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Be part of the art

Lennart Foppe

Illustrator und Künstler aus Münster

Lennart Foppe aus Münster fertigt poppige Collagen aus alten Magazinen, Zeitungen, Anzeigen und Comics. Er liebt das Zusammenspiel aus verschiedenen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhängen und ist immer auf der Suche nach Strukturen und Auffälligkeiten.

 
„Meine Inspiration kommt aus allem, was ich erlebe und aus meiner Umgebung aufnehme.“

Impressionen

Interview

Lennart, du studierst Illustration in Münster. Wie sieht dein Plan nach deinem Studium au

Ich werde die erste Zeit viel reisen und mir die Welt anschauen. Dann wird geschaut, welche endgültige Richtung ich einschlagen werde, und Auslandspraktika stehen auch noch auf der Liste. Ansonsten werde ich versuchen, meine Kunst weiter nach vorne zu bringen, an weiteren Bildern zu arbeiten und Ausstellungen zu organisieren.

Wann und warum hast du dich entschieden, dich der Kunst zu widmen?

Ich glaube, es gibt keinen festen Punkt, an dem man entscheidet „Ich werde jetzt Künstler“. Es ist eher ein schleichender Prozess, der sich nach hinten verdichtet. Es mag komplex klingen, aber es gibt viele Situationen, die da mitspielen. Ich komme aus einer sehr künstlerischen Familie, in der Kunst immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Mein Vater ist Restaurator und meine Mutter hat Kunst studiert, daher war der Umgang mit Kunst immer präsent und das Interesse immer vorhanden. Dass ich schlussendlich selber angefangen habe, künstlerisch tätig zu sein, war also ein wenig vorprogrammiert und ist mit der Zeit mehr geworden. Ob es jetzt frühe Phasen in der Kunstschule waren, die Organisation von Ausstellungen zeitgenössischer Künstler oder die Zeit im Studium, die klar gezeigt hat, dass es das ist, was man machen möchte. Der Grund, warum ich mich entschieden habe, künstlerisch zu arbeiten, ist relativ einfach. Es ist ein Weg, mich mit meiner Umgebung auseinanderzusetzen und auf meine Weise zu reagieren. Jeder hat seine Art, mit Lebenssituationen umzugehen oder sich zu äußern. Meine Auseinandersetzung findet in der Kunst statt. Mittlerweile ist ein Punkt erreicht, wo es essenziell für mich ist, mich künstlerisch auszudrücken.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Das ist gar nicht so einfach. Vermutlich wäre der Oberbegriff Collage der richtige, wobei ich mich nicht festlegen könnte. Ich versuche, auf verschiedenen Ebenen zu arbeiten. Seien es Illustrationen, Malerei oder Installationen. Es wäre zu einfach, jetzt klar festzulegen, was es letztendlich ist. Vielleicht von allem etwas.

Deine Werke entführen die Betrachter auf eine Zeitreise. Man erkennt frühere Promis und bekannte Gesichter aus dem Zeitgeschehen. Warum spielen genau diese Personen die Hauptrolle in deinen Werken?

Manchmal gibt es bestimmte Hintergründe zu den abgebildeten Personen, aber oftmals auch nicht. Es ist sehr ambivalent, da prominente Personen beim Betrachter immer Bezüge hervorrufen, die mit der jeweiligen Person verknüpft sind. Manchmal ist es für die Stimmung im Bild genau richtig, aber manchmal auch unpassend. Es gibt Serien, in denen die Personen nur Teil der Gesamtaussage sind und andere Motive oder Intentionen im Vordergrund stehen. Bei der Serie „Distortion“ geht es um die Verzerrung der menschlichen Gestalt, was unterschiedliche Emotionen beim Betrachter auslöst. Es ist zweitrangig, wer die dargestellte Person ist, auch wenn es durchaus bekannte Gesichter sein können. Bei der „Dystar“-Serie ist der Gebrauch von bekannten Personen eher als Reiz zu verstehen. Beispielsweise sieht man Mike Tyson und jeder hat Bilder und Gedanken zu dieser Person im Kopf. Der Betrachter versucht eine Verbindung zu anderen Bildmotiven herzustellen und sein Blick wandert über das Bild. Bei diesem Vorgang steht es nicht im Vordergrund, Antworten zu finden, sondern eher dem Betrachter Denkanstöße und Anreize für seine Betrachtung zu geben. Die Antworten muss er sich selber geben. Es geht also oft um Gedankenspielräume, ausgelöst durch abgebildete Personen und nicht um die Personen selbst.

Deine Collagen bedienen sich aus verschiedenen Ressourcen. Alte Magazine und Zeitungen, Anzeigen und Comics. Was fasziniert dich an dem „Mixen“ von verschiedenen Materialien?

Das Schöne an Collagen ist die Verwendung von verschiedenen Ausschnitten aus unterschiedlichsten Quellen. Das dadurch erzeugte Bild hat eine grundlegend neue Wirkung auf den Betrachter. Ich schaue oft nach Strukturen oder Auffälligkeiten in Magazinen, die ich verwenden kann. Diese Strukturen oder Motive sind in den jeweiligen Magazinen unterschiedlich. Blättert man in einer Reisezeitschrift aus den Achtzigern, wird man mit einer anderen Ästhetik konfrontiert als in Ausschnitten aus heutigen Zeitungen oder aus Zeitungen von vor den achtziger Jahren. Die Kombination aus verschiedenen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhängen macht letzten Endes den Reiz aus.

Woher kommt die Inspiration für deine Bilder?

Meine Inspiration kommt aus allem, was ich erlebe und aus meiner Umgebung aufnehme. Reisen, Filme und Alltägliches. Ich versuche alles, was ich erlebe, zu verarbeiten und daraus etwas Brauchbares zu ziehen. Es gibt aber auch viele Themen oder Personen, die inspirierend sein können. Inspiration ist nicht steuerbar und kann nicht künstlich hervorgerufen werden, zumindest hab ich das noch nicht geschafft. Aber man kann sich in Situationen begeben, die es leicht machen, sich inspirieren zu lassen. Ausstellungen haben großes Potenzial, aber auch negative Dinge wie menschliche Gewalt oder Auseinandersetzungen.

Machst du dir vorher Gedanken darum, wie dein Bild zum Schluss aussehen soll?

Es ist eine Mischung aus beidem. Ich habe eine Vorstellung, wie das Bild aussehen soll. Diese Vorstellung kann aber durchaus komplett umgeworfen werden. Manchmal dauert es auch seine Zeit, bis es das Richtige ist, und ich verändere im Nachhinein noch etwas. Bei den Motiven ist es oft festgelegt. Ich habe oftmals zentrale Motive, die ich in einem Werk verarbeiten möchte, die werden dann auch untergebracht, der Rest gibt sich dann von selbst.

Hast du künstlerische Vorbilder, die deine Arbeit beeinflussen?

Ich hab das große Glück gehabt, an Ausstellungsaufbauten von zeitgenössischen Künstlern mitzuarbeiten und habe so sehr viele großartige und inspirierende Menschen kennengelernt. Diese kurzen zeitlichen Zusammenkünfte haben immer einen großen Reiz auf mich ausgeübt und oftmals meine eigenen Arbeiten geprägt. Ich bin großer Fan der Installationen von Isa Genzken und Haegue Yang. Die Ästhetik von Magali Reus' Arbeiten ist auch unfassbar inspirierend und ihre Verarbeitung von Materialien nahe an der Perfektion. Oftmals hab ich ganz unterschiedliche Bezüge zu den künstlerischen Arbeiten anderer Künstler. Einmal ist es die eigene Ästhetik der jeweiligen Bilder oder Installationen. Ein anderes Mal ist es die körperliche und visuelle Erfahrung von Arbeiten, wie zum Beispiel bei Jon Rafman. Auch provokante Arbeiten der Chapman-Brüder haben mich früh fasziniert, gerade weil sie Motive aufgreifen, die für die meisten Menschen ein No go sind. Sigmar- Polkes facettenreiches Lebenswerk ist auch super spannend. Es sind auf jeden Fall genügend Künstler vorhanden ... (lacht) Es gibt aber nicht nur Künstler als Vorbilder, auch Regisseure wie Kubrick oder Spielberg haben mich immer sehr geprägt. Ich bin mit den Filmen aufgewachsen, habe sie unzählige Mal gesehen und man kann immer wieder etwas finden, was inspiriert. Im weitesten Sinne sind sie auch Künstler und erschaffen ihre eigenen visuellen Welten im bewegten Bild.

Wie kann ich mir deinen Arbeitsprozess vorstellen und welche Techniken setzt du ein?

Entweder habe ich ein bestimmtes Thema für eine Arbeit oder eine Arbeit beginnt mit einem Motiv, was mich reizt, und baut sich gewissermaßen von selbst auf. Ich mach mich dann auf die Suche nach Motiven und blättere Ewigkeiten in Magazinen, recherchiere im Netz nach Storys oder schaue Filme. Nach der Phase versuche ich alles zu bündeln und grob zu ordnen und mache mir Gedanken über das Format der Arbeit oder der Installation. Ist das Format festgelegt, gehe ich in die Werkstatt und baue den Rahmen und fahre wieder ins Studio. Meistens dauert der Prozess des Collagierens etwas länger, da ich mich gern mit allem möglichen ablenke. Kurze Pausen sind oft förderlich, damit man einen gewissen Tunnelblick vermeidet und zwischendurch mal abschaltet. Oftmals ist es auch genau anders herum, und ich sitze unentwegt an einer Arbeit. Nachtschichten sind keine Seltenheit. Wenn das Bild fertig ist, braucht es noch ein wenig Zeit, in der ich oft was verändere oder ausbessere. Meistens bleibt das Bild dann für die nächsten Tage präsent und ich versuche mögliche „Lücken“ zu finden.

Hast du eine Vorliebe für gewisse Formate?

Das variiert oft. Formate können Bilder spannend machen, aber gleichzeitig kann man mit zu experimentellen Formaten ziemlich danebengreifen. Das Bild an sich sollte für sich sprechen, und ein Format sollte das unterstützen, aber nicht die Erscheinung des Betrachters dominieren. Ich finde großformatige Bilder in Kombination mit kleinen Werken spannend. Es wirkt beides auf seine Weise und kann durch verschiedene Entfernungen funktionieren. Oftmals gibt es aber auch Bilder, die Platz brauchen, und für die sich ein kleines Format einfach nicht anbietet. Es kommt drauf an, was man letzten Endes bezwecken will. Ein Kleinformat und eine „Bäääm“-Reaktion schließen sich nicht immer aus, daher ist beides sehr reizvoll.

Sind dir Reaktionen auf deine Kunst wichtig? Und wie gehst du damit um?

Meine Arbeiten sind so entstanden, weil ich mich in dem Moment so ausdrücken wollte und damit befinde ich mich außerhalb jeglicher Bewertung. Natürlich gibt es Situationen, wo du merkst, dass Menschen das scheiße finden, was du machst oder nichts damit anfangen können. Kunst ist schon immer subjektiv gewesen und das ist auch gut so. Wäre es nicht so, hätten wir einen Einheitsbrei, den alle gleich toll fänden. Gerade die Kunst, die streitbar ist, macht es so spannend. Daher ist es vollkommen in Ordnung, wenn die Reaktionen auf meine Arbeiten nicht positiv sind. Sind es positive Reaktionen, freut mich das natürlich, und ich weiß, dass ich den einen oder anderen Denkanstoß geben konnte.

Was bedeutet Kunst in deinem Leben?

Ich glaube, ich würde nicht übertreiben, wenn ich sage, dass sie das Wichtigste für mich ist. Sie bestimmt meinen Alltag und ich lebe dafür.

Was tust du, wenn du keine Kunst machst?

Ich bin viel unterwegs, verreise oft und lese viel. Sport ist ein guter Ausgleich und Filme sind ein wichtiger Bestandteil meiner Freizeit, wobei das Diskutieren über Filme genauso spannend ist. Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit Freunden und rede gern über Politik, Kunst und alles andere.

Wo siehst du dich in einigen Jahren?

Ich hoffe, dass ich, langfristig gesehen, von dem, was ich tue, leben kann und ich mich in meiner künstlerischen Auseinandersetzung weiterentwickele und weitere Ausstellungen habe. Ich könnte mir vorstellen, einige Zeit in den USA zu leben, um dort neue Erfahrungen zu sammeln. Insbesondere im Bereich Film gibt es einiges, was mich interessiert. Ansonsten werde ich hoffentlich an spannenden Projekten arbeiten und eine gute Zeit haben.