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AINO

Künstlerin aus Heidelberg, Deutschland

AINO arbeitet häufig plastisch, unter anderem mit Wachs und Ton. Ihre Kunst ist symbolisch, auch die eingesetzten Materialien tragen eine Bedeutung. Über Symbole und ihre Entstehung erzählt sie im Interview.

 
„Es ist häufig so, dass ich an einem Bild arbeite und mich selbst dabei nur als so eine Art Instrument fühle.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Miu Reck, www.miureck.com

Interview

Die Kunst und du: Wann und wo seid ihr euch begegnet?

„Begegnet“ würde bedeuten, dass es einen bestimmten Zeitpunkt gab, ab dem die Beziehung zur Kunst anfing. Es ist jedoch eher so, dass die Kunst schon immer eine Rolle spielte in meinem Leben, sie nahm lediglich verschiedene Formen an: eine Kindermal- bzw. Tanzschule, ein Museumsbesuch, eine Theateraufführung, ein Architektur-Studium usw. – die Rollen „der Schaffende – der Betrachter“ wechseln sich andauernd, gehen ineinander über, sie verschmelzen, dann trennen sie sich wieder – eine ständige Transformation, die andauert.

Was bedeutet Kunst für dich?

Kunst ist für mich ein Raum, in dem ich zu hundert Prozent präsent bin, ohne Masken, ohne Fassaden, ohne Funktion, einfach als „not particularly human, but being“.

Wie hat sich deine Kunst entwickelt?

Mein erstes Studium habe ich in Moskau absolviert, danach folgte ein weiteres in Deutschland. Diese beiden Phasen waren in vielerlei Hinsicht prägend. Auf meine Arbeit übertragen, würde ich meinen künstlerischen Werdegang beschreiben wie einen Weg vom Rokoko zum Minimalismus.

Du bist in Russland aufgewachsen, hast in Karlsruhe, Berlin und Heidelberg gelebt und in Florida gearbeitet. Wie wichtig ist der Ort, an dem du bist, für deine Arbeit?

Der Ort ist wichtig hinsichtlich dessen, was ihn ausmacht. Für mich sind das Menschen, nicht nur Mitmenschen, sondern auch Mitbürger in gesellschaftlichen, kulturellen oder auch politischen Konstellationen, denen gegenüber ich sehr empfindlich bin. Wenn diese negativ oder bedrückend auf mich wirken, suche ich Zuflucht in der Schönheit einzelner Menschen – ein Spiel mit wechselnden Maßstäben.

Was macht deine Kunst heute besonders?

Was vielleicht jede Kunst oder jeden Menschen besonders macht – die Einzigartigkeit.

Welches sind deine wichtigsten Inspirationsquellen?

Einzelobjekte. Es können Menschen, Gegenstände, Naturelemente, im übertragenen Sinne Ereignisse sein – alles, was einzeln betrachtet für mich eine Abbildung des ganzen Systems darstellt.

Bitte erzähle uns den Hintergrund deiner Serie „don't You never ever read Newspapers?“

Es handelt sich um ein Experiment, in dem ich mich mit der Frage beschäftigte, was passiert, wenn man alle in einer bestimmten zeitlichen/räumlichen Spanne verfügbare Informationen auf sich kommen lässt. So habe ich alle Zeitungen gelesen, die an einem Tag in meiner Stadt erschienen sind. Und zwar nicht wählerisch, wie man sonst eine Zeitung oder ein Magazin lesen würde, sondern komplett, ohne jegliche Informationen auszulassen. Der Überfluss an Informationen, überwiegend negativen, war enorm. Die gesamten Eindrücke haben sich in verschiedenen Themen auskristallisiert. „Don't You never ever read Newspapers" ist eine grafische Interpretation dieser Themen. So setze ich die Masken als Symbol unserer heutigen Fassadenrealien ein. „numbers junkie“ versinkt in Zahlen; „free speech“ kann vermeintlich alles sagen, sein Mund ist jedoch kreuzweise geschlitzt – meine Interpretation der heutigen „stark gefilterten“ Meinungsäußerung; „a vacuum cry“ – eine direkte Anspielung an Munch, eine Metapher für heutige Hilfe-Aufrufe, die trotz ihrer allgegenwärtigen Präsenz de facto nur im Reaktionsvakuum landen – um ein paar Beispiele zu nennen.

Alle deiner Arbeiten bei ARTvergnuegen sind plastisch, du arbeitest mit Ton und auch mit Wachs. Was magst du an dem Material Ton?

Da ich hauptsächlich mit Symbolen arbeite, werden auch die Materialien symbolisch eingesetzt. Ton hat für mich etwas Ursprüngliches – ein Material, das vom Anfang der menschlichen Geschichte bis zu heutigen Zeiten praktisch unverändert eingesetzt wird; daher kommt Ton bei der Verarbeitung existenzieller Themen häufig zum Einsatz.

Und was schätzt du am Material Wachs?

Wachs ist ein sehr vielseitiges, spannendes Material. Nicht nur seine Optik, sondern den Bearbeitungsprozess an sich – sowohl im harten als auch im flüssigen Zustand – finde ich faszinierend. Im Vergleich zu traditionellen Materialien lässt sich bei Wachs das Endergebnis nie hundertprozentig planen. Wenn man sich aber auf gewisse „geplante Zufälle“ einlässt und dem Material folgt, arbeitet man an, aber auch mit dem Bild zusammen. Durch seine Fähigkeit, andere Materialien oder die Gegenstände in sich „einzubalsamieren“, steht für mich Wachs als Metapher für Zeit.

Ist es einfach, die beiden Materialien zu kombinieren?

Es ist angenehm. Und es ist spannend. Die meisten Kombinationen werden durch Gießen geschaffen. Bei diesem Prozess reagieren beide Materialien aufeinander, sie verändern einander. Ton kann die Farbe von Wachs ändern, Wachs bekommt durch Kristallisation eine andere Struktur. Es ist jedes Mal eine neue Geschichte – so, wie wenn man jeden Tag den gleichen Weg gehen würde, aber jedes Mal anderswo landet.

Wo arbeitest du?

Tagsüber in meinem Atelier, abends oder nachts zu Hause. Da viele meiner Werke aus einzelnen kleineren Elementen bestehen – für die Bildserie HEADS habe ich beispielsweise 2500 Köpfe aus Ton gefertigt – kann mir in der Vorbereitungsphase auch ein einfacher Schreibtisch ausreichen.

Welche Umgebung schaffst du dir, damit du gut arbeiten kannst?

Klarheit und Klang – das sind zwei wesentliche Elemente für die Arbeitsstimmung. Klarheit bezieht sich auf den Raum – weiße Wände, gutes Licht, keine „zufälligen“ Gegenstände in Sicht. Das heißt, alle Materialien bzw. Instrumente, die mit dem Bild, an dem gerade gearbeitet wird, nichts zu tun haben – alles ist weggeräumt. Ein Tabula-rasa-Zustand. Und Klang – das kann Musik, ein Audiotext, Geräusche der Stadt aus dem offenen Fenster oder auch die Stille sein. Alles hat Klang, wenn man es wahrnimmt.

Wann ist ein Kunstwerk fertig?

Wann es will. Es ist häufig so, dass ich an einem Bild arbeite und mich selbst dabei nur als so eine Art Instrument fühle. Ich erledige technische Arbeiten, ohne den fertigen Zustand abschätzen zu können. Dann kommt der Zeitpunkt, wo das Bild plötzlich da ist. Und da weiß ich ganz genau, dass es ab dem Moment weder ergänzt noch geändert werden kann. Es ist schön und unheimlich zugleich.

Kannst du dich gut von deinen Werken trennen?

Von vielen. Es sei denn, es sind ganz persönliche Sachen, Themen, die zu einem Werk wurden. Von den Kinderbildern z. B. trenne ich mich nicht.

Welches war dein bisher schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Es war der erste öffentliche Auftritt. Da habe ich erlebt, wie schnell die Abstände zwischen Menschen durch Kunst abgeschafft werden können. Es kommen Menschen, denen du nie begegnet bist. Manche gehen weiter, mit anderen kommst du ins Gespräch. Diese Gespräche verlaufen meistens gleich auf einer sehr tiefen, vertraulichen Ebene, die man sonst im Alltagsleben eher nur selten erlebt. Es ist für mich sehr erfüllend.

Was tust du, wenn du keine Kunst machst?

Alles ist Kunst. Ich schlafe, vielleicht ...