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Be part of the art

Brigitte Yoshiko Pruchnow

Malerin aus München

Brigitte Yoshiko Pruchnow wohnt in München. Durch ihre japanischen Wurzeln lebte sie eine Zeit lang in Japan und lernte die traditionelle japanische Malerei kennen. Mittlerweile arbeitet sie vor allem mit Acrylfarben und baut ihre Werke Schicht für Schicht auf. Welche Motive sie verwendet, welche Rolle Licht in ihren Arbeiten spielt und inwiefern ihr Filmstudium ihre Kunst beeinflusst, erklärt uns Brigitte im Interview.

 
„Licht und Schatten, das ist mein Ding.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Phil Pham, www.philpham.de

Interview

Du hast in Japan studiert. Ist das richtig?

Ja, studiert ist vielleicht etwas zu viel gesagt, aber ich hatte dort mehrere Aufenthalte. Ich habe eine japanische Mutter, deshalb auch der japanische Zweitname, Yoshiko. Ich bin in Deutschland geboren, in Deutschland aufgewachsen und auch sehr deutsch aufgewachsen, glaube ich. Als Teenager habe ich erst angefangen, mich mit Japan zu beschäftigen. Ich habe als ganz kleines Kind Japanisch gesprochen, es komplett vergessen und dann wieder von vorne angefangen, es zu lernen. Ich habe auch erst mal Japanologie studiert und bin dann nach Japan, um die Sprache so richtig zu lernen. Dort war ich dann ein Jahr. Ich war schon fertig mit der Schule hier, hatte studiert und war dort dann eine Art freier Vogel, der alles Mögliche machen konnte. Kunst hat mich da schon immer total interessiert und deshalb hab ich mich mit der klassischen Malerei dort beschäftigt, Kalligrafie, Tuschepinsel, ganz klassisch, so richtig zen-mäßig. Ich habe auch die traditionelle japanische Malerei gelernt, zumindest von der Technik her, nicht von den Motiven. Das nennt sich Nihonga und ist auch sehr spannend. Es wird auf Papier mit reinen Pigmenten gearbeitet, die in verschieden starker Körnung sind, aufkocht und mit Fischmehl verbunden. Man mischt das an, macht zehntausend Schichten und baut das Bild von sehr feiner Pigmentkörnung bis zu sehr grober Körnung auf.

Welche Rolle spielt Licht in deinen Arbeiten?

Licht ist total essenziell. Das ist banal, denn alles, was wir sehen, ist Licht. Und wenn man etwas visuell darstellt, muss man sich mit Licht beschäftigen. Gleichzeitig interessieren mich Sujets, in denen Licht eine Hauptrolle, eine richtige Bühne bekommt: Wasser, Glas, Metall. Alles, wo Licht anfängt, Sachen mit festen Dingen zu machen, wo wir spüren, dass sich die Formen auflösen, dass etwas in Bewegung ist, was es ja nicht tatsächlich ist. Gerade, wenn man figurativ arbeitet, ist es spannend, mit Wasser und Reflexionen zu arbeiten, weil dann etwas passiert, weil Sachen sichtbar werden, die man nicht unbedingt immer so bewusst wahrnimmt. Licht und Schatten sichtbar machen, deutlich wahrnehmbar machen, das ist mein Ding.

Wählst du deine Motive zufällig aus oder wo findest du sie?

Ich habe ein Werkzeug, das ist mein iPhone. Das ist super, weil man immer eine Kamera bei sich hat. Ich laufe rum, sehe etwas, was ich total toll finde und fotografiere es. Das ist dann mein Material, mit dem ich arbeite. Daraus wähle ich meine Vorlagen aus.

Auf welchem Format arbeitest du am liebsten?

Anfangs war das noch nicht so, aber das hat sich jetzt so rauskristallisiert, dass ich sehr gerne mit quadratischen Formaten arbeite. Ich liebe das Quadrat.

Hängt deine Kunst auch bei dir in der Wohnung?

Ja! Meine Kinder und mein Mann mögen meine Bilder sehr gerne und es gibt auch Bilder, bei denen er sagt: „So, das bleibt hier!“

Hast du ein künstlerisches Vorbild?

Ja, mit Wasser und Pool und so, ist es auf jeden Fall David Hockney, das liegt auf der Hand und seine Werke sind einfach großartig. Aber auch so Klassiker wie Vermeer, ganz toll, gar keine Frage. Und ansonsten bin ich wie ein Schwamm. Ich sehe so viel tolle Kunst, dass ich immer nur am Staunen und Bewundern bin.

Arbeitest du lieber frei oder nach Auftrag?

Ich arbeite auch nach Aufträgen, aber eher selten. Es kann nicht jemand kommen und sagen, welches Bild er gerne hätte. Das Thema muss mich schon anmachen. Wenn ich sage: „Das ist ein Motiv, das finde ich spannend genug, das würde ich auch für mich malen und das nehme ich auch für mich, wenn der Kunde es nicht nimmt“, dann mache ich es. Aber wenn es nicht so ist, dann nicht.

Wie entstehen deine Werke?

Ich arbeite mit einer Fotovorlage. Was ich früher weniger gemacht habe, heute allerdings schon häufiger, ist, dass ich projiziere. Ich helfe mir schon, indem ich die Fotos auf die Leinwand projiziere und mit einem Bleistift eine grobe Vorskizze mache, damit ich ungefähr die Einteilung habe. Das Foto bearbeite ich insofern, als dass ich mir den Ausschnitt sehr genau überlege. Das ist das, was für mich auch sehr wichtig ist, die Komposition, der Ausschnitt. Ich arbeite auch gerne mit angeschnittenen Bildern. Das kommt vielleicht auch von meinem Filmbackground, ich habe ja Film studiert. Dann habe ich die grobe Skizze. Manchmal grundiere ich vor, manchmal aber auch nicht. Das entscheide ich immer frei. Dann fange ich an, und ähnlich wie bei der traditionellen japanischen Malerei arbeite ich in Schichten. Es sind viele dünne, teilweise nicht immer deckende Farbschichten, die ich so übereinander auftrage. Anders als bei der Nihonga-Malerei wird die Acrylfarbe, mit der ich arbeite, nicht immer dicker. Aber ich vermische sie je nachdem mal mit mehr Wasser, mal mit weniger Wasser, mal mit einem Trocknungsverzögerer und manchmal arbeite ich auch mit Pasten oder mit Sand.

Hat dein filmischer Hintergrund deine Sichtweise beeinflusst?

In jedem Fall! Man hat ja immer die Überlegung, wie man ein Bild einrichtet, wie man ein Bild komponiert. Das ist eigentlich nichts anderes als Belichtung. Da arbeitet man ganz viel mit Licht, und das Licht im Film ist mit das Wichtigste. Wenn man eine Szene wie hier nun beleuchten würde, dann würde man im seltensten Fall nur das natürliche Licht nehmen, sondern man hat gefühlt zehn Lampen, also total künstlich, aber sehr bewusst. Außerdem habe ich die Anschnitte aus dem Film übernommen. Die finde ich auch in der Kunst sehr spannend. Meistens schneide ich Dinge in meinen Werken an, also nie in der Mitte oder nach dem goldenen Schnitt oder so, sondern dass ich dann bewusst irgendetwas abschneide. Es hat eben etwas damit zu tun, dass es ein kurzer Moment ist. Im Film bewegt sich das Bild, und wenn man dort ein einzelnes Bild rausnehmen würde, ist es auch immer angeschnitten. Es geht gerade rein oder es geht gerade raus. So ist das auch mit meinen Personen, mit meinen Schwimmern, die kommen gerade rein oder gehen gerade raus. Dann ist der Fuß weg, oder so.

Verbindest du das Filmische mit der Kunst?

Nein, das habe ich bisher noch nicht gemacht. Ich habe zwar das Wasser-Thema auch schon im Film gehabt, aber das waren dann zwei verschiedene Werke für sich.

Gibt es auch Tage, an denen du nicht kreativ bist?

Ja, klar. Es ist oft so, dass ich nicht weiß, was der nächste Schritt ist. Bei einem Bild gibt es manchmal Probleme, bei denen ich nicht weiß, wie ich sie lösen soll. Manchmal brauche ich Anlauf oder ich muss mir selbst einen Schubs geben. Ich helfe mir dann dadurch, dass ich einfach anfange und nicht darauf warte, dass mir etwas einfällt. Ich nehme mir dann eine kleine Ecke des Bildes vor, bei der ich weiß, was ich malen will und muss. Und auch, wenn ich dann nicht weiterweiß, ergibt es sich, wenn ich erst mal drinnen bin. Das hilft. Einfach tun.

Hast du eine Lieblingsfarbe?

Ja, Blau. Blau, Blaugrau, abgesetzt mit Rot- oder Gelbtönen. Es ist nicht wirklich eine Lieblingsfarbe, aber mit Wasser liegt Blau ja auch ein bisschen auf der Hand.

Könntest du dir vorstellen, mit anderen Künstlern zusammen zu arbeiten?

Ja, klar, kommt drauf an. Ich habe es bisher noch nicht gemacht, aber ich hab so Ideen mit einer anderen Malerin. Für die nächste Stroke Limited, da machen wir ein Triptychon, wo jeder ein Teil malt. Es ist jetzt nicht ein Frame, an dem alle gemeinsam arbeiten, sondern es sind drei Frames, wo jeder an einem arbeitet und die dann zusammengenommen werden. Aber das ist ja auch schon so eine Art Kooperation.

Kannst du dich gut von deinen Kunstwerken trennen, wenn du sie verkaufst?

Das fällt mir meistens sehr schwer. Ich freue mich natürlich immer, wenn ich verkaufe. Wenn ich nicht verkaufe, bin ich auch frustriert. Aber wenn das Werk dann weggeht, fällt es mir total schwer.

Dein Lebensmittelpunkt ist München. Schon immer gewesen?

Im Wesentlichen, ja.

Was begeistert dich an der Stadt?

Es ist tatsächlich meine Heimat. Dadurch, dass meine beiden Eltern so entwurzelt sind und ihre Heimat verloren haben, meine Mutter ist Japanerin, mein Vater Vertriebener aus Schlesien, hänge ich wahrscheinlich so sehr an München. Ich habe das wahrscheinlich gegenkompensiert. Keine Ahnung. Und weil ich diesen Draht nach Japan habe und die Internationalität, das langt mir dann auch. Ich bin viel gereist und reise auch gerne, aber bin auch immer wieder gerne zurückgekommen. München und die Landschaft sind einfach vertraut.

Was bedeutet Kunst für dich?

Kunst ist für mich erst mal lebensnotwendig. Nicht nur, weil ich es andauernd mache, sondern weil ich glaube, dass der Mensch, sobald er seine Grundbedürfnisse gestillt hat, einfach gestalten will. Er will nicht einfach nur dasitzen und alles über sich ergehen lassen. Er will ja nicht passiv sein, sondern aktiv. Und aktiv heißt, er will eingreifen in sein Lebensumfeld und das in irgendeiner Form gestalten. Ich glaube, das ist ein Grundbedürfnis. Ich lebe das aus, indem ich eben male. Wenn ich das eine Zeit lang nicht tue, dann fehlt mir etwas.

Du beziehst deine Motive oft aus dem engeren Umfeld. Kannst du dir auch vorstellen, Motive zu verwenden, die mit einer gewissen Thematik zu tun haben?

Wahrscheinlich nicht unmittelbar. Wenn es sich ergeben würde, klar, würde ich es machen. Da bin ich sicherlich nicht verschlossen. Aber so wie ich gesagt habe, ich gehe durch die Welt und schaue, gucke, bin offen und schaue auch mal genauer hin. Das kann ja alles beinhalten. Bei mir ist es eben sehr auf Licht und was so passiert bezogen. Aber was immer mir ins Auge fällt, würde ich aufnehmen. Mit was immer ich auch konfrontiert werde, nehme ich auf. Alles, was mich unmittelbar berührt und mich konfrontiert, kann auch Thema werden.