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Vacon Sartirani

Künstler aus Berlin

Der Berliner Künstler Vacon Sartirani ist monothematisch. Eine lange Zeit arbeitete er mit Graphit, Tinte und Papier, bevor er zu Acrylmalerei überging, und jetzt experimentiert er sehr intensiv und fast ausschließlich mit „Scratchboard“-Techniken. Wir sprachen mit ihm über seinen Werdegang, das Thema Tod und die Entstehung seiner meist finsteren Werke.

 
„Mein Stil ist finsterer, kalter, fremder, stiller, minutiöser Surrealismus.“

Impressionen

Interview

Du bist Italiener, was hat dich nach Berlin verschlagen?

Ich war einfach auf der Suche nach einem schönen Ort, in dem ich leben und meinem Weg folgen konnte. Ich war noch jung, Italien war seit Langem leider ein immer schwierigeres Land, und Berlin war die große Stadt voller Versprechen.

Erzähle uns kurz deinen Werdegang.

Mein Werdegang war sozusagen hektisch: Nach dem Abitur in einer Schule für Dekoration und traditionelle, uralte Malerei-Methoden habe ich meinen Abschluss in Media- und Filmwissenschaft gemacht. Sofort danach bin ich in die bildende Kunst wie Zeichnung und Malerei zurückgekehrt und habe als Autodidakt weitergemacht. Jetzt denke ich, dass ich beide Ausbildungen nutzen kann: das technische Geschick von meinen früheren Malereikursen sowie die theoretischen Kenntnisse der Hochschule.

Wann stand für dich fest, dass du Künstler werden willst?

Das kann ich gar nicht sagen. Seit ich ein Kind war, habe ich das Gefühl, dass Zeichnung mein Ziel im Leben sein sollte. Während ich aufwuchs, entwickelten sich meine Träume einfach von „Spiderman, der den ganzen Tag zeichnet“ zu „ein professioneller bildender Künstler zu werden“ …

Kommst du aus einer Künstlerfamilie?

Nein; meine Eltern arbeiten beide als Gastwirte in Italien. Trotzdem hatte mein Vater für die Malerei Leidenschaft und Talent, und er selbst besuchte kurz eine Kunstschule, aber er musste für die Arbeit im Familien-Restaurant alles beenden. Ihre Unterstützung war und ist immer noch maßgeblich bei meiner Wahl, ein bildender Künstler zu werden.

Wie hat deine Familie auf deinen Berufswunsch reagiert?

Sie unterstützten mich von Anfang an, auch wenn es ihnen manchmal schwerfiel, mich immer so fern zu haben. Sie sind auch verständnisvoll bei den Schwierigkeiten, die mit einem Beruf, der nicht viel wirtschaftliche Stabilität bietet, kommen.

Was liebst du besonders an der Künstlerstadt Berlin?

Die Menge der Möglichkeiten und die Geschwindigkeit, in der sie sich ändern. Sie können am Anfang wirklich betäubend sein, aber sehr bald beginnen sie einen ganz schön auf Trab zu halten. Man muss kämpfen, um nicht durch die Masse verschluckt zu werden, und es ist gut, dass es immer Extra-Druck gibt, weiter hart zu arbeiten. Außerdem ist hier das allgemeine Leben entspannter als in Italien, und ich brauche auch ein wenig Seelenfrieden, um mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.

Welche Arbeitsmaterialien sind deine liebsten?

Ich habe eine besondere Beziehung zu meinen Arbeitsmaterialien. Ich würde sagen, dass ich „monothematisch“ bin: Ich habe am Anfang eine lange Zeit mit Graphit, Tinte und Papier gearbeitet, bevor ich zu Acrylmalerei überging, und jetzt experimentiere ich sehr intensiv und fast ausschließlich mit „Scratchboard“-Techniken. Ich gehe gewöhnlich für einen langen Zeitraum tief in eine einzelne Technik und versuche, alles aus ihr herauszubekommen, bevor ich fühle, dass ich mich auf etwas anderes zubewegen kann.

Dich beschäftigt in deinen Werken häufig das Thema Tod. Warum ist das so?

Ich weiß nicht. Vielleicht finde ich, dass Tod ein besonders tröstliches Thema ist. Es ist immer da, aber es ist nie alt oder neu. Ehrlich gesagt versuche ich, wie viele von uns nicht zu viel darüber nachzudenken. Aber ich bin fasziniert von dem Tod des Körpers, den chemischen und physischen Vorgängen der Zersetzung.

Welche anderen Themen beschäftigen dich außerdem?

In gewissem Sinne sind Finsternis, Beklemmung und Besessenheit die Begriffe, die häufiger erwähnt werden, wenn ich mit anderen Künstlern oder Kunstsammlern über meine Kunst rede. Ich bekomme auch einen starken und ausdrücklichen Einfluss – besonders für die „Scratchboard“-Serie – von dem Werk des österreichischen Autors Thomas Bernhard. Sein dunkler, entfremdender, quasi quälender Stil hat viel zu tun mit der Art der existenziellen Eindrücke, die ich mitteilen will.

Wie würdest du deinen Stil in wenigen Worten beschreiben?

Finsterer, kalter, fremder, stiller, minutiöser Surrealismus.

Wie entstehen deine Werke?

Es braucht viel Zeit, das Bild für ein Kunstwerk zu entwickeln. Der geistige Teil ist der mühsamste. Ich kann sagen, dass mehr als die Hälfte der Zeit für jedes Kunststück gebraucht wird, um die Idee immer und immer wieder abzuwägen, zu bearbeiten, Eindrücke niederzuschreiben, Skizzen zu machen und zu korrigieren, bis die „richtige“ eventuell kommt. Und ich kann mich einfach monatelang in diese Phase festfahren. Aus diesem Grunde wird nur der geringste Teil dieser Ideen schließlich verwirklicht, wohingegen der größte Teil nur in meinem Geist existiert, oder nur als Worte und Form auf Notiz- und Skizzenblättern, die ich normalerweise schlussendlich vernichte. Wenn ich endlich zu zeichnen, malen oder kratzen bereit bin, arbeite ich ausschließlich jeweils ein Stück, genauestens, ohne Ablenkungen, und ich weigere mich, neu anzufangen, bis ich sicher bin, dass ich definitiv fertig bin.

Du baust gerne den Menschen in deinen Bildern mit ein. Was fasziniert dich daran?

Im Gegenteil. Ich versuche, keinen Menschen in meinen Bildern darzustellen. Die Körper sind zwar da, aber nur als leeres, physisches Gestell. Sie sind immer, sozusagen, „Geister“. Echte Menschen finde ich quasi undarstellbar.

Gibt es bestimmte Orte, an denen du deine Inspiration findest?

Ich gehe sehr gerne spazieren, aber Orte machen keine großen Unterschiede. Ich kann irgendwo meine Inspiration finden, solange ich ganz allein und zu Fuß bin. Komischerweise finde ich die Finsternis und Einsamkeit von Konzerten zeitgenössischer Musik und Theateraufführungen inspirierend, besonders die, die ich nicht wirklich verstehen kann. Und, noch mal, in Literatur.

Gibt es andere Künstler, die du bewunderst? Welche?

Ich wuchs mit den Büchern von M. C. Escher und HR Giger auf, und ich finde, dass ihre Art von tiefer, personaler, und geistiger Kunst völlig einzigartig und aufregend ist. Meine bevorzugten lebenden Künstler sind Dino Valls und Rex van Minnen. Ich finde, sie sind interessante zeitgenössische surrealistische Künstler.

Was ist für dich Kunst?

Eine tragikomische Wahnvorstellung des Menschen, oder vielleicht nur meine eigene Besessenheit. Ich habe das noch nicht völlig verstanden.

Was tust du, wenn du keine Kunst machst?

Ich versuche, ein guter Mensch zu werden.