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Be part of the art

Emily Evans

Malerin und Zeichnerin aus London, UK

Das kreative Werk von Emily Evans hat viel mit staubigen alten Fotokopierern, intergalaktischer Geometrie und jeder Menge düsterer Ideen zu tun. Wir besuchten die in Yorkshire geborene Künstlerin in einem Atelier in Nord-London, das sich in einer ehemaligen Fabrik befindet. Dort durften wir einige Schritte in ihre ganz eigene Welt der Inspiration machen.

 
„Ich brüte gern über dunklen Konzepten.“

Videoporträt

Impressionen

Interview

Erinnerst du dich an den Moment, als du zuerst dachtest: Ich bin Künstlerin?

Ich glaube nicht. Alle in meiner Familie arbeiten entweder als Lehrer oder Künstler, deshalb war es eine normale Sache, dass ich einfach das mache, was ich machen will. Ich erinnere mich nicht, dass ich mich entschieden habe, Künstlerin zu sein. Ich war einfach kreativ; es gab nichts anderes, zu dem ich mich hingezogen fühlte.

Wann begannen die Menschen, sich für deine Arbeit zu interessieren?

Als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich gemerkt, wie viel Zeit ich in meinem Atelier verbringen wollte. Ich musste eine ziemlich weite Strecke reisen und hatte einen Schlafsack unter meinem Schreibtisch. Manchmal versuchte ich einfach, so lange wie möglich zu bleiben, ich hab einfach weitergearbeitet. Das war der Moment, als ich gemerkt habe: Ich will es. Ich will wirklich, wirklich, wirklich nur kreativ sein.

Ist dir wichtig, was andere Menschen über deine Arbeit denken?

Ich glaube, es war mir mal wichtig. An der Universität habe ich da mehr drauf geachtet, denn ich war so daran gewöhnt, dass ich Feedback bekomme. Du willst gewissermaßen, dass deine Arbeit von den Lehrern und den Leuten akzeptiert wird. Aber nachdem ich die Universität verlassen habe, mache ich nun einfach mein eigenes Zeug. Ich habe einfach nicht die Zeit, mich darum zu kümmern, was andere Leute denken, und finde, dass mich das manchmal auch in die falsche Richtung führt. Also mache ich einfach Sachen, die ich fühle. Wenn ich mir keine Gedanken darüber mache, produziere ich Sachen, die mich mehr interessieren, mit denen ich glücklich bin. Ich kann mich dann auf solche Dinge konzentrieren.

Du nennst deine Arbeiten Illustrationen, aber oft sind es Collagen oder Gemälde oder Paper-cuts oder Arbeiten mit anderen gemischten Medien. Welches ist deine Lieblingsmethode, ein Kunstwerk zu schaffen?

Ich denke, meine Lieblingsmethode ist einfach Collage. Einfach jede Menge verschiedener Sachen benutzen. Keine Grenzen bei der Materialauswahl, sodass ich wirklich alles benutzen kann. Ich liebe Fotokopien. Ich liebe den Prozess des Fotokopierens. Die Recherche, den ganzen Prozess, ein Buch zu öffnen und etwas darin zu finden, auf verschiedenen Ebenen, das hat auch was mit Collage zu tun.

Kannst du beschreiben, wie so eine Fotokopie-Arbeit entsteht? Für die meisten Leute wird das neu sein.

Ich recherchiere viel in Bibliotheken, ich gehe zu verschiedenen in London, denn jede hat unterschiedliche Arten von Ressourcen. Ich finde immer etwas, das mich anzieht, und dann gehe ich durch einen Prozess des immer wieder Fotokopierens, sodass man verschiedene Strukturen sichtbar machen kann. Es ist meistens ein winziges Ding, das ich vergrößere, um es in den Fokus zu holen. So kann zum Beispiel ein Finger einer ganzen Skulptur der Fokus von allem werden, das ich in den nächsten Stunden fotokopiere, ich vergrößere es, bewege es etwas nach links, vergrößere es, ändere den Farbton, ändere die Helligkeit, kopiere es spiegelverkehrt, schüttele es auf dem Glas, während ich es fotokopiere. Es ist einfach eine winzige Sache aus einem Bild, in die man alle Energie steckt. Aber für mich ist auch sehr interessant, zu wissen, wo das herkommt. Ich verbringe eine Menge Zeit in der Bücherei von Brixton. Dort gibt es ziemlich gute Archive. Der Fotokopierer ist sehr billig. Und die Fotokopien, die er macht, sind toll. Er steht da seit Jahren, was wirklich schön ist, denn er hat halt diese Kratzer und all diesen Staub in der Maschine, also gibt es jede Menge zusätzliche Struktur und nichts kommt in perfekter Schärfe raus, wie man das von modernen Fotokopierern kennt. Ich könnte mir einen eigenen Fotokopierer kaufen, aber ich glaube, ich hänge an diesem ganzen Prozess, in die Bibliothek zu gehen, an einen Ort, zu dem jeder Zugang hat, und ich mag es, wie all die anderen Leute dort Sachen fotokopieren und sortieren und ausschneiden, während man da ist. Das ist ein schöner und kreativer Raum, wo man einfach eine Menge Leute trifft, von denen man keine Ahnung hat, was sie tun.

Sprechen sie dich manchmal darauf an, was du tust?

Ja, manchmal sagen die Leute „Sind Sie eine Künstlerin?“ oder „Merkwürdig, dass Sie dieses Ding fotokopieren“.

Was inspiriert dich zu deiner Arbeit?

Ich habe einen ziemlich dunkeln Sinn für Humor und ich mag einfach düstere Geschichten und ziemlich seltsames Zeug. Ich habe mich in letzter Zeit sehr für Science-Fiction und Gothic Literature begeistert. Diese Sorte dystopischer Science-Fiction, diese Art „Das Ende der Welt naht“-Fiction, die so voller düsterer Vorahnung ist. Und das ist der Grund, denke ich, weshalb ich eine Menge Augen und Gesichter in manchen meiner Arbeiten habe. Ich bin irgendwie besessen von Gesichtern, die einfach starren, als wenn sie in eine dystopische Zukunft schauen.

Woher kommen diese „Ende-der-Welt“-Ideen? Aus Büchern, Träumen, Filmen?

Ja, aus einer Menge Science-Fiction-Büchern und -Filmen. Wenn man dunklere Geschichten oder dunkle Erzählungen anschaut, die die dunklen psychologischen Elemente zeigen, das finde ich viel interessanter als plüschige, glückliche Konzepte wie „Alle sollten wirklich eine spaßige Zeit haben“. Ich mag es sehr, über Dinge zu grübeln, und ich mag es, düstere Konzepte auszubrüten, in denen ich dann auch eine eigene Schönheit entdecke. Solches Zeug inspiriert mich viel mehr als etwas wirklich Fröhliches.

Du bist sogar Teil eines sogenannten Intergalactic Astro-Black Collective. Worum dreht es sich da?

Das ist ein Kollektiv aus Musikern und Künstlern, wir interessieren uns alle für Albumcover-Design von Vinylplatten und solche Sachen. Es ist toll, denn wir haben außerdem gleiche Interessen wie dieses Science-Fiction-Zeug. Im Grunde machen wir Ausstellungen zusammen und manche von uns erschaffen Klanglandschaften, die die Ausstellungen begleiten. Wir versuchen alles miteinander zu verschränken.

Auf der Astro-Black-Website schreibt ihr, ihr repräsentiert „galactic funk“ und außerirdische Geometrie. Was ist bitte außerirdische Geometrie? Ist das etwas, das man auch in eurer Arbeit finden kann?

Ich denke, im Großen und Ganzen inspirieren uns die Sterne und Formen, wir stellen uns zum Beispiel Muster in Sternen vor und futuristische Formen. Es ist, als ob man sich vorstellt, ein tolles futuristisches Raumschiff zu gestalten. Es geht um diese tollen, zusammenhängenden geometrischen Formen. Es ist eine Art visuelle Ästhetik, von der wir uns vorstellen, dass wir sie anwenden würden, wenn wir einen Planeten hätten.

Du meinst, wenn ihr einen eigenen Planeten besitzen würdet?

Ja, ich weiß nicht. Ich versuche einfach, als Kollektiv zu überlegen, was intergalaktische Kunst sein sollte. Wir mögen wirklich das Konzept, dass alles geometrisch ist.

Du arbeitest auch als Dozentin an der London Metropolitan University und an der University of Southampton. Was ist das Wichtigste, das ein Student lernen sollte?

Ich denke, sich selbst kritisieren zu können. Denn an der Uni bist du auf eine Art besessen davon, was deine Dozenten wohl von deiner Arbeit halten. Aber es ist wirklich gut, die Fähigkeit zu entwickeln, sich selbst zu kritisieren. Dadurch – wenn man wirklich leidenschaftlich für seine Arbeit fühlt – kann man tatsächlich erkennen, was funktioniert. Man findet heraus, worauf man sich konzentrieren will, und das wirkt sich auf alles aus, was man tut, auf das Zeitmanagement, wie gerne man im Atelier arbeiten mag, und wie man seine Projekte erledigt.

Wann bist du nach London gekommen? Was hat dich hergebracht?

Ich kam, als ich mit meinem Studiengang am London College of Communication anfing. Und ich wollte hierher, weil die Familie meiner Mutter hierher stammt. Als ich jünger war, waren wir oft in London, woran ich sehr schöne Erinnerungen habe.

Welche Teile von London inspirieren deine Arbeit?

Vermutlich solche Dinge wie Bibliotheken, weil ich dort meine ganze Zeit verbringe. Und sonst … einfach rumkommen. Es gibt immer noch Orte, an denen ich nie war. Komisch, ich lebe schon so lang in dieser Stadt und kann mich nicht erinnern, wo ich überall war. Ja, einfach aktiv sein und entdecken.

Spielt Musik eine Rolle für deine Kunst?

Ja, wahrscheinlich spielt sie eine Rolle in meiner Kunst. Manchmal inspirieren mich Songtexte, wenn sie ziemlich düster sind, denke ich. Sie inspirieren mich auf die Art, dass ich manchmal Aufträge bekomme, Plattencover zu gestalten. In diesem Zusammenhang finde ich Musik richtig inspirierend und ich mag es, von Platten inspiriert zu werden. Manchmal werde ich mehr inspiriert, indem ich Plattenhüllen anschaue als vielleicht durch ein Kunstmagazin. Man sieht einfach eine Menge verschiedenes Zeug.

Gibt es etwas Besonderes, das du gern mit deiner Kunst erreichen willst?

Wenn ich dystopische Konzepte oder dunkles Zeug mache, gibt es immer den Traum, dass ich dahin komme, eine Serie von Werken zu machen, die perfekt und prägnant alles zusammenfasst. Alle Ideen, diese Art des Makabren, das mich wirklich interessiert, diese Art dunkler Themen. Die dunkle Psychologie des Lebens. Ich denke, es ist der Traum, dass ich eines Tages einfach ein Bild mache und es fühlt sich an wie: Ich kann nichts darüber hinaus kommunizieren als das. Es ist ein Traum, dass ich diese Art von Ausstellung mache, die einfach alles, das ich jemals kommunizieren wollte, zusammenfasst. Sodass ich mir dann ein völlig neues Konzept ausdenken müsste, an dem ich arbeite, weil ich es einfach komplett geschafft hätte. Aber ich denke, das wird einfach nie passieren. Aber es würde mich so glücklich machen.