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Be part of the art

Various & Gould

Künstlerduo aus Berlin

Various & Gould sind ein Künstlerteam aus Berlin. Ihre Arbeiten sind vielschichtig und abwechslungsreich, berühren politische und soziale Themen und münden oft in Aktionen. Für unseren Besuch schmücken sich die beiden Künstler mit einem Blumenkranz, den sie sich tief ins Gesicht ziehen. Warum sie nicht identifiziert werden wollen und warum viele Leute sich ihre Zusammenarbeit falsch vorstellen, erklären sie im Interview.

 
Wir sind nicht gern auf der Bühne oder im Mittelpunkt.

Videoporträt

Impressionen

Interview

Various & Gould – wie kam es zu eurem Namen?

Various: Es hat sich langsam gefunden. Anfangs hatte ich gar keinen und hab auch auf der Straße ohne einen gearbeitet und wollte auch gar keinen Künstlernamen. Als wir so drüber nachgedacht haben, kamen wir drauf, dass ich verschiedene Stile mag, verschiedene Techniken, das Vielseitige. So hat sich das gefunden.

Gould: Und bei mir, mein Name Gould ist quasi auf mich übergesprungen von einem Hoody, den mein Bruder mir mitgebracht hat aus Amerika von der Gould Academy. Und den hab ich immer getragen, ganz stolz, und da stand vorne was drauf, und das Wort hatte für mich keine Bedeutung. Als ich dann einen Namen brauchte für die Straße, hab ich den dann verwendet.

Ihr tretet uns jetzt hier als zwei Blumenwesen gegenüber, mit zwei Blumenkränzen vor dem Gesicht, die eure Stirn und Augen verdecken. Wenn man sonst mit Menschen spricht, die anonym bleiben wollen, ziehen sie sich oft einfach ein Hoody über den Kopf.

Gould: Die Blumen sind für uns einfach ein Statement, und die Anonymität hat bei uns nichts mit Illegalität zu tun, sondern wir lassen einfach gern unsere Gesichter draußen. Wir haben das so ein bisschen als Schleuse zwischen uns und der Öffentlichkeit und haben es eigentlich viel lieber, dass unsere Werke für uns sprechen.

Various: Wir sind halt nicht gern auf der Bühne oder im Mittelpunkt. Andererseits wollen wir uns auch nicht die ganze Zeit verstecken, sondern es ist so ein bisschen spielerisch, wir wollen es auch als Ausdrucksmöglichkeit nutzen. Wir verkleiden uns auch gerne, oder? Durch die Blume gesprochen.

Gould: Ja.

Was waren eure Traumberufe als Kinder?

Various: Ich glaub, ich wollte schon immer Künstlerin werden. Anfangs noch nicht so klar, da hab ich es mich noch nicht getraut. Da wird man auch so konfrontiert mit diesem Künstler-Image: Der arme, tragische, leidende Künstler. Da hab ich gedacht, das passt gar nicht zu mir. Ich hatte eine schöne Kindheit, bin ein fröhlicher Mensch und hab lange gebraucht, um mich da raus zu wagen und zu sagen, ich will nicht leiden, ich muss nicht leiden. Aber irgendwie hab ich auch schon immer gemalt und gezeichnet und konnte mir auch nichts anderes vorstellen. Es ist das, was ich am besten kann.

Gould: Ich hab auch seit ich klein war gezeichnet und gebastelt, aber erst mal wollte ich Dichter werden. Ich hab auch als sechsjähriger Junge ein selbst geschriebenes Gedicht im Radio vorgetragen. Es hat lange gebraucht, bis ich gesagt habe „Ich bin Künstler“. Ich hab lange Zeit gesagt, ich will Künstler werden. Das ist ein Freischwimmen.

Ihr seid sehr vielseitig, macht Paste-ups, Installationen, Collagen, malt, macht Aktionen, was ist eure gegenwärtige Lieblingsform der Kunst?

Gould: Ganz wichtig ist einfach eine Auseinandersetzung mit dem Publikum, den Menschen. Es ist eigentlich egal, ob wir Plakate verkleben oder anderes machen, es kommt uns darauf an, wie das auf die Menschen wirken wird.

Various: Zum einen lieben wir Siebdruck und Papier, das kommt in irgendeiner Form immer wieder vor, aber ansonsten zählt auch einfach die Idee und ein Konzept dahinter und dann schauen wir, wie können wir das am besten umsetzen. Und dann kann es mal sein, dass es eben eine Performance oder eine Installation ist. Deshalb auch das Vielseitige, wir wollen uns nicht so gerne festlegen. Ich glaub, ich langweile mich auch schnell.

Ich habe den Eindruck, dass eure Kunst immer einen tieferen Hintergrund hat, zum Beispiel, wenn man sich euer Witches-Projekt anguckt. Vielleicht könnt ihr einmal kurz erzählen, worauf ihr es dabei abgesehen habt.

Gould: Bei unserer „Wanted Witches“-Serie haben wir dreizehn Leute porträtiert und dann gedruckt mit Streichholzfarbe. Das sind Leute, die teilweise einen Mordanschlag hinter sich haben, oder sehr in der Öffentlichkeit stehen oder auch über viele Jahre vielleicht gebasht wurden. Wir haben diese Leute mit Streichholzfarbe porträtiert und jetzt können Leute an diesen Porträts Streichhölzer entzünden. Das hinterlässt dann immer Narben auf den Gesichtern, trotzdem kann man eine Kerze anzünden. Wir wollten eine Ambivalenz zeigen, wie mit Menschen wie Edward Snowden, Nadeschda Tolokonnikowa, Malala Yousafzai ... uns hat interessiert, wie mit denen umgegangen wird. Wir haben gedacht, das sind vielleicht die Hexen der heutigen Zeit. Die landen im Shitstorm, werden bedroht oder müssen ins Exil, in den Untergrund gehen. Wir wollten das aufzeigen. Das sind Leute, die wir gut finden, aber wir haben sie trotzdem Hexen genannt, also quasi mit einem abwertenden Begriff, weil wir das dem Publikum überlassen wollten.

Various: Oder um den Begriff auch mal anders aufzuwerten. Für mich sind Hexen halt weise Leute, die auch eine besondere Fähigkeit haben und früher wegen ihrer Gesinnung oder wegen dem, was sie waren, auf den Scheiterhaufen kamen. Letztendlich haben wir das Gefühl, dass man mit jeder Begegnung, wenn zwei Menschen sich gegenübertreten, seine Spuren mit sich nimmt. Wie eben mit den Streichhölzern diese Schmisse. Die in diesem Fall so sichtbar gemacht werden. Jede Begegnung hat Folgen.

Wird man die Wanted Witches weiterhin sehen?

Various: Am liebsten würden wir so eine Art Städteserie machen, um auch zu sehen, wie reagieren andere Leute darauf, in anderen Ländern. Wir würden gern sieben Städte mit dreizehn Hexen bereisen.

Gould: Wir waren schon in Budapest, in Köln und in Berlin, und mal schauen, wo als Nächstes die Reise hingeht.

Ihr seid ja ein Team. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen euch beiden, mögt ihr das verraten?

Gould: Das Witzige ist, dass wir häufig gefragt werden, wie ist das bei euch, wer macht was, wer hat welche Spezialität? Ganz genau so denken wir gar nicht, sondern wir arbeiten ja zusammen an gemeinsamen Arbeiten, gleichzeitig oder versetzt, und jeder von uns hat mal den Pinsel in der Hand oder die Bohrmaschine oder die Säge oder es wird gedruckt. Also auf eine gewisse Weise kann jeder und jede von uns beides machen, aber natürlich wechseln wir uns darin ab und haben als Grundlage unserer Arbeit vor allem das Prinzip Collage. In diesem Zusammenfügen verschmelzen wir quasi unsere Elemente, die wir einbringen.

Various: Letztendlich kommt immer etwas Unerwartetes als Ergebnis heraus. Ich find es unglaublich bereichernd, es ist auch für mich immer überraschend. Letztendlich hören wir an dem Punkt auf, wo wir das Gefühl haben, es ist besser als das, was der Einzelne bewerkstelligt bekommt. Ich genieße das total, weil man sich austauschen kann. Immer, wenn man nicht weiterweiß, hat man jemanden, der dann sagt, okay, dann mach ich halt eben mal weiter. Und auch diese schönen Missverständnisse, die entstehen, weil man halt andere Bilder im Kopf hat. Das merken wir immer wieder, manchmal sind wir der festen Überzeugung, ah, jetzt weiß er, wovon ich spreche, dann fangen wir an, aber dann merken wir – ah, ach so dachtest du das! Letztendlich justiert man dann immer weiter und schraubt das Bild immer weiter voran, bis man eine Gemeinsamkeit gefunden hat, mit der man zufrieden ist.

Gould: Man darf sich das aber nicht als einen ewigen Kompromiss vorstellen. Wir haben auch Auseinandersetzungen, manchmal ist das auch ein Biegen und Zerren, bis wir dann zufrieden sind. Es ist wie beim Tanzen, wo man sagt, eine Person muss führen, und da lassen wir uns aufeinander ein. Wir begeben uns dann manchmal auf den Weg des einen, manchmal auf den Weg des anderen.

Entwickelt ihr eure Ideen auch gemeinsam? Gibt es Konzepte zu euren Arbeiten, wer denkt sich die aus?

Various: Auf jeden Fall entwickeln wir Ideen zusammen. Meistens hat jemand eine Initialzündung. Oder wir sind in der gemeinsamen Situation und haben gemeinsam eine Idee. Aber oft sagt einer von uns zum Beispiel, oh, ich habe unglaubliche Lust, mal was mit Porträts zu machen. Dann fangen wir halt an, zusammen weiterzuspinnen. Ist das etwas, worauf der andere auch Lust hat, oder ist das durchaus auch mal was, das man alleine macht? Wir sind jetzt kein Zwangsteam. Aber meistens ist es so, dass es uns auch mehr Spaß macht, zusammenzuarbeiten. Er hat so oft Ideen, auf die ich allein nicht gekommen wäre, und es ist schön, dass es sich so befruchtet.

Gould: Und wir reden dann natürlich auch sehr viel darüber und haben diese kreativen Missverständnisse. Ein Freund, der uns mal längere Zeit beobachtet hat, hat es auf die Formel gebracht 1+1=3. Weil wir woanders rauskommen, als wir vorher dachten.

Braucht ihr manchmal Urlaub voneinander?

Various: Hm.

Gould: Nein.

Various: Wir brauchen generell mal Urlaub. Aber nicht voneinander. Urlaub generell wäre toll.

Ist eure Kunst unter Umständen auch etwas fürs Wohnzimmer?

Various: Ja, klar. Ich denke, zum einen arbeiten wir an unseren Serien so, dass sie draußen und auch drinnen funktionieren. Das haben wir vorher schon im Kopf. Und wir arbeiten auch an Bildern, die wir uns zu Hause vorstellen können.

Gould: Wir werden häufig gefragt, wo für uns der Unterschied in der Arbeit zwischen drinnen und draußen ist. Ich glaub, wir begreifen uns so, dass wir Kunst für Räume machen. Manchmal ist der Raum draußen, manchmal ist er innen. Street Art hängt nicht plötzlich im Wohnzimmer, unsere Arbeiten sind nicht zufällig drinnen oder draußen, sondern sie sind genau dafür gemacht und funktionieren da auch.

Welcher Mensch sollte sich unbedingt mal ein Kunstwerk von euch über den Schreibtisch hängen?

Various: Ich fänd es ganz toll, wenn sich Leute, die wir porträtiert haben, sich ein Kunstwerk von uns hinhängen. Wir haben auch schon überlegt, denen was zukommen zu lassen. Ich weiß, dass jemand mal Fatih Akin ein Identikit von uns zukommen lassen wollte. Muss ich noch mal nachfragen.

Gould, du hattest bereits gesagt, dass es euch wichtig ist, wie Menschen auf eure Kunst reagieren. Das spielt ja in die gleiche Richtung. Dass man mit Menschen in Interaktion tritt und bestimmte Themen benennt.

Gould: Bei uns ist es nicht so, dass wir uns überlegen, wie man mal wieder Reaktionen auslösen kann mit unserer Kunst, sondern es ist etwas organischer. Wir haben zum Beispiel mal eine lebensgroße Marionette unter einer Bahnhaltestelle montiert, die Leute konnten selber an den Strippen ziehen und die hat dann getanzt. Für uns war das erst mal eine künstlerische Installation. Und weil die dann manchmal ein bisschen kaputt ging, sind wir dann wieder hingegangen und haben die repariert. Dabei haben wir festgestellt, dass auch andere die repariert haben. Dann haben wir überlegt, wer hat denn die repariert? Da saßen dann ein paar Straßenmusikanten, ein paar Trinker, Leute, die sonst nirgendwo zu Hause sind, die sind da unter dieser Brücke zu Hause, und die haben die repariert. So kamen wir mit denen ins Gespräch, die haben einem erzählt, was letzte Nacht passiert ist, als da dieser betrunkene Druffi da voll reingetreten hat, und plötzlich trat dieses Künstlerische in den Hintergrund und das Ganze war so etwas wie eine soziale Plastik. Das Ding hat eine Woche gehalten und derjenige, der sich am meisten drum gekümmert hat, war jemand, der selber auf der Straße lebte und seine Hand in einem Verband hatte. So entstehen Sachen, die man nicht vorher geplant hat.

Various: Und man lernt auch Leute kennen. Klar, es ist wahrscheinlich ein Teil der Arbeit, dass wir Interaktion und Begegnung mit Menschen gern mögen und auch vielleicht herausfordern. Das ist Teil von Street Art, dass man sich dahin begibt, wo Menschen sind und schaut, passiert da was. Das ist wie ein Stimmungsbarometer: Funktioniert die Arbeit? Wir ziehen auch eine Menge Energie daraus.

Habt ihr Projekte, mit denen ihr etwas gesellschaftlich verändern wollt?

Various: Na ja. Ich glaube, klar, wir haben das Gefühl, wir sind Teil der Gesellschaft und wir wollen auch etwas dazugeben. Wir wollen selber handeln. Und der Gesellschaft etwas geben.

Gould: Die Gesellschaft verändern zu wollen ist ein unglaublich großes Anliegen. Wenn man das als Ziel hätte, das würde mich total lähmen. Wir beobachten ziemlich genau, verfolgen die verschiedensten Medien. Reden ziemlich viel. Das geht uns nicht am Arsch vorbei. Wir nehmen das auf, es fließt in unsere Arbeit ein.

Various: Genau. Wir denken natürlich über die Dinge nach, für mich ist Kunst eine visuelle Sprache. Wenn ich unglaublich gut mit Worten wäre, würde ich Texte, Gedichte schreiben. Deshalb ist Kunst unser Ausdrucksmittel. Letztendlich will man die Kunst aber auch nicht so eins zu eins erklären. Die soll natürlich die Leute berühren. Aber zu sagen, sie soll die Gesellschaft verändern, das wäre zu viel.

Gould: Ich glaub, wenn man manchmal morgens mitkriegt, was in der Welt abgeht, dann denkt man manchmal, „oh ist das krass“ oder „wann hört das auf“. Und ich glaube, wir stellen uns diese Fragen in unseren Arbeiten. Ich glaub auch, dass unsere Arbeiten häufig aus Fragen bestehen und nicht aus Antworten. Die Antworten stellen sich dann hoffentlich beim Betrachter ein. In manchen unserer Arbeiten kommen auch durchaus heftige Themen vor. In einer Arbeit kommt Folter vor, oder Kindesmissbrauch. Was will man da für eine Antwort zu finden. Aber für uns ist es schon mal ein erster Schritt, Dinge zu verhandeln in unseren Arbeiten. Ich habe schon die Hoffnung, dass es zu gesellschaftlichen Veränderungen kommen kann durch unsere Kunst. Aber das sind kleine Mys, das kann man nicht planen. Man weiß nie vorher, was rauskommt.

Various: Genau. Wir haben die Hoffnung, dass Leute die Dinge durch die Betrachtung von Kunst vielleicht auch wieder etwas anders sehen. Im Hässlichen zum Beispiel liegt auch wieder sehr viel Schönheit. Wenn man das zum Beispiel offenlegt und die Leute da heranführt, kann man da was bewirken. Für mich spricht Kunst auch vom Herzen zum Herzen. Auf eine visuelle Art sollte Kunst Emotionen ansprechen, wie es Sprache alleine nicht kann.

Was bedeutet die Kunst für euch und euer Leben?

Gould: Das ist total schwierig zu sagen. Kunst ist das Wichtigste. Ich übertreib nicht, wenn ich sage, Kunst ist das, wofür wir leben oder mit dem wir leben.

Various: Würd ich auch so sagen. Kunst ist mein Leben. Kunst ist meine Sprache. So einfach.

Gould: Ja, wir drücken uns über Kunst aus, wir nehmen Kontakt mit anderen Menschen auf über unsere Kunst, wir hinterlassen was, wir machen kleine mysteriöse Kapseln, die jemand anderes vielleicht wieder ganz anders versteht, als wir es vielleicht gedacht hatten.

Various: Man denkt ja auch in Bildern. Die ganze Zeit entstehen Bilder im Kopf, die man rausbringen will.

Gould: Kunst hat für mich auch immer was – na ja, man kann mit Kunst was niederreißen, man kann mit Kunst was aufbauen. Kunst ist für mich auch Energie.

Various: Ich spreche Kunst. Es ist eine Ausdrucksform.