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Be part of the art

Christine Steiner

aus München, Deutschland

Christine Steiner interessiert, was die Betrachter in ihren Bildern entdecken. Manchen Menschen sei zu viel auf ihren Bildern, erzählt sie, sie meinten, alles entschlüsseln zu müssen. Andere wiederum, sagt die Künstlerin, lachen auch und freuen sich einfach.

 
„Künstler sind Forscher und Entdecker.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Miu Reck, www.miureck.com

Interview

Warum malst du?

Weil ich keine Lieder schreiben kann und auch nicht singen kann.

Die Kunst und du: wie habt ihr euch getroffen?

An einem schönen Sonntagsspaziergang, als ich drei Jahre alt war und mir ein Maulwurf ein Geheimnis ins Ohr flüsterte. Ich fiel nämlich in seinen Maulwurftunnel hinein. Es war so dunkel dort. Er flüsterte: ich stelle Dir die Kunst vor! Und da traf ich sie; im Dunkeln begleitet sie mich ans Tageslicht zurück. Und seitdem sind wir unzertrennliche Freunde. Wir haben einen Pakt geschlossen: An ihr ist mir so viel wie ihr an mir gelegen, drum helf ich ihr Wesen hegen, wie sie das meine.

Wie hat sich deine Malerei entwickelt?

In Schritten. Ähnlich einer Zwiebelschale: ungefähr alle zwei Jahre schält sich eine neue Schale heraus. Die Tränen beim Schälen fange ich auf und gieße meine Blumen damit.

Woran erkennt man deine Bilder?

An Mustern und Mäzionären.

Einiger deiner Bilder nennst du „Mäzionärsbilder“. Was hat es damit auf sich?

Das sind die Bilder, die im Besitz eines Mäzionärs ist.

Und was ist denn nun ein Mäzionär?

Ein Mäzionär ist jemand der die Kunst unterstützt, also ein „Mäzen“. Gleichzeitig hat er durch den Besitz eines Bildes Anteil an einem wachsenden Prozess und sich verbreiterndem Unternehmen – nämlich den Mäzionärsbildern, Mäzionärszeichnungen, Mäzionärsdrehbühnen,…. Also ist er auch ein Aktionär. Mäzen und Aktionär = Mäzionär! Ein wichtiger Sprecher der Mäzionäre ist übrigens der „Ohrenschaufler“!

Deine Bilder erzählen kleine, surreale Geschichten. Bist du ein sehr fantasievoller Mensch?

Nein, ich kann nur Maulwürfe von Elefanten unterscheiden. Außerdem esse ich gerne Fliegen und Kohlrabi.

Wie entstehen deine Bildideen? Bitte gib uns mal einen Einblick.

Ich schaue einfach in die Luft!

Mit welchem Material arbeitest du am liebsten?

Einem Hammer. Einem Füllfederhalter. Einem Ei. Und mit Erden. Den Hammer brauche ich immer mal wieder, um Nägel ins Holz zu schlagen. Das hat mit dem Geheimnis vom Maulwurf zu tun. Mit dem Füllfederhalter zeichne ich auf Papier. Ich mag das Geräusch, das dabei entsteht. Das Ei vermische ich mit Leinöl. Es gibt wunderbare Mal-Rezepte; aber das mit dem Leinöl gefällt mir am besten, weil es so einen schönen „Schlonz“ gibt. Gemischt mit Erden – oder Mineralpigmenten – das ist wunderbar! Einen feinen Hauch von Dammarfirnis dann noch darüber – mhmm!

Wo arbeitest du und wie hast du dich dort eingerichtet?

Eigentlich in der U-Bahn, in der Straßenbahn, im Auto und im (Fern)Bus. Da fange ich die Bilder auf. In einer ehemaligen Schreinerei auf dem Lande kann ich sie dann ausspucken; ich brauche dann viele Dosen und Becher, um die Erden und Mineralien zusammenzumischen.
Papier, Leinwand, einen startbereiten Füllfederhalter, schwarze Tinte und einen gespitzten Bleistift – das muss alles um mich herum bereit liegen.

Was brauchst du noch, um gut malen zu können?

Stille.

Gibt es etwas, das du mit deinen Bildern in den Menschen bewegen oder auslösen willst?

Ich glaube, es geht einfach nur darum, sie in den (Maulwurf)tunnel mit hineinzunehmen. Ich finde, Künstler sind in einer Form Forscher und Entdecker. Wie die Archäologin, die in der Wüste alte Steine ausgräbt; oder der Botaniker, der Pflanzen oder Kleinstlebewesen untersucht.

So forsche ich an den „Mäzionärsbildern“. Und an Mustern. Die immer von einer gewissen Ordnung zeugen. Ordnung und Unordnung und der Umgang damit finde ich auch sehr faszinierend. „Fraktale“ und so fort; meine Bilderserie „die Quadrillen“ haben damit zu tun.

Und ich sammle ich Aktenordner und stelle mit ihnen einen anderen Zusammenhang her. Aber das ist ein anderes Thema, – ich schweife ab. Sorry! Ja, also – es ist etwas schwierig; denn es gibt nicht

„DAS BILD“ für DEN Betrachter. Es ist ja alles ein fortwährender Prozess; deshalb hat jeder Künstler wie auch die Wissenschaftler ja meistens einen einzigen Bereich, und meistens beackert er diesen Bereich sein Leben lang. Und die Betrachter – wenn ihr Interesse geweckt ist – können durch den Anblick eines Bildes einen kleinen Einblick „erhaschen“. Das ist leider so. Deshalb sind die „Übersetzer“ so wichtig. Wissenschaftler werden ja manchmal richtig schrullig. Deshalb sind auch Werksreihen und deren Reihenfolgen von KünstlerInnen so interessant.

Was bedeutet dir die Reaktion der Betrachter?

Wenn sie kommt, viel! Ja, ich finde es schon interessant, was sie aufnehmen und welcher Anteil in Ihnen dann als „Rezipient“ möglich ist, „aufzugehen“.

Wie reagieren sie denn zumeist?

Manchen ist zu viel auf den Bildern. Sie meinen, sie müssten alles entschlüsseln, und das ist ihnen zu anstrengend. Manche lachen auch und freuen sich einfach.

Kannst du fertige Bilder gut ziehen lassen?

Die, die im Weinkeller gestanden sind und gereift sind, - ja! Manche wachsen auch immer weiter, bzw. schälen sich mit den Jahren noch mehr heraus.

Was macht dir am meisten Freude an der Malerei?

Wenn ich den „Flow“ erreiche. Wenn das Schachspiel spannend wird, das das Bild mit mir spielt.

Und was nervt manchmal?

Der Weg dahin. Ständig auf dem Drahtseil unterwegs zu sein, d.h. den Faden nicht zu verlieren, die Konzentration auf die Arbeit mir nicht vom Alltagsgeschehen wegnehmen zu lassen. Unterbrechungen rechtzeitig zu erkennen und damit um zu gehen. Und auch: Die vielen Dosen und die vielen Becher.

Was machst du, wenn du nicht malst?

Ich suche den Maulwurf. Daher bin ich so gerne in unserem Garten!

Vielen Dank!

Darf ich noch etwas anfügen?

Gerne…

Ich möchte auf Literatur hinweisen. Denn ich habe schon verstanden, auf was Deine Fragen abzielen. Es gibt Menschen, deren Medium Wörter sind; die über den Prozess des Bilder-malens und über „Kunst“ geschrieben haben. Sie drücken in Worten aus, um was es geht; denn Kunst ist kein individueller Spaß und ist auch nicht immer ein „Vergnügen“, auch wenn Eure Plattform ARTvergnuegen heißt. Diese Menschen können besser sprechen als ich!

Welche sind das denn; haben sie dich beeinflusst?

Nicht beeinflusst in meiner Kunst. Aber mir bewusst gemacht, um was es letztendlich beim Kunst-machen geht! Ich möchte auf „Die Heldenreise des Künstlers“ von Raymond Unger hinweisen.

Auf Betty Edwards und ihr Buch über die Wahrnehmung beim Zeichnen. Auf Michael Csikszentmihalyi, der den Begriff des „Flow“ geprägt hat. Natürlich auf C.G. Jung und seine Erkenntnis über die Archetypen und die Bedeutung von Bildern. Und auch auf den Maler Per Kirkeby, der leider kürzlich verstorben ist. Er hat wunderbar über Kunst gesprochen und geschrieben. Oder auch Arno Stern und sein Malspiel ist zu erwähnen.
Wer tiefer verstehen möchte, was beim Zeichnen und Malen vor sich geht, sollte dort nachlesen.