Top
Kundenbereich schließen

Willkommen im Kundenbereich

Melde dich mit deinen Zugangsdaten an.

  • Unikate & limitierte Sondereditionen
  • Exklusive Kundenevents
  • Lieblingsartikel merken
  • Bestellungen & Daten verwalten
Be part of the art

Claudia Wilholt

Malerin aus Hannover

Claudia Wilholt lebt im Szeneviertel Linden-Nord über den Dächern Hannovers und widmet sich voll und ganz ihrer Malerei. Bei unserem Besuch in der Landeshauptstadt Niedersachsens erzählt uns die Künstlerin aus ihrer Studentenzeit in England und Deutschland, welche Rolle die Maler Mark Rothko und William Turner in ihrem Leben einnehmen und was genau Eier, Balsamterpentin und Leinöl mit ihrer Kunst zu tun haben!

 
Wenn du beeinflussende schöne Ausstellungen siehst, dann packt es dich.

Videoporträt

Impressionen

Interview

Du hast in Osnabrück und in Southampton bildende Kunst und Anglistik studiert. Kannst du sagen, dass die Grundlage deiner Malerei schon da gefestigt wurde?

Absolut. Ja. Mein damaliger Professor, Professor Girke, hat mich stark beeindruckt und beeinflusst. Ich hab damals auch einen Atelierplatz bei ihm ergattern können und mehrere Jahre dort mit anderen Studenten gemeinsam gemalt, gelebt und gelacht. Das hat mich stark beeinflusst, davon gehe ich jedenfalls ganz stark aus. Gerade die Abstraktion, die man in meinen Bildern sieht, rührt im Grunde daher. In Osnabrück im Studium hab ich die ersten Experimente damit gemacht. Man fängt im Grunde ja gegenständlich an und tastet sich dann langsam heran an die Malerei. Ich sehe schon die Abstraktion als Progression dessen, als Fortschritt, als Weiterführung meines Weges durch die Malerei.

Du benutzt ja auch klassische altmeisterliche Substanzen. Brauchst du solch einen klassischen Ansatz, um deine Bilder zu erzeugen? Oder wie beeinflussen diese Materialien, die du benutzt, deine Bilder?

Meine Farben mache ich alle selbst, das mache ich auch ganz bewusst. Ich stelle meine Farben aus Farbpigmenten, Ei, Leinöl, Balsamterpentin und geheimen Zutaten her. Dadurch ergibt sich eine Emulsion, eine Art Grundpaste, mit der ich alle Farben anmischen kann, die ich möchte. Das ist für mich ganz wichtig als Arbeitsmaterial, weil sich mir dadurch die Möglichkeit eröffnet, schichtend zu malen. Fast wie beim Aquarellieren, also ich kann verschiedene Schichten übereinander legen, ich kann die Farbe dicker, pastoser, anrühren. Ich kann sie aber auch transluzent auf bereits existierende Strukturen auflegen, gucken wie das wirkt, das wieder aufnehmen oder verändern. Einziges Problem dabei ist manchmal der Trocknungsprozess. Es dauert relativ lange, bis eine Schicht getrocknet ist. Deswegen allein schon male ich immer seriell, ich bin immer an mehreren Bildern gleichzeitig dran, und wenn eins gerade bearbeitet worden ist, wechsle ich zum nächsten.

Würdest du deine Bilderfolgen als Zyklen bezeichnen?

Die verschiedenen Serien, die ich mache, sind durchaus Zyklen, aber ich denke, dass auch jedes Bild allein für sich stehen kann. Dass jedes Bild für sich eine einzigartige Wirkung hat, die wurde mir auch schon von vielen beschrieben, die mit den Bildern mittlerweile leben. Glücklicherweise konnte ich schon relativ viele Bilder von meinen Farbfeldern auch verkaufen. Diejenigen, die solche Farbfelder in ihrer Umgebung haben, berichten mir davon, dass diese sich entwickeln, dass sie immer wieder anders aussehen bei verschiedenen Tageslicht-Situationen oder künstlichem Licht. Und dass sie auch noch nach Jahren immer wieder neue Dinge entdecken. Wenn die Bilder gemeinsam zu sehen sind, ist es für mich so, dass sie miteinander korrespondieren, geradezu kommunizieren. Dass sie miteinander in Dialog treten, könnte man sagen. Dass sie sich verstärken.

Wie beeinflusst die Kunst dein alltägliches Leben?

Der Einfluss ist kaum in Worte zu fassen. Ich kann natürlich bei der Bedeutung von Kunst nur ganz persönlich für mich sprechen, und für mich bedeutet Kunst genauso viel wie schlafen, essen, Liebe. Und für mich ist es natürlich auch die Malerei, die das alles darstellt. Ich bin sehr an anderen Kunstformen interessiert, ich sehe mir sehr oft Ausstellungen an und lasse mich so auch für meine eigene Arbeit inspirieren. Aber vom Machen her ist es die Malerei, die es ist und immer war. Meine große Liebe sozusagen. (lacht) Ich habe einfach ein sehr großes inneres Bedürfnis danach, zu malen. Ich merke, wenn ich mehrere Tage nicht hier im Atelier war, fehlt mir was. Dann muss ich malen.

Gibt es irgendeinen Künstler, der dich besonders beeindruckt hat?

Beeindruckende Künstler gibt es sehr viele. Aber ich denke, dass ich schon sehr stark von Mark Rothko oder Graubner beeinflusst wurde. Ich weiß nicht, ob es für Außenstehende nachvollziehbar ist, aber ich bin auch beeinflusst durch William Turner. Turner und Rothko sind auch zwei, die ich immer wieder besuchen gehe. Wenn ich meine Freunde in London besuche, schaue ich da immer mal vorbei. Ich besuche die Bilder, als wären sie Personen. Es gibt nichts Besseres, als das Original zu betrachten. Da ist das Durchblättern eines Katalogs keine Alternative.

Du hast auch in England gelebt, inwiefern hat dich England beeinflusst?

Ich habe die Herangehensweise der Engländer an die Kunst als sehr anders erlebt als die deutsche. Viel entspannter, unaufgeregter, experimentierfreudiger, und gleichzeitig glaube ich, habe ich dort das Wandern durch die Natur für mich entdeckt. Die englische Landschaft hat mir schon sehr imponiert. Imponiert mir immer noch. Ich fahre sehr gerne nach England. Diese Natureindrücke, diese Rolling Hills sozusagen, finden sich teilweise auch in meinen Bildern wieder. So etwas darf man gerne in meinen Bildern für sich entdecken.

Würdest du deinen Bildern ein übergreifendes Thema geben? Oder ist es immer ganz unterschiedlich? Gibst du das weiter an die Käufer deiner Bilder, was hinter dem Bild steckt?

Ich hab mich immer wieder gefragt, ob ich meinen Bildern Titel geben soll. Aber ich bin dann doch wieder davon abgerückt. Denn ich denke, sobald ein Bild einen Titel hat, ist der Einfluss gegeben, man hat eine Assoziation, ein Thema, und ich möchte, dass die Betrachter meinen Bildern frei und unvoreingenommen begegnen und am besten in eine Art inneren Dialog mit den Bildern treten, der auch etwas Meditatives haben kann und darf. Und ich mag es im Grunde sehr, mit einer Person vor so einem Bild zu stehen und dann rede ich auch sehr gerne mit der Person über das Bild, wie es entstanden ist, was ich dabei vielleicht gefühlt habe. Ich mag es aber nicht gerne, bei Ausstellungseröffnungen im Raum stehen zu müssen und über meine Bilder etwas Erklärendes sagen zu müssen. Das überlasse ich anderen beziehungsweise dem Betrachter.

Hast du noch eine andere Ausdrucksweise im Bereich der Kunst, die du gerne erforschen würdest?

Dadurch dass ich ein sehr praxisorientiertes Studium hinter mir habe, konnte ich in die verschiedensten Bereiche reinschnuppern, in die Bildhauerei, Druckgrafik, ich hab im Fotolabor meine eigenen Abzüge gemacht, ich hab alles von der Pike auf gelernt, aber für mich gab es immer nur die Malerei. Ich hab mit 17, 18 in dem kleinen Ort Papenburg, aus dem ich komme, angefangen große Plakate mit Acrylfarben zu bemalen und für mich beschlossen: Ich möchte Malerin sein.

Malerin war also dein Berufswunsch?

Ja durchaus. Ich hab das dann auch meinen Eltern so mitgeteilt, dass das mein Berufswunsch ist. Mein Vater war nicht so ganz begeistert, aber meine Eltern haben mich doch meistens unterstützt, mir auch geholfen, mich in Osnabrück fürs Studium zu bewerben. Dann kam der zweite Schock: Mein kleiner Bruder wollte Philosoph werden. Aber auch das hat funktioniert.

Wie bist du zur Kunst gekommen? Vor deinem Studium? Wie kam es dazu?

Mein Weg zur Kunst begann schon sehr früh. Da bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Die haben es mir ermöglicht, mit Originalen im Haus zu leben. Und ich denke, dass man da auch einen Blick für entwickelt. Mein Vater malt selbst ein ganz kleines bisschen und hat da auch eine Vorbildfunktion gehabt. Irgendwann erwachte dann mein Interesse. Habe dann ein paar Ausstellungen besucht, und wenn man im Norden wohnt, ist es auch nicht so weit, nach Hamburg oder Amsterdam zu fahren. Und das war schon klasse, sich da große Ausstellungen anzusehen, danach hatte ich dann auch immer Lust, selber so etwas zu machen. Wenn du beeinflussende schöne Ausstellungen siehst, dann packt es dich. Es geht mir heute noch so, wenn ich eine tolle Ausstellung gesehen habe, möchte ich am liebsten sofort ins Atelier fahren und auch was machen.

Wenn du Bilder verkaufst, ist es dir wichtig, wer das Bild gekauft hat, wo es hingeht?

Wer letztlich meine Bilder kauft, ist mir nicht unwichtig. Ich mag es ehrlich gesagt am liebsten, wenn ich die Person kennenlerne und mir vorstellen kann, wo mein Bild dann landet. Am allerliebsten sind mir private Käufer, die das Bild so spannend finden, dass sie es in ihren privaten Räumen aufhängen. Das ist für mich eine große Ehre und ich betrachte das als großes Glück, wenn so was passiert. Falls sich ein japanischer Großkunde meldet mit 3 Millionen Euro im Gepäck, wäre ich aber auch interessiert. (lacht)