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Be part of the art

Anne Bengard

Malerin aus Berlin

Mit neun Jahren ist Anne Bengard nach England gezogen. Nach ihrem Studium am Central Saint Martins in London lebt sie nun wieder in Berlin, ihrer Heimatstadt. Aber eigentlich ist Anne überall auf der Welt zu Hause, besonders Japan und Thailand faszinieren sie. Ihre Aquarellmalereien bestehen aus Pastelltönen. Was das mit Fetisch zu tun hat, wie sie eine bestimmte Begegnung geprägt hat und welche Pläne sie für die Zukunft hat, verrät uns Anne im Interview.

 
„Eigentlich wollte ich immer Meerjungfrau werden. Aber Künstlerin ist auch nicht schlecht.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von denise van Deesen, www. denisevandeesen.com

Interview

Was hat es eigentlich mit Blondie auf sich?

Blondie wurde mein Spitzname, als ich 11 war. Damals hatte ich richtig weiß-blonde Haare. Ich fing an eine meiner Freundinnen Multi-Couleur zu nennen, weil sie ganz viele verschiedene Strähnchen in den Haaren hatte und dann fing sie an mich Blondie zu nennen. Seit meinem 11. Lebensjahr war ich also Blondie. Aber mittlerweile ist Blondie am Aussterben, weil ich nicht mehr blond bin (lacht). Alte Freunde und Bekannte kennen mich noch als Blondie, neue Bekanntschaften eher als Anne, weil das Blondie jetzt mit blauen Haaren etwas verwirrt.

Du hast am Central Saint Martins in London studiert. Ist das Studium wirklich so hart?

Es ist sehr hart. Also ich bin da eigentlich mehr oder weniger reingestolpert, weil mir eine Lehrerin am College einen Wurm ins Ohr gesetzt hat. Ich konnte von allem irgendwie etwas und hatte an allem Interesse. Und dann meinte sie „Ah ja, dann guck dich doch mal im Theaterbereich um, Theaterdesign.“ Ich wusste nicht genau, was ich studieren sollte. Dann habe ich mir so ein paar Kurse angeguckt und Tage der offenen Tür und dachte „Ja, Theaterdesign!“. Der Kurs, den ich dann gemacht habe, wurde umbenannt auf „Performance Design and Practice.“, sodass es viel umfangreicher war. Manche Leute haben mit Film gearbeitet, manche Theater, manche eher Performancekunst und irgendwie bin ich dann so reingestolpert und wusste nicht wirklich genau, was ich mache, aber das war auch irgendwie ganz gut. Dadurch habe ich erforscht, was ich bisher noch nicht wirklich kannte und die haben es auch wirklich sehr hart dort gemacht. Die haben immer gesagt „Du wirst immer versagen. Versuchs nochmal und versage besser.“ Das ist so im Kopf geblieben. Ich werde immer versagen, aber ich werde einfach weiter machen und besser versagen.

Also war das Central Saint Martins durchaus eine Herausforderung und etwas Gutes?

Ja, auf jeden Fall. Ich wollte nach Central Saint Martins, weil es erstens eine sehr bekannte Uni ist und zweitens, weil da so viele berühmte Designer, Künstler und so weiter herausgekommen sind. Davon war ich geflasht. Und ich wollte nach London. Für mich kam nichts anderes in Frage. Ich wollte nach London und irgendwie war das eine gute Ausrede, als junge Frau nach London zu ziehen. Ich hatte auch Glück, dass ich angenommen wurde. Ich frage mich immer noch, warum ich das wirklich gemacht habe. Eigentlich war ich doch eher im Feld Illustration und Kunst begabt, aber trotzdem sind neue Erfahrungen immer gut.

Welche Rolle spielt das Styling in deinem Leben?

Das Styling spielt eine ziemlich große Rolle. Ich habe mich schon immer gerne verkleidet und als anderen Charakter dargestellt. Besonders, als ich in London gelebt, war ich viel im Nachtleben dort unterwegs und in der Fetisch-Szene. Da ist man dann halt immer etwas Anderes. Anfangs hatte ich noch nicht so viel Geld für extravagante Moden, was im Fetischbereich ja auch nicht günstig ist. Also habe ich mir immer Sachen aus Strumpfhosen gebastelt und ganz viel Gesichtsmalerei. Ich war in den 1 Pfund-Läden und habe mir irgendwelchen Kram gekauft für zehn Pfund, das war immer so mein Budget. Daraus habe ich dann etwas gemacht. Das war schon sehr spannend. Da wurde man so seine eigene Kunstfigur. Das mache ich jetzt auch mit den Leuten, die für mich Modell stehen. Ich bringe die dazu, sich selbst zu stylen oder ich helfe da ein bisschen mit. Es ist immer eine Zusammenarbeit.

Wolltest du eigentlich schon immer Künstlerin werden?

Eigentlich wollte ich immer Meerjungfrau werden. Aber Künstlerin ist auch nicht schlecht.

Du reist sehr gerne nach Asien, besonders nach Thailand und Japan. Was fasziniert dich an diesen Ländern?

An Thailand die Farben, das Tropische und das Wetter und Japan, davon war ich immer schon ein riesen Fan. Ich denke auch früher schon unterbewusst. Vielen deutschen ist es glaube ich gar nicht bekannt, dass diese klassischen Kinderserien wie Biene Maja und Heidi eigentlich japanische Animationen sind. Daher wurde ich, glaube ich, in einem sehr jungen Alter schon beeinflusst und später dann auch durch Mangas. Das Kitschige, Extravagante und Verrückte, aber auch das Besinnliche, die Natur und die Religion. Dort besteht noch der Shintoismus, im Einklang mit der Natur. Das berührt mich, deshalb fahre ich da auch gerne hin.

Hast du denn für dich schon eine Figur entwickelt?

Ich würde nicht wirklich sagen, dass ich eine Figur habe oder bin. Ich bin halt einfach ich. In Japan falle ich halt schon auf, ich glaube auch eher, wenn ich so in den Anime-Gegenden bin. Ich sehe halt aus wie ein kleines Mangamädchen und da sprechen einen schon manchmal ganz komische aber auch interessante Leute an. Aber Leute sprechen auch gerade mit dir, weil du eben interessant bist. Ich weiß gar nicht, wie viele Freunde ich schon gefunden habe, nur weil sie mich auf meine Haarfarbe angesprochen haben oder meine Augenbrauen. Das macht die Sache etwas leichter.

Momentan pendelst du zwischen Berlin und London. Was fasziniert dich an den beiden Städten? Welche Stadt würdest du als dein Zuhause beschreiben?

Ich bin mit neun Jahren nach England gezogen. Ich war noch Kind und war später auch sehr vom Englischen geprägt. Aber ich dachte früher immer, dass ich mich in Berlin niederlasse. Sobald ich mit der Schule fertig bin, wollte ich zurück nach Berlin. Das war immer so mein spirituelles Zuhause. Aber seit meinen frühen Zwanzigern und seitdem ich mir mehr die Welt anschaue und mich von anderen Kulturen und Ländern prägen lasse, bin ich nicht mehr so gebunden. Und jetzt, wo ich in Berlin bin, ist es nicht mehr so wie früher. Es gefällt mir hier, aber auch in London. Ich gehöre dort hin, ich gehöre hier hin. Gleichzeitig auch Thailand und Japan, Barcelona, keine Ahnung. Ich kann überall zuhause sein. Es gibt Gutes und Schlechtes an allem. Ich bin ein Mensch und ich lebe auf der Erde.

Hast du ein künstlerisches Vorbild?

Ich habe viele künstlerische Vorbilder. Ich habe einmal James Jean getroffen, in London. Der hat da ausgestellt und war selbst dort. Ich war total geflasht. Dann stand er plötzlich vor mir und ich wurde ganz rot, hatte einen Schweißausbruch und ich habe nur noch gestottert. Ich hatte ein Kunstbuch von ihm, das mir eine Freundin geschenkt hat und da ich irgendwie so eine Vorahnung hatte, dass er auch da sein wird, hatte ich das mit und habe ihn gebeten darin zu unterschreiben. Er fing an in mein Buch zu malen und da war es echt komplett vorbei. Ich bin geschmolzen, ich war eine Pfütze, ich konnte nicht mehr. Ich finde neben James Jean aber auch Takashi Murakami klasse. Einfach, wie er die Kunst angeht. Er hat eine Vision und eine riesige Fabrik, wo hundert andere Künstler für ihn arbeiten. Ich finde es ersten toll, dass er damit Jobs kreiert und dann unter dieser Fabrik eben auch die anderen Künstler und deren Arbeiten vertritt. Seine Zusammenarbeiten mit verschiedenen Modelabels und Musikern, mit der Popkultur, das finde ich schon ziemlich beeindruckend. Wenn jemand Künstler sein kann, mit einer Vision, aber gleichzeitig auch Geschäftsmann und für andere Leute irgendwie Jobs kreieren kann, sich an verschiedene Gebiete traut und es funktioniert, dann ist das super. Und man weiß immer noch, es ist Takashi Murakami. Darauf arbeite ich hin.

Liegt das künstlerische Talent in deiner Familie?

Meine Familie fragt mich auch immer, woher ich das überhaupt habe. Naja, ich habs einfach (lacht). Ich muss es doch nicht unbedingt von jemandem haben.

Also gibt es niemanden, der ähnlich arbeitet wie du?

Nein. Mein Uropa mütterlicherseits war im Theater, aber eher als Schauspieler. Ansonsten hat keiner im Bereich Kunst irgendwie was gemacht. Mein Vater arbeitet als Werbetechniker, vielleicht das am nächsten Liegende.

Gab es einen Moment in deiner kreativen Arbeit oder bei einer Begegnung in deinem Leben, die dich besonders geprägt hat?

Ich glaube, was mich am meisten geprägt hat oder was jetzt so der Start war von dem, was ich jetzt mache, war in der elften Klasse. Da bin ich auf die Aquarellmalereien von Marilyn Manson getroffen. Ich fand ihn als Musiker, seine Performance und sein ganzes Dasein total faszinierend. Ich fand das klasse, ich war damals so ein kleiner Grufti. Dann habe ich ihn als Hauptinspiration, als Künstler recherchiert und bin dann auf seine Aquarellmalereien gestoßen. Deshalb habe ich mit Aquarell angefangen. Damals musstest du ja dem Künstler, den du recherchierst, nachahmen. Das habe ich gemacht, da war ich vielleicht fünfzehn. Das war der Anfang.

Wie entstehen deine Werke? Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Auf Englisch kann ich das besser, meinen Stil in einem Satz zu beschreiben. „Large scale, realistic watercolor paintings in optimistic pastell hue.“

Hast du eine bestimmte Technik bei deinen Kunstwerken?

Ich weiß, mit wem ich zusammenarbeiten will und habe schon ein grobes Bild im Kopf. Aus dem Kopf kann ich nicht arbeiten. Ich mache erstmal ein Fotoshooting mit der Person, die ich malen möchte und das sind auch alles Bekannte oder Freunde von mir oder Leute, die ich auf Instagram finde und die mich faszinieren. Dann schreibe ich die einfach mal an. Ich bin keine sehr gute Fotografin, aber das ist ja auch egal. So habe ich dann eine Vorlage als Referenz und davon male ich dann praktisch ab.

In manchen deiner Arbeiten sieht man Menschen mit chirurgischen Hilfsmitteln, beispielsweise wird der Mund durch verschiedene Klammern offen gehalten. Welche Rollen spielen diese Elemente in deinen Werken oder haben sie eine besondere Bedeutung?

Ich finde der Mund ist ein sehr intimer Bereich im Gesicht. Ich male gerne Porträts, weil ein menschliches Gesicht halt etwas ist, auf das jeder Mensch einen Bezug hat. Ich finde den Mund interessant, weil das eben die Öffnung im Gesicht ist. Ich sammle momentan viele verschiedene Objekte. Das ist eine Serie, die gerade am Laufen ist. Manche sind nur Modeaccessoires, manche sind Zahnarztkram oder chirurgische Hilfsmittel, manche Fetisch. Manche überschneiden sich auch und werden in mehreren Branchen verwendet. Das benutze ich, um provozierende Bilder zu kreieren, die den Betrachter herausfordern sollen, seine Vorurteile nochmals zu überdenken, und sich denen bewusst zu sein. Die Ästhetik ist von meinem Hintergrund in der Fetischbranche, den Clubs in London und Mangas geprägt. Es ist interessant, wie die Leute darauf reagieren. Manchmal ist es wirklich ein sehr unschuldiges Objekt im Mund, eine Haarspange und die denken „Oh, krass, voll das krasse Fetisch-Ding“. Aber Kinder sehen das dann auch anders und sehen eigentlich, dass es eine Haarspange ist. Diese Eindrücke versuche ich zu sammeln um zu sehen, wie das auf Leute wirkt, denn meistens sind die Sachen eigentlich ganz unschuldig, doch jeder interpretiert das anders.

Fetische sind ein Thema für dich. Hast du die Fetischszene auch in Berlin vorgefunden?

Ja, doch, schon weltweit. Die Community ist sehr klein. Du kannst überall auf der Welt reisen und du lernst jemanden kennen der jemanden kennt. In Berlin kenne ich auch schon einige, war an ein paar Orten, in Clubs und so, aber es ist hier nicht so bunt, wie in London. In London gefällt es mir am meisten, da experimentieren die Leute mehr mit ihrem Aussehen. Was jedoch überall gleich ist, und was mir an der ganzen Szene so gefällt, ist der Respekt und die Toleranz die man sich gegenseitig zeigt. Wenn sich jemand daneben benimmt und andere belästigt, fliegt der oder die jenige schnell raus.

Deine Farbpalette ist sehr feminin. Überwiegend verwendest du Pastellfarben.

Ja, genau. Eigentlich nur.

Hast du eine Lieblingsfarbe?

Die Farbe, dieses Material, das verschiedene Reflektionen entstehen lässt. Perlmuttähnlich.

Wie bist du eigentlich zur Kunst gekommen?

Als Zweijährige oder Vierjährige habe ich schon gemalt. Meine Mutter hat noch eine ganze Kiste voller Sachen, die ich als Kind gemalt habe. Eigentlich war das immer ein Hobby, auch während der Schulzeit und während des Studiums. Ich habe immer nebenbei Bilder gemalt, als Hobby und das jetzt zum Beruf gemacht.

Hast du in der Zukunft Projekte, von denen du uns schon erzählen magst?

Ich habe viel zu viele Projekte im Kopf. Da ist so viel, was ich machen will. Vielleicht will ich irgendwann auch gar keine 2D-Kunst, wie ich sie jetzt mache, gestalten. Vielleicht bin ich in zehn Jahren Director oder wie auch immer ich meine Vision am besten durchsetzen kann. Ich glaube wirklich an Weiterentwicklung und Experimentieren und es gibt hunderttausend Sachen, die ich gerne machen möchte. Aber eins nach dem anderen.

Gibt es ein künstlerisches Ziel, das du verfolgst?

Momentan ist mein künstlerisches Ziel in Los Angeles bekannt zu werden, weil sich dort die Szene abspielt, an der ich am meisten Interesse habe. Dort sind die Künstler tätig, die ich am meisten verfolge. Mit dazu zu gehören wäre für mich das Highlight. Los Angeles, Japan, England, in diesem Super Realism und diesem kitschigen Pop Realism, so in dieser Szene.

Fändest du auch die klassischen Ausstellungsformate spannend? Art Basel oder Art Basel Miami Beach?

Ja, auf jeden Fall. Wenn ich da irgendwie reinkommen würde, dann sicherlich in Zukunft. Wo ich willkommen bin oder wo ich reinkomme, da mache ich auch mit.

Hast du irgendwelche Tipps für London, interessante Stadtteile und coole Bars zum Beispiel?

Meine Empfehlung für London sind ganz viele Clubs. Mein allerliebster Lieblingsclub ist der Torture Garden, wo ich seit sieben Jahren auch für die Clubdeko arbeite. Wapping als Stadtteil ist sehr interessant, auch wenn es da jetzt nicht so viele Leute hinzieht. Aber da ist das Designmuseum und lauter coole Cafés. Früher haben dort die Schiffe ganz viel Kram geliefert. Heute sind dort noch die Lagerhallen. Irgendwie ist es von der Art der Architektur sehr interessant. Shoreditch ist mittlerweile wie Berlin. Sehr touristisch, hat aber auch noch seine coolen Ecken und Geschäfte, aber so wie man es eben überall sieht, ziehen größere Firmen ein und alles wird gentrifiziert.