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Be part of the art

Judith Reiter

Malerin aus München

Judith Reiter ist eine Sammlerin. Bei Spaziergängen nimmt sie Eindrücke auf, die sie im Atelier mit schnellen, kräftigen Pinselstrichen auf die Leinwand bringt. Es geht ihr aber nicht um die realistische Abbildung: „In einen begrenzten Raumausschnitt integriere ich das eigene Erleben, mein virtuelles Bild als Intensivierung der Wirklichkeit“, erläutert die Künstlerin.

 
„Um reines Verstehen geht es bei meiner Kunst nicht“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Miu Reck, www.miureck.com

Interview

Was wolltest du als Kind werden, wenn du groß bist?

Im Grunde wollte ich immer schon Künstlerin werden, am liebsten ein zweiter Van Gogh, dessen Bilder mich immer sehr berührt haben. Nach dem Abitur jedoch stand Geldverdienen an erster Stelle, ein kaufmännischer Beruf mit IT-Schwerpunkt. Der Beruf und die Familie nahmen mich für längere Zeit in Anspruch. 2009 habe ich mir den Traum erfüllt, Künstlerin zu sein. Seitdem arbeite ich auch als freischaffende Künstlerin.

Die Malerei und du – wie habt ihr euch getroffen?

Die Malerei habe ich mir autodidaktisch erarbeitet. Die Grundlage jedoch kam aus meinem Elternhaus: Meine Mutter schleppte mich in jede Ausstellung der Münchner Museen. Mein Vater vererbte mir sein kreatives Talent: Ein Porträt meiner Mutter aus seiner Hand hängt nach wie vor in ihrer Wohnung.

Wie hat sich deine Kunst entwickelt?

In München aufgewachsen und verwurzelt, beschäftige ich mich seit meiner Jugend mit der Kunst. Zuerst die Malerei, die um Linolschnitte und Radierung ergänzt wurde. Danach ging ich in Richtung angewandte Kunst: Arbeiten aus Stoff und Ton entstanden. Nach einer längeren Pause kam ich über die Fotografie wieder zurück zur Malerei. Die Ausstellung „Zurück zur Figur“ in der Münchner Kunsthalle 2006 gab den Anstoß, mich intensiv mit der Malerei zu beschäftigen.

Mit welcher Technik und welchem Material arbeitest du hauptsächlich und warum?

Inzwischen arbeite ich mit Acrylfarben auf Leinwand oder Holz. Die Formate variieren dabei, je nach Idee und Motiv. Natürlich sind hochwertige Farben entscheidend für das Bild, zudem eine sehr gute Leinwand.

Für eine Bleistiftskizze bin ich viel zu ungeduldig, die zusammengewürfelten Fotografien meiner Schnappschüsse als Schwarzweiß-Ausdruck sind Skizze genug. Am liebsten stehe ich vor der Leinwand, das ermöglicht mir einen schnellen, kräftigen Pinselstrich und ebensolche Gestik beim Auftrag. Und gar nicht so viel Nachdenken bei der Auswahl der Farben, das ist reines Gefühl. Wobei ich das gleich relativieren möchte: Zum Schluss setze ich ganz bewusst unerwartete Farben, die die Harmonie im Bild ein wenig stören. Das bringt meiner Meinung nach Spannung in das Bild.

Bitte beschreibe deinen heutigen Stil in wenigen Worten.

Ich definiere den Stil meiner Malerei als expressiv, figurativ, als atmosphärische Malerei. Unbedeutende Ausschnitte des Alltäglichen stelle ich als künstlerisch wertvoll dar. Der Betrachter soll die Seele spüren, die dem Bild innewohnt. Deshalb entsprechen die Farben meinem Empfinden, nicht unbedingt der Wirklichkeit.

Welche Themen sind wichtig für dich und deine Arbeit?

In meinen Motiven geht es um das Hier und Jetzt. Der Mensch ist dabei das zentrale Motiv in meiner Arbeit. Ganz bewusst erhebe ich nicht-politische Themen zu meinen Bildgegenständen. Meine Kunst transportiert mehr als das Abbild einer konkreten Person, mehr als ein Festhalten einer fotogleichen Situation. In einen begrenzten Raumausschnitt integriere ich das eigene Erleben, mein virtuelles Bild als Intensivierung der Wirklichkeit. Vermeiden möchte ich Sachlichkeit, Nüchternheit oder Dokumentation einer Situation oder eines Ortes. Um reines Verstehen geht es bei meiner Kunst nicht.

Wo sammelst du Inspirationen?

Viele meiner Motive finde ich bei Spaziergängen durch die Stadt oder bei Wanderungen in der Natur. Interessante Szenen halte ich mit einer kleinen Kamera fest. Diese spontanen Fotografien, Schnappschüsse, haben für mich eine besondere Ästhetik. Zufällige Mimik, Gesten der Personen oder die jeweilige Lichtstimmung oder die Farbe bilden dann die Grundlage: Meine persönlichen Erlebnisse und das Gefühl, welches das Sujet bei mir auslöst, bringen mich auf die Idee und unterstützen die Gestaltung und Ausführung.

Und welche Motive reizen dich in letzter Zeit besonders?

Kommunikation ist derzeit ein zentrales Thema: Ich male Menschen, die sich unterhalten, beobachten, telefonieren, spielen. Sei es ein Gespräch unter Freunden, der Anblick einer Gruppe in einem Ruderboot oder das Wiederkäuen von Kühen auf einer Weide.

Hast du ein Lieblingswerk, auf das du besonders stolz bist?

Interessanterweise ist mein Lieblingswerk immer gerade das Bild, das gerade fertig geworden ist. An dem hängt dann erst mal mein Herz. Die neuen Werke hängen auch zuerst ein wenig in meinem Atelier, bevor ich sie der Öffentlichkeit in Ausstellungen oder online präsentiere.

Wo arbeitest du und wie hast du dich dort eingerichtet?

Früher hatte ich einen großen Raum im Souterrain, jetzt kann ich in unserer Wohnung arbeiten. Ich habe also eine Atelierwohnung, in der meine Kunst hängt. Ich bin umgeben von meinen Werken, den fertigen und unfertigen.

Wie bereitest du dich vor, wenn du dich ans Werk machst?

Ich arbeite in Projekten und Serien. Das heißt, dass ich mich in einem bestimmten Zeitraum auf ein bestimmtes Thema oder Vorhaben konzentriere, das den Rahmen für die dann entstehenden Werke gibt. Danach begebe ich mich auf Motivsuche, stöbere in meinem Fotografien-Fundus oder suche neue Motive. Die Fotografien werden zerstückelt, neu zusammengeführt und verdichtet, das ist dann meine Skizze. Die Werke werden in den Serien Mensch, Stadt, Land und Porträt gruppiert.

Was macht dir am meisten Spaß an der Kunst?

Im Grunde ist die Vielzahl an Tätigkeiten das, was mich reizt. Das Erschaffen eines Werkes, mit dem ich mich dann der Kritik der Öffentlichkeit stelle. Das Sehen eines möglichen Motives, das Entstehen der Idee und deren Umsetzung. Dann wieder die Gespräche mit den Betrachtern oder anderen Künstlern.

Sprichst du gern mit Menschen über deine Kunst?

Am Anfang war es nicht einfach: Bei jedem Bild, das ich erschaffe, ist für den Betrachter ein Stück meiner Seele offen gelegt. Ich gehe also bei jeder Ausstellung in Vorleistung mit mir als Person und hoffe, dass der Betrachter dieses durch Einfühlungsvermögen würdigt und mich nicht zu sehr verletzt. Das Schöne ist, dass die meisten Menschen das intuitiv spüren und mit mir und meiner Verletzlichkeit sehr umsichtig umgehen.

Wie reagieren die Menschen auf deine Bilder?

Viele erkennen die Orte, von denen die Bilder sprechen, obwohl es nicht immer deutlich ist, wo gerade diese Szene ist. Sie erinnern sich an die Atmosphäre oder an die eigenen Erlebnisse.

Bitte erinnere dich einmal an den schönsten Moment, den du mit deiner Kunst hattest. Magst du uns davon erzählen?

Den einen schönsten Moment gibt es bei mir nicht. Im Grunde sind es die vielen kleinen Dinge, die sich zu einem Ganzen fügen. Aber ganz besonders ist der Moment, wenn, nach der langen Zeit der Vorbereitung – und der vielen Arbeit – die Bilder in einer Ausstellung hängen, der Abend der Eröffnung da ist und alles vorbereitet ist. Das ist dann ähnlich dem Lampenfieber der Schauspieler: Ich bin ruhig (es hängt alles, die Einladungen sind verschickt und Widrigkeiten konnten ausgebügelt werden) und doch sehr angespannt, wie die Bilder beim Betrachter ankommen. Wenn dann die Besucher das Gespräch mit mir suchen, Kritik üben oder von ihren eigenen Erlebnissen sprechen, ist es für mich ein besonders glücklicher Moment.

Was machst du, wenn du nicht malst?

Es gibt viele Tätigkeiten rund um meine Kunst und ich habe viele Ideen: die nächste Ausstellung konzipieren oder mit anderen Künstlern gemeinsame Projekte organisieren. Gerade arbeite ich an Werken für einen Kalender, den ich im Eigenverlag drucke. Zudem ziehe ich im Herbst in ein neues Wohnatelier, da wartet also noch viel Arbeit