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Be part of the art

TRUS

Künstler aus Füssen

Der Künstler Robert Wilhelm, Künstlername TRUS, startete bereits im Jugendalter als Graffiti-Künstler. Auf der Straße ist er noch heute aktiv. Wir sprachen mit ihm über seine Anfänge, seine Arbeitsweise und die Smurfnobs.

 
„Ich arbeite sehr gerne aus der Improvisation heraus.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Simon Toplak, www.simontoplak.com

Interview

Seit 1994 arbeitest du als Graffiti-Künstler. Du bist bekannt unter dem Namen TRUS, hat dieser eine Bedeutung?

Nein, wie viele andere Graffiti-Writer schrieb ich vorher andere Namen und irgendwann kam ich auf „SURT“. Mir gefiel die Buchstabenkombination, und als ich diesen Namen umdrehte, sah das einfach stylischer aus. Weil sich das „S“ nun am Ende befand, konnte ich den Schwung besser auslaufen lassen und darüber hinaus hörte sich der Name einfach besser an.

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Ich habe schon in frühster Jugend viel gezeichnet und gemalt und war von vielen Künstlern und deren Bildern fasziniert. Als dann Graffiti fester Bestandteil meines Alltags war, entschloss ich mich Kunst zu studieren.

Seit wann arbeitest du auch indoor?

Eigentlich schon immer, während meines Studiums (1995–2000) hatte ich die letzten vier Semester ein Stipendium und mein eigenes Atelier, in dem ich absolute Freiheit genoss. Das Arbeiten im Atelier und im öffentlichen Raum lief immer parallel. Natürlich gab und gibt es Phasen, in denen der Fokus mal mehr im Atelier oder mal mehr im öffentlichen Raum liegt.

Also bist du noch auf der Straße aktiv?

Ja, nach wie vor.

Gibt es Künstler, die du als Vorbild bezeichnen würdest?

Da gibt es natürlich einige, mit am meisten schätze ich die Arbeiten von Miró.

Erzähl uns doch ein bisschen über deine Arbeitsweise, womit beginnst du?

Ich arbeite sehr gerne aus der Improvisation heraus. Eine Sache bis ins letzte Detail auszuarbeiten ist mir oft zu anstrengend, und ich habe während dieser Prozesse schon wieder viele neue Ideen und Ansätze, die ich dann umsetzen möchte. Mir ist es auch wichtig, dem Zufall eine Chance zu geben und diesen so weit das überhaupt möglich ist zu steuern. Ich schätze es auch sehr, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ganz andere Ansätze haben. Um nur ein Beispiel zu nennen: Im letzten Jahr habe ich mit einem Philosophiestudenten ein Buch mit dem Arbeitstitel „Poetopolitik“ fertiggestellt. In diesem Buch wird auf philosophische und bildnerische Weise nach der spezifischen Politik der Kunst gefragt. Hier kombinieren sich meine Bilder und kleine verdichtete Texte meines Kollegen zur Intensität einer Erfahrung, die die Kunst involviert sieht in den „Streit“ um das Erscheinen des Wirklichen.

Was hat es mit deinen Kunstfiguren „SMURFNOBS“ auf sich?

Schon vor Jahren wollte ich mich, wenn ich sprühen ging, nicht nur auf Buchstaben, klassische Styles und B-Boy Character konzentrieren. Ich wollte mich von dem allen lösen, aber trotzdem die Sprühdose als mein wichtigstes Zeicheninstrument weiter verwenden. Mir war es wichtig, ein Alleinstellungsmerkmal zu kreieren, etwas, das man schnell umsetzen kann, das reduziert und gleichzeitig schwungvoll ist. In diesem Zuge rief ich meine „SMURFNOBS“ ins Leben. Zornig bis verspielt und nie so ganz nüchtern, betreten und verrücken sie die Wände, Leinwände und (spießigen) Einwände aller Art. Mit Freude an farbenfrohem Exzess und unverstellter Einfachheit bringen die SMURFNOBS Schwung und Bewegung an jeden noch so langweiligen Ort. Der Name ist auch eine eigene Kreation, die sich aus dem Namen SMURF (englisch Schlumpf) und NOB (englisch Rübe, im übertragenen Sinne auch Kopf) zusammensetzt. Das Ganze hatte keine tiefere Bedeutung; es ging mir vor allem um den Klang bei der Aussprache und die Einzigartigkeit des Wortes.

Gibt es ein Erlebnis oder einen Moment in deiner bisherigen künstlerischen Laufbahn, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Die Einladung von „Le M.U.R.“ nach Paris im letzten Jahr hat mir sehr gefallen, und wenn es die Umstände zulassen würden, hätte ich große Lust, dort öfter zu arbeiten und projektgebunden auch zu wohnen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag in deinem Leben aus?

Oft bin ich schon sehr früh zwischen 4 Uhr und 5 Uhr wach und beginne meinen Tag mit Büroarbeit und Tätigkeiten am Rechner. Danach kümmere ich mich mit meiner Lebensgefährtin um unsere beiden Töchter (2,5 Jahre und 10 Monate alt) und wir genießen unser gemeinsames Frühstück. Falls kein Auftrag zu erledigen ist, begebe ich mich ins Atelier, um dort bis ca. 15 Uhr zu arbeiten. Danach, wenn es möglich ist, ist wieder Familienzeit. An den meisten Tagen arbeite ich dann gerne noch von 20 Uhr bis 23 Uhr im Atelier weiter und gehe dann erst schlafen. Das ist der normale Rhythmus.

Kannst du dir vorstellen, mit etwas anderem deinen Lebensunterhalt zu verdienen?

Schwierig! Natürlich habe ich immer wieder Ideen und man scherzt mit Freunden herum, was man alles machen könnte. Ich könnte mir vorstellen, der Besitzer eines Biermuseums zu sein. Dieses sollte in Kombination mit einem kleinen Club funktionieren, in dem DJs auflegen und Bands auftreten können.

Sammelst du selbst auch Kunst?

Ich tausche gerne Arbeiten mit anderen befreundeten Künstlern, aber ich würde mich nicht als Sammler bezeichnen, vielleicht kommt das noch.