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Be part of the art

Igor Gorizontov

Künstler aus Köln

Igor Gorizontov hat als junger Mensch in Moskau Kunst studiert und war Mitglied im angesehenen Künstlerverband der Sowjetunion. Seine Bilder haben neben der optischen auch eine haptische Ebene: Zum Beispiel setzt er mosaikartig geklebtes Kunststoffgranulat als Farbträger ein oder schafft auf andere Weise dreidimensionale Strukturen.

 
„Die Herstellung eines Gleichgewichts von Yin und Yang ist der einzige Sinn des Kunstschaffens.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Dirk Behlau, www.thepixeleye.com

Interview

Was bedeutet die Kunst für dich?

Kunst ist mein Leben. Und Kunst ist mein Schicksal. Kunst wurde mir in die Wiege gelegt und drängt mich täglich zum künstlerischen Ausdruck. Kunst ist die Triebkraft meines Daseins. Ich betrachte die Kunst als „meine Form des Mensch-Seins“. Ich könnte mir ein Leben ohne Kunst gar nicht vorstellen. Kunst ist das, was ich am liebsten mache – wie schon der Künstler Auerbach sagte – Kunst ist mein Lieblingsspielzeug . Manchmal fühle ich mich wie ein Kind, das versunken spielt und sich einer Sache ganz hingibt. Ohne Wenn und Aber. Ich kann gar nicht anders, so, als wäre es eine Funktion meines Körpers oder meiner Seele. Wenn mir etwas nicht gelingt, kommen mir manchmal tiefe Selbstzweifel. Ich kenne auch Schaffenskrisen – wahrscheinlich wie alle Künstler. Dann stelle ich mein ganzes Dasein und meine gesamte Identität in Frage und wünschte mir, ein „ganz normaler Mensch“ mit einem „ganz normalen Beruf“ zu sein. Aber am Ende siegt die treibende Kraft in mir und ich schaffe weiter.

Wie kam es dazu, dass du Künstler geworden bist?

Im Alter von 10 Jahren wurde mein Kunstlehrer in der Schule auf mich aufmerksam und erkannte meine Begabung. Er förderte mich und leitete mich an. Er sprach mit meinen Eltern und fand bei meiner Mutter eine große Resonanz, da sie selber Kunstliebhaberin war. Meine Mutter ermöglichte mir den Besuch einer speziellen Kunstschule für begabte Kinder in Moskau, welche ich parallel zur staatlichen Schule absolvierte. Danach war es selbstverständlich, dass ich an der Kunsthochschule in Moskau Kunst studierte und als Mitglied im Künstlerverband der Sowjetunion aufgenommen wurde, was damals als große Auszeichnung galt.

Was macht deine Kunst besonders?

Eigentlich müssen die anderen beurteilen, was meine Kunst besonders macht. Die einen mögen die Farben, die anderen mögen die Formen und ihre Zusammensetzung, und für wieder andere ist meine Kunst etwas Besonderes, weil sie sie an etwas Persönliches erinnert. Für mich ist in meiner Kunst besonders, dass ich versuche, hierin auch meine Lebensphilosophie auszudrücken. Dies gilt sowohl für den Prozess als auch für das Ergebnis. Ich denke, dass ich mich in diesem Punkt wahrscheinlich von vielen anderen Künstlern unterscheide.

Welches Material und welche Techniken benutzt du am liebsten?

Als Profi beherrsche ich natürlich zahlreiche Techniken, doch im Moment arbeite ich fast ausschließlich mit Acrylfarben, weil dies aus mehreren Gründen am bequemsten ist. Ab und zu kombiniere ich jedoch verschiedene Techniken oder suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten.

Charakteristisch für alle meine Bilder ist, dass ich mit Strukturen und Oberflächen-Effekten arbeite. Ich liebe die haptische Qualität und spiele gerne mit verschiedenen Dimensionen, durch die man die Hand des Künstlers erkennen kann. So sind viele Bilder reliefartig oder haben Qualitäten von einem „Objekt“.

Bei einigen Bildern hast du nicht Farbe, sondern Kunstgranulat verwendet. Wie arbeitet man damit?

Mit Kunstgranulat arbeitet man so ähnlich wie bei einem Mosaik, wo man die Mosaiksteinchen auf einen „Bildträger“ aufklebt. In meinem Fall sind es kleinste Farbkügelchen aus farbigem Plastikgranulat, die in einer von mir entwickelten Technik aufgeklebt werden.

Wie nennst du deinen Stil?

Ehrlich gesagt habe ich auf diese Frage noch keine Antwort gefunden. In der Kunstgeschichte ist der Stil eines Künstlers häufig sein eigener Name – wie ein Markenzeichen, z.B. Picasso, Chagall etc. Außerdem ist dies die Angelegenheit eines Kunsthistorikers, den Stil eines Künstlers in die vorherrschenden Stilrichtungen einzuordnen. In meinem Fall kommt noch hinzu, dass ich in Serien arbeite. Wenn ich eine Idee habe, fertige ich dazu zahlreiche Bilder in ähnlichem Stil an. Somit entsteht aus jeder neuen Idee ein neuer Stil, und diese Stil-Arten können sich teilweise erheblich voneinander unterscheiden.

Was sind deine größten Einflüsse und Inspirationen?

Mich begeistert die Kunst der Ikonen-Malerei, die persischen Miniaturen und besonders der russische Suprematismus mit Malewitsch und seiner Schule. Des Weiteren liebe ich Bauhaus (Kandinsky und sein Kreis) sowie die Konkrete Kunst (Arp, Poliakoff etc.).

Zu manchen Bildern hier bei Artvergnuegen hast du geschrieben, sie zeigen die Kräfte Yin und Yang, die durch dich, den Künstler, auf der Leinwand harmonisiert wurden. Welche Rolle spielen Harmonie und Gleichgewicht allgemein für deine Kunst?

Das Gleichgewicht von Yin und Yang ist ein universelles Naturgesetz. Es spiegelt sich in allen Ereignissen des Lebens und eben auch in der Kunst. Die Wirkung dieses Gesetzes kann man in allen großen Kunstwerken der Kunstgeschichte ablesen. Für mich ist es ein Ziel, dies in meinen Werken auch zu erreichen. Eigentlich ist die Herstellung eines Gleichgewichts von Yin und Yang der einzige Sinn des Kunstschaffens – ohne diese Qualität wäre ein Kunstwerk einfach tot.

Welche Themen sind außerdem wichtig für dich und deine Arbeit?

In meiner Kunst befasse ich mich nicht mit politischen oder literarischen Themen, wie es sonst in der gesamten Kunstgeschichte üblich war. Die Themen meiner Arbeiten entstehen aus dem Material selber. Für mich ist es interessant, wie unterschiedliche Materialien funktionieren und was ich damit anfangen und erreichen kann. Alles ist wie ein Spiel mit dem einzigen Ziel, ein universelles Modell der Welt zu schaffen.

An welchem Ort arbeitest du und wie hast du dich dort eingerichtet?

Wie viele Künstler, die noch nicht berühmt geworden sind, arbeite auch ich in bescheidenen Verhältnissen. Ich habe eine kleine Wohnung in Köln, die ich als Atelier und Lager für meine Bilder nutze. Die Räumlichkeiten befinden sich in einer ruhigen Lage und mit Blick ins Grüne. Hier kann ich ungestört zu verschiedenen Tageszeiten arbeiten.

Tauschst du dich mit anderen über deine Werke aus?

Mein Austausch mit anderen Künstlerkollegen ist relativ sparsam. Dies liegt zum einen daran, dass ich viel Zeit mit meinem Brot-Beruf als Restaurator beschäftigt bin, zum anderen möchte ich die freie Zeit lieber selber malen und suche deshalb nicht so sehr den Anschluss. Dennoch besuche ich gerne Ausstellungen von anderen Künstlern und kaufe mir mit Begeisterung Kataloge von Ausstellungen, die ich aus Zeitgründen nicht besuchen konnte. Ich bin gut informiert, was andere Künstler machen, und habe damit stets die Möglichkeit, mein künstlerisches Niveau mit dem der Kollegen zu vergleichen.

Wie reagieren die Menschen auf deine Bilder?

Die Käufer meiner Bilder reagieren natürlich sehr positiv und begeistert – und insgesamt bekomme ich von den Menschen eine gute Resonanz. Da ich sehr unterschiedliche Serien produziert habe, habe ich beobachtet, dass die Rückmeldungen tatsächlich ebenso unterschiedlich ausfallen – je nach persönlichen Neigungen, kulturellem Hintergrund und Kunstverständnis der Menschen.

Hast du ein Lieblingswerk?

Es ist bekannt, dass die Liebe im Speziellen und Allgemeinen sehr unbeständig ist. Meine Liebe und Begeisterung für ein besonderes Kunstwerk ist abhängig davon, was mich eigentlich im Moment selber interessiert. Somit habe ich kein absolutes Lieblingswerk, sondern eben wechselnde Begeisterungen, welche meine aktuelle Suche widerspiegeln und mir Bestätigung geben sollen für mein eigenes Schaffen.

Auf deiner Webseite liest man, du interessierst dich auch für Kampfkunst. Bist du selbst aktiv?

Ich habe viele Jahre mit Begeisterung Tae-Kwon-Do praktiziert. Leider kann ich seit einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so hart trainieren, sodass ich nicht mehr aktiv bin. Wie zuvor aber interessiere ich mich für die Philosophie und die Techniken der Kampfkunst sowie auch für die fernöstliche Philosophie im Allgemeinen.

Was machst du außerdem, wenn du keine Kunst machst?

Wenn ich keine Kunst mache oder als Restaurator arbeite, lese ich gerne. Ich habe mir inzwischen eine große Bibliothek über spirituelle, insbesondere buddhistische und taoistische Themenbereiche zugelegt. Die Lektüre hilft mir nicht zuletzt auch bei der Bewältigung persönlicher und künstlerischer Krisen. Und natürlich verbringe ich auch sehr gerne Zeit mit meiner Familie.

Welches war bisher dein schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Allein die Beschäftigung mit der Kunst führt mich zu wunderbaren Erlebnissen. Der Prozess des Kunstschaffens ist schön an sich. Wenn dann auch noch die anderen Menschen von meinen Bildern begeistert sind, bin ich glücklich.