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Be part of the art

Jaya Suberg

Künstlerin aus Berlin

Seit den 1980er Jahren lebt die Künstlerin Jaya Suberg in Berlin. Fotografie und Poesie sind Hauptbestandteile ihrer Werke, die in den Genres Digital Art und Mixed Media zu finden sind. Wir trafen Jaya in der Hauptstadt und sprachen mit ihr über Schmerz und Melancholie. Außerdem verrät sie uns, wie sie Blixa Bargeld kennengelernt hat und wo man heute noch das alte Berlin finden kann.

 
„Ich drücke meine Gefühle aus, mein Leben, meine Intensität.“

Videoporträt

Impressionen

Interview

Auf deiner Website sagst du, du möchtest nicht zum Nachdenken anregen, sondern zum Fühlen. Kannst du uns das erklären?

Zum Nachdenken anregen ist, wenn Menschen Kunst mit dem Verstand analytisch erklären wollen. Und das find ich, ist für meine Kunst der falsche Weg. Ich möchte die Leute erreichen, indem sie berührt werden und nicht darüber nachdenken. Mich fragen oft Leute, was manche Bilder bedeuten. Ich antworte dann meistens: „Das Bild bedeutet für mich mit Sicherheit etwas anderes als für dich. Da musst du dir jetzt selbst einen Reim drauf machen, was es für dich bedeutet.“ Wir denken alle sowieso schon zu viel, und ich finde, gerade Kunst muss auch auf die Emotionen wirken.

Wer sind deine Modelle, wenn du mit Menschen beziehungsweise mit Fotografien arbeitest?

Bevorzugt arbeite ich mit schönen, jungen Frauen – wobei schön Ansichtssache ist. Mein Lieblingsmodell zum Beispiel hat sehr viele Narben. Das finde ich schön, weil das zu ihrer Geschichte gehört. Ich arbeite gerne mit schönen, jungen Frauen, weil ich ihnen dann besser die Vergänglichkeit und die Verletzlichkeit auf-tätowieren kann, mit meiner Sprache. Die Schönheit des Lebens oder die Schönheit des Menschen, die Schönheit von allem - wenn die Brüche kriegt, das Leben zeigt und dass es eben zu der schönen Seite auch noch die verletzliche, die Todesseite gibt. Das kommt natürlich viel besser auf schönen, jungen Frauen zur Geltung als auf einer älteren Person. Gerne fotografiere ich auch Mädchen, Zehnjährige oder noch jüngere, weil gerade Kinder noch dieses Verletzliche haben. Meine Modelle spreche ich teilweise spontan an, egal wo. Neulich habe ich am Bahnhof, als ich auf den Zug gewartet habe, eine schöne junge Frau getroffen. Da haben wir eine Fotosession auf dem Klo gemacht, im Intercity. Das hatte einen leichten Knastcharakter, aber die sind toll geworden. Ich finde das auch schöner, als in ein Fotostudio zu gehen und da perfekte Fotos zu inszenieren. Das Leben zeigt mir gerade, was dran ist.

Besonders in deinen digitalen Arbeiten verwendest du Transparenz und Überlappung. Würdest du deine Werke auch als Collage bezeichnen?

Ja, ich nenne das teilweise digitale Collagen, obwohl Collage an sich ja immer etwas mit Ausschneiden und Kleben zu tun hat. Collagieren heißt glaube ich auch ursprünglich kleben, aber ich mache ja auch Mixed-Media-Arbeiten und dann verwende ich digitale Collagen, die ich auf Leinwand aufziehe und drum herum schneide und klebe. Man kann es als digitale Collagen bezeichnen. Ich nenne es meistens Digital Art.

Ein wiederkehrendes Thema scheint Schmerz bei dir zu sein. Was beschäftigt dich am Schmerz und wie näherst du dich dem Thema künstlerisch?

Schmerz ist ein ganz wichtiger Bestandteil meines ganzen Lebens, seitdem ich denken kann. Körperlicher Schmerz, aber natürlich auch psychischer Schmerz, aus meiner Kindheit, aus meiner Jugend, aus meiner Lebensgeschichte. Aber auch dieser Schmerz an sich, ich würde es dann eher Melancholie nennen. Melancholie ist meine beste Freundin, die ich nicht missen möchte. Für mich gibt es schon das Leben her. Das ganze Leben ist ein Ablauf von Melancholien. Alles, was schön ist, musst du wieder loslassen. Menschen, die nicht melancholisch sind, sind mir suspekt. Für mich sind die noch nicht so ganz in die Tiefe gekommen. Denn wer wirklich in seine Tiefen hinabsteigt, der muss seine melancholischen Aspekte auf jeden Fall treffen. Ich finde das Leben teils sehr schmerzhaft im Gegengewicht zu dieser wunderschönen Existenz, die wir hier erleben dürfen. Das ist für mich ein Paket. In meinen Arbeiten wird dieser Schmerz, diese Melancholie auf der einen Seite und die Schönheit, teils auch durch die Frauen, auf der anderen Seite widergespiegelt.

Du dichtest auch. Bestehen Beziehungen zwischen deinen Kunstwerken und deinen Gedichten?

Ich dichte, wenn ich im Café sitze. Ich habe ganz viele Bilder auf dem Handy. Die lade ich mir dann runter und lasse mich von ihnen inspirieren. Ich habe immer alte Gedichtbände dabei, besonders melancholische Gedichte, wie Rose Ausländer. Ich gehe immer auf Flohmärkte und hole mir alte Gedichte. Dann lese ich, lege das Buch weg und komme auf eigene Formulierungen. Es fällt mir allerdings nicht so leicht wie Bilder zu kreieren. Das ist für mich wirklich Arbeit, eine Formulierung zu finden, die wirklich passt, die nicht zu platt ist. Diese Gedichte schreibe ich teils auch auf meine Bilder. Die Titelsuche hat auch viel mit Gedichten zu tun. Ich versuche meinen Bildern einen poetischen Titel zu geben, der genug Spielraum lässt für eigene Assoziationen. Ich möchte nicht so viel vorgeben, deshalb spiele ich gerne mit poetischen Titeln.

Du lebst seit 1980 in Berlin. Wie hat dich die Stadt damals empfangen?

Ich bin mit dem Zug gereist, bin ausgestiegen und bin absolut in Liebe gefallen. Ich war früher öfter zu Besuch bei Freunden, in dieser Ton-Steine-Scherben-Zeit und fand das schon so outstanding hier. Das hatte mit Deutschland gar nichts mehr zu tun, das war ein echt anderer Kosmos. Als ich dann 1980 hierher gezogen bin, habe ich mich vom ersten Moment an vom Leben begnadet gefühlt, dass ich hierher ziehen konnte. Das sprach so dermaßen meine Sprache, dieses ganze Morbide, Intensive, Verrückte. Ich war vom ersten Moment an absolut zu Hause. Und immer wenn ich mal wieder zu meiner Familie nach Hagen gefahren bin und zurückkam, da war ich so glücklich. Ich brauchte nur den muffigen Geruch der alten Kohleöfen riechen, das roch ja hier so speziell, da fingen die Endorphine an zu tanzen. Die 1980er waren die tollsten Jahre in meinem Leben.

Hast du denn eine Empfehlung für das heutige Berlin, wo man das alte Berlin noch aufspüren kann?

Das alte Berlin kann man überall noch entdecken. Am besten fährt man mit dem Fahrrad durch die Gegend, und alles was so ein bisschen kreativ, intensiv, morbide aussieht, das hat noch was von dem alten Berlin. Das ist für mich typisch Berlin. Alles, was nicht fertig ist, nicht geleckt ist. Für mich ist es sehr schade, weil ich hier früher unheimlich gerne rumgezogen bin. Habe Fotos gemacht, von Graffitis, von morbiden Wänden, von Ruinen. Das gibt es hier alles nicht mehr. Alles ist hier geleckt. Jede Stadtvilla hat eine cleane Fassade und die ganzen Graffitis verschwinden mehr und mehr. Aber es gibt natürlich noch Orte. Ein sehr toller Ort, wo ich auch gerne fotografiert habe, war die alte Eisfabrik in der Köpenickerstraße.

Hast du eigentlich David Bowie oder Blixa Bargeld persönlich kennengelernt?

Nein, ich habe David Bowie nicht persönlich kennengelernt. Blixa Bargeld habe ich kurz kennengelernt. Er war täglich in den gleichen Cafés wie ich, also was heißt täglich. Wir waren früher immer im Mitropa, hieß später Café M, Mitropa durften sie nicht nehmen. Und später hat Blixa Bargeld im Risiko gearbeitet. Er war irgendwie eine Erscheinung. Er war ein zartes, dünnes, interessantes Jüngelchen, und er hatte echt Flair. Ich fand es immer spannend, ihn zu sehen. Das eine Mal kam er im Mitropa mit einem schwarzen Rolls-Royce angefahren. Das war halt, bevor er berühmt wurde. Blixa Bargeld war in diesem kleinen, ummauerten Berlin. Das war ja nicht viel, eigentlich nur Kreuzberg und Schöneberg.

Wie entstehen die Ideen zu deinen Kunstwerken? Wie sieht dein Arbeitsprozess aus und welche Techniken setzt du ein?

Ich habe immer eine Kamera beziehungsweise ein Handy dabei. Ich habe einen wahnsinnigen Fundus von Fotografien, seitdem ich denken kann. Ich habe tausende von Festplatten. Ich fotografiere jeden interessanten Fleck auf der Erde und jeden interessanten Riss. Das sind meine Texturen. Ich fotografiere auch alte, morbide Medizinbücher. Ich gehe jedes Wochenende auf den Flohmarkt und suche alte, handgeschriebene Sachen, zerfledderte Schulhefte. Findet man selten, aber ich habe inzwischen auch einen riesigen Fundus in meinem Atelier. Ich bin nämlich auch eine Sammlerin. Ich denke immer: „Daraus mache ich das, daraus mache ich das.“ Dann öffne ich einfach irgendeinen Ordner, aus dem Bauch heraus. Ich habe zum Beispiel tausende von Ordnern von verschiedenen Frauen. Bevor ein digitales Werk fertig ist, mache ich bestimmt 50 andere. Immer wieder ein Neues, immer wieder ein Neues. Und irgendwann kommt aus dem Bauch die Stimme und dann ist es fertig. Aber ich lösche das andere nicht. Die Entscheidung, was ich lösche und was nicht, ist viel anstrengender, als alles auf die Festplatte zu schicken. Also, so mach ich das, voll aus dem Bauch. Ich habe keine Idee, was daraus entsteht, es entsteht von Moment zu Moment. Was mich sehr interessiert, ist Japan, japanische Schriftzeichen. Das ist für mich geheimnisvoll, absolut geheimnisvoll. Samurai, Geisha, diese Maskenhaftigkeit, das finde ich alles super spannend. Die haben so einen erotischen Touch, aber nicht zu viel.

Interessiert es dich, wer deine Kunst kauft?

Oft kriege ich es gar nicht mit, wer sie kauft. Es interessiert mich aber schon. Besonders, wenn der Mensch mir sagt, was ihm daran so gut gefällt. Aber das höre ich eher selten. Ich kriege eher über Facebook Nachrichten, in denen mir die Leute Feedback geben. Das ist jeden Tag meine warme Dusche.

Fällt es dir schwer, dich von deinen Kunstwerken zu trennen?

Mir fällt es teilweise schwer mich von bestimmten Kunstwerken zu trennen, an denen ich sehr hänge. Manche Bilder kann ich sehr gut loslassen, aber wenn ich besonders viel Herzblut rein gelegt habe, wenn es ein besonders gutes Stück war, dann fällt es mir manchmal schwer. Wenn da aber der angemessene Preis für gezahlt wurde, dann fällt es mir nicht so schwer. Weil das ein schöner Gegenwert ist.

Was bedeutet Kunst für dich?

Für mich persönlich ist Kunst mein tägliches Brot. Kunst ist eigentlich mein Leben und bedeutet im Grunde nichts anderes als: Ich drücke mich aus. Ich drücke meine Gefühle aus, mein Leben, meine Intensität. Das drücke ich dadurch aus. Und ich finde, das Leben muss ein Fest der Kunst sein. Wenn ich tanze, ist es auch Kunst. Wenn ich mich ausdrücke, wenn ich mich richtig ausdrücke, wenn ich mich ausdrücken kann, mich traue, mich wirklich auszudrücken, das ist für mich Kunst. Für mich ist nicht so sehr Kunst, wenn Leute sich irgendwelche Konstrukte im Kopf überlegen und ich spüre da aber gar nichts. Ich bin ganz oft auf Ausstellungen, wo ich denke, da kommt nichts rüber. Für mich bedeutet Kunst auch, persönlich berührbar zu machen und viel von mir preiszugeben. Ich bin meine Kunst. Ich bin meine Werke. Ich oute mich auch damit, meine Schwachstellen. Meinen Schmerz, meine Verletzlichkeit, meine Angst, meinen Mut. Das präsentiere ich und das ist für mich das Wichtige. Wenn ich nichts spüre bei irgendeiner Kunst, dann weiß ich nicht. Das ist nicht mein Ding.