Top
Kundenbereich schließen

Willkommen im Kundenbereich

Melde dich mit deinen Zugangsdaten an.

  • Unikate & limitierte Sondereditionen
  • Exklusive Kundenevents
  • Lieblingsartikel merken
  • Bestellungen & Daten verwalten
Be part of the art

Ursula Schmelzer

Künstlerin aus Hürth, Deutschland

Ursula Schmelzer arbeitet experimentell mit Farben, verschiedenen Materialien und unterschiedlichen Techniken, um ihre Kunst zu erschaffen. Neben dem Malen gehören auch Tätigkeiten wie Sägen, Bohren, Schrauben, Lackieren, Betonieren zu ihrer Arbeit.

 
„Was andere vielleicht wegwerfen würden, sind für mich wahre Schätze.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Dirk Behlau, www.thepixeleye.com

Interview

Kunst – was bedeutet das für dich?

Kunst ist Leidenschaft – ohne die ich nicht sein möchte. Kunst ist Bereicherung fürs Leben. Picasso sagt, Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von der Seele zu waschen.

Wann hast du begonnen, bewusst künstlerisch zu arbeiten?

Schon als Kind und Teenager habe ich gerne gemalt, gebastelt, gewerkelt und alles irgendwie neu dekoriert. Kunst-Unterricht, Kunst-AGs und Kunst-Workshops – ich war immer dabei.

In meiner Familie gibt es einige kreative Köpfe: Mein Vater war Schreiner und konnte gut zeichnen, mein Onkel malt leidenschaftlich gern die alten Meister, meine Tante – malt auch – sowie meine Cousine und meine Tochter sind gelernte Schauwerbegestalter beziehungsweise Gestalter für visuelles Marketing. Dann gibt es noch einen Grafikdesigner und einen Fotografen.

Ich selbst habe recht früh die Malstifte gegen Acrylfarben eingetauscht und versucht, meine ersten Ideen auf Bildern festzuhalten und habe auch direkt begonnen, Material, was mich beschäftigt, in die Bilder einzubringen.

Wie hat sich deine Kunst entwickelt?

Wie schon gesagt: In Jugendzeiten habe ich gemalt, Dinge zweckentfremdet, das Nähen erlernt, mein Zimmer, später meine Wohnung immer wieder neu dekoriert, Möbel gebaut und eben handwerklich alles selbst gemacht.

Irgendwann bin ich mit meinen Ideen „vor die Tür“ gegangen und habe in Köln und Umgebung in kleineren Geschäften die Gestaltung der Schaufenster übernommen. So hatte ich die Gelegenheit, in einem Stoffgeschäft nicht nur die Schaufenster regelmäßig zu dekorieren, sondern dort mein Näh-Atelier zu integrieren. Ich arbeitete dort vor Ort, verkaufte Selbstgenähtes und erhielt auch schnell Auftragsarbeiten. In meinem Näh-Atelier-Fenster dekorierte ich nun nicht nur das Genähte, sondern verarbeitete die Stoffreste in meine Bilder. So hatte man zum Beispiel die passenden Kissen zum Bild über der Couch. Ich merkte schnell, dass mich das Nähen alleine nicht ausfüllte und lenkte meine Kreativität auf die Gestaltung von Bildern mit den unterschiedlichsten Utensilien. 2002 besuchte ich ein halbjähriges Existenzgründungsseminar und eröffnete das Atelier FarbGewand.

Es folgten weitere Seminare, Workshops und ein Jahr Freie Kunstschule in Köln. Ich organisierte meine eigenen Ausstellungen mit Gastkünstlern und beteiligte mich an Gemeinschaftsausstellungen. Et bliev nix, wie et wor.

Du machst Materialbilder, fügst also Dinge des alltäglichen Lebens und auch Außergewöhnliches zu Kunstwerken zusammen. Was gefällt dir an dieser Kunstform?

Eigentlich möchte ich mich nicht auf eine Art festlegen. Der Mix aus Farben, verschiedenen Materialien und unterschiedlichen Techniken gefällt mir sehr gut. Immer wieder zu experimentieren und auszuprobieren – das ist es, was ich unter Kunst verstehe. Das Werk entsteht nach und nach während des Malprozesses. Ist es eigentlich ein Malprozess? Der Weg ist das Ziel. Deshalb ist ein Bild nie NUR gemalt. Was andere vielleicht wegwerfen würden, sind für mich wahre Schätze. Ich kann alles gebrauchen und wiederverwerten. So haben viele Dinge ein zweites, anderes Leben.

Wie entstehen die Ideen zu deinen Bildern?

Täglich aufs Neue: ob zu Hause, unterwegs bei einem Spaziergang im Wald oder am Strand, im Gespräch mit anderen, beim Einkaufen ... Inspirationen gibt es immer und überall. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt. Freunde kommen vorbei und bringen Sachen, weil sie wissen, dass ich damit was anfangen kann ... zum Beispiel kleine Geweihe aus einem Kellerfund. Dann kann ich es kaum erwarten, in mein Atelier zu gehen, um diese Eindrücke und das Material umzusetzen.

Hast du stetige Inspirationsquellen?

Tja, das ist so eine Sache: Was ist bei einem Künstler schon stetig? Aber oft sind es die Gespräche mit meiner Familie, meinen Freunden oder Inspirationen im täglichen Leben, die neue Ideen in mir wecken.

Einige Bilder hast du direkt auf Treibholz gemalt, auch deine Serie „Pastellis“ ist zwar auf Leinwand, erinnert aber durch das langgestreckte Hochformat an Planken. Bist du dem Meer besonders verbunden?

Besonders verbunden vielleicht nicht, aber ich liebe das Meer, die salzige Luft, den Sand ... egal wo. Unsere Urlaube verbringen wir immer am Meer, entweder an der Nordsee, am Mittelmeer oder gern auch mal in der Karibik. Mitgebrachtes findet man natürlich später in meinen Bildern wieder. Und das sind nicht nur die üblichen Muscheln, sondern fremdsprachige Zeitungen, Tüten, die man überall in die Hand gedrückt bekommt, originelle Eintrittskarten, Flyer, ausgefallene Speisekarten und vieles mehr. Die Holzbilder sind für meine diesjährige Ausstellung unter dem Titel : „…ein Tag am Meer“ entstanden. Vielleicht liegt die Vorliebe zum Meer daran, dass ich im Wasser quasi groß geworden bin. Ich komme aus einer Schwimmerfamilie und so lernte ich schon sehr früh schwimmen und habe ab dem 6. Lebensjahr das Schwimmen als Leistungssport betrieben, national und später auch international. Also kann man wohl sagen, dass ich dem Wasser verbunden bin!

Für mehrere Bilder hast du sehr fein geschreddertes Geld verwendet. Wie bist du denn zu den Schnipseln gekommen?

Von einem lieben Freund. Meine Quelle verrate ich natürlich nicht.

An welchem Ort malst du?

Früher habe ich mir irgendwo ein Eckchen gesucht, in dem ich malen konnte. Seitdem ich aber in unserem Haus mein Atelier einrichten konnte, arbeite ich natürlich dort am liebsten. Hier sind meine Pinsel, meine Farben, mein Material ... hier habe ich alles, was ich brauche. Da kann ich mich jederzeit vom Trubel zurückziehen. Hier biete ich seit Oktober 2017 auch Kreativ-Workshops an.

Wie hast du dich dort eingerichtet?

Da ich ja gerne Dinge zweckentfremde, habe ich das auch bei der Einrichtung meines Ateliers umgesetzt. In der Mitte steht ein großer Tisch – ehemals drei massive Kneipentische –, rund um den ich arbeiten kann. Eine alte Holzleiter für meine Farben, mehrere Blumenampeln für meine Pinsel, Euro-Paletten als Regale und einen riesigen Fundus an Material aller Art – alles übersichtlich und jederzeit griffbereit. In einem weiteren Raum stehen eine gemütliche Sitzecke, eine alte Weinkiste als Tisch und an der Wand eine Garderobe, an der meine Bücher „hängen“. Hier stehen auch meine Bilder und alles lädt zum Stöbern ein. In der angrenzenden Werkstatt findet man alles an Werkzeug und Maschinen sowie ein altes Keramik-Doppelwaschbecken. Dieser Raum ist bestens geeignet, um Krach und Dreck zu machen – sägen, bohren, schrauben, lackieren, betonieren usw.

Was brauchst du außerdem, um gut arbeiten zu können?

Meine Ruhe. Und die habe ich hier in meinem Reich. Hier kann ich jederzeit anfangen, alles liegenlassen, jederzeit aufhören. Es gibt keine festen Zeiten. Kreativität kann man nicht auf Knopfdruck abrufen. Wenn mir danach ist und das Köpfchen rattert, dann lege ich los. Genauso lasse ich auch mal alles liegen, wenn ich einfach zu viel anderes im Kopf habe und das nicht abschalten kann. Et kütt wie et kütt.

Was macht besonders Spaß an deiner Arbeit?

Das Experimentieren! Einfach mal Neues auszuprobieren, neu zu machen, zu tüfteln oder aber doch zu verwerfen, eben Ideen umzusetzen und irgendwann zu sagen: Fertig! Genauso ist es eine große Freude für mich zu sehen, dass auch schon meine Enkelin seit frühen Kindertagen im Sinne der Familientradition ihre kreativen Momente in meinem Atelier ausprobiert und sich dabei – man staune – gar nicht so ungeschickt anstellt.

Und was nervt manchmal?

Tja, was nervt mich? Als „Künstlerin“ nervt mich manchmal meine Familie. Oje, die dürfen das jetzt bloß nicht lesen. Ich liebe meine Enkeltöchter, bin oft eingespannt als Omi zum Bringen, Holen und Hüten, wenn die Eltern noch arbeiten. Das macht mir auch sehr viel Spaß. Aber wenn ich eine Idee habe und an dieser arbeiten möchte, dann nerven mich die Verpflichtungen innerhalb der Familie schon manchmal! Leider kommen die Ideen nun mal nicht nach Plan. Ansonsten bin ich ein recht geerdeter, entspannter Mensch, es braucht etwas, um mich aus der Ruhe zu bringen.

Sprichst du gern mit Menschen über deine Kunst?

Ja, eigentlich schon. Besonders gelingt das bei den Ausstellungen. Dort kann man mit den Besuchern direkt sprechen und erfahren, wie oder was sie in den Bildern sehen. Das ist oft sehr spannend und interessant zugleich. Dabei erfährt man auch eine Wertschätzung seiner Arbeit.

Gibt es etwas Bestimmtes, das du gern in den Betrachtern deiner Bilder bewegen möchtest?

Ja. Ich möchte die Betrachter meiner Bilder gern zum Umdenken ermuntern. Oft verarbeite ich Material, das man auf den ersten Blick gar nicht erkennt. Das soll auch so sein. Erst, wenn man dahinterkommt, was da im Einzelnen auf den Bildern verarbeitet ist, entstehen diese Aha-Momente. Diese möchte ich bei den Betrachtern meiner Bilder immer gern hinauszögern, denn jeder denkt anders, jeder sieht die Bilder anders und so soll jeder erst „seine“ Geschichte in den Bildern sehen. Ich freue mich, wenn sich andere Menschen für meine Werke interessieren, ihnen ein Bild gefällt und sie es auch erwerben wollen. So bekommen meine Bilder ein neues Zuhause und andere haben Freude damit – jeder auf seine Weise. Wat fott es, es fott.

Was machst du, wenn du keine Kunst machst?

So einiges. Da ist ja noch mein Mann, da sind meine Kinder und vor allem die Enkelkinder, mit denen ich Zeit verbringen möchte. Mit Freunden ausgehen, Kino, Sport, und vieles mehr. Natürlich besuche ich auch gern und oft Ausstellungen anderer Künstler – egal welcher Kunstrichtung. Und das Heimwerken im Haus und Arbeiten im Garten macht ja immer Spaß.

Und dann kommt doch wieder die Kunst in meinen Kopf …. zum Beispiel bei der Gartenarbeit. Hierbei ist kürzlich die Idee entstanden, mal was für draußen zu entwerfen. Mein nächstes Projekt werden Holzstelen und Holzbalken sein, die ich genau wie meine Bilder mit Farben, Struktur und Material bearbeiten werde.