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Be part of the art

Felix Kindelán

Künstler aus Berlin, Deutschland

Felix Kindelan ist Autodidakt und kam über die Street Art zum Zeichnen und Malen. Seine beeindruckenden Tierportraits fertigt er ohne Skizzen an: „Gerade das direkte Ansetzen des Pinsels ohne jegliche Vorbereitungen verleiht den Bildern die nötige Dynamik und Direktheit“, sagt er.

 
„Ich arbeite ohne Skizzen – das verleiht den Bildern Dynamik und Direktheit“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Denise van Deesen, www. denisevandeesen.com

Interview

Was ist für dich Kunst?

Diese Frage habe ich mir in meinem Leben schon des Öfteren gestellt und bisher keine endgültige Antwort darauf finden können. So wie das Leben im ständigen Wandel ist, so auch die Kunst. Zurzeit denke ich, dass Kunst die Fähigkeit beinhaltet, seinen Gedanken und Gefühlen in einem außergewöhnlichen Maße Ausdruck zu verleihen. Kunst ist für mich daher ein persönliches Ventil, Kommunikationsmittel und Werkzeug für Interaktionen mit anderen Personen und meiner Umwelt.

Was war deine erste bewusste Begegnung mit Kunst?

Das weiß ich nicht mehr genau. Ich habe mit dem Zeichnen und Malen schon früh im Kindergarten begonnen. Das hat sich dann über die Jahre nie richtig verloren. In meiner Jugend kam ich dann zum Graffiti und zur Street Art, was vielleicht als erste bewusste Begegnung angesehen werden kann. Mit 17 lernte ich dann auch eine Künstlerin kennen, die mich an das Malen auf Leinwand heranführte. Sie zähle ich als weiteren großen Einfluss in meinem Leben und meiner Kunst. Leider lebt sie nicht mehr, aber ich hatte das Glück, nicht nur für die Kunst, sondern auch für das Leben eine Menge von ihr zu lernen.

Könntest du dir etwas anderes vorstellen, das dich ähnlich ausfüllt?

Ich kann mir vorstellen, etwas anderes Kreatives zu machen, wie beispielsweise Illustration, Grafikdesign oder eine Kombination aus allem. Ich weiß nicht ,wohin mich meine Kunst noch führen wird, aber solange ich die Möglichkeit habe, mich kreativ auszudrücken, kann ich mir auch was anderes vorstellen. Jedoch schlägt mein Herz für die klassische Malerei. Sie sucht, was Ästhetik, Handwerk und Prestige angeht, ihresgleichen und fasziniert mich zutiefst.

Was tust du, wenn du keine Kunst machst?

Ich beschäftige mich dann auch weiterhin mit Kunst. Dazu gehören regelmäßige Besuche auf Ausstellungen und in Museen. Aber manchmal braucht man dann doch etwas Abstand, um den Kopf freizubekommen. Dann steige ich gerne auf mein Rennrad und fahre kreuz und quer durch die Stadt oder treffe mich mit Freunden. Mir ist es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen, und ich ziehe auch einen Großteil meiner Inspiration aus den Begegnungen und Erlebnissen mit meinen Freunden oder auf meinem Rad.

Du bist Autodidakt. Wie hat sich deine Kunst entwickelt?

Ich würde sagen recht sprunghaft. Am Anfang war der Einfluss von Urban Art noch stark vertreten. Ich habe viel mit verschiedenen Materialien, Untergründen und Techniken experimentiert. Dadurch hatte ich immer das Gefühl, nie lange an einem Stil festzuhalten. Heute bin ich dankbar für diese Entwicklung, denn nun kann ich meine vielen verschiedenen Erfahrungen aus unterschiedlichen Kunstrichtungen nach Belieben kombinieren oder neu untersuchen. Ich denke, was außerdem wichtig war, ist nie mit dem, was man macht, vollkommen zufrieden zu sein. Wenn ein Bild fertig war, habe ich es im Anschluss analysiert und mit anderen verglichen. Am Ende wusste ich, was gut gelungen war und was nicht. Diese Erfahrungen habe ich dann auf die nächste Arbeit übertragen. Ich glaube, das hat mir geholfen, schnell meine Fähigkeiten zu verbessern und zu festigen.

Liegt Kunst bei dir in der Familie?

Mehr oder weniger, denn mein Vater konnte gut zeichnen, hat das dann aber irgendwann aus den Augen verloren. Meine Großeltern interessieren sich ebenfalls für die alten Meister und Kunstgeschichte, wodurch ich mich auch gerne mal mit ihnen austausche. Aber eigentlich bin ich so gesehen der Einzige, der kunstschaffend ist.

Ist Graffiti eigentlich die perfekte Einstiegsdroge in die Kunst?

Die perfekte sicherlich nicht, aber eine gute und einfache. Im Prinzip steckt in jedem ein Graffitikünstler. Man kann bestimmte Regeln befolgen oder auch völlig frei von diesen Bilder entwickeln. Somit bietet sich eine starke Parallele zur Kunst an sich. Ich kann nur von meiner Erfahrung ausgehen. Graffiti hat mich einiges über Formen, Farben und Proportionen gelehrt. Von diesen Erfahrungen zehre ich heute noch und verwende sie unbewusst in meinen Arbeiten. Außerdem kommt man mit vielen Gleichgesinnten zusammen und entdeckt, dass Graffiti auch noch mal viele verschiedene Unterbereiche hat. Das fasziniert einen natürlich sehr und macht es leichter, sich weiterzuentwickeln, die Sprühdose gegen den Pinsel und die Wand gegen die Galerie einzutauschen. Es gibt aber auch viele Graffitikünstler, die klar die Grenze zwischen Kunst und Graffiti ziehen. Das muss jeder für sich entscheiden.

Deine Werke sind u. a. Porträts von Tieren. Bist du den Modellen live begegnet?

Nur in manchen Fällen, die meisten sind durch Fotovorlagen entstanden.

Du verleihst Gesichtern mit wenigen Strichen Ausdruck. Wie schaffst du das? Gehen deinen fertigen Bildern viele Skizzen voraus?

Ich arbeite in der Regel ohne Skizzen. Gerade das direkte Ansetzen des Pinsels ohne jegliche Vorbereitungen verleiht den Bildern die nötige Dynamik und Direktheit. Dadurch bin ich stärker auf jeden einzelnen Pinselstrich fokussiert. Das führt dann dazu, dass ich innerhalb von wenigen Augenblicken den Ausdruck eingefangen oder ein Bild ruiniert habe. Im Prinzip besteht immer ein gewisser Zwang, ab dem ersten Ansetzen des Pinsels genau ins Schwarze zu treffen. Gelingt mir das nicht, beginne ich mit einem erneuten Anlauf.

Was brauchst du unbedingt, um kreativ tätig zu sein?

Ich würde sagen, die verschiedensten Erlebnisse, die man sammelt, und ein Auge für Details. Wenn man auf der Straße unterwegs ist oder mit anderen Menschen zusammen ist, gibt es immer etwas Faszinierendes zu entdecken. Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen. Kleinigkeiten im Alltag, in der Gestik und Mimik anderer Personen sind eine gute Inspirationsquelle.

Welche Rolle spielt deine Heimatstadt Berlin für deine Arbeit?

Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen. Das bedeutet natürlich, dass mich die Stadt stark geprägt hat. In Berlin ist der Zugang zu Kunst, Ausstellungen und anderen kulturellen Bereichen natürlich viel größer als auf dem Land. Dazu kommt die Internationalität, durch die sehr viele verschiedene Eindrücke aus der ganzen Welt auf einen einwirken. Berlin hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin, positiv und negativ. Deswegen hat die Stadt sicher einen großen Einfluss auf meine Arbeiten.

Hast du ein Lieblingstier?

Als ich noch ein Kind war, wollte ich im nächsten Leben immer Pinguin werden. Mir gefiel die Vorstellung, gut angezogen zu sein und den ganzen Tag auf seinem Bauch herumzurutschen. Daher würde ich Pinguine heute auch noch als mein Lieblingstiere bezeichnen. Aber im Grunde habe ich nicht wirklich eines.

Welches Tier ist absolut nicht zu zeichnen?

Das kann ich gar nicht direkt beantworten, denn dazu müsste man ja erst mal versuchen, alle Tiere, die es gibt, zu zeichnen. Ich denke jedoch, dass ein guter Zeichner alles zeichnen kann. Es kommt auf die Umsetzung und die eigenen Fähigkeiten an.

Wie wichtig ist dir die Reaktion der Betrachter?

Die Reaktionen der Betrachter sind mir sehr wichtig. Es ist spannend zu beobachten, wie unterschiedlich Menschen auf ein Bild reagieren. Die einen laufen desinteressiert daran vorbei, die anderen bleiben stehen und sind fasziniert. Diese unterschiedlichen Reaktionen machen für mich den Reiz aus, meine Bilder einem breiten Publikum zu präsentieren. Denn Kunst liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters.

Was möchtest du im Betrachter auslösen?

Ich finde es immer interessant, wenn ein Betrachter sich durch ein Bild an ein Ereignis in seinem Leben erinnert fühlt oder es ein bestimmtes Gefühl in ihm hervorruft. Das Bild fungiert dann als eine Art Spiegel, der es vermag, jedem etwas anderes zu zeigen.

Kannst du dich leicht von deinen Werken trennen?

Das kommt ganz auf das Bild an. Es gibt ein paar Bilder, die ich behalte, weil sie mir selber gefallen oder mich überrascht haben. Aber ich sortiere auch regelmäßig Bilder aus, die ich dann an Freunde weitergebe oder auch mal wegschmeiße. Das sind dann Bilder, die meiner Analyse nicht standhalten. Wiederum andere Bilder hebe ich auf, um in der Zukunft meine einzelnen Entwicklungsstufen nachzuvollziehen. Ich kann mich aber im Wesentlichen leicht von Bildern trennen. Ich denke, das ist auch wichtig, um sich niemals auf seinem aktuellen Stand auszuruhen, und es schafft Platz für Neues.

Wohin geht deine künstlerische Reise als Nächstes?

Künstlerisch möchte ich noch weiter den Kern meines Malstils ergründen und untersuchen. Ich habe damals mit Fotorealismus begonnen und bin immer gröber und direkter geworden. Eine Mischung von beiden Stilen wäre sicherlich spannend. Zudem habe ich vor, Berlin zu verlassen und nach Basel zu ziehen. Die Stadt am Rhein ist ebenfalls eine Kunstmetropole, die mir vieles bieten wird und in der ich noch sehr viel lernen kann.

Welches ist dein schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Wenn man ein Bild oder eine Zeichnung fertiggestellt hat, ohne sich im Nachhinein an jeden Schritt erinnern zu können. Das sind dann die Momente, in denen ich mich frage, ob ich das wirklich gemacht habe. Dann realisiert man, dass man teilweise unbewusst arbeitet und stellenweise wie in Trance ist. Dieses Gefühl, vor seinen Bildern zu stehen und festzustellen, dass man sich nicht mehr genau daran erinnern kann, sie erschaffen zu haben, ist ein merkwürdiges und schönes Gefühl zugleich.

Wie wäre eine Welt ohne Kunst?

Eine Welt ohne Kunst wäre für mich keine Welt.