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Be part of the art

Jörg Kreutziger

Maler und Illustrator aus Berlin, Deutschland

Jörg Kreutziger, Spitzname Jokke, lebt in Berlin und hat zwei Leidenschaften: die Kunst und seine Arbeit als Kinder- und Jugendtherapeut. In seinen Illustrationen sind Tiere häufig das Motiv – warum, erzählt er uns im Interview. Außerdem sprechen wir über seine Arbeit als Mentor, die Künstlergemeinschaft „Das Beet“ und sein neuestes Projekt.

 
„Solange ich denken kann, halte ich schon einen Stift in der Hand.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von denise van Deesen, www. denisevandeesen.com

Interview

Jörg, Spitzname Jokke. Erzähl mal ein bisschen von deinem Werdegang, wie du zur Kunst gekommen bist.

Ja, wie bin ich dazu gekommen? Das ist tatsächlich auch bei mir wieder diese sehr romantische und pathetische Antwort, dass ich, so lange ich denken kann, halt einen Stift in der Hand habe. Da gibt es eine ganz witzige Anekdote. Ich bin mit 17 von zu Hause ausgezogen, habe Abi gemacht. Ich wollte die Welt entdecken und mich vom Elternhaus abnabeln. Meine Mutter gab mir einen fetten Ordner mit. Sie hatte alle Löschblätter, alle Klausuren, alle Notizen aus der Schulzeit gesammelt, wo ich drauf gezeichnet hatte. Ich habe dafür Verwarnungen, im Osten ja sowieso noch mal mit viel mehr Drill und Diktat bekommen und auch immer wieder Ärger, dass ich gezeichnet habe. Aber es ist tatsächlich so gewesen, dass, wenn ein Blatt vor mir lag und ich einen Stift in der Hand hatte, ich viel lieber gezeichnet habe, als in einer Klausur auf die Antworten zu reagieren. Dann wollte ich natürlich nach dem Mauerfall und den ganzen neuen Trends, die so rüberschwappten, unbedingt Sprüher werden. Mein allererstes Erlebnis, als ich in Berlin auf der Straße war: Ich hatte mir so eine billige Baumarktdose gekauft, die überhaupt nichts draufhatte und stand vor einer leeren Wand. Auf einmal kamen drei Leute an, die ein bisschen älter waren und hielten mir eine Gasknarre ins Gesicht und meinten so: „Ey, das ist unsere Wand.“ Dann war ich halt auch schon immer jemand, der Leute aufgefordert hat, ihren Standpunkt zu vertreten, wenn ich ihn nicht verstanden habe, und ich wollte mit denen darüber sprechen. Es ist alles gut ausgegangen, aber es war dann irgendwie so eine Dynamik da, dass ich gemerkt habe, in so einem emotionalen Zustand der Angst kann ich selber gar nicht malen. Ich bin sofort wieder zurückgegangen an meine Leinwand und habe von da an nur noch meine Leinwände bemalt. Später bin ich dann irgendwann wieder legal an Wände.

Du hast auch schon als kleiner Junge viel gezeichnet?

Ja, voll.

Kannst du dich an einen Moment erinnern, in dem du das Talent in dir gesehen hast?

Das hat tatsächlich erst sehr spät begonnen. Ich bin vom Typ her jemand, der schnell an sich zweifelt und der auch ein hohes Maß an sich selbst anlegt. Dieses Vertrauen in mein Talent, wenn es denn so ist, kam erst sehr viel später von außen. Ich habe ja etwas anderes studiert als Kunst. Und in meinem ersten Studium, das ich absolviert habe, gab es einen Professor, der bekam irgendwann heraus, dass ich nebenbei male, und hat sich Sachen von mir angeguckt. Er hat die erste Auftragsarbeit an mich ausgesprochen. Ich sollte ein Bild zum Thema Heiliger Geist malen. Ich habe auch ordentlich was aufgefahren, ein Triptychon gemalt, vier Jahre dran gesessen und ihm dann für seine Sammlung vermacht. Durch diese Anfrage und auch durch die Nähe des Professors an dem Prozess und durch unsere Gespräche habe ich eigentlich diesen Augen-Aufschlag-Moment gehabt, so: „Wow ich kann hier wirklich auch noch einen alten, erfahrenen, in der Politik verankerten Pfarrer durch mein Bild bewegen.“ Und da dachte ich so: „Woah, das möchte ich gerne weiter machen. Ich möchte gerne Menschen bewegen.“

Liegt die Kreativität bei dir in der Familie?

Ich bin Halbsorbe. Mein Großvater ist Sorbe. Er war Tischler und ist immer mit seiner Mundharmonika durchs Sorbenland gezogen und hat ein sehr aufregendes und leidenschaftliches Leben gehabt. Er war mir sehr lieb und er konnte einfach wahnsinnig gut zeichnen. Ich habe immer meine Sommerferien bei ihm verbracht. Mein Vater hat von ihm einen Schlag mitbekommen vom Zeichnen. Die Geschichte zwischen mir und meinem Vater ist die, dass ich ihn immer aufgefordert habe, mir Geschichten zu zeichnen. Ich stehe auch sehr auf Hände und wie eine schöne Hand eine schöne Zeichnung anfertigen kann. Irgendwann gab es diesen Effekt, dass ich gemerkt habe, dass ich das auch selber machen kann. Das muss nicht immer mein Vater machen. Insofern glaube ich schon, dass durch diesen warmen Moment, dass mein Vater für mich zeichnet, ich da familiär etwas reinbekommen habe. Es ist aber nicht dieser Klassiker, dass ich aus einer Künstlerfamilie komme. Es ist eher das Prozesshafte und die Emotion, die einfach auch beim Malen und beim Zeichnen dabei sind. Sehr viel Wärme.

Du zeichnest gerne Tiere, zum Beispiel Fische. Warum?

Ich glaube, dass sich Tiere ganz wunderbar als Träger für Metaphern und Symbole eignen. Ich habe früher Comics gemacht und beim Malen eine Aussage hineingearbeitet und jetzt ist es komplett anders. Ich habe eine ganz klare Idee, was ich gerne als Thema umsetzen möchte und auch als Atmosphäre. So schleichen sich einfach immer in die Ideen Tiere ein. Ich nutze die Tiere glaube ich auch, weil ich den Anspruch habe, sehr hart und sehr seriös auch an schwierigen Themen zu arbeiten. Tiere dienen mir dabei immer als dieser Gegenpol, als Moment der Auflockerung, als Moment der Heiterkeit, aber eben auch als Informationsträger für gewisse Botschaften.

Wie entstehen deine Werke?

Ich habe jetzt gerade an einer Serie gearbeitet, da hat jedes Bild vorher sehr viel Recherche benötigt, weil es dabei um psychologische Pathologie ging. Ich habe mich mit der Frage auseinandergesetzt, was eigentlich eine Diagnose ist und warum es eine Diagnose gibt. Ich habe mich auch mit Betroffenen unterhalten, die darunter leiden, dass sie eine Diagnose ausgesprochen bekommen haben, die überhaupt nicht zu ihrer eignen Lebenswelt und Wahrnehmung passt. Ich habe mit Psychologen gesprochen und einigen Wissenschaftlern und Forschern, die mit bestimmten Krankheitsbildern arbeiten, und durch diese Gespräche bekomme ich dann ein Gefühl für die Atmosphäre im Bild. Die Atmosphäre, die ich rüberbringen möchte, ist total wichtig. Wenn ich an das Bild gehe, dann arbeite ich erst mal am Hintergrund und schäle das Bild sozusagen aus dem Hintergrund raus. Ich arbeite immer von hinten nach vorne. Das ist für mich auch immer wieder sehr hart, weil ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin und ich gerne vorne anfangen möchte, aber es funktioniert nicht. Das ist immer ein sehr harter Prozess für mich, mich zu zügeln und hinten zu bleiben und dann Schritt für Schritt nach vorne zu gehen.

Machst du dir denn vorher eine Skizze?

Nicht mehr. Das blockiert mich irgendwie. Ich habe es erlebt, dass ich Skizzen gemacht habe und gedacht habe, dass das genau das ist, was ich auf die Leinwand bringen will. Wenn ich es dann aber nicht schaffe, weil irgendetwas anders ist oder mein Antrieb sich verändert hat, dann leide ich sehr darunter, dass ich die Skizze nicht eins zu eins rüber kriege. Ich fange an, auf der Leinwand zu skizzieren, aber eine Skizze im Skizzenbuch oder so mache ich nicht mehr.

Was ist zuerst da, die Idee oder das weiße Blatt?

Es ist definitiv die Idee. Ich habe auch tatsächlich so ein Buch, in das ich alle meine Ideen schreibe. Das wird auch immer voller. Irgendwann, gerade in meiner jetzigen Situation, wo ich nicht so viel Zeit habe zu malen, kann das irgendwann auch erdrückend sein, weil irgendwann dieser bedauernswerte Punkt eintritt, dass eine gute Idee für die andere weichen muss, weil ich nicht die Zeit habe. Es ist definitiv die Idee vorher da.

Hast du ein Lieblingsmaterial?

Ja, die Leinwand. Musste ich mich dran gewöhnen. Hat auch eine Weile gedauert und mich am Anfang ein bisschen verschüchtert, weil ich vom Papier komme. Ich fühle mich da aber total wohl. Auch dieses „Abstand nehmen zur Leinwand und wieder herankommen“, dieses Prozesshafte, was einfach entsteht. Auch das eigene Hadern und Scheitern funktioniert bei einer Leinwand viel besser. Papier landet schnell mal irgendwo im Müll. Klingt vielleicht ein bisschen kitschig, aber die Leinwand bringt dann doch für mich mehr Ehre und mehr Status mit. Ich bin geduldiger mit mir.

Gibt es ein Motiv oder eine Illustration, die dir besonders am Herzen liegt? Welche ist das?

Es gibt tatsächlich ein einziges Bild, das ich nicht verkaufen würde. Es ist die Erinnerung an den Moment, und ich habe das sehr selten erlebt, dass ich in so einen Flow komme und von vorne bis hinten durchmale. Häufig gibt es dieses Durchatmen, aber das ist tatsächlich in drei oder vier Stunden entstanden und verkörpert den perfekten Zustand des Malens. Das Hinterfragen war überhaupt nicht da und kam auch nie und ich würde trotzdem immer noch sehr selbstbewusst und ohne Weiteres behaupten, dass das das beste Bild ist, was ich jemals gemalt habe. Jetzt ist es ein bisschen die Suche nach diesem Zustand. Oder eher das Warten. Es war schön, dass ich genau im richtigen Moment Lust hatte zu malen und das Bild dabei herausgekommen ist.

Ist es dir lieber, frei zu arbeiten oder nach Aufträgen?

Da gibt es leider nicht die perfekte Antwort. Ich mag beides total gerne. Beides hebt sich aber auch wahnsinnig voneinander ab. Wenn ich für Kunden male, mag ich diese Kommunikation vorher. Das Herausspüren, was die für ein Bild haben wollen. Das Problem am Kunden ist meiner Meinung nach, dass sie mit dem Bild mitwachsen und ihre eigene ästhetische Wahrnehmung durch das Bild noch einmal entdecken und sich dann eben verschieben. Dann kann man eigentlich ständig ein neues Bild malen, weil der Kunde sich entwickelt. Das ist schön für den Kunden, aber eben ärgerlich für den Auftragsmaler. Dennoch sind dabei schöne Sachen entstanden. Dieses freie Malen hängt tatsächlich auch total davon ab, wie es mir gerade geht, an was ich arbeite, wie schwer vielleicht das Thema ist. Manchmal kann ich das vollends genießen und manchmal könnte ich mich selbst sonst wohin jagen, weil ich mich nicht ausstehen kann.

Du bist auch Mentor an der Hochschule der populären Künste. Du selbst hast deine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Kann man das so sagen?

Ja, teilweise. Ich habe das große Glück, noch einen anderen Beruf zu haben. Ich bin auch Kinder- und Jugendtherapeut und ich genieße es total, da nicht liefern zu müssen. Ich kenne einen Bereich von Künstlern, die sehr lange sehr gelitten haben, weil sie eben sehr arm waren und auf der Straße gelebt haben. Die sind auch eine Generation über mir, aber in so eine Situation wollte ich nie rutschen. Ich schütze mich davor, Aufträge anzunehmen, die ich nicht umsetzen möchte, mich also sozusagen anzubiedern für die Brötchen auf dem Tisch. Diese Freiheit ist mir total wichtig. Deshalb konnte ich mich, glaube ich, auch so entwickeln, wie ich mich entwickelt habe. Ich habe immer diese Freiheit beschützt. Ich habe meine Leidenschaft schon zum Beruf gemacht, aber diese Leidenschaft hätte ich nicht, wenn ich die andere Leidenschaft zum Kontakt zum Menschen und zur Kommunikation nicht hätte. Für mich ist Kunst ganz viel Kommunikation und in dem Fall die nonverbale Kommunikation, aber die verbale interessiert mich auch sehr, deswegen habe ich so zwei Leidenschaften und zwei Herzen in meiner Brust. Jeweils in dem einen bin ich so gut, weil es das andere gibt. Irgendwann wollte ich mehr Künstler sein, mehr malen, mein Ego füttern über Reaktionen und habe irgendwann festgestellt, dass das gar nicht alles ist, was mir wichtig ist. Da gibt es noch viel mehr.

Hast du ein künstlerisches Vorbild?

Ja, super viele! Angefangen bei den ganzen alten Haudegen und Klassikern. Wenn ich jetzt anfange, höre ich gar nicht mehr auf, aber es gibt bei mir immer so Phasen. Momentan sind es Licht-und-Schatten-Meister, zum Beispiel Caravaggio. Das mag ich total gerne. Aber wir leben in Berlin! Wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht, könnte ich jeden Tag einen neuen Helden entdecken. Es gibt einfach total viele gute Leute, einfach auf der Straße. Bei mir ist es tatsächlich so, dass es nicht den einen großen Maler oder Künstler gibt, weil ich mich selber einfach noch sehr entwickle und dann in einer Phase immer jemand anderes besser passt. Ich möchte mich eigentlich nicht darauf einlassen, dass es nur diesen einen Künstler gibt, der für mich die Orientierung oder das Vorbild abgegeben hat, sondern eher sehr viele. Ich bediene mich dann immer wie an einem Blumenstrauß und nehme den, den ich gerade brauche.

Kannst du uns von deinem Projekt „Kinderzimmer-Maler“ erzählen?

Das ist dadurch entstanden, dass ich eine Zeit lang sehr viele Tiere gezeichnet habe. Das war vor der Zeit, in der ich angefangen habe, mich mit dunkleren Themen von Menschen auseinander zu setzen. Die Reaktionen bei Ausstellungen waren sehr häufig, ob ich so etwas auch für Kinder mache. Das war für mich immer so ambivalent, weil Kinder ja genauso zu meinen Ausstellungen eingeladen sind wie Erwachsene. Ich habe mal die fünfzig gefährlichsten Fische der Spree gemalt, alle schön auf einer Leinwand, alle in eine Richtung, einer dagegen, also relativ plakativ. Da entstand immer diese Nachfrage. Und ich wollte das aber eigentlich ganz gerne trennen. Weil ich halt auch Mentor an der Hochschule der populären Künste bin, habe ich Studenten unter meinen Fittichen und irgendwie ging es mir darum, jungen Illustratoren auch eine Plattform anzubieten, wo sie sich mal austoben können, wo sie eine Wand haben und wo sie im besten Fall sogar auch mal ein bisschen Geld bekommen, um durch die Studienzeit zu kommen. Deswegen habe ich diese Plattform „Kinderzimmer-Maler“ gegründet. Es melden sich Kindertagesstätten und Familien, die direkte Kunst auf ihren Wänden haben wollen.

Du selbst bist vor Kurzem Vater geworden. Wie sieht denn das Kinderzimmer aus?

Das wurde noch nicht aktiviert (lacht).

Ist da denn schon was in Planung?

Ja, auf jeden Fall. Es gibt auch schon ganz klare Vorstellungen. Irgendwie musste ich da auch wieder zurückrudern, weil meine Tochter ja vielleicht jetzt auch schon so etwas wie einen Willen hat. Wenn sie da keinen Bock drauf hat, dann müsste ich an meinen Plänen schrauben.

Du bist außerdem Teil der Künstlergemeinschaft „Das Beet“. Erzähl uns davon ein bisschen mehr.

Das Beet war für mich total wichtig, weil ich mich eine Zeitlang sehr einsam gefühlt habe als Schaffender. Ich habe zwar einen supertollen, lebendigen Freundeskreis, aber die sind alle mehr so in der Filmbranche unterwegs und hauen da sozusagen ihr kreatives Potenzial raus. Mein Freundeskreis ist aufgeteilt, Musiker und Filmleute. Und mir fehlte da immer der Kontakt. Ich habe bei den Musikern immer beneidet, dass die miteinander in diesen Prozess gehen können und sich dann austauschen. Ich war bei Jamsessions dabei und habe die skizziert und mir gedacht: „Ich bin wieder hier alleine und skizziere.“ Dann habe ich irgendwie über einen Zufall die Leute von Beet kennengelernt und auf einmal hatte ich diesen Schmelztiegel an verrückten Menschen, die immer einen Stift in der Tasche haben und unruhig sind, wenn sie länger nicht zeichnen können. Die haben mich verstanden und ich habe sie verstanden. Das war für mich total wichtig in Richtung Selbstbewusstsein, auch um mich mit Kritikern auseinanderzusetzen. Die waren auf jeden Fall ein Meilenstein in meiner Laufbahn.

Tauschst du dich gerne mit anderen Künstlern aus? Gebt ihr euch gegenseitig Kritik?

Ja, schon, obwohl ich sagen muss, dass ich da total zurückhaltend bin. Es ist ja immer ein schwieriger Spagat zwischen Handwerk und dargestelltem Inhalt und man kann einem Künstler oder einem Maler ja nicht absprechen, dass es so gewollt ist. Ich würde es auch nicht Kritik nennen, sondern eher meine Meinung äußern. Das ist ja auch das, was ich in meinen eigenen Sachen irgendwie hinbekommen muss, Abstand gewinnen. Denn wenn ich es abgebe, dann habe ich keine Kontrolle mehr. Das ist nicht immer die schönste Situation, aber ich kann ja nicht von Menschen verlangen, dass sie das sehen, was ich provozieren wollte. Gleichzeitig ist es total schön, wenn etwas zurückkommt oder die Leute den Kopf schütteln und sagen: „Ich verstehe überhaupt nicht, dass du das Thema hast und dann das malst.“ Da ist eine riesige Differenz bei mir zwischen dem, was ich wahrnehme und dem, was ich darstellen will. Also keine Kritik, sondern über das Bild in den Dialog gehen und sich über den Inhalt und das Handwerk austauschen. Bei Kritik bin ich sehr zurückhaltend. Kunstkritiker kann man sein, muss man aber nicht.

Gibt es zukünftige Projekte, von denen du uns schon erzählen magst?

Ich arbeite gerade an einer Serie, die für mich schwer zu beschreiben ist. Im Grunde genommen geht es um Menschen, um Identitäten, die auf der Suche sind, ihre Identität weiterzuentwickeln. Im Grunde geht es da bei diesen Persönlichkeiten, die ich darstelle, nicht um die Situation, wenn alles glatt läuft, sondern um die dunklen Seiten, Schattenseiten von Persönlichkeiten. Plakativ gesagt, versuche ich den Dämonen eine Stimme, ein Bild zu geben. Das interessiert mich wahnsinnig und der Arbeitstitel heißt „Sweet demon“. Vielleicht bleibt es dabei, vielleicht ändert es sich noch mal. Das treibt mich gerade auf jeden Fall sehr um.