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Be part of the art

Soussen

Künstlerin aus Oberding, Deutschland

Soussen benutzt neben Farben Marmormehl, Sumpfkalk, Wachs oder Schellack, um in verschiedenen Schritten ihre Kunst zu erschaffen. „Farben, Strukturen und Oberflächen waren schon immer faszinierend“, sagt die Künstlerin.

 
„So zickig wie sich meine Bilder im Entstehungsprozess geben, so unprätentiös sind sie, wenn sie fertig sind.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Miu Reck, www.miureck.com

Interview

Was ist Kunst für dich?

Kunst kann alles sein und nichts und liegt im Auge des Betrachters. Sie kann einfach nur gefällig und dekorativ sein und sie kann politisch motiviert und aufrüttelnd sein. Kunst ist das, was mich berührt. Sie ist für mich ein Medium um Gefühle, Empfindungen, Gedanken etc. auszudrücken, ohne Worte nutzen zu müssen.

Was macht deine Kunst besonders?

Ob es meine Kunst besonders macht, weiß ich nicht, aber man darf und soll sie anfassen und somit auch haptisch erleben. So zickig wie sich meine Bilder im Entstehungsprozess geben, so unprätentiös sind sie, wenn sie fertig sind.

Dein Künstlername ist Soussen. Was bedeutet er?

Den Namen habe ich aus Qatar mitgebracht wo ich vier Jahre verbracht habe. Von meinen Freunden werde ich eigentlich „Suse“ genannt. Meine Freunde und Schüler in Qatar (viele englischsprachig) haben mich immer „Susen“ genannt. Aus der arabischen und der persischen Form für Susanne und den Rufnamen Suse/Susen ist dann „Soussen“ entstanden.

Warst du schon als Kind eine Malerin?

Ja. Von zu Hause aus bin ich schon früh ans Kreative ran geführt worden. Wir haben oft und viele Museen besucht und mein Vater war vom Bauhaus sehr fasziniert. Dadurch habe ich mich vor allem gestalterisch, handwerklich ausgetobt. Farben, Strukturen und Oberflächen waren schon immer faszinierend und sind mir sehr wichtig. Dennoch habe ich viele Umwege genommen, um da hinzukommen, wo ich heute bin.

Wie hat sich deine Kunst entwickelt?

Eine gute Frage. Wirklich erklären kann ich es eigentlich nicht. Es ist einfach passiert. Es ist mehr das Ausprobieren von Materialien und das intensive Beschäftigen mit ihnen, das für die gestalterische Entwicklung verantwortlich ist.

Du erschaffst Collagen und Gemälde, für die du jeweils eine ganze Reihe von Materialien kombinierst. Bei manchen Gemälden hast du neben klassischen Malmitteln wie Tusche und Ölfarbe auch Marmormehl oder Sand, Beize oder Leim verarbeitet. Bitte erzähle uns, wie ein Bild mit vielen „Zutaten“ entsteht.

Zu Beginn weiß ich lediglich, in welchem Farbenraum ich mich bewegen will. Diese Farben, meistens als Pigmente, stelle ich mir dann zurecht. Daraufhin rühre ich mir meine Marmormehlmasse an und währenddessen klinkt sich mein Bauch ein, der für die Art und Weise der Verteilung der Masse auf dem Malgrund, meist Bauplatte, in letzter Zeit auch Schleiernessel, verantwortlich ist. In diese feuchte Masse werden die Pigmente eingearbeitet. Meist puste ich diese ein, bis mir der erste Farbauftrag zusagt. Dann binde ich diese über eine Schüttung mit Acrylemulsion, in die ich noch Öle gebe und ggf. auch noch weitere Pigmente einpuste. Die nun anstehende Trocknungsphase kann dauern. Da muss das Bild ruhen. In dieser Zeit trocknet die Emulsion, bindet die Farben, und die Oberfläche fängt an zu reißen. Die sich dann bildenden Strukturen sind der Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung des Werks.

Wenn es richtig gut läuft, ist das Bild tatsächlich nach der Trocknung schon fertig. Aber das passiert in den seltensten Fällen. Erst nach der Trocknungsphase kann ich sehen, wie sich die erste Strukturschicht entwickelt hat, wie sie gesprungen ist, wie die Farben herauskommen. Das beeinflusst dann wie und ob eine weitere Schicht Marmormehl aufgetragen wird. Wenn ja, wird diese Schicht wieder gleich bearbeitet oder erst nach dem Trocknen mit Tempera-Schüttungen eingefärbt.

Die Wege, wie es danach weitergehen kann, sind vielfältig. Sumpfkalk könnte nun eine Rolle spielen, es können zeichnerische Elemente mit Kreiden und Kohle einfließen, etc. Es kann ein Finish mit Wachs oder Schellack geben. Aber auch der Abtrag von Schichten und Elementen ist möglich. Es findet alles sehr intuitiv statt.

Welche Effekte erzielst du zum Beispiel mit Marmormehl?

Mit Marmormehl erschaffe ich in erster Linie gerissene Oberflächen. Aufgeplatzte Strukturen, die den 3D-Charakter meiner Bilder noch verstärken.

Woher stammen die Materialien?

Meine Hauptmaterialien kommen von den Pigmente- und Kunsthandel. Pigmente und Sande bringe ich aber durchaus auch von Reisen mit, und manchmal finde ich was auf der Straße, von dem ich meine ich kann es gut einarbeiten.

Wie lange arbeitest du an einem Werk?

Das variiert. Durch die ggf. mehreren Schichten und durchaus längeren Trocknungszeiten brauchen die Bilder ihre Zeit. Es kann durchaus passieren, dass zwischen den Aufträgen sehr lange Ruhezeiten sind. Von mehreren Tagen bis zu einigen Wochen kann der Entstehungsprozess eines Bildes dauern.

Was sind die Dinge, die dich inspirieren?

Die Natur. Alles. Die ganze Welt.

Welche Umgebung brauchst du, um gut malen zu können?

Eine ordentliche, aufgeräumte Umgebung. Da bin ich Künstleruntypisch.

Wie viel Zeit verbringst du mit deiner Kunst?

Das ist schwer zu quantifizieren. Während des Entstehungsprozesses kann ich mich gut tagelang im Atelier verkriechen. Dann entstehen gleich mehrere Bilder. Dann kann es aber auch passieren, dass ich lange nichts mache, mich zwar in dieser Zeit inspirieren lasse, aber die Ideen nicht sofort umsetze. Sie werden dann nur kurz in ein kleines Büchlein notiert, damit ich sie nicht vergesse, sie aber aus dem Kopf sind.

Kannst du deine Werke gut loslassen?

Ja. Kein Problem. Schließlich möchte ich, dass auch andere meine Werke genießen und anfassen können. Ich hänge lediglich an den Bildern mit denen ich mich emotional verbunden fühle. Und diese behalte ich in den meisten Fällen.

Interessiert es dich, wer deine Kunst kauft und wo sie hängt?

Ja. Vor allem wo sie hängt und wie sie in dieser neuen Umgebung wirkt.

Verfolgst du ein übergeordnetes Ziel mit deiner Kunst?

Nein. Da ist zwar etwas in mir drin, das durch meine Bilder raus will. Aber ein übergeordnetes Ziel? Eher nicht!

Du hast dich ja bereits mit viele Techniken und Materialien aktiv auseinandergesetzt. Was gefällt dir heute am besten?

Das ist schon sehr gefühlsabhängig, wann ich meine Oilbar-Collagen mache und wann ich mich meinen Marmorbildern widme. Daher kann ich nicht sagen, was mir besser gefällt, da alles ein Teil von mir ist.

Und was möchtest du als Nächstes ausprobieren?

Ich würde gerne noch großformatiger arbeiten. Bisher sind die Größen meiner Arbeiten lediglich begrenzt durch meine Ateliergröße und die Kofferraumgröße.

Welches war bisher dein schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Während meiner Zeit in Qatar hatte ich das große Glück dem chinesischen Künstler Cai Guo-Qoing assistieren zu können. Für seine Ausstellung „Saraab“ hat er etliche Bilder live in seiner eigenen Schießpulvertechnik gefertigt. Es war toll, ein Teil dieses wahnsinnigen Großprojekts gewesen zu sein.

Was machst du, wenn du keine Kunst machst?

Dann bin ich erfolgreiche Managerin eines kleinen Familienunternehmens! Mit meiner Familie und Freunden gehe ich gerne auf Reisen, schaue Filme und faulenze. Wie schon ein Künstlerkollege einmal sagte: „Nicht-Malen ist genauso wichtig wie Malen!“