Top
Kundenbereich schließen

Willkommen im Kundenbereich

Melde dich mit deinen Zugangsdaten an.

  • Unikate & limitierte Sondereditionen
  • Exklusive Kundenevents
  • Lieblingsartikel merken
  • Bestellungen & Daten verwalten
Be part of the art

Carlos Ther

Maler und Illustrator aus Hamburg

Carlos Ther kommt ursprünglich aus Spanien, lebt aber seit 1993 in seiner Wahlheimat Hamburg. Carlos bezeichnet seine Kunst als laut, chaotisch und bunt. Wir sprachen mit dem Multitalent über seine drei Leidenschaften Malerei, Fotografie und Musik, über leere Leinwände und bemalte Brötchen.

 
„Ich male am liebsten das Chaos in meinem Kopf.“

Videoporträt

Impressionen

 

Alle Fotografien von Mathias Dorner-Müller, www.dorner-mueller.com

Interview

Carlos, du malst, fotografierst und machst Musik. Was ist deine größte Leidenschaft?

Schwer zu sagen. Anstatt dass die drei Leidenschaften kooperieren, streiten die sich immer. Die sind wie Frauen, total eifersüchtig aufeinander. Jede will dran sein. Das wechselt so im 6-Monats-Takt. Wobei die Fotografie bei mir im Moment vorne liegt. Aber ich kann mir vorstellen, dass nach eurem Besuch die Malerei wieder nach ganz vorne rutscht (lacht).

Bist du ein Macho?

Nein. Ein sensibler Künstler. (schmunzelt)

Dein liebstes Arbeitsmaterial in der Malerei?

Ich habe mit Ölmalerei angefangen, dann immer versucht, das Ganze mit einem Föhn trocken zu bekommen, keine Chance. Acryl ist toll, weil es schnell trocknet. Und vor Kurzem habe ich die Marker für mich entdeckt. Damit kann ich nachts vier Bilder malen und bin zufrieden.

Was malst du am liebsten?

Das Chaos in meinem Kopf. Ich streite mich gern mit meinen Bildern. Es sind immer Geburten und Beziehungen.

Wie entstehen deine Werke?

Da steht eine weiße Leinwand, dann hab ich erst mal Angst vor dieser Leinwand. Und dann beschmiere ich sie, wenn ein Fleck drauf ist, ist sie nicht mehr jungfräulich, dann kann ich loslegen. Manchmal habe ich schon ein Bild im Kopf, das ich mit mir herumtrage oder bereits irgendwo skizziert habe. Und manchmal macht es Spaß, die Fläche zu grundieren und passieren zu lassen, was dabei entsteht.

Welche drei Worte beschreiben deine Kunst am besten?

Laut, chaotisch, bunt.

Legst du Wert darauf, was die Leute über deine Werke denken?

Bei Leuten, die ich schätze: ja. Auf jeden Fall. Und das natürlich in allen Bereichen, in denen ich tätig bin. In Zeiten von Facebook & Co. ist es vielen Leuten wichtig, 10.000 Likes zu haben. Für mich sind drei oder vier Likes von besonderen Menschen viel mehr wert. Da bin ich stolz wie Oskar und werde eingebildet. (grinst)

Du bemalst nicht nur Leinwände, sondern auch Gitarren oder Brötchen. Wieso Brötchen? Wie kam es dazu?

Die Spitze einer bestimmten Baguette-Sorte hatte mich animiert, das zu tun. Ich sah darin maskierte Menschen.

Wo malst du am liebsten?

Ich male am liebsten da, wo ich genug Platz dafür habe und nicht sofort wieder aufräumen muss. Zurzeit am liebsten in meinem Atelier. Skizzieren aber dafür gern am Küchentisch oder in Cafés in Hamburg.

Brauchst du absolute Stille bei der Arbeit oder beflügelt Musik deine Kreativität?

Das ist unterschiedlich. Manchmal brauche ich Stille, manchmal Musik, manchmal wird es ganz laut, wenn Bilder miteinander kollidieren. Manchmal packe ich meine Gitarre und spiele dazu.

Du lebst dich also voll in deinen Bildern aus?

Ja, und ich hasse das teilweise, aber ich liebe es auch.

Deine Werke sind sehr farbenfroh. Warum funktionieren deine Bilder nur mit viel Farbe? Was willst du damit ausdrücken?

Ich habe auch Bilder, die eher minimalistisch sind. Manchmal hat man den Eindruck, ich habe ein buntes Bild von mir genommen und es in Schwarz-Weiß fotografiert. Aber bei mir ist es meist die Mischung von Farben und Formen, das Laute. Oft verstecke ich auch etwas in den Bildern. Es freut mich, wenn die Leute auch die Kleinigkeiten in meinen Bildern entdecken. Ich möchte, dass die Menschen sich mit meinen Bildern auseinandersetzen und über die versteckten Kleinigkeiten schmunzeln. Oft sind die großen Momente in den Bildern die Rahmen für die kleinen.

Wo kommen diese Ideen her?

Viele ergeben sich durch das, was ich in dem Bild sehe. Ich fange mit Farbe an und dann entdecke ich Figuren. Ob mein Unterbewusstsein das steuert, weiß ich nicht. Ich mag es einfach, plötzlich in den Bildern Sachen zu entdecken und die dann nachzukolorieren.

Gibt es andere Künstler, die dich inspirieren?

Inspirieren nicht, aber ich bewundere Tàpies, den fand ich großartig. Oder auch mein Onkel, der ein guter realistischer Maler ist. Picasso hat mich interessiert, aber mehr die Person als seine Kunst. Vor allem die Fotos, die von ihm gemacht wurden, faszinieren mich. Keith Haring und andere Pop-Art-Künstler finde ich auch spannend.

Was nervt dich an der Kunstwelt?

Ich mag den romantischen Aspekt an der Kunst, was dahintersteckt, das Schaffen und dieses mit Leuten zu teilen. Dass plötzlich das Verkaufen und die bessere Agentin die Kunst beherrscht, das mag ich nicht, das finde ich doof. Vielleicht bin ich aber auch zu alt für diese ganze Geschichte. Oder zu jung.

Du bist Spanier. Was vermisst du aus Málaga?

Den Kaffee. Ich bringe mir immer einen Koffer voller Kaffee mit.

Was liebst du an Hamburg?

Die kalte Wärme dieser Stadt.

Du arbeitest mit behinderten Menschen. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Ich habe zwei Tätigkeiten. Von morgens bis nachmittags betreue ich Behinderte in einer Tagesstätte, die es in der Werkstatt aufgrund ihrer Behinderung nicht mehr schaffen. Es geht darum, diesen Menschen einen guten Alltag zu schaffen. Für mich ist es wichtig, dass sie auch Aha-Erlebnisse haben. Und nachmittags treffen sich verschiedene Menschen an einem Treffpunkt hier im Viertel, dort finden sich Leute, die sich einsam fühlen, Leute, die Probleme haben und Kontakt zu anderen Leuten suchen. Das Ganze ist anstrengend, aber ich liebe das! Es ist ein großer Kontrast zu den Tätigkeiten, die ich für mich mache.

Was bewegt dich zurzeit in deiner Arbeit am meisten?

Ich beschäftige mich sehr damit, wie ich die Fotografie und die Malerei, die Darstellung, das Theatralische zusammenbringe. Da suche ich gerade Wege.