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Stephanie Nückel

Malerin aus Berlin, Deutschland

Stephanie Nückel liebt Farben und strebt nach Synergie: die Kraft, die entsteht, wenn vieles zusammenfließt. Ihre Arbeiten sind politisch geprägt oder entspringen dem Reich der Träume.

 
„Nehme ich die Inspiration oder nimmt sie mich? Eine Frage, die einen wohl ewig beschäftigt."

Impressionen

 

Alle Fotografien von Swantje Neubohn, www.swantjeneubohn.de

Interview

Was war dein Traum, als du klein warst – wolltest du schon als Kind Künstlerin sein?

Als ich acht war, gerieten Barbiepuppen als Objekte der Begierde in meinen Fokus. Glücklich erbettelt, wusste ich dann wenig mit den künstlichen, steifen Dingern anzufangen. Anziehen – ausziehen – anziehen? Langweilig. Ich überlegte, dass sie ja wohnen müssten. Also besorgte ich mir Kartons und gestaltete diese um. Ich malte Tapeten, Gardinen, Teppiche und Tischdecken, schnitt sie aus und dekorierte die Wände und die ebenso aus Schachteln gebauten Möbel. Ich fand das Gestalten wesentlich interessanter als das Rumgemache mit den Puppen. Kaum hatte ich etwas Geld zusammengespart, trabte ich in den Bastelladen unseres Kaffs, um dort einen Malkasten oder Sachen zur Schmuckherstellung zu erstehen. In der Familie wurde mir allerdings deutlich gemacht, dass ich mir so einen Weg gründlich abschminken soll.

Wie kamst du zur Malerei?

Ich habe eigentlich immer gemalt und gezeichnet. Früher ganz rudimentär und kindlich. Bin trotz Einsen in Kunst nicht davon ausgegangen, Talent zu haben. Durch die starke Beeinflussung der Familie entschied ich mich – wie so viele Kreative – für einen sozialen Job. In dem war ich aber immer unglücklich, so suchte ich weiter und weiter. Der Zwischenschritt, der mich letztendlich zur Kunst und dem nötigen Selbstvertrauen geführt hat, war mein Studium der Kunsttherapie.

Du hast zunächst Kunsttherapie studiert und in diesem Bereich gearbeitet.

Wie oben schon beschrieben, war sie eher Mittler denn Ziel. Sie hat mich und meinen Blick auf die Kunst befreit. Aber das Studium ist 20 Jahre her und ich bin in einer ganz anderen Situation. Mir geht es in meiner Kunst nicht um „Selbst“-Geschichten. Meine Arbeiten sind eher politisch geprägt oder aus dem Bereich der Träume.

Einer deiner Bilderzyklen dreht sich um das Thema „Lieb gemeinte Gewalt“. Bitte erklär mal, was das ist.

Mit „Lieb gemeinte Gewalt“ will ich thematisieren, dass wir immer meinen zu wissen, was für andere gut und richtig ist. Da wird dem Gegenüber gerne mal ungefragt „übergeholfen“. Es gilt für Partnerschaften ebenso wie für die Erziehung, Arbeit, Politik, Medizin. Mich interessiert eher die Synergie – die Kraft oder das Ergebnis, das entsteht, wenn mehreres zusammenfließt.

Hast du die schrägen Osterhasen persönlich erlebt? Wenn ja, wann und wo?

Nein – ich bin über diese Fotos gestolpert und sie sind mir heftig in die Magengrube gefahren. Sie haben schon Erinnerungen angetriggert, wobei ich sie aber nicht in dieser Form erlebt habe.

Andere deiner Bilder – zum Beispiel „Following“ und „The balloon girl“ fasst du unter dem Titel „Geschichten“ zusammen. In der Tat haben sie etwas Märchenhaftes, scheinen Geschichten entnommen zu sein. Woher nimmst du die Inspiration zu diesen Bildern?

Nehme ich die Inspiration oder nimmt sie mich? Eine Frage, die einen wohl ewig beschäftigt. Vor allem, wenn solche Bilder plötzlich da sind. Oft aus dem „Nichts“ erscheinen sie mir im Tagtraum, an der Schwelle zum Schlaf oder tatsächlich in Träumen. Ich freue mich immer, wenn ich sie erhaschen und umsetzen kann.

Wie sieht ein typischer Arbeitsprozess bei dir aus, von der Idee bis zum fertigen Werk?

Oft drängen sich mir Themen auf wie die Hasen oder auch die Arbeiten aus dem Traumbereich. Dann beginne ich grob zu komponieren. Ich arbeite teils mit Fotos, die ich knipse, oder mit Anleihen aus Zeitschriften oder dem Netz. So beginne ich mit groben Skizzen, die ich dann in Malerei umsetze. Damit fängt es an, interessant zu werden. Denn jetzt habe ich ein Gegenüber, mit dem ich kommunizieren kann. Und muss. Der Blick wandert, ich bin zufrieden oder stoße auf Stellen, die mir nicht gefallen. An die geh ich also wieder ran. Das kann dazu führen, dass sich das komplette Bild verändert. Ich weiß oft nicht, wo die Reise hingeht. Fertig ist es, wenn ich keine Stelle mehr finde, die mich nervt und das Ganze zusammenfließt. Zudem arbeite ich in thematischen Werkzyklen. Und „im Kreis herum“. Das bedeutet, dass ich fast an allen Bildern gleichzeitig male. Und alle Arbeiten des Werkzyklus ziemlich zusammen fertig werden.

Deine Bilder sind sehr kontrastreich und farbenfroh. Magst du uns etwas über dein Verhältnis zu Farben erzählen?

Ich liebe Farben einfach. In mir ist es auch ganz bunt. Und sie sind Träger von Informationen, schaffen Raum, Atmosphäre, Emotionen. Welch ein Luxus, damit auf der Leinwand zu spielen!

Wie hat sich deine Malerei entwickelt?

Ich habe eigentlich mit großen Farbpapiercollagen angefangen. Da hinein habe ich dann Kohle und Farbe gemischt und bin allmählich ins Malen geraten. Eine gute Zeit lang abstrakt. Auf einmal fingen Figuren an, sich breitzumachen. Ich wollte die gar nicht. Aber die wollten bleiben. Also bin ich dem nachgegangen und habe die figurative Malerei weiterentwickelt. Das hat auch eine Logik für mich, da mich das menschliche Dasein, das Miteinander und das Sozialpsychologische auch immer beschäftigt haben.

Gab es ein Erlebnis, dass dich und deine Kunst besonders geprägt hat?

Ja, das Betrachten des wunderbaren alten Picasso-Films. Wie er immer und immer wieder übermalt hat. Das hat mir Malerei eröffnet und Mut gemacht, auch Zerstörung auf der Leinwand zuzulassen.

Gibt es andere Künstler, die dich inspirieren?

Oh ja. Jede Menge. Von Caravaggio über Schiele bis hin zu Burgert und Schleime.

Magst oder suchst du den Austausch mit Menschen über deine Kunst?

Es gibt ein paar, mit denen ich gerne darüber spreche. Über die Themen, weniger über die Arbeit direkt. Im Allgemeinen rede ich nicht viel über meine bildnerischen Prozesse.

Wie wichtig ist dir, was die Kunst in anderen Menschen auslöst?

Ich denke, die Aufgabe der Kunst ist unter anderem Berührung und Irritation. Wenn es gelingt, Emotionen hervorzurufen, Überlegungen anzuregen, Gespräch und Auseinandersetzung zu fördern, ist das gut.

Kannst du dich gut von deinen Bildern trennen?

Ja. Mich interessiert mehr das Tun als das Haben. Mit jeder neuen Leinwand stelle ich mir Aufgaben, die gelöst werden wollen. Und ich bin immer gespannt, ob ich sie schaffe. Das Machen ist die wirkliche Herausforderung, genauso wie mich immer weiterzuentwickeln. Inhaltlich wie formal.

Wie viel Zeit verbringst du mit der Kunst?

Viel, viel Zeit. Die Kunst ist mein Leben. Ich fotografiere ja auch. Mein Sehen und mein Denken sind meist im „Kunstmodus“. Und mein Alltag ist durchdrungen davon. Als Künstlerin und Selbstständige bin ich auch ziemlich mit dem ganzen Drumherum befasst. Das nimmt ungefähr die Hälfte des Tages ein. Was ich immer etwas bedaure ...

Was würdest du tun, wenn die Kunst nicht wäre?

Sie erfinden? ;-)

Welche andere Technik oder Kunstform möchtest du gern einmal beherrschen?

Die Holzbildhauerei mit Motorsägen würde mich noch sehr reizen.