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Be part of the art

Yaroslav Kurbanov

Künstler aus Chemnitz, Deutschland

Für Yaroslav Kurbanov muss Kunst viel mehr sein, als Dekoration. Sie ist seine Art, mit der Welt zu kommunizieren, und er hat keine Angst vor großen Themen. Viele Monate lang arbeit er sich in Themen ein, die er dann häufig in Werkserien ausarbeitet. „Das kann man mit einer Fernsehserie vergleichen“, sagt Kurbanov, „der Betrachter taucht mit jedem nächsten Werk immer tiefer in das Thema ein.“

 
„Für mich sind die Mittel der Idee des Werkes untergeordnet“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Lisa Schmidt, www.galerie-lilou.de

Interview

Die Kunst und du: Wie habt ihr Euch getroffen?

Kunst war immer in meinem Leben, gleich von Geburt an, da ich aus einer Künstler-Familie stamme. Duft der Farben (für mich war es nämlich immer der Duft), Stifte auf dem Tisch, Rauheit der Papieroberfläche unter den Fingern, das alles war vom Kleinkindalter an fest mit den besten Emotionen verbunden.

Als Kind malte ich immer viel und gern und war schon damals von der Ausdruckskraft der Farben, Knete, Stifte und Füllstifte fasziniert.

Wie hat sich deine Malerei entwickelt?

Wie alle Anfänger versuchte ich selbstverständlich auch die Natur zu wiedergeben, ohne nachzudenken wozu es gut sein sollte. Widerspiegelung der Welt um sich herum ist die Anfangsphase, die Erwerbung der ersten professionellen Kunstgriffe.

Später, während meiner professionellen Ausbildung, die 10 Jahre dauerte, zuerst in einer Fachkunstschule, danach in der Akademischen Hochschule der Kunstmalerei in Sankt Petersburg, fing ich an zugleich mit der Entwicklung des technischen Könnens, meine eigene Sprache zu suchen. Es hat sich so ergeben, dass meine Freunde und Bekannten meistens auch zu den Kreativen aus den Bereichen Bildender Kunst, Illustration, Architektur und Theater gehören. Sicherlich haben sie meine Vorstellungen und künstlerische Entwicklung beeinflusst.

Mit der Zeit kam das Verständnis, dass „fine art“ als Kunstrichtung, die lediglich eine dekorative Funktion trägt, meine Ansprüche an mein Schaffen nicht mehr erfüllt. Für mich kam der Sinn, die Idee des Werkes auf den ersten Platz, die Kunsttechnik dagegen betrachte ich jetzt nur als Mittel zur Zielerreichung. Diese Mittel ist der Idee des Werkes untergeordnet und kann abhängig davon variieren. Als Betrachter habe ich gleiche Erwartungen. Die Kunst ohne Idee bewegt mich nicht mehr, selbst wenn die Technik dabei hervorragend ist. Es gibt auch das Gegenteil: bei einer interessanten Idee ist die Technik nicht gut genug für die Umsetzung dieser Idee. Auch die Nachahmung, ob alter oder neuer Meister, bleibt nur Nachahmung. Erst bei guter Kombination aus einer neuen interessanten Idee und einer professionellen Umsetzung bekommt man das Gefühl, mit Kunst in Berührung zu kommen.

In deinem Zyklus „Ästhetik der Imperien. XXIV Jahrhunderte des Hellenismus.“ zeigst du, dass die Ästhetik der alten Griechen in vielen Imperien bis heute weitestgehend übernommen wurde. Wie ist die Idee zu diesem Zyklus entstanden?

Geschichte im Allgemeinen und speziell Kunstgeschichte sind die Themen, die mich immer faszinieren. Bei der Analyse europäischer Geschichte fiel mir auf, dass in der europäischen Zivilisation viele Länder, die durch die Eroberung der Nachbarländer zu einem Imperium wuchsen, anfingen in ihrer Stilistik der pathetischen und gehobenen Ästhetik des Hellenismus nachzuahmen. So entstand die Idee dieses Zyklus.

Was ist so faszinierend an der Ästhetik des Hellenismus, dass sie bis heute überlebt hat?

Der Hellenismus rührt aus dem griechischen Epos her. In den Heldensagen der griechischen Mythologie waren Götter oder Halbgötter die Hauptfiguren. Sie waren vollkommen, sie waren immer Sieger. Die Diktatoren, die Machthaber der Imperien wollten sich in ihrer Macht dem Gott ähneln, der die Welt regiert. Sie führten die Eroberungskriege, sie wollten immer mehr Länder und Völker unter ihre Herrschaft bringen. Alle diese Herrscher, sei es Alexander der Große, August, Napoleon, Peter der Große, Stalin oder Hitler, alle hatten viel gemeinsam, beginnend mit ihren Plänen die Welt zu erobern und endend mit ihren Vorstellungen von Kunst, Stilistik und Symbolik, welche die Gewaltigkeit ihrer Intentionen unterstreichen mussten.

Ein weiteres Argument für Hellenismus, das auch eine große Rolle spielt, ist seine Verständlichkeit für alle. Man braucht keine Erklärung. Er beruht auf den Gesetzen der Natur und des goldenen Schnittes und fasziniert den Zuschauer mit seinen Proportionen und seiner Vollkommenheit. Man kann es oft nicht in Worte fassen, aber intuitiv spürt man seine Harmonie.

Sehe ich es richtig, dass du für deine Werke „Kraft“, „Gesetz“ und „Glaube“ historisches Kartenmaterial benutzt hast?

Ja, es ist richtig. Sie haben dem Kontext des Zyklus-Themas gepasst.

Welche Themen interessieren dich außerdem als Künstler?

Ich interessiere mich für viele unterschiedliche Themen und sie finden ihre Widerspiegelung in meinem Schaffen. Zu den Themen gehören sowie solche, die mit der Psychologie und innerer Welt eines Menschen zu tun haben als auch andere, bei denen es sich um die sozialen und politischen Tendenzen der Gesellschaft handelt. Wenn ein Thema mein Interesse weckt, beschäftige ich mich meistens etwa ein Jahr damit. Ich arbeite dabei mit unterschiedlichen Materialien wie Leinwand, Papier, Karton. Holz, Ton usw., die mir erlauben das Thema vollständiger zu erschließen. In dieser Zeit entsteht eine Serie der Werke, die ich später als ein Projekt präsentiere. Das kann man mit einer Fernsehserie vergleichen. Der Betrachter taucht mit jedem nächsten Werk immer tiefer in das Thema ein.

Zu solchen großen Projekten gehören zum Beispiel „Ästhetik der Imperien. XXIV Jahrhunderte des Hellenismus.“ und „Puzzles unseres Weltbildes“. Jetzt bin ich mit dem neuen Projekt „Totale Kontrolle“ beschäftigt.

Bitte erzähle uns, wie die Bilder der Reihe „Puzzles unseres Weltbildes“ entstanden sind.

Ich habe oft beobachtet, dass Menschen ein und dasselbe Ereignis unterschiedlich wahrnehmen und interpretieren. Oft kann man nicht über den Rahmen seines eingeprägten Klischeebildes hinausgehen. So entstand zuerst die Serie „Klischeebilder“. Die Serie „Propaganda“ entstand aus den Überlegungen, wie die Meinung der Menschen durch die Medien beeinflusst wird. Das Thema der Verbindung der Gegenteile brachte mich auf die Idee eines Puzzle-Bildes, und das war das fehlende Glied, welches diese Serien unter einem Projekt „Puzzle unseres Weltbildes“ vereinigte, weil am Ende unser Weltbild nichts anderes ist, als Puzzle-Bild, das im Laufe unseres Lebens aus vielen kleinen Teilchen zusammengestellt wird.

Was treibt dich an, ein neues Kunstwerk zu beginnen?

Kunst ist meine Art mit der Welt zu kommunizieren. Auf die Art und Weise formuliere und äußere ich meine Meinung zum Thema, welches mich gerade beschäftigt.

Hast du Lieblingsmaterialien oder Lieblingswerkzeug?

Es gibt heutzutage sehr viele Materialien und Instrumente sowie auch viele Hersteller, die diese anbieten. Ich mag es immer wieder etwas neues zu probieren. Wenn ich aber ein bestimmtes Ergebnis bekommen will, greife ich schon auf das vertraute Material zurück. Ich bin zum Beispiel immer noch von der Qualität der Aquarell-Farben aus Sankt Petersburg überzeugt und arbeite sehr gern damit.

An welchem Ort arbeitest du und wie hast du dich dort eingerichtet?

Ich arbeite allein in einem kleinen Atelier. Ein Gemeinschaftsatelier kommt für mich nicht in Frage, so hätte ich mich schwer auf der Arbeit konzentrieren können. In meinem Atelier habe ich alles, was ich für die Arbeit brauche: meine alte Staffelei und neue leere Leinwände, meine Lieblings-Kunstbücher, Musik-CDs und meinen Lieblingstee.

Was brauchst du außerdem unbedingt, um gut arbeiten zu können?

Ich brauche Ruhe sowohl um mich herum als auch in mir; ich brauche genug Zeit um richtig in die Arbeit zu versinken und auf jeden Fall brauche ich gute Materialien. Wenn die Qualität der Materialien meinen Erwartungen nicht entspricht, verwandelt sich die Arbeit in einen Kampf.

Interessiert dich die Wirkung deiner Werke auf die Betrachter?

Selbstverständlich. Insbesondere interessiert mich die Meinung der Fachleute: Künstler, Kunstwissenschaftler und Kuratoren; aber auch die Wirkung meiner Werke auf die Kunstinteressierten ist für mich von großem Interesse.

Kannst du fertige Werke gut loslassen?

Oft ist es nicht einfach zu verstehen, dass das Werk schon fertig ist und es schon Zeit ist, aufzuhören an ihm zu arbeiten. Wenn das Werk verkauft wird freue ich mich immer, da es für mich der beste Beweis der Anerkennung meiner Arbeit ist. Das beste Lob für den Künstler ist der Erwerb seines Werkes.

Hast du eine Vorstellung von den Räumen, in denen deine Kunst gut aufgehoben wäre?

Ich habe meine Werke schon in unterschiedlichen Räumen gesehen: in modernen Wohnungen und Galerien, in Museen- und Büroräumen. Sie haben, meiner Meinung nach, überall gut gepasst.

Was bereitet dir am meisten Freude am Malen?

Ich mag den Prozess an sich, aber sicherlich bin ich glücklich, wenn der Werk mir so gelingt wie ich ihn geplant habe.

Und was nervt manchmal?

Wenn ich gerade Inspiration habe und aus irgendeinem Grund aufhören muss.

Was machst du, wenn du nicht malst?

Ich leite eine Kunst-Arbeitsgemeinschaft in einer Schule. Momentan habe ich dort 3 Gruppen. Außerdem verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie, besuche gern Kunstausstellungen und Museen, höre Musik und lese Bücher.