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Be part of the art

Jakob Reh

Maler aus Löhne

Jakob Reh wurde in Russland geboren und kam vor fünfundzwanzig Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Er hat mit seiner Kunst eine ganz besondere Technik gefunden: Tube-Paintings. Punkte, direkt aus der Tube gedrückt, lassen ein Werk voller Dreidimensionalität entstehen.

 
„Das Geistige in der Kunst inspiriert mich.“

Impressionen

Interview

Jakob, du wurdest in Russland geboren. Wann bist du nach Deutschland gekommen und wie kam es dazu?

Mein Vater ist Deutscher, er hat deutsche Wurzeln. Mein Großvater ist in Deutschland geboren und wurde im Krieg eingezogen. Er ist als Häftling in Russland geblieben. Mein Vater wurde also in Russland geboren, fühlte sich aber immer zu Deutschland hingezogen. Es war 1990, als mein Vater endlich den Entschluss gefasst hat, alles über Bord zu werfen, alles zu verkaufen und ab nach Deutschland. Da war ich sechs Jahre alt. Mein Vater wusste ganz genau, dass er in Russland eigentlich nichts verloren hatte. Er hat sich nicht mit dem zufrieden gegeben, was ihm dort geboten wurde. Als er nach Deutschland kam und hier für ein oder zwei Wochen zu Besuch war, hat er gedacht: „Mensch, was man hier auf dem Sperrmüll findet, kann man dort überhaupt nicht kaufen.“ Dann stand der Entschluss fest, dass wir unbedingt nach Deutschland wollten.

Du fühlst dich also auch eher hier zu Hause, als in Russland?

Natürlich. Selbstverständlich, ich fühle mich natürlich auch sehr gut eingedeutscht. Ich trinke auch keinen Wodka, sondern eher Bier. Ich spreche zwar auch noch Russisch, vor allem wegen meiner Mutter. Sie hat russische Wurzeln, mit ihr haben wir zu Hause immer Russisch gesprochen und mit meinem Vater eben Deutsch.

Was ist genau deine Dotpainting-Art? Kannst Du deine Kunst beschreiben?

Ich nenne es nicht Dotpainting, da Dotpainting eigentlich aus der australischen Aborigines-Malerei kommt, die in den Achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts entstand. Ich versuche da überhaupt keine Verbindung zu Dotpainting zu haben. Ich nenne meine Kunst Tube-Paintings. Also aus der Tube gemalt. Das ist eigentlich der Punkt, der in verschiedenen Varianten vorkommt. Ob aus der Presspistole, mit einem Schaschlik-Spieß oder direkt aus der Tube gedrückt. Eigentlich habe ich mit Linien angefangen, mit ganz feinen Strukturen, Op-Art. Das hat mich am Anfang fasziniert, dieses Kleine. Irgendwann wollte ich mich von dieser Linie trennen. Da habe ich eine Künstlerin getroffen, die mich sehr inspiriert hat. Ich habe mit ihr darüber gesprochen und sie meinte, ich soll es mit dem Punkt versuchen. Aber ganz ohne bestimmte Anhaltspunkte wie die Aborigine-Malerei. Die habe ich erst danach entdeckt.

Wie entstehen deine Werke?

Meistens habe ich ein bestimmtes Bild im Kopf, aber das kann man während des Prozesses natürlich nicht beeinflussen. Man fährt in eine Richtung und dann passieren bestimmte Dinge, wie ein Unfall. Es kommt mal ein Stau und so verhält sich das auch mit den Bildern. Man hält kurz an, man hält kurz inne und kreist um das Bild herum. Man schaut, was man noch einfügen kann. Das ein oder andere, was man im Kopf hatte, passt vielleicht nicht mehr so richtig. Die Farben sind dann in der Realität doch irgendwie anders, als so, wie man sie sich vorstellt. So versuche ich dann auch zu verfahren. Ich fange mit einer Skizze im Kopf an und dann lasse ich mich vom Zufall treiben.

Arbeitest du lieber tagsüber oder nachts?

Seitdem ich hauptberuflich als Lehrer arbeite, nachts. Es geht leider nicht mehr anders. Manchmal sitze ich bis drei, halb vier in der Nacht, vor allem am Wochenende. Unter der Woche meistens abends bis elf oder zwölf, wenn die Kinder schlafen. Dann geht das.

Was machst du, wenn du nicht malst?

Ich habe, abgesehen von meiner Familie, viele Hobbies. Ich bin ein Multitalent in Sport. Es gibt da eigentlich gar nichts, was ich nicht kann. Ich spiele gerne Badminton, Basketball spiele ich im Verein. Das war eigentlich auch das erste, was ich gemacht habe, bei dem ich auch richtig Ehrgeizig war und wo ich erfolgreich sein wollte, es aber durch eine Verletzung nicht geklappt hat. Beim Basketball bestand schon immer der Wunsch groß rauszukommen. Das versuche ich jetzt in der Kunst zu schaffen.

Gibt es ein Werk, das dir besonders viel bedeutet?

Ja, das Werk, das bei mir unten im Flur hängt. Dafür habe ich drei Jahre gebraucht. Ich habe es „Rêve d’un artist“, Träume eines Künstlers genannt. Ich habe an diesem Werk wirklich drei Jahre gearbeitet. Von 2007 bis 2009, da habe ich überhaupt erst angefangen mit Kunst und es im Sinn gehabt, dass ich etwas Großes daraus machen will. Ich war kurz davor es aufzugeben und habe mich dann doch überwunden und habe es fertig gebracht. Das ist so die Arbeit, auf die ich sehr stolz bin.

Fast unbezahlbar!

Ja, fast unbezahlbar. Ich habe es immer versucht anzubieten, aber dann kam ein Kritiker, damals bei einer meiner ersten Ausstellungen und hat mich gefragt, ob ich ihn verarschen will und was ich mit meinem Bild überhaupt sagen will. Deshalb habe ich es jetzt für mich behalten, weil ich sehr stolz darauf bin und es nicht unter Wert verkaufen möchte.

Hast du ein künstlerisches Vorbild?

Nur das Geistige in der Kunst inspiriert mich. Kandinsky war der erste, bei dem ich gemerkt habe, dass ich mich unbedingt mit ihm befassen muss. Aber allgemein finde ich die Kunst von Jackson Pollock auch sehr faszinierend. Kandinsky ist aber eigentlich derjenige, der mich bei meiner jetzigen Malweise inspiriert hat.

Was würdest du tun, wenn Du keine Kunst machen würdest?

Ich bin ein Lehrer, aber ich glaube, ich wäre Musiker geworden. Mein Traum war es, ein Pianist zu sein und ich stand immer gerne im Mittelpunkt. Ich spiele eigentlich fast alle Instrumente, das kann ich am besten. Wenn aus der Kunst nichts geworden wäre, wäre ich Pianist geworden. Ich bin immer als Michael-Jackson-Double aufgetreten, das war immer meine große Sache. Im Mittelpunkt zu stehen, vor vielen Leuten, das ist es.

Du bist Lehrer. Was macht dir dabei am meisten Freude?

Ich unterrichte Kunst, Musik, praktische Philosophie und darstellendes Spiel. Das sind so meine Fächer. Alles, wo man keine Arbeiten korrigieren muss, nicht wahr? (lacht) Was mir aber im Moment so gefällt, ist das Darstellen und Gestalten. Das theatralische Darstellen auf der Bühne, die Zusammenarbeit mit den Schülern. Aber ich nehme mir auch vor später mehr in die Philosophie einzusteigen.

Also finanzierst du deinen Lebensunterhalt nicht durch deine Kunst, sondern baust dir dein künstlerisches Schaffen gerade auf?

Ja. Wenn man zu diesem einen Prozent der Künstler in Deutschland gehören will, die von ihrer Kunst leben können, dann dauert das sehr lange. Das geht nicht von heute auf morgen. Deshalb habe ich mir eine Sicherheit aufgebaut. Es ist natürlich mein Wunsch, irgendwann von meiner Kunst leben zu können. Aber momentan geht das noch nicht.

Hast du ein Lieblingsmaterial?

Ich arbeite am liebsten mit der Presspistole. Das macht mir am meisten Spaß, aber trotzdem habe ich manchmal einfach die Schnauze voll davon und dann setze ich mich an die kleinen Arbeiten und arbeite mit dem Schaschlik-Spieß. Ich brauche diese Abwechslung und da kann ich eigentlich nicht wirklich sagen, was mir am meisten Spaß macht, obwohl ich eher dazu neige aus der Presspistole zu arbeiten.

Kannst Du dir denn vorstellen, auf sehr großen Formaten zu arbeiten?

Das ist mein allergrößter Wunsch. Wie man sieht, ist es in diesem Atelier nicht wirklich möglich.

Würdest du denn dann bei den verhältnismäßig kleinen Punkten bleiben?

Ich glaube, ich würde es wie Roy Lichtenstein machen und mit Schablonen arbeiten. Aber so ein großes Format wirkt dann eben auch gleich wieder ganz anders. Das ist ähnlich wie bei der Fotografie. Wenn ich mir meine Werke als Fotografie anschaue, sehen sie auch ganz anders aus als im Original, wo man auch die einzelnen Punkte anfassen kann.

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Ich habe eigentlich alles dokumentiert, seitdem ich male. Richtig klick hat es bei mir gemacht mit meinem 25. Lebensjahr. Von einem Tag auf den anderen eigentlich. Da hatte ich das Gefühl, dass ich genau das richtige mache. Ich habe in dieser Zeit viel gelesen, weil ich kurz vor meiner Kunst- und Musikprüfung stand. Da hat mir mein Professor die Lektüre „Über das Geistige in der Kunst“ von Kandinsky in die Hand gedrückt und meinte zu mir: „Lies es und danach fängst du an zu malen.“ Und nachdem ich das getan hatte, hatte ich wirklich ein gutes Gefühl. Ich habe einen Punkt aus der Tube gedrückt und der sah einfach nur perfekt aus. So hat das ganze angefangen, seitdem arbeite ich mit dem Punkt. Davor war die Linie noch mein Element, aber das habe ich eigentlich nur gemacht, weil ich das am besten konnte. Ich habe nicht wirklich viele Arbeiten mit dem Punkt geschaffen, aber die Resonanz war einfach groß, von den Studierenden und Professoren. Ich habe meine Werke bewusst ausgestellt, um zu gucken, wie die Reaktionen ausfallen. Mein Professor hat angefangen mich in dieser Hinsicht zu fördern, hat gesagt: „Mach weiter, mach einfach weiter.“ Ich habe das erst als Scherz verstanden, aber als er das nach zwei Monaten nochmal wiederholt hat, habe ich angefangen, mich intensiv damit zu beschäftigen. Dann hatte ich meine erste und zweite Ausstellung und es kamen ein paar Künstler zu mir und fragten mich, ob ich mich schon mal einer Galerie vorgestellt habe. Danach habe ich angefangen zu recherchieren und zu gucken, wo die nächsten Galerien sind. Da hatte ich noch nicht viele Arbeiten, vielleicht zehn oder fünfzehn, die ich überhaupt in Acryl gemalt habe. Ich habe ein Bild mitgenommen und bin damit in die Galerie gegangen. Der Chef war zum Glück auch da, hat sich das angeschaut und meinte: „Halt uns auf dem Laufenden, es kommt noch was Großes.“ Ein Jahr später war ich auf einer Exkursion in Österreich. Da habe ich einen Anruf bekommen für meinen ersten Auftrag. Und ab da an ging es bergauf. So versuche ich natürlich immer am Ball zu bleiben, meine Technik zu verbessern und bin immer auf der Suche nach etwas Neuem.