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Be part of the art

Doris Leuschner

Bildhauerin aus München

Fantasie oder Wirklichkeit? Ihre Inspiration für ihre Skulpturen holt sich die Münchner Künstlerin Doris Leuschner vor allem aus der Natur. Besonders die Unterwasserwelt hat es der ausgebildeten Lithografin angetan. Wir sprechen mit Doris über ihre große Liebe zur Natur, ihre Skulpturen und was ihr die Kunst bedeutet.

 
„Ich kombiniere in meinen Arbeiten gerne Naturmaterialien mit industriellen Erzeugnissen wie Kupferdraht.“

Impressionen

Interview

Doris, du bist ausgebildete Lithografin. Erzähle uns doch ein bisschen zu deinem Werdegang.

Ich habe in den achtziger Jahren zuerst ganz klassisch Lithografin gelernt und dann lange im Repro-Bereich gearbeitet, bis ich irgendwann angefangen habe zu fotografieren. Zuerst habe ich Pixel gequält, so haben wir es damals genannt, aber dann wollte ich Fotos machen, die gleich so sind, wie sie sein sollen. Das war die Motivation dahinter und ich habe zuerst hobbymäßig fotografiert. Durch meinen damaligen Freund habe ich dann sehr schnell Aufträge bekommen. Er war Journalist bei einer pädagogischen Fachzeitschrift und sie suchten immer jemanden, der Fotos in den Schulen macht. So ging meine Fotokarriere los. 2002 habe ich dann angefangen, selbstständig als Fotografin zu arbeiten und parallel zu meiner Selbstständigkeit noch Fotodesign und Neue Medien studiert.

Erzähl uns ein bisschen was über Bambus. Was tust du damit, was ist das Besondere an dem Werkstoff?

Fasziniert von Bambus bin ich schon sehr lange, weil mein Vater Gärtner war und ich deswegen schon immer mit der Natur und Pflanzen in Berührung gekommen bin. Das Besondere am Bambus ist, dass er immer grün ist und dieses Exotische mit sich trägt. Ich war viel in Asien unterwegs und da stößt man natürlich in jeder Ecke auf Bambus. Er ist unglaublich stabil und gleichzeitig elastisch, das fand ich sehr reizvoll. Ich bin aber zu dem Gebrauch von Bambus eigentlich über das Merkmal gekommen, dass er hohl ist. Ich habe für meine Arbeiten eine Lochstruktur gesucht und zuerst habe ich versucht, die Löcher selbst zu gestalten, z.B. indem ich sie in Ton schneide. Aber das war alles nicht das, was ich wollte, und dann hab ich im Bambus diese Lochstruktur entdeckt und ein System gefunden, damit zu arbeiten.

Wasser nimmt eine zentrale Position in deinen Werken ein. Bitte erläutere uns dein Verhältnis zu diesem Element. Wie gehst du damit um?

Wasser war eigentlich schon immer mein favorisiertes Element. Ich habe 1994 mit dem Tauchen angefangen und seitdem hat es mich auch nicht mehr losgelassen. Die Akustik unter Wasser ist eine andere und man taucht in eine völlig fremde Welt ein, die unglaublich vielfältig, bunt und faszinierend ist.

Du hast Skulpturen geschaffen, die wie Unterwasserwesen aussehen. Sie sind aber deiner Fantasie entsprungen oder hast du sie nach bestimmten Vorbildern oder Sachen, die du schon gesehen hast, gemacht?

Die Formen meiner Skulpturen sind immer eine Mischung aus beidem. Das ist auch genau der Reiz, den ich beim Betrachter erzeugen möchte, dass man nicht genau weiß, ob es dieses Wesen gibt oder nicht. Ich hole mir für meine Skulpturen viel Anregung durch Biologiebücher oder auch durch die eigene Wahrnehmung im Wasser. Generell recherchiere ich in sehr unterschiedlichen Richtungen, dabei kann auch ein Blick durchs Mikroskop eine Inspiration sein.

Erzähl uns doch ein bisschen zum Hintergrund.

Zum einen gibt es da die Bildtafeln von Ernst Haeckel, sein Buch ist meine Bibel. Er hat im 19. Jahrhundert sehr umfangreich Meereswesen gezeichnet. Es gibt viele Tafeln mit Mikroorganismen, die immer wieder Lochstrukturen aufweisen. Und das war meine Inspiration, mit Bambus zu arbeiten. Dazu kam noch, dass ich irgendwann in den 80ern Frank Schätzings „Der Schwarm“ gelesen habe. Seine Idee, dass es einfache Lebewesen gibt, die sich zu einem großen, komplexen Organismus zusammenschließen, fand ich klasse. Es brachte mich auf das Thema „Genesis“, so heißen meine aktuellen Arbeiten, und es geht darum „Wie entsteht das Leben und was entsteht da?“ Der Mensch bezeichnet sich oftmals als die Krönung der Schöpfung. Ich bin aber davon überzeugt, dass es an Orten wie z.B. der Tiefsee Lebewesen gibt, die auch hochkomplexe Überlebensstrategien entwickelt haben und die noch weitgehend unerforscht sind. Das finde ich sehr spannend. Meine Skulpturen sind auch so. Man weiß nie genau, ob es eine Vergrößerung von einem Mikroorganismus ist, ob sie in der Tiefsee vorkommen oder frei erfunden sind.

Warum nimmst du Kupferdraht in deinen Arbeiten?

Ich kombiniere in meinen Arbeiten gerne Naturmaterialien mit industriellen Erzeugnissen wie Kupferdraht. Kupfer ist ein hochtechnisches Material und bildet allein optisch einen wahnsinnig spannenden Kontrast zum Bambus. Für mich entwickelt die Kombination von Technischem/Menschengemachtem und Natürlichem genau die Spannung, die mich interessiert. Hinzu kommt auch, dass Kupferdraht sich über die Zeit hinweg farblich verändert, oxidiert. Das heißt, die Skulpturen leben und sie verändern sich nach und nach.

Hast du ein künstlerisches Vorbild?

Die Natur ist mein Vorbild. Sie ist mir sehr wichtig und ihre Erscheinungsformen sind oftmals der Ausgangspunkt für meine Arbeiten, z.B. ein Kokon oder eine Koralle. Ich bewundere aber auch die Arbeiten von Henry Moore und Hans Arp sehr. Sie sprechen mich sehr an, weil sie diese weichen, runden Formen haben, und das ist ja auch meine Formensprache. Ich schaffe es nicht, irgendwas Gerades zu bauen. (lacht)

Liegt die Kunst bei dir in der Familie?

Nein. In meiner Familie gibt es außer mir keine Künstler. Ich hatte eine sehr junge Tante, die war künstlerisch sehr talentiert. Als Kind habe ich sie sehr bewundert. Leider ist sie schon mit 17 verstorben.

Was tust du, wenn du keine Kunst machst?

Lass mich überlegen. (lacht) Da gibt es nicht viel anderes. Entweder bin ich in meinem Atelier oder ich arbeite zu Hause am Rechner und recherchiere oder lese Bücher zu meinen Themen. Ich gehe natürlich auch viel in Ausstellungen, somit dreht sich alles um die Kunst.

Kannst du dich leicht von deinen Arbeiten trennen?

Ja, ich kann mich schnell von meinen Werken trennen. Wenn ich an einer neuen Skulptur arbeite, gehe ich total darin auf. Ich habe die fertige Arbeit dann meistens einige Wochen in meiner Wohnung stehen lassen sie noch auf mich wirken. Irgendwann merke ich dann aber, dass ich sie kaum noch wahrnehme, weil ich gedanklich schon wieder bei der nächsten Skulptur bin. Sobald eine Skulptur fertig ist, weiß ich oft schon, was ich als Nächstes machen will. Es gibt aber auch ein paar Kernarbeiten, die für mich wichtig sind. Sie haben gewisse Stationen in meiner künstlerischen Entwicklung ausgemacht und von denen fällt es mir schwer, mich zu trennen.

Dein künstlerischer Werdegang: Womit hast du angefangen und wo geht die Reise hin? Weißt du das schon?

Mein künstlerischer Werdegang begann während meines Studiums. Ich wollte nach der Schule Grafikdesign studieren, habe aber zunächst keinen Studienplatz bekommen. So bin ich erstmal Lithografin geworden und das hat mir viele Jahre auch gut gefallen, man auch gut verdient. Als ich dann später Fotografie und neue Medien in Bielefeld studiert habe, war das ein sehr künstlerischer Studiengang. Man hatte dort sehr viele Freiheiten, was mich ziemlich schnell zum künstlerischen Arbeiten gebracht hat, und ich habe gemerkt, dass das mein eigentlicher Weg sein wird. Ich hatte eine Professorin, die mir sehr viel beigebracht hat. Sie hat Plastik und Objekt unterrichtet und bei ihr habe ich auch mein Diplom gemacht. Es war eine Rauminstallation mit Videofilmen und einer Skulptur aus Schokolade und Silikon mit dem Titel „memento gula“, („gedenke der Masslosigkeit“) So bin ich zur Kunst gekommen und wo ich hin möchte – na ja. Davon leben zu können, das können nur ganz wenige. Mein Ziel ist es schon, eine gewisse Bekanntheit zu erreichen, die es mir ermöglicht, meine Arbeiten möglichst vielen Menschen zu präsentieren und viel auszustellen.

Ist dir Feedback wichtig, von denen, die deine Sachen betrachten oder auch kaufen?

Ja, Anerkennung ist wichtig. Es gibt einem einfach noch mal die Bestätigung, dass das, was man tut, richtig ist. Auf Messen und Ausstellungen habe ich gemerkt, dass meine Kunst sehr gut ankommt. Das gibt mir die Bestätigung, dass ich auf einem guten Weg bin.

Würdest du sagen, dass man deine Kunst gut verstehen kann? Auch ohne eine großartige Erklärung dazu?

Ja, ich merke an den Reaktionen der Menschen, dass sie ziemlich schnell den Bezug zu Wasser und Lebewesen herstellen. Die Assoziation kommt sofort und im zweiten Schritt tauchen dann die Fragen nach Realität und Fiktion auf. Es ist schön für mich, dass es verstanden wird.

Ich gebe jetzt einfach mal ein paar Stichworte und du erklärst mir, worum es geht: Flip-Flops und Bauchspeck, Rollmops und Lockenwickler und Gürtel und Cocktailwürstchen.

Die sagen schon alles. (lacht) Also die Food & Fashion-Serie ist eine meiner liebsten Fotoserien, die ich gemacht habe. Im Prinzip ist sie auch noch nicht zu Ende. Es gibt immer noch neue Bildideen, die ich irgendwann mal, wenn ich mal keine Lust auf Bildhauerei habe, sicherlich noch fotografieren werde. Hintergrund dazu ist, dass ich aus Lebensmitteln Accessoires oder Klamotten bastele, die auch gleichzeitig inhaltlich die Geschichte erzählen. Also wenn ich üppigen, reichen der Frau die Zwiebelringe um den Hals hänge, dann weint sie natürlich in ein Spitzentaschentuch, oder der Bauchspeck – da sitzt ein dicker Mann in seinem Bauchspeckunterhemd vor dem Fernseher und zieht sich irgendwelche Soaps rein. Ich habe mich während meines Studiums lange mit der Beziehung des Menschen zu seinen Lebensmitteln beschäftigt. Da entstand die Idee zur Serie.

Dein erster Traumberuf war …?

Ich wollte Goldschmiedin werden. Ich hatte irgendwann keine Lust mehr auf Schule und wollte nach der 10. Klasse abgehen, habe aber keine Lehrstelle bekommen. Meine Eltern haben mich dann überredet, doch das Abitur zu machen. Wobei, ich glaube, dass ich eine gute Goldschmiedin geworden wäre.

Woher nimmst du deine Inspiration, wenn du neue Sachen machen willst?

Wenn ich eine neue Skulptur entwickeln will oder eine Inspiration suche, dann hilft mir oft das Internet. Es kann aber natürlich auch sein, dass ich bei einer Pflanze eine Struktur sehe, die mich inspiriert. Oder es entwickelt sich über das Material. Mich reizt es, Materialien zweckzuentfremden.

Das Leben ohne Kunst ist …?

Leer. Einfach leer.

Kannst du uns noch verraten, woran du jetzt aktuell arbeitest?

Ich arbeite immer noch an meinem Genesis-Zyklus, mit dem beschäftige ich mich jetzt seit November 2014 und da werde ich auch sicher noch länger dran arbeiten. interessanterweise entwickeln sich meine Skulpturen parallel mit der Genesis selber weiter. Ich habe mit Einzellern angefangen. Ganz einfache Formen, und dann ging es los, dass sich die Formen langsam öffnen. Dass es irgendwo rausplatzt, etwas Neues hervor kommt. Es gibt immer einen Kern, ein Inneres, das dann langsam zum Vorschein kommt, und ich merke, ich werde jetzt auch in meinen Lebensformen, die ich neu kreiere, immer komplexer.

Du bist in München zu Hause, kommst aber ursprünglich aus Hannover. Was gibt dir München, was dir Hannover nicht geben konnte?

München ist eine tolle Stadt, wir fühlen uns sehr wohl hier. Ich bin damals mit meinem Freund hergekommen, weil er hier ein Jobangebot bekam. Ich war zu der Zeit seit 8 Jahren als Fotodesignerin selbstständig und hatte das Gefühl, es läuft alles im selben Trott. Die Aufträge fingen an, mich zu langweilen. Das war für mich ein guter Moment zu sagen: Da komme ich gerne mit, ich möchte gerne noch mal etwas Neues kennenlernen. In München kannte ich niemanden und hatte mir vorgenommen, keine Akquise zu betreiben, sondern die Zeit für meine Kunst zu nutzen. Man kann sagen, seitdem ich in München bin, kann ich mich endlich so der Kunst widmen, wie ich es schon immer wollte.