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Be part of the art

Heike Bobusch

Künstlerin aus Berlin

Heike Bobusch ist Airbrush-Künstlerin aus Berlin. Sie experimentiert gerne mit unterschiedlichen Untergründen und hat sich auf hyperrealistische Darstellungen spezialisiert. Wir sprachen mit ihr über ihre Anfänge, ihren Bildaufbau und Custom Painting.

 
„Spannend finde ich die Illusion, die man mit Airbrush erzeugen kann.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von denise van Deesen, www. denisevandeesen.com

Interview

Heike, du bist Airbrusherin. Wie kam es dazu?

Irgendwann, als ich mein erstes Airbrush-Bild gesehen hatte, wusste ich, das wollte ich auch ausprobieren. Mir hatten es die weichen Farbverläufe angetan. Meine ersten Sprühversuche waren dann allerdings wenig spektakulär, ich habe nur Kleckse zustande gebracht, nichts mit schönem Sprühnebel. Ich bin dann sogar mit der Airbrush zum Geschäft zurück und habe gesagt, dass sie nicht funktioniert, aber der Typ hat mir eine kleine Vorführung gegeben und meinte, ich solle mal fleißig üben, voll peinlich. (schmunzelt) Aber aus der Erfahrung kann ich sagen, Airbrushen lernt man nun mal nur durch Airbrushen.

Wie genau hast du deine Arbeitstechnik perfektioniert?

Mithilfe von Airbrush-Magazinen und Step-by-Step-Anleitungen habe ich mir das Sprühen dann autodidaktisch beigebracht. Fragen konnte ich keinen, ich war komplett auf mich selbst gestellt. War ich nervös, als ich die Airbrush zum Reinigen das erste Mal zerlegen musste. Aber ich hatte mir nun mal was in den Kopf gesetzt und habe mich da durchgebissen. Irgendwann kam dann mein erstes Custom Painting für ein Motorrad und ich war irre stolz, dass da jetzt ein gebrushtes Bild von mir unterwegs ist.

Also hast du keine klassische Ausbildung gemacht, sondern dir alles selbst beigebracht?

Ein paar Jahre später habe ich von einem Airbrush-Design-Studium erfahren, das war auf einer Messe, wo ich zwei Frauen traf, die auch brushten. Eine Woche später fuhr ich zu dieser Schule nach Bochum, habe mir alles angeschaut und mich angemeldet. Für mich war das Studium dann das Vertiefen und Abrunden meiner Kenntnisse, die ich mir bis dahin mühsam selber aneignen musste. Dort waren dann keine Fragen mehr offen, man hatte Ansprechpartner. Ich habe dort vermittelt bekommen, auf unterschiedlichen Untergründen zu sprühen und verschiedenste Oberflächen darzustellen, von Chrom bis zum Tierfell und natürlich die Grundlagen der Technik, Funktion und so weiter. Das war schon sehr vielseitig und ich konnte mein Können perfektionieren. Na ja, und mit dem erfolgreichen Abschluss kann ich mich jetzt Diplom-Airbrush-Designer nennen. (lacht)

Was ist das Faszinierende an der Airbrush-Technik?

Was mich von Anfang an faszinierte, waren diese weichen Übergänge, die man sprühen kann, man sieht einfach, dass das nicht mit einem Pinsel oder Stift gemacht wurde. Die Art der Darstellung, die sich bei dieser Maltechnik anbietet. Ich kann feinste Linien sprühen, ohne wirklich einen Strich zu ziehen, es bleibt immer bei einer weichen Textur, es gibt im Prinzip keine harten Kanten im Bild und dadurch ergibt sich ein ganz eigener Ausdruck. Andererseits ist es auch möglich, große Flächen gleichmäßig zu kolorieren, sehr vielseitig halt. Die Airbrush ist für mich absolut das Medium, um meine Intentionen umzusetzen. Ich liebe es einfach zu sprühen.

Du experimentierst auf verschiedenen Materialien wie Metall, Gips, Leder und Leinwand. Worin bestehen die Unterschiede? Welchen besonderen Reiz haben die verschiedenen Untergründe?

Verschiedene Untergründe bieten natürlich die Chance viel auszuprobieren. Jeder Untergrund hat seine Qualitäten und nimmt die Farbe anders auf, ich muss mich auf jedes Material einstellen und mit entsprechenden Farben und Primern arbeiten. Durch dieses Herumprobieren habe ich auch Sachen kennengelernt und gemerkt, das ist jetzt nicht meins. Für mich war das gut, dadurch bin ich dann auch auf Materialien aufmerksam geworden, die mir sehr gut liegen, die ich sehr gerne bemale. Zum Beispiel mag ich die glatte Oberfläche von Metall, ohne jede Unebenheit, man kann kleinste Details darauf ausarbeiten. Irgendwann habe ich mich entschlossen, meine Werke, wie in der klassischen Malerei, auf Leinwand zu sprühen. Bis dato entstanden die meistens auf Kunstkarton, der ist zwar für die Airbrush-Technik hervorragend geeignet, deshalb malen auch viele Airbrusher darauf, aber ich wollte mich von vorgegebenen Formaten lösen und vor allem größer werden. Das war anfangs eine Herausforderung. Die Eigenstruktur, die Saugfähigkeit, das ist ein ganz anderes Arbeiten als auf einem glatten Untergrund. Aber ich habe einen Weg gesucht und für mich gefunden.

Du hast dich auf hyperrealistische Darstellungen spezialisiert. Was können wir uns darunter vorstellen und was gefällt dir daran so gut?

Auf einer Messe schaute sich ein Fotograf eine Zeit lang meine ausgestellten Bilder an und kam dann nach einer Weile auf mich zu und fragte nach, welcher Fotograf diese Fotos gemacht hat. Das ist Hyperrealismus, die Darstellung der Realität in allen Facetten, mit jeder Hautpore, jeder fotografischen Unschärfe. Gerade anfangs fand ich es unglaublich, wie man etwas so echt wie ein Foto malen konnte. Ich habe auch immer neue Herausforderungen gesucht und nach eigenen Fotovorlagen gebrusht. Spannend finde ich die Illusion, die man damit erzeugen kann, wenn man z.B. Dinge in einen Kontext bringt, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, wie einen Helm, den ich mit Lockenwicklern und Ohren gebrusht habe (lächelt) und das dann total real wirkt.

Was ist dein absolutes Lieblingsthema und warum?

Also, ich brenne für viele Themen, ich könnte mich da nicht festlegen, es kommt ja auch immer wieder etwas Neues hinzu. Es gab eine Phase, in der habe ich für den Hyperrealismus geschwärmt und ich wollte so malen, immer genauer, präziser, die Bilder optimieren. Mittlerweile ist mir das aber zu kontrolliert und glatt geworden, ich brauchte und ich war auf der Suche nach etwas Neuem. Ich wollte andere Darstellungsmöglichkeiten ausprobieren, wollte die Motive reduzieren und weg von der totalen Kontrolle im Malprozess. So habe ich dann angefangen, Schablonen selbst anzufertigen, über diese dann Porträts gesprüht, eben angefangen, wegzulassen. Den fotografischen Ausdruck wollte ich aber nicht verlieren, also habe ich mit den Schablonen herumexperimentiert, hinzu kamen dann Botschaften, Schriftzüge, die ich in meine Arbeiten eingefügt habe, und mittlerweile hat sich die Schrift auch zum zentralen Thema meiner Bilder entwickelt. In den neuesten Werken habe ich jetzt noch begonnen, Strukturen hinzuzufügen. Was mich momentan auch sehr beschäftigt, sind meine, ich nenne sie mal Farbskulpturen. Die entstehen praktisch ohne einen Entwurf, direkt auf der Leinwand, das ist eine ganz neue Erfahrung für mich, und auch dass ich die Gegenständlichkeit verlassen habe. Ich habe für mich eine Art zu malen, zu brushen gefunden, die ich ganz intuitiv mache.

Wie entstehen deine Werke?

Meine Bilder entwickeln sich in mehreren Schichten, ich beginne mit stark verdünnten Farben und werde mit dem Herausmodellieren des Motivs immer farbintensiver, dabei überarbeite ich immer den ganzen Malgrund. Teilweise spare ich das Weiß der Leinwand für die hellsten Bereiche aus. Der Einsatz der Schablonen erlaubt mir dabei immer nur das Aufbringen eines Details. Ich überlagere und verschiebe das Punktraster mit jeder Arbeitsschicht. Im Malprozess entscheide ich, wo ich die Textur verstärke und wo ich sie schwächer belasse, dabei befinde ich mich in ständiger Bewegung, um mein Tun aus der Distanz zu beurteilen. Für meine Farbskulpturen habe ich aber eine andere Vorgehensweise.

Was sind deine Arbeitsmaterialien?

Das Wichtigste sind natürlich meine Airbrush-Pistolen, mit unterschiedlichen Düsen, je nachdem ob ich Details ausarbeiten will oder großflächige Verläufe anlege. Dazu kommen Ersatzteile, Reiniger und andere Reinigungsutensilien, Kompressoren, die für einen gleichmäßigen Luftdruck sorgen, und ich sprühe immer mit Maske. Ich verwende Airbrush-Acrylfarben, die sind meistens transparent, ich arbeite aber auch mit anderen Acrylfarben und probiere gerne neue aus. Mittlerweile habe ich es mir angewöhnt, wenn ich wenn ich brushen will, immer eine Reserve-Airbrush parat zu haben, sollte nämlich die Airbrush, mit der ich gerade am Schaffen bin, dann defekt sein oder aus anderen Gründen nicht funktionieren. Damit ich weitersprühen kann, wenn ich gerade einen Flow habe. Mir ist es halt schon passiert, dass ich meine Arbeit eine halbe Stunde unterbrechen musste, um eine Airbrush auseinanderzubauen, zu reinigen oder zu reparieren. Das bringt einen dann total raus.

Du bist auch im Custom Painting tätig. Was magst du daran besonders?

Ich mag einfach Mopeds und alles was dazugehört, Benzingeruch und eben Custom Painting. Ich habe mich für die Szene interessiert, habe da einfach drinnengesteckt, kannte viele Leute, habe viele Kontakte aufgebaut, habe mein eigenes Custombike entworfen und abgesehen von der Anerkennung auch Aufträge dadurch bekommen. Für mich war es da naheliegend, meine Bilder auf Motorradtanks oder Helme zu brushen und Themen passend für die Bikes zu entwickeln, das sind ja auch keine Mopeds von der Stange. Ich fand es einfach cool, dass ich den Bikes das Finish mit meinen Designs geben konnte.

Sind das dann Auftragsarbeiten?

Nicht nur, ich habe ja genug eigene Designs im Kopf, die ich unbedingt ausprobieren will und bei einem Auftrag wird das Thema ja vom Kunden vorgegeben, auch wenn ich das dann auf meine Art umsetzen kann und zum Teil fast alle Freiheiten habe, aber eben nur fast.

Finanzierst du mit der Kunst dein Leben?

Ich lebe für und von meiner Kunst. (lächelt)

Was machst du, wenn du keine Kunst machst?

Wenn ich mal nicht im Atelier bin, setze ich mich gerne auf mein Moped und mache eine Tour. So komm ich runter, kann mich erden und bin wieder offen für Neues. Ich mag auch Musik gerne, da lege ich mich aber nicht fest, je nach Stimmung höre ich auch Klassik. Ich muss aber nicht die ganze Zeit etwas laufen haben, absolute Ruhe und ein Buch ist auch was Feines. Ortsveränderungen tun mir gut und bringen mir neue Impulse, ich muss mich da nicht mal weit weg bewegen. Berlin ist so vielschichtig, da reicht manchmal schon eine U-Bahnfahrt in einen anderen Bezirk. Ab und an schaue ich mir auch eine Ausstellung an oder gehe zum Konzert.

Hast du ein Vorbild im Airbrush-Bereich?

Direkt Vorbild würde ich jetzt nicht sagen, aber es gibt schon einen Künstler, der Eindruck bei mir hinterlassen hat, Chuck Close, mit seinen hyperrealistischen, großformatigen Porträts, die ich mal in einer Ausstellung gesehen habe, wo jede Hautpore und fotografische Unschärfe herausgearbeitet war. Das gab mir damals die Initialzündung, auch mit meinen Werken größer zu werden und mir letztendlich auch einen neuen Malgrund, sprich die Leinwand, zu eigen zu machen. Ich finde Vorbilder auch nicht zwingend im Airbrush-Metier, ich fühle mich auch von Künstlern angezogen, die gar nichts mit Airbrush zu tun haben. Auf das Resultat kommt es doch letztendlich an. Meine tiefste Wertschätzung gehört Frida Kahlo. Ich habe viele ihrer Werke in einer Ausstellung erleben dürfen, Emotionen pur. Sie hat mit so einer Ehrlichkeit aus sich heraus gemalt, sich und ihre Gefühle auf der Leinwand dokumentiert. Einfach bewundernswert.

Wusstest du schon immer, dass du als Künstlerin tätig sein willst?

Sagen wir mal, so konkret formuliert für mich habe ich das nie, ich habe zwar immer, solange ich denken kann, etwas gestaltet oder gemalt. Das ist halt in mir drinnen, und ich habe das auch immer auf verschiedenste Art und Weise ausgelebt. Genug positives Feedback von meiner Umwelt habe ich auch bekommen. Meine Leistungskurs-Kunstlehrerin vom Abi meinte damals, ich soll unbedingt Kunst studieren, aber ich dachte, wieso studieren, entweder man ist Künstler oder eben nicht. Ich hatte ja dann auch ein Architekturstudium angefangen und gedacht, dass ich damit glücklich werde. Aber Malen nach Zahlen war dann nicht mein Ding. Das sich alles so entwickelt hat und ich jetzt airbrushe, ist natürlich toll.

Gab es einen entscheidenden Moment, eine Situation, wo du wusstest, dass Kunst das Richtige für dich ist?

Ich erinnere mich an eine Situation, das war bei der Präsentation der Abschlussarbeiten des ersten Semesters des Airbrush-Studiums. Alles, was unser Dozent zu meiner Arbeit sagte, war: „Das hätte ich nicht besser machen können.“ Das war natürlich ein gewaltiger Ansporn für mich und ich wusste, dass ich meinen Weg gefunden hatte.

Wie reagiert dein Umfeld darauf?

Meine Familie und Freunde unterstützen mich, lassen mich einfach machen, auch wenn sie manchmal nicht verstehen, was ich da tue. Und ein sehr wichtiger Punkt: Sie sorgen dafür, dass ich die Bodenhaftung nicht verliere, und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Was gibt dir die Kunst? Was bedeutet sie für dich?

Kunst gibt mir ein positives Lebensgefühl, egal ob ich sie jetzt selbst schaffe oder ob sie jemand anderes macht und ich davon emotional berührt werde. Sie treibt mich an und fordert mich und gibt mir die Möglichkeit, an ihr zu wachsen. Das Gefühl, etwas aus mir heraus geschaffen zu haben, bestärkt mich damit, weiterzumachen und Dinge weiterzuentwickeln. Ich bin sehr glücklich, als Künstlerin arbeiten zu können, in mein Atelier zu gehen und loszulegen. Ich bin einfach gerne Airbrusherin.