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Be part of the art

Johannes Baptista Ludwig

Maler, Zeichner und Bildhauer aus Köln

Johannes Baptista Ludwig ist 1975 in Würzburg geboren. Er ist Designer, Künstler, hat ein eigenes Online-Magazin herausgebracht und arbeitet nebenbei als wissenschaftlischer Mitarbeiter in der Palliativmedizin. Wir trafen ihn in seiner Wahlheimat Köln zum Interview und erfahren alles über seine vom Verfall gekennzeichneten Skulpturen, Malereien und weitere Projekte, die ihn beschäftigen.

 
„Für mich hat ein Kunstwerk seinen Zweck erfüllt, wenn es in irgendeiner Art und Weise eine Emotion hervorruft.“

Videoporträt

Impressionen

Interview

Wer war zuerst da, der Designer oder der Künstler Johannes Baptista Ludwig?

Eigentlich der Künstler. Ich wollte sehr gerne immer Kunst studieren, mir war es aber zu unangewandt. Ich habe mich dann entschieden, Design zu studieren, aber trotzdem war der Kunstgedanke während des ganzen Studiums immer dabei. Ich fühle mich beim Schaffen wohler, wenn ich keinen direkten Auftrag habe und auch keinen direkten Nutzen. Impulsiv wird das immer am besten, was ich mache, und daher denke ich schon, der Künstler war zuerst da.

Wie kann man sich das impulsive Arbeiten vorstellen – wie kommt die Inspiration zu dir?

Ich habe eine Serie, die heißt Boney Toons. Die resultierte aus den Resten meines vorherigen Lebens, ich war Zahntechniker damals, vor meiner Auseinandersetzung mit der Kunst, und diese Teile, die dann übrig blieben, die sammelte ich sehr lange im Keller. Ich habe sehr viele Knochen, menschliche Zähne als anatomisches Anschauungsmaterial gesammelt. Und da fiel mir dann auf, Mensch, wenn ich die unterschiedlichsten Teile zusammenhalte, ergibt das schon ein Gesicht. Ich habe so einen Katzenschädel und eine 14er-Prothese, ein Kunststoffgebiss, das sieht ja witzig aus, da bin ich selbst erst ein bisschen erschrocken , weil ich dachte, da packe ich so ein menschliches Accessoire und ein totes Tier hin, und was macht das mit mir? Ich merke, das fasziniert mich eigentlich noch mehr, als dass es mir Angst macht. Und dann dachte ich, mach doch da mal Figuren daraus. Oft ist es aber auch so, dass ich mich einfach vor eine leere Leinwand oder Material setze und dann gucke, was passiert. Ohne Skizze mal direkt impulsiv rein zu arbeiten, manchmal weiß ich gar nicht, was rauskommt.

Machst du grundsätzlich keine Skizzen?

Ich mache Skizzen für Auftragsarbeiten, weil es halt wichtig ist, dass es zu dem Auftrag passt. Dass das, was der Kunde sich wünscht, auch im besten Fall zu hundert Prozent umgesetzt wird. Da ist es dann notwendig. Wenn es große Kunstarbeiten sind, mache ich auch Skizzen, die sind relativ rough.

Machen dir die Auftragsarbeiten auch Vergnügen?

Ja, sonst würde ich es nicht machen. Es ist Arbeit und komplett anders, und es macht mir viel mehr Vergnügen, Kunst zu schaffen. Ich wusste genau, warum ich kein Zahntechniker mehr sein wollte. Weil mir die Gestaltung halt sehr am Herzen liegt, das ist mein Talent. Und, na ja, es gibt schon Designaufträge, die sehr viel Spaß machen, Musikvideos, Animationsfilme zum Beispiel.

Du hast Animation studiert, ein Jahr warst du in Israel, wie hast du die Kunstszene dort kennengelernt?

Das Studium an der Akademie war anders, da es sehr flache Hierarchien gab. Dort bin ich angekommen, die wussten schon Bescheid, die kannten meine Arbeit und wollten dann alle gleich mit mir spielen. Das war toll. Die waren auch unheimlich gut ausgestattet. Die Szene in Jerusalem ist ziemlich geschlossen und bewegt sich um diese Akademie herum. Da haben es die Künstler schwer, etwas auf der Straße zu machen, da gibt es so viele Grenzen in der Stadt, religiöse Grenzen, die man lieber nicht überschreiten will. Das ist in Tel Aviv sicherlich etwas anders.

Machst du noch Animationsfilme?

Ja, Auftragsarbeiten vor allem. Das letzte größere Musikvideo war 2012 ein Musikvideo, eine Animation für „Die Ärzte“.

Weißt du noch, wie dein erster Kontakt mit Kunst war?

Mein erster Kontakt mit Kunst, ich glaube, das war durch meine Großmutter, sie war Bibliothekarin und Kuratorin beim Baron von Zobel. Sie hat mich zur Arbeit mitgenommen als kleiner Junge. Da hingen im Schloss vom Herrn Baron die gekauften Kunstwerke, die ganzen alten Schinken, die Portraits der Familie. Ja, das war durch meine Großmutter. Da als kleiner Junge in so einem Gang zu stehen und dann links wie rechts schwer gerahmte Kunstwerke zu betrachten. Meine Großmutter schenkte mir dann natürlich alles Stifte, Ausmalbücher. (Lacht) Ich glaube, damit ging das los.

Wie hat dir das gefallen?

Ich fand es gruselig. Es war halt sehr düster. Aber trotzdem faszinierend. Das hat mich auch nie losgelassen. Kunst hat sich immer durchgezogen. Auch später, ich habe immer versucht, irgendwas figürlich umzusetzen. Als Zahntechniker hast du zum Beispiel auch die Möglichkeit, etwas neben der Arbeit zu machen. So hab ich dann ganz viel Schmuck gemacht, Ringe, Broschen. Für Freunde, Verwandte zu Geburtstagen.

Du machst auch eine Reihe von Skulpturen, hast auch hier einige im Raum stehen, denen anscheinend die Haut oder der Pelz vom Leib gezogen worden ist. Warum machst du das und wie fühlt es sich an, Micky Maus das Fell vom Leib zu ziehen?

Na ja, ich habe immer schon sehr gerne Trickfilme gesehen. Und irgendwann kam ich darauf, dass meine Helden gar nicht mehr leben. Die sind ja alle tot. Wie lange lebt denn so ’ne Maus? Eineinhalb Jahre? So wird mir die Maus medial immer vorgesetzt, als ob sie noch leben würde, und ich finde, das stimmt überhaupt nicht. Dementsprechend musste ich sie in der verfallenen Form darstellen: So sieht sie aber jetzt aus! Und der Humor kann ja dabei bleiben. Der muss nicht wegverrotten.

Du hast dem Ganzen eine Zeitebene gegeben. In Comics altert ja niemand.

Richtig, genau. Aber an und für sich müssten sie so aussehen.

Wie kamst du darauf?

Das war relativ intuitiv. Das war beim ersten Teil schon zu sehen, dass das Micky Maus wird. Und dann entstand gleich die Idee, da mach ich eine Serie draus.

Kannst du uns ein bisschen über den Entstehungsprozess dieser Skulpturen sagen?

Ja, ich hab ein Bündel Knochen. Das krieg ich oft geschenkt von meinem Bruder. Er arbeitete früher als Bodenprüfer, hat Zugtrassen sondiert nach Schadstoffen und ist dann immer über so Roadkills gestolpert. Und die bleichen Knochen, die er fand, hat er dann seinem Freund gegeben, der war Jäger, er hat die dann präpariert, sauber gemacht, und ich hab sie dann zu Weihnachten unterm Christbaum bekommen. „Ja, Johannes, du sammelst doch Knochen, mach doch mal was draus.“ Und ich sitze dann da. Wie kriegst du die überhaupt zusammen. Mit der Heißklebepistole, dachte ich. Und mit diesem Klebstoff und irgendwelchen Pappen kriegst du die Knochen eigentlich schon recht gut arrangiert. Fehlen dann noch anatomische Details, da suchte ich mir dann Gummiringe, die vulkanisierte ich zusammen. Und so entsteht so etwas eigentlich wie ein Puzzle. Ich habe die Figur vorher nicht im Kopf, ich gucke auch nach den Proportionen, passt das oder nicht? Passen die Ärmchen zum Torso, passt die Stellung, passt der Ausdruck, manchmal kippe ich da noch ein paar Löffel Sojasoße drüber, weil die so wunderbar nachdunkelt und so eine Patina kreiert, die ich eigentlich nur mit meinem eigenen Blut glaube ich hinkriegen würde, und das möchte ich nicht.

Du hast dich auch schon anders mit dem Tod auseinandergesetzt. Du hast für ein Unternehmen im Bereich der Palliativmedizin gearbeitet. Hat sich diese Tätigkeit auf deine künstlerische Arbeit ausgewirkt?

Also, nee. Ich glaube, die Faszination, was den Verfall betrifft – es geht mir mehr um den Verfall als um den Tod – die war schon vorher da. Da kommt eben eins zum anderen. Ich arbeite lange schon fürs interdisziplinäre Zentrum für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf. Da bin ich wissenschaftlicher Mitarbeiter. Ich versuche das zu trennen. Das ist ein schwerer Job, der ist nicht immer fröhlich, das ist klar. Fröhlich ist er auch, aber es hat halt einen sehr ernsten Hintergrund. Ganz sicher hat es auf mich und meine Kunst einen lebensbejahenden Effekt gehabt, da kann ich es aber nicht greifen und ich will es vielleicht auch gar nicht, weil ich auf Dinge stoßen würde, die ich nicht hochholen will.

Hast du eine Lieblingskunsttechnik?

Zeichnung. Ich würde sagen, es ist die Zeichnung in jeglicher Form.

Wie entstehen die Motive, die du auf die Leinwand bringst?

Relativ impulsiv. Bilder entstehen bei mir oft innerhalb weniger Tage. Ich arbeite vom Hintergrund durch einen Mittelgrund zum Vordergrund hin. Das ist so ein Animatorending. Also, wir haben das halt gelernt, dass wir unsere Sets so aufbauen. Und es hat für mich den Vorteil, dass ich sehr assoziativ arbeiten kann. Wenn der Hintergrund in eine bestimmte Richtung geht, hab ich schon ein Gefühl, was im Mittelgrund passiert. Und wenn das zusammenpasst, weiß ich eigentlich schon ganz genau, wie der Vordergrund das Ganze dann als Finish beendet. Und wenn es um Sachen geht wie Kompositionen, dann mach ich mir schon Gedanken. Dann bediene ich mich bei Kollegen oder einer Epoche.

Hast du konkrete künstlerische Vorbilder?

Ja. Das sieht man meiner Kunst nicht an, aber es gibt den Tilman Riemenschneider. Den Renaissancekünstler aus Franken, und er hat halt auch Figuren gemacht, große Wandgemälde mitgestaltet und große Altäre gemacht. Diese sakrale Geschichte, diese sehr figürlichen, anatomischen Figuren, das hat mich immer sehr beeindruckt. Und ich würde sagen, neuere Impulse gaben mir Comiczeichner. Hergé oder jegliche französische Comiczeichner, die mir jetzt nicht einfallen. Da kommt das her. Es war auch nie so, dass es mich vom Graffiti oder von der Street Art ins Atelier gezogen hat, sondern es war immer der Comic.

Hast du eine Idee vom Kunstkonsumenten oder -rezipienten – oder ist der dir beim Machen egal?

Relativ egal. Ich mache die Kunst ja nicht für jemanden, außer es ist eine Auftragsarbeit. Das ist etwas, was aus mir herauskommt, was ich nicht wirklich beeinflussen will, und ich würde mich auch selber ins Knie schießen, wenn ich das sehr beliebig für jemanden gefällig machen würde. Die Sachen, die ich produziere, finden ihren Käufer. Die finden ihren Rezipienten, der es gut findet. Und für mich hat ein Kunstwerk dann seinen Zweck erfüllt, wenn es in irgendeiner Art und Weise eine Emotion hervorruft. Die kann auch vollkommene Ablehnung bedeuten. Das ist völlig okay, da freu ich mich drüber. Das muss nicht die gleiche Reaktion sein wie beim nächsten, der das gut findet.

Je mehr Emotion, je stärker die Emotion, desto glücklicher bist du?

(Lacht) Es wär natürlich schön, wenn jemand ausrastet während einer Ausstellung. „Du Schwein, was machst du!“

Man kann ja auch im Positiven ausrasten.

Ich freue mich drüber, wenn sich Menschen in irgendeiner Weise emotional darüber auslassen. Wenn jemand als Rezipient davor steht und sagt, ich möchte das Kunstwerk gerne erwerben, weil ich das toll finde aus welchen Gründen auch immer und ich häng es mir zu Hause hin – dann ist das für mich total toll. Das ist für mich die Bestätigung.

Es fällt dir nicht schwer, dich von Kunstwerken zu trennen.

Doch, fällt es schon! Bei einigen Teilen, wo ich finde, das ist sehr gut gelungen, das würde ich mir selber gerne aufhängen oder aufstellen, fällt es mir schwer. Das sind aber leider auch die Sachen, die dann Käufer finden. Ich denke immer, ich mache einfach neue.

2014 hast du eine Reihe von Skulpturen zum Thema Krieg gemacht. Setzt du die Reihe noch fort? Und was war der Hintergrund dieser Arbeiten?

Ja, die setze ich fort, das ist eine Materialbeschaffungsgeschichte, wie so oft, und wenn ich das Material zusammenhabe, setze ich sie fort. Der Krieg wird in den letzten Jahren medial sehr breit getreten. Er scheint mir einen sehr großen Stellenwert zu haben und sehr große Diskussionen zu benötigen. Das ist ja auch wichtig. Ich führe auch sehr viele Gespräche mit meinen Großeltern über den Krieg. Ich habe sehr viele Orte aufgesucht, an denen Krieg stattgefunden hat. Und das ist für mich leider ein Lebensdetail, das mir immer wieder über den Weg läuft, so wie der Tod. Ob das jetzt der Krieg in der Normandie ist, oder in Israel oder in Belgien, überall.

Du hast 2011 und 2012 ein digitales Kunstmagazin herausgegeben, das Arthüs. Davon gab es nur zwei Ausgaben. Warum nicht mehr?

Das ist eine reine Auslastungsgeschichte. Ich kam nicht dazu, daran weiterzubauen. Ist aber nicht gestorben. Arthüs drei ist noch nicht geplant, aber kann ja noch kommen!

Wie konsumierst du selbst Kunst und welche Kunst am liebsten?

Also ich konsumiere natürlich auch Kunst, ich bin oft eingeladen von Kollegen, auf Ausstellungen zu gehen, ich habe auch angefangen, selber bei meinen Kollegen zu kaufen oder zu tauschen. Weil ich natürlich auch gern was in meine Wohnung hänge und meine eigenen Kunstwerke da nicht mehr sehen mag. Das bewegt sich im kleinen Kreis. Museen sind mir nicht mehr so wichtig. Ich bin früher sehr viel in Museen gegangen. Das würde mich im Moment zu sehr ablenken von meinem eigenen Tun.

Wenn dich jemand wie ich fragt, was du für eine Art von Kunst machst, was antwortest du?

Ich mach eine auf dem Comic basierte nicht-gefällige Art von Kunst. Ich mache eine provozierende Art von Kunst. Wobei mir aber der provokante Aspekt nicht als Erstes wichtig ist. In den Arbeiten finden sich immer noch mal irgendwelche Meta-Ebenen, die man entdecken kann. Ich würde meine Kunst vielleicht als so eine Art surrealistische Comic-Geschichte fassen wollen.

Wofür schlägt dein Herz neben der Kunst?

Neben der Kunst? Für mein Kind. Und meine Familie natürlich.