kindheitsträume ganz schön hartnäckig sein können, beginne ich in diesem Jahr tatsächlich noch eine Gesangsausbildung. Musik spielt eine wichtige Rolle für mich. Auch beim Malen inspiriert sie mich oft.

Du hast dich 2014 erfreulicherweise der Malerei zugewandt. Fiel dir die Entscheidung schwer?

Nein, überhaupt nicht. Es war längst überfällig oder anders ausgedrückt: Die Zeit war endlich reif dafür. Ich bin schon sehr früh im Elternhaus mit Kunst in Berührung gekommen. Meine Mutter war Malerin und hatte eine Kunst- und Antiquitätengalerie. Von klein auf habe ich mit ihr Museen und Ausstellungen besucht. Ich selbst habe später unter anderem Kunstgeschichte studiert und auch eine Innenarchitekturausbildung absolviert.

Zuvor hast du als Dramaturgin, Hörspielredakteurin, Autorin und Übersetzerin gearbeitet, dich also ganz dem gesprochenen und geschriebenen Wort gewidmet. Welchen Einfluss haben deine vorherigen Berufe auf deine Malerei?

Es ist vermutlich eher ein indirekter Einfluss. Auf meiner Website standen anfangs neben meinen Bildern bis dahin unveröffentlichte Gedichte. Für mich gab es da eine Verbindung. Aber in der Zwischenzeit sind viel mehr Bilder als Texte entstanden. Das war dann plötzlich eine falsche Gewichtung und ich habe meine Gedichte wieder herausgenommen. Grundsätzlich glaube ich schon, dass sich die Beschäftigung mit unterschiedlichen künstlerischen Medien und Formen gegenseitig befruchtet. Worte „übersetzen“ das, was du denkst und was du fühlst. Jetzt habe ich eine andere Form der Sprache gewählt: die Bildsprache. Sie ist universeller. Sie spricht vielleicht noch direkter die Emotionen an. Und ich kann jetzt meine Kreativität viel unmittelbarer leben, nicht mehr mit dem Sprachfilter Wort, sondern mit Farben. Das hat eine große Faszination für mich und ist zugleich eine neue Herausforderung.

Bist du zufrieden, dass du den Weg über das Wort gegangen bist und heute bei der Malerei angekommen bist?

Auf jeden Fall. Die Beschäftigung mit dem Wort möchte ich nicht missen. Meine frühere Tätigkeit und meine jetzige Tätigkeit als Malerin sind ganz unterschiedliche, aber eben beides kreative Prozesse. Zu einem früheren Zeitpunkt konnte ich noch gar nicht malen.

Die Beschäftigung mit der Kunst liegt bei dir in der Familie?

Die Tatsache, dass meine Mutter Malerin war, hat sich für mich zugleich als eine Art Hemmschuh erwiesen. Ich habe ihre Werke sehr bewundert und mich deshalb nie getraut, selbst einen Pinsel in die Hand zu nehmen. Mir habe ich nur die theoretische Beschäftigung mit der bildenden Kunst zugestanden. Aber meine Mutter hat immer fest an mich geglaubt. „Ich weiß, du kannst es“, hatte sie mir noch kurz vor ihrem Tod gesagt. Für mich war es fast eine Art Vermächtnis. Aber es hat dann noch sieben Jahre gebraucht, bis der Bann gebrochen war.

Wie viel Zeit verbringst du mit der Malerei?

Ich habe das Glück, dass mein Atelier nur wenige Meter von meiner Wohnung entfernt liegt. Und dort tauche ich dann wie in eine andere zeitlose Welt ein. Es gibt keine Uhr, kein Telefon, keine Klingel. Es ist fast ein meditativer Zustand. Manchmal verbringe ich nur ein paar Stunden dort, manchmal den ganzen Tag. Ich setze mir da keine feste Regel.

Wie entsteht eine Bildkomposition bei dir?

Es gibt meist keine konkrete Bildidee. Der Zufall setzt oft den ersten Impuls. Meine Bilder entstehen vielfach aus dem Unterbewussten, spontan und intuitiv, gelegentlich als Reaktion auf etwas, dass mich gerade innerlich bewegt. Das drückt sich aber nie gegenständlich aus. Es sind abstrakte, informelle Kompositionen. Ich male überwiegend in Acryl, experimentiere aber auch gerne mit Mischtechniken. Immer wieder arbeite ich mit Übermalungen und erneuten Auf-und Abtragungen. Das können unendlich viele Vorgänge sein, die später als solche kaum noch wahrnehmbar sind, aber dennoch durchscheinen und das Farbverhalten der nächsten Schicht beeinflussen.

Was inspiriert dich auf dem Weg zum fertigen Bild?

Stimmungen, Erlebnisse, Begegnungen mit Menschen, was um mich herum und in der Welt passiert. Nach dem fürchterlichen Terroranschlag in Berlin musste ich abends noch mal ins Atelier gehen, weil es mich so erschüttert hatte. Aber ich will keines meiner Bilder als tagespolitischen Kommentar verstanden wissen. Das schlägt sich nie 1:1 nieder. Ich will damit nur sagen, dass ich auf vieles wie ein Seismograph reagiere, nicht aus der Welt gefallen bin, obwohl der Akt des Malens selbst ein sehr solistischer ist.

Wann ist das Bild fertig?

Sobald es den Weg auf die Wand im Atelier gefunden hat. Und dort „überlebt“. Wenn es zwei oder drei Wochen hängt, ohne dass ich es wieder herunternehme, hat es seinen Test bestanden. Dann bekommt es seine Signatur. Und macht Platz für neue Bilder.

Wie fühlst du dich, wenn du malst – wenn du vor der weißen Leinwand stehst, währenddessen, beim Abschluss?

Vor der weißen Leinwand zu stehen ist ein ganz besonders spannender Moment. Es ist eine Reise ins Unbekannte, von der du überhaupt nicht weißt, wohin sie dich führt. Später passieren gelegentlich emotionale Achterbahnfahrten, auch, weil ich oft zu ungeduldig mit mir selbst bin. Es ist durchaus schon passiert, dass ich wieder völlig von vorne angefangen habe, weil ich nicht abwarten konnte, bis eine Schicht durchgetrocknet war, und eine brillante Farbigkeit durch zu frühe Übermalung in eine monochrome Farbödnis wegsumpft. Beim Abschluss eines Bildes schwanke ich zwischen Erleichterung, Euphorie und Neugierde, wie das Bild wohl am nächsten Morgen auf mich wirken wird und ob es reif für den „Wandtest“ ist.

Deine Bilder tragen Titel wie „Herzmuschelfrau“ oder „L’amour fou“. Wie entstehen diese Titel?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche sind in Zusammenhang mit den Gedichten entstanden. Andere erst im Nachhinein. Oft erschließt sich mir mit einem gewissen zeitlichen Abstand das Bild völlig neu. Es ist, als ob man einen gemeinsamen Prozess durchläuft. Und dann kann es plötzlich nur so und nicht anders heißen. Aber es tragen auch nicht alle Bilder Titel. Bei manchen scheint es mir angebrachter, den Betrachter völlig frei seinen eigenen Assoziationen zu überlassen.

Fällt es dir schwer, dich von einem Kunstwerk zu trennen?

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits gibt man ja ein Stück von sich her, etwas sehr Persönliches. Andererseits ist es ein unbeschreiblich schönes Gefühl zu wissen, jemanden zu berühren mit dem, was man kreiert hat, jemandem etwas zu geben, mit ihm sozusagen auf einer nonverbalen gemeinsamen Ebene zu kommunizieren.

Möchtest du wissen, wo deine Bilder verbleiben?

Ja, das finde ich sehr spannend. Ich bin sehr neugierig auf Menschen. Zu erfahren, was hat einen Käufer angesprochen, was hat ihn motiviert, sich für dieses und kein anderes Bild zu entscheiden, finde ich sehr interessant.

Was bedeutet dir die Reaktion der Menschen auf deine Kunst?

Viel. Beim Malen ist man völlig auf sich selbst zurückgeworfen und das Feedback fehlt. Kunst aber ist auf Kommunikation und Austausch ausgerichtet.

Kannst du über deine Kunst streiten?

Kunst ist immer ein streitbares Thema. Sie sollte auch gar nicht den Anspruch haben, allen gefallen zu wollen. Sonst läuft sie Gefahr, ihre Unverwechselbarkeit zu verlieren. Ich stelle mich durchaus konstruktiver Kritik und glaube schon, dass man sich mit mir über meine Kunst auseinandersetzen kann.

Welches war dein bisher schönstes Erlebnis mit deiner Malerei?

Ein dickes Lob eines profunden Kunstkenners und -sammlers zeitgenössischer Kunst auf einer der Messen, auf denen ich ausgestellt habe.

Wenn du dir vorstellst, dass die Malerei ein Weg ist, der zu etwas hinführt, was könnte so ein Ziel für dich sein?

Der Weg ist das Ziel. Die Malerei bringt mich zu mir selbst, gibt mir Ruhe und Kraft. Wenn sie dann auch noch zu anderen führt, wenn ich Menschen damit erreichen kann, umso besser.

Hast du momentan ein Lieblingsmaterial, eine Lieblingstechnik?

Ich male, wie erwähnt, sehr viel mit Übermalungen und Auf- und Abtragen verschiedenster Farbschichten in Acryl, lasierend wie pastös. Bei aller Experimentierfreude ist die Acrylmalerei auf Leinwand derzeit schon meine bevorzugte Technik.

Was möchtest du als Nächstes ausprobieren?

Trotzdem reizt mich z. B. auch der umgekehrte Weg: Der völlige Verzicht auf Acrylfarbe. Ich probiere gerade verschiedene chemiefreie Flüssigkeiten als Malmittel aus. Vielleicht nenne ich die Ergebnisse später mal meine „Bio-Bilder“. Aber mehr möchte ich hier noch nicht verraten. Betriebsgeheimnis!