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Angelo

Künstler aus Hamburg

Angelo de Martin malt mit japanischer Tusche auf handgeschöpftem Papier. Wenn man ihm dabei zusieht, fällt auf, dass er kaum aufs Papier schaut. Er sagt, er konzentriere sich voll aufs Visuelle – und möchte das Unsichtbare sichtbar machen.

 
„Oft empfinden Betrachter meine Werke als unfertig. Seit Langem schon bringt mich das zum Lächeln.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Asja Caspari, www.asjacaspari.com

Interview

Bitte erinnere dich für uns: Was wolltest du als Kind einmal werden?

Als Kind war ich fasziniert von Schrankenwärtern, als diese Arbeit noch per Hand gemacht wurde.

Und wann bist du der Kunst zuerst begegnet?

Das erste Mal? Da war ich 7 Jahre alt und der Religionslehrer, der auch der Dorfpfarrer war, zeigte uns als Vorbereitung auf Ostern Bilder von Jesus. Es gab ein Bild, ich vermute aus der deutschen Grünewald-Schule, mit einem geschlagenen Christus. Das gesamte Bild wirkte sehr stark in Ausstrahlung und Ausdruck. Diese dramatische Spannung wurde von meinem Unterbewusstsein aufgenommen. Dann hatte ich als 17-Jähriger den ersten künstlerischen „Schock“, als ich ein Ölbild eines Jungen im meinem Alter gesehen habe, ein sehr talentierter Maler mit einer hochwertigen Technik.

Wo und wie hast du den Umgang mit Wasserfarbe auf Papier gelernt?

Das kam später, als ich als 40-Jähriger öfter in Japan war und dort auch malte. In dieser Zeit ging ich oft zum Fluss und malte jeden Tag eine Menge kleiner Bilder auf Papier mit Wasserfarben. Diese Technik wurde langsam immer bedeutender für mich und vertiefte sich bis heute, wo ich kaum noch andere Mittel benutze. Ich male auf Papier und liebe Papier wegen seiner natürlichen zarten Lebensdauer. Es hat für viele nicht die Wichtigkeit wie Öl auf Leinwand, aber trotzdem kann man gewisse „Höhen“ erreichen.

Zu welcher Tageszeit und an welchem Ort malst du am liebsten?

In den letzten Jahren male ich ständig im Haus – Stillleben und am meisten den Blick vom Esszimmer auf die Gärten, die eine tiefe Perspektive haben und wo sich das Licht in jedem Moment ändert – und ich werde von niemandem gestört. Manchmal stehe ich um 5 Uhr auf und in der Zeit, bis der Kaffee fertig ist, male ich ein Bildchen. Bei schönem Licht am Nachmittag und oft auch bei Dämmerung, wenn alles ruhig und still wird.

Was gibt dir Inspiration und Motivation zum Malen?

Inspiration bekomme ich quasi von allem, was in meiner Umgebung lebt – ich brauch nur gut gelaunt zu sein. Die Motivation? Spüren, dass es mir gut tut, ein gesundes Ritual im Alltag zu haben. Und das Erstaunen, wie anders die Ergebnisse immer sind. Es ist ein Weg, bei dem das Ziel schon der Weg ist – ein Lebensprozess, so wie essen – schlafen gehen – malen!

Wie entstehen deine Aquarelle auf Papier? Bitte beschreibe einmal den Prozess, wenn du beginnst.

Ich habe immer Farben und Wasser im Zimmer vorbereitet, meist wenige Töne. Ich trage das Tablett mit Becher, Pinsel und Papier durch das Zimmer auf die Terrasse. Dann suche ich mir ein Motiv – ich kenne sie alle ziemlich gut – und ich bringe Ruhe in mich und starte. Einfach so spontan ohne viel zu denken, ich versuche, den Kopf auszuschalten, sodass er fast keinen Einfluss aufs Geschehen haben kann. Ich versuche, nicht kritisch zu sein. Das lasse ich danach kommen.

Du schaust beim Malen nicht direkt aufs Papier, sondern – so sieht es aus – in die Ferne. Wie wirkt sich das auf deine Malerei aus und was schätzt du daran?

Ich schaue ganz wenig aufs Papier, weil meine Konzentration komplett aufs Visuelle ist. Ich beobachte so genau wie möglich jede Form – jede Variante, jedes Detail, jeden Zusammenhang – und versuche, mit den Augen alles scharf zu lesen. In diesem Konzept vereinen sich die Realität, wie ich sie sehe und auch wie ich sie fühle mit dem inneren und äußeren Unsichtbaren, die ich zum Leben erwecke. Was ich daran schätze, ist immer wieder eine Überraschung zu haben, wie diese diversen Elemente etwas Neues aufbauen, ohne unbedingt das Rationale zu benötigen.

Wann ist ein Bild fertig?

Wenn ich fühle, dass für diesen Prozess in dem Augenblick und für diesen Moment alles gegeben und getan ist, was nötig war.

Sprichst du gerne über fertige Werke?

Oft empfinden Betrachter meine Werke als unfertig. Früher habe ich mich darüber geärgert. Seit Langem schon bringt mich das zum Lächeln. Auf dieser Ebene bin ich in sehr guter Gesellschaft – Rembrandt, Turner, Cezanne, allen passierte dasselbe ... Und die „Grammatik“ der Malerei zu verstehen ist heute ein Thema – dafür ist die Erziehung und die Schule verantwortlich!

Du bist Italiener. Wenn man wie du viele Jahre südlich der Alpen verbracht hat, wie ist es dann, in Hamburg zu leben und vor allem zu malen?

So viele Fragen in einer! Ich bin ein komischer Italiener, weil ich in Südtirol geboren bin und dort meine Kindheit verbracht habe, also in einer Grenzenkultur, wo es nie klar ist, welchem Stamm man zugehört ... es ist aufregend! Dann viele Jahre in meiner Jugend in Venezien – dann viele Jahre in Japan ... also eine Mischung! Jetzt quasi 7 Jahre in Hamburg ... Das Wetter ist so, dass ich ganz gut verstehe, warum das Malen von Stillleben im Norden so deutlich zur Wirkung gekommen ist: weil man so viel Zeit im Haus, also im Inneren verbringt ... und das Licht algide wirkt, kalt, unterkühlt. Als ich in Italien war, malte ich immer in der Natur. Hier fast immer drinnen. Es ist bestimmt kein Zufall, dass ich hier gelandet bin!

Wie reagieren denn die Hamburger auf deine Kunst?

Manchmal werde ich betrachtet wie ein exotischer Vogel. Oft sind sie neugierig darauf, was ich mitgebracht habe ... aber sehr freundlich.

Bitte erinnere dich noch einmal: Welches war dein bisher schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Wenn man so lange malt, dann gibt es so viele und unterschiedliche schöne Momente und auf diversen Ebenen; schöne Erfolge wie der Preis an der Seoul Biennale, Ausstellungen in Museen weltweit usw., und das schöne Gefühl, wenn man außergewöhnliche Menschen kennenlernt und das Glück hat, mit ihnen zusammen sein und arbeiten zu dürfen. Künstler, Lyriker, Schriftsteller und andere aus verschiedenen Ländern und Kulturen, wo man merkt, dass die Kunst wichtig für die Menscheit ist.

Was machst du, wenn du nicht malst?

Ich koche gerne und lade Freunde ein, unterrichte gerne, gehe spazieren mit meinem Hund, sitze gerne im Café und beobachte Menschen, rede gerne deutsch, höre gerne Musik ... und die Zeit läuft so schnell!

Du bist auch Lehrer. Welchen Tipp gibst du jungen Menschen, die großes künstlerisches Talent haben?

Ich unterstütze junge Menschen, weil es auch lange dauert, bevor man das eigene Talent sehen und wahrnehmen kann. Ich versuche ihnen mit Lob beizubringen, dass der Prozess wichtiger ist als die Ergebnisse und dass man aus „Fehlern“ viel lernen kann und darf, wenn man zum Loslassen bereit ist. Aber ich sage selten, dass es auch schwer sein kann. Ein Hortulus conclusus braucht Zeit, Muse, Mut und Leidenschaft.