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Verena Bonath

Künstlerin aus Berlin, Deutschland

Verena Bonath ist fasziniert von den Frauenbildern der Mode- und Kosmetikwelt. Mit digitalen und analogen Mitteln setzt sie sich mit den ästhetisch wirkungsstarken, zugleich aber oberflächlichen und synthetischen Bildern auseinander.

 
„Ich will die Oberflächlichkeit untersuchen und inszenieren, um ihr auf den Grund zu gehen.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Denise Kuchy, www.denisevandeesen.com

Interview

Was bedeutet dir die Kunst?

Kunst ist für mich das Medium, über das ich kommuniziere, interpretiere und reflektiere. Sie ist eine Schnittstelle, um das auszudrücken, was jetzt passiert und was die Jetztzeit ausmacht: Sie spiegelt, wie wir sehen, wie wir empfinden, wie wir denken und letztendlich wie wir sind.

Wann ist dir bewusst geworden, dass du Künstlerin bist?

Nachdem ich gemerkt habe, dass es nicht normal ist, bis tief in die Nacht hinein zu malen.

Deine Malerei beschäftigt sich mit der Ästhetik der zeitgenössischen Bilderwelten. Auf wenige Begriffe gebracht, was zeichnet denn unsere heutige Bilderwelt aus?

Sie ist synthetisch! Was das jetzt bedeutet? Ich möchte einen Vergleich anbringen: Synthetische Lebensmittel kennen wir schon seit Langem, der Erdbeerjoghurt ohne Erdbeeren usw. Die Lebensmittelindustrie hat also schon lange Möglichkeiten, zu imitieren und „falsch“ zu spielen. Das ist dank Digitalisierung bzw. digitalen Bildbearbeitungsprogrammen nun auch in den Medien möglich. Heute spielen uns Medien häufig etwas vor. Wir sehen Bilder, die etwas zeigen, was nicht existiert, sondern bearbeitet ist und nur vorgibt, etwas zu sein.

Wo schaust du nach Bildvorlagen, nach Inspiration?

Inspiration finde ich eigentlich überall, vor allem aber in der Mode- und Kosmetikindustrie sowie auf sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook. Ich bin einfach fasziniert von der Oberfläche, plump gesagt der Oberflächlichkeit. Das soll nicht heißen, dass ich Oberflächlichkeit bewerte, eigentlich überhaupt nicht, ich will sie vielmehr untersuchen und inszenieren, um ihr auf den Grund zu gehen.

Du nennst deine Werke Re-Kontextualisierungen der alltäglichen Bilderwelt. Bitte beschreibe mal diesen Prozess der Re-Kontextualisierung.

Der Prozess sieht folgendermaßen aus: Ich sehe ein Bild, finde es ansprechend. Frage mich, warum das so ist. Ich beginne zu analysieren, zu bearbeiten und mir letztendlich ein eigenes Bild zu machen. Ich re-kontextualisiere das Bild also. Es steht jetzt nicht mehr in dem Kontext, in dem es einmal entstanden ist, wie Werbung oder Ähnliches, sondern in dem Kontext meiner Gedanken und Kreativität. Jetzt stellt sich aber die Frage, inwiefern meine Bilder dann in ihrem neuen Kontext nun anders oder gleich wahrgenommen bzw. verstanden werden? Re-Kontextualisierung ist dank der medialen Vervielfältigung überall anzutreffen. Es ist uns nur meistens nicht bewusst. Wir sehen ein Bild auf unserem Smartphone, ohne über seine Entstehung, seinen eigentlichen Sinn nachzudenken. Denn aufgrund der heutigen Bilderflut sind wir nicht mehr aufmerksam. Wir sehen zwar, aber wir nehmen nicht mehr wahr! Digitale Bilder stehen für etwas, was wir nicht wirklich erfahren können. Wir sind niemals da, wo das eigentliche Bild „ist“. Ich weiß, das klingt jetzt furchtbar kompliziert … Ein Grund mehr dafür, Kunst zu betrachten und nicht in Worte zu fassen.

Deine Bilder auf ARTvergnuegen zeigen ausnahmslos Frauen – das einzige Männerporträt, das ich von dir finden konnte, heißt „Just a Guy.“ Was macht Frauen interessanter?

Ich setze mich vor allem mit der Darstellung des Weiblichen auseinander, weil ich mich für die Oberfläche interessiere. Dazu gehört auch die Umwandlung des Subjekts in ein ästhetisches Objekt. Seit jeher ist das Weibliche in unserer Gesellschaft viel mehr „objektisiert" worden als das Männliche. Der einzige Unterschied ist, dass ich heute auch als Frau das Weibliche objektisieren darf. Ich darf ebenso wie Männer Frauen darstellen und Kunst machen. Das ist also etwas Besonderes, etwas Einzigartiges unserer Zeit. Ich bewerte also nicht das Verhältnis zwischen Mann und Frau, ich bin momentan nur einfach mehr an der Darstellung von Frauen interessiert. Vielleicht ändert sich das auch irgendwann einmal.

Wie bereitest du dich vor, wenn du dich an ein neues Bild machst?

Mental oder körperlich? Nee, Spaß – keine Ahnung. Ich würde sagen, es packt mich und ich lege los.

Was verbirgt sich hinter deinen Techniken „Collage Sublime“ und „Repainting“?

Die Collage Sublime ist eine Weiterentwicklung der surrealistischen Collage. Die Surrealisten setzten Bildmedien aus Magazinen ein, um ihre Kunst surreal oder traumhaft erscheinen zu lassen. Bei den Surrealisten handelte es sich aber immer um das Ursprungsbild, welches in ihrer Kunst in einem neuen Kontext steht. Nun ist das bei der Collage Sublime nicht mehr so. Meine künstlerische Sprache versucht nichts Surreales zu erzeugen, sondern etwas digital Synthetisches. Ich kombiniere digitale und analoge Arbeitstechniken. Am Ende ist es eine „Collage Sublime“, auf Deutsch: eine erhabene Collage, da wir an das „Eigentliche“ oder den Ursprung nicht mehr herankommen. Repainting ist eine Technik, die den Werkprozess der Collage Sublime umdreht, die Technik steht aber ebenso für eine synthetische Bildwelt. Anstatt dem Bild etwas hinzuzufügen, „repainte“ ich es, ich nehme es sozusagen malerisch und zeichnerisch auseinander, ich „kratze“ die oberen Schichten ab, um auf die digitale Grundformel zurückzukommen.

An welchem Ort malst du und wie sieht es dort aus?

In meinem Wohnatelier. Ich nenne es so, weil ich arbeiten und wohnen bzw. leben nicht trennen kann. Es sieht dort so aus wie auf den Fotos.

Kannst du dich gut von deinen Kunstwerken trennen?

Am Anfang fiel mir das sehr schwer, ich hatte immer das Gefühl, ich gebe etwas von mir preis, was eigentlich sehr privat und einzigartig ist. Aber dieses Gefühl ist in den letzten Jahren verschwunden. Ich weiß nicht wieso, aber heute fühle ich mich immer richtig glücklich, wenn meine Kunstwerke ein neues Zuhause gefunden haben. Aber ich gebe sie meistens auch nicht einfach so weg, sondern versuche immer Kontakt zu den neuen Besitzern zu haben oder zumindest zu erfahren, wie sie meine Werke wahrnehmen, verstehen und empfinden. Ich freue mich also, wenn sich jemand bei mir meldet, der ein Bild auf ARTvergnuegen ersteht!

Was macht deine Kunst mit dir?

Ganz einfach: Sie gibt mir einen Sinn.

Gibt es einen idealen Ort für deine Kunst?

Nein. Ich bin ja ein Fan von Re-Kontextualisierung!

Welches war das bisher schönste Erlebnis mit deinen Bildern?

Ach, ich habe eigentlich nur schöne Erlebnisse mit meinen Bildern. Das fängt beim Entstehungsprozess an und hört dann auch nicht mehr auf.

Was machst du, wenn du keine Kunst machst?

Ich arbeite bei ArtNight, einem jungen Start-up in Berlin. Wir bieten kreative Erlebnisse in Bars und Restaurants an. Ich entwickle dabei die Kreativkonzepte und vermittle den Teilnehmern Kunsttechniken und Spaß an der Kreativität.