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Be part of the art

Jovita Maj

Malerin und Bildhauerin aus Köln

Jovita Maj ist Künstlerin und Kunstvermittlerin in Düsseldorf und Köln. Für ihre Abschlussarbeit an der renommierten Kunstakademie Düsseldorf fertigte sie eine Reihe von kleinen Aquarellen an und jede Menge plastizierter Ohren - ein Körperteil, das sie seit ihrer Kindheit fasziniert. Diese und andere Kunstwerke sind bei ARTvergnuegen erhältlich.

 
„Kunst ist das Nichtgreifbare, das alles umringt.“

Videoporträt

Impressionen

Interview

Du bist hier an der Kunstakademie Düsseldorf und machst im Februar deinen Abschluss. Vor Kurzem hast du hier auf dem Dach eine Flagge gehisst, auf der steht „Nous sommes l’art“, also „Wir sind die Kunst“. Wen meinst du mit „wir“ und wen schließt du damit aus?

Ich schließe ungern aus, es geht um das alles. Das Ganze ist die Kunst, nicht unbedingt die Akademie, sondern alles drum herum und überhaupt. Ich wollte auch Stellung beziehen im Rahmen des Charlie-Hebdo-Attentats, denn bei so was ist es echt still hier an der Akademie.

Was bedeutet das für dich, „Kunst“?

Ich hab mal in der Schule einen kurzen Text dazu geschrieben, da hab ich geschrieben „Kunst ist alles und Kunst ist nix. Kunst ist laut und Kunst ist leise.“ Es so viele Facetten, dass man es gar nicht greifen kann. Genau das ist es eben, dieses Nichtgreifbare, das alles umringt.

Macht Kunst dir Vergnügen?

Ja klar. Sicher. Das ist der größte Spaß; wenn man mich fragt, wie gefällt dir deine Berufung, dann sag ich, ich hab den Luxus, das zu machen, wofür ich immer irgendwie gebrannt habe.

Wie kam es mit dir und der Kunst, wie bist du zur Kunst gekommen? Oder ist die Kunst zu dir gekommen?

Nee, ich bin schon zur Kunst gekommen. Meine Eltern kommen aus Polen. Ich weiß nicht, ob der Brauch irgendwo anders üblich ist, aber in Polen, sobald man krabbeln kann, legt man auf den Boden ein Tablett, und auf dieses Tablett legt man bestimmte Gegenstände, die für bestimmte Gegenstände stehen, zum Beispiel einen Geldschein, der steht dann dafür, dass das Kind irgendwann finanziell erfolgreich wird, oder einen Kochlöffel … das sind viele, viele Gegenstände und ich bin direkt auf den Pinsel zu und hab mir den gegriffen, und ich glaub, da stand’s eigentlich fest. Immer wenn ich Stifte in die Hand bekommen hab, hab ich gekritzelt wie verrückt. Es war immer da.

Dein Arbeitsmaterial ist mehr als nur ein Pinsel und eine Leinwand. Womit arbeitest du?

Mit allem. Ob Textilien, ob Holz, ob Metall, im Prinzip benutz' ich eigentlich alles, was gerade passt. Das Material bestimmt nicht, was ich mache, sondern ich hol mir eigentlich das Material, das ich brauche.

Welche Art von Kunst, welche Technik macht dir am meisten Vergnügen?

Das ist gerade bei mir schwer zu sagen. Ich hab Phasen, da muss ich malen. Da kann ich nichts anderes. Und es gibt Phasen, da will ich die ganze Zeit modellieren und brauch etwas Festes, das ich fühlen kann an den Fingern und irgendwo hinstellen kann, das nicht nur platt an der Wand ist. Aber jedes Mal gebe ich Beidem die volle Aufmerksamkeit.

Woher kommt die Idee zu einem Kunstwerk?

Ganz unterschiedlich, oft ist es durch Selbstreflektion, oft sind die Sachen autobiografisch, und dann arbeite ich oft konzeptuell und puzzle dann die ganzen Puzzleteile zusammen, dass ich sagen kann, das ergibt jetzt ein ganzes Bild. Und dann kommt irgendwann der Punkt, da kann ich sagen, okay, das ist jetzt fertig, und dann lege ich das auch direkt wieder ab und dann beginnt das Neue.

Schaust du dir deine fertigen Kunstwerke in einer ruhigen Minute noch mal an?

Nein. Also jetzt hab ich letztens Kunst für mein Portfolio zusammengestellt und das ist, als wäre das von jemand anderem gemacht.

Jetzt machst du gerade ganz viele kleine Ohren.

Ja. Die Idee zu den Ohren kam so, ich hatte ein Projekt vor, bei dem es um Kitsch ging. Ich hab ein ganz großes Problem mit Kitsch und gleichzeitig finde ich es geil. Das ist so ein Zwiespalt und das macht’s aufregend, und deswegen hab ich mich da dran geklemmt. Und eigentlich hab ich eine Büste gemacht, die ist ganz grässlich misslungen. Das Einzige, das an dieser Büste eigentlich gut war, waren die Ohren. Da hab ich überlegt, warum hab ich denn so einen Bezug zu diesen Ohren – ich hab das gern gemacht und es ging superschnell – jetzt hab ich den Faden verloren.

Warum machst du diese Ohren? Und wie entstehen sie?

Die Ohren sind alle aus Ton und die werden einmal gebrannt, dann schrumpfen sie ein bisschen, und dann werden sie glasiert. Ich glasier die meistens mit metallischen Farben, um das ein bisschen zu abstrahieren. Einfach um die Form darzustellen und nicht dieses Hautige zu haben.

Was findest du so toll an den Ohren, ist es das Arbeiten, die Form an sich?

Es ist so ein Floh, den meine Mutter mir ins Ohr gesetzt hat. Sie meinte, dass Menschen, die besondere Ohren haben, auch besonders sind. Und ich hab mir dann meine Ohren angeschaut und die sind unglaublich gewöhnlich. Ich hab keinen Knick drin, nichts, wo man sagen würde, die sind super speziell, und deshalb dachte ich als Kind, ich bin ganz gewöhnlich. Und ich wollte aber was ganz Besonderes sein, ich wollte rausstechen, und ich war laut und hatte Energie und das hat mich total fasziniert, sodass ich immer Leute angeschaut habe, was haben denn die für Ohren. Und da frage ich mich natürlich, was macht den Typen denn da so speziell. Dadurch haben sich auch super Freundschaften entwickelt.

Die Ohren sind ja Teil eines größeren Ganzen, deiner Abschlussarbeit. Ein anderer Teil sind eine Menge sehr kleiner Aquarelle. Was findet man dort für Motive?

Alles. Ich kann immer nur alles sagen, alles. Das ist wie Brainstorming, ich sitz da nicht und sag, das ist hässlich, das wird weggeschmissen. Denn vielleicht guckt sich das jemand an und findet das großartig. Deswegen, ich habe Kochbücher, alle möglichen Bücher durchgeblättert, aus dem Fernsehen Sachen aufgegriffen, viel, das einfach so durchfliegt. Ja, das macht es auch so spannend, dass wirklich jeder Gedanke aufgegriffen wird.

Wie fängst du die Gedanken ein, die da auf dich einfliegen? Malst du die direkt?

Ja.

Du malst die direkt?

(Lacht). Also nicht, wenn ich in der Bahn sitze und ich sehe ganz verschrumpelte Füße von 'ner Frau, dann mal ich die nicht direkt. Aber das wird abgespeichert. Und dann ruf ich das ab und nehme es.

Du hast auch diese winzig kleinen Kammern gezeichnet, wenige Zentimeter groß. Warum so klein, was hat es damit auf sich?

Ich hatte als Kind einen Fiebertraum, sobald ich die Augen geschlossen habe, habe ich direkt diese Kammer gesehen, wo so kleine Kobolde irgendwas gemacht haben. und das war so weit weg und ich wollte das immer greifen. Und es pochte. Ich hab das mehreren Menschen erzählt, und die kannten dieses Gefühl. Ich musste das niedermalen, damit es irgendwie abgearbeitet ist. Dann hab ich erst mal große Leinwände genommen und hab die komplett schwarz gemalt, denn es war immer wie so eine Art Tunnel, und hab dann in dieses riesige Quadrat diese Kammern gemalt. Immer kleiner, bis ich zu dem Punkt gekommen bin, dass ich einen Trichter gemacht habe und in diesem Trichter ist ein winziges Bild. Ich habe sogar mit einer Stecknadel auf eine kleine Standuhr die Uhrzeit gemalt. Mit einer Lupe. Damit war die Arbeit abgeschlossen, der Trichter hat es quasi auf den Punkt gebracht.

Du bist hier an einer sehr renommierten Hochschule, unter anderem Joseph Beuys und Gerhard Richter haben hier gewirkt, was hast du in deiner Studienzeit hier gelernt?

Ich habe vor allem gelernt, auf mich selber zu hören. Das klingt vielleicht traurig, aber man ist hier so autark, es gibt hier so viele Künstler, da will man wissen, was sagen die dazu und jeder sagt etwas anderes. Im Prinzip geht es wirklich nur darum, intuitiv zu arbeiten, auf sich selber zu hören. Ich glaub, das hab ich sehr, sehr gut gelernt, und deshalb werde ich mein Studium nun auch abschließen. Ich könnte auch länger studieren, aber ich bin an dem Punkt angelangt, an dem ich sagen kann, ich weiß, was ich tu.

Hast du Pläne für die Zukunft?

Plan ist auf jeden Fall, ich möchte ein Atelier in Köln haben. Ich brauch das Urbane, ich brauch die Autos, die da vorbeifahren, ich brauch die Menschen, die denken und schreiben und da alles machen drum herum, also wirklich so in der Mitte.

Hast du ein künstlerisches Vorbild, fühlst du dich einem bestimmten Künstler sehr nah, lebend oder tot?

Nee, Vorbild würde ich nicht sagen. Ich bin Fan. Ich bin Fan von Hockney, von August Macke.

Wie wichtig ist dir die Reaktion der Menschen auf deine Kunst?

Sehr wichtig. Das ist unglaublich spannend, gerade bei den Ohren, die habe ich ja schon ausgestellt. Da kamen Leute und sagten, ja das ist doch hier das Ohr von Vincent van Gogh, 'zig mal abgeschnitten, in einer Schüssel … manche sagen, das ist ein Muschelsalat, andere sagen, es hat was mit Kannibalismus zu tun, und es ist so aufregend, denn man weiß einfach, es ist so unberechenbar. Wenn sie sich daran freuen, dass es die Ohren von van Gogh sind, dann lass ich das auch dabei. Manchmal löse ich das dann auch auf.

Wofür schlägt dein Herz neben der Kunst?

Für die Liebe. Es klingt kitschig, aber ich bin ein total liebevoller Mensch, es ist nicht nur die Liebe zu meinem Freund, sondern die Liebe zu meinen Freunden, die Liebe zur Kunst, ich gucke mir das gern an, ich erklär das gerne, ich habe tatsächlich gern 24 Stunden Kunst um mich herum.