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Be part of the art

Vira Vaysberg

Malerin aus Hamburg, Deutschland

Vira Vaysberg schloss sich mit 18 Jahren einer Underground-Künstlergruppe in Kiew an. 1987 wurde ihr erstes Bild ausgestellt, 2002 zog sie nach Hamburg, lässt sich seither von der Elbmetropole inspirieren und strebt in ihrer Malerei danach, „das Balancieren zwischen Abstraktem und Gegenständlichem auf das Niveau der Symbole und Archetypen zu bringen“.

 
„Wenn die Kunst nicht wäre, dann würde ich sie erfinden.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Asja Caspari, www.asjacaspari.com

Interview

Was war deine erste Begegnung mit Kunst?

Mit 8 Jahren habe ich angefangen, eine Kinder-Kunstschule in Kiew 2-mal pro Woche zu besuchen. Mit 12 Jahren wurde ich an der nationalen mittleren Kunstschule T. Schewtschenko angenommen.

Liegt die Kreativität bei dir in der Familie?

Mein Vater war ein bekannter Werbekünstler und Werbefotograf, aber kein Maler.

Du hast in Kiew und Moskau gelernt und zählst dich zur ukrainischen Underground-Künstlerszene der 70er- und 80er-Jahre. Wie war das Leben und Arbeiten damals für eine Künstlerin in Kiew?

Als ganz junges Mädchen, mit 18, habe ich mich einer Underground-Künstlergruppe angeschlossen, in der unter anderen Vudon Baklitskiy und Mykola Tregub waren.

Damals, zur Zeit der UdSSR, gab es nur eine einzige Organisation, die Ausstellungsräume hatte, nämlich der Künstlerverband der UdSSR, der eigentlich eine ideologische Abteilung der Kommunistischen Partei war. Entsprechend hatten nur die Künstler, die Mitglieder des Verbandes waren, das Recht, aber auch nicht unbedingt die Möglichkeit, ihre Werke auszustellen. Um Mitglied zu werden, musste man einer bestimmten Richtung folgen, dem Sozialistischen Realismus. Diejenigen, die das nicht wollten , die sogenannten „Non- Konformisten“, waren zu professioneller Isolation verdammt. Trotzdem hat diese kleine Gruppe einige halb-legale Haus-Ausstellungen gemacht, und als Folge wurden meine Freunde von der KGB verfolgt. Vudon Baklitskiy musste ein Jahr in Haft, wo ich ihn regelmäßig besucht habe, Mykola Tregub wurde schikaniert und in den Selbstmord getrieben. Heutzutage sind die Werke von beiden in den besten Kiewer Galerien und im Nationalen Kunstmuseum zu sehen.

Mit dem Beginn der Perestroika wurde es besser: 1987 wurde in Kiew vom Künstlerverband die erste freie Ausstellung organisiert, mit einem anonymen Wettbewerb und verschiedenen Stilrichtungen. Mein Bild wurde bei diesem Wettbewerb angenommen und ausgestellt. Die Ausstellung hieß „Die Jugend des Landes“.

Seit 2002 lebst du in Hamburg. Ist die Stadt ein Inspirationsquell für dich?

Die schöne Stadt Hamburg ist auf jeden Fall eine Inspiration für mich. Ich habe mittlerweile eine Reihe von Bilder, die entweder ganz konkrete Orte in Hamburg zeigen oder im Allgemeinen die besondere entspannte hamburgische Atmosphäre wiedergeben.

Woraus sonst schöpfst du deine Inspiration?

Ich bin auch inspiriert von Poesie und Musik meiner Heimat Ukraine. So habe ich den Bilderzyklus „Ukrainische Lieder“ geschaffen und 2016 in der Maria-Magdalena-Kirche in Hamburg ausgestellt. Aber auch sonst gilt: Jedes Erlebnis – ob ästhetischer, politischer oder emotionaler Natur – lässt bei mir visuelle Gestalten aufkommen, die früher oder später ihren Weg auf die Leinwand finden. Das Malen ist für mich meine Art zu denken und zu kommunizieren.

Welche Umgebung schaffst du dir, damit du gut malen kannst?

Um gut malen zu können, brauche ich Licht , Raum und Zeit. Die Energie kommt von alleine.

Du setzt gern starke Striche ein – man könnte auch sagen Grenzlinien –, ebenso kräftige Primärfarben und die Farbe Schwarz. Was bewirken diese Stilmittel, warum setzt du sie ein?

Mir ist es wichtig, eine klare Aussage zu machen, und das mit minimalen Mitteln. Die schwarze und weiße Farbe setze ich ganz bewusst ein, da ich ein akutes Defizit an klaren Definitionen in der modernen Welt spüre, wo man die Dinge nicht mehr beim Namen nennt und das Böse nicht mehr vom Guten unterscheidet. Außerdem finde ich, dass Schwarz und Weiß die anderen Farben noch stärker wirken lässt.

Wie hat sich dein Stil entwickelt?

Eine besondere Entwicklung ist bei mir in den letzten Jahren eingetreten, nicht zuletzt wegen der Ereignisse in der Ukraine, die von einem ganz klare Stellungnahme und Position fordern, was ich auch öffentlich an der Seite der Majdan-Bewegung gemacht habe.

Wenn du deinem Stil einen Namen geben solltest, wie würdest du ihn nennen?

Wenn schon einen Namen, dann: Expressiver Symbolismus.

Du schreibst, du entwickelst in deiner künstlerischen Arbeit die Ideen der russischen Avantgarde weiter. Bitte erkläre einmal, wie das gemeint ist.

Die Ideen der russischen Avantgarde, die ich weiterzuentwickeln versuche, sind vor allem der Verzicht von Illusion des Raums und klassischer Perspektive, und auch von literarischer Belastung des Bildes. Sondern die Bildfläche, der Strich, ist von großer Bedeutung, also die Malerei als solche. Im Gegensatz zum westlichen Kubismus und Abstraktionismus bleibt die Gegenständlichkeit erhalten, aber in einer neuen Qualität und mit fast abstrakten Mitteln.

Als Weiterentwicklung strebe ich danach, dieses Balancieren zwischen Abstraktem und Gegenständlichem auf das Niveau der Symbole und Archetypen zu bringen.

Du arbeitest in der Regel mit Öl auf Leinwand. Gibt es Techniken, die du gerne noch ausprobieren würdest?

Außer mit Öl auf Leinwand arbeite ich gelegentlich mit Acryl, Aquarell und mache Zeichnungen.

Wie wichtig ist dir die Wirkung deiner Werke auf den Betrachter?

Ich mag es sehr gern, wenn die Leute sich von meinen Bildern angesprochen fühlen, aber bei der Arbeit spielt dieser Gedanke keine Rolle. Beim Malen bin ich selbst der einziger Betrachter, der mir wichtig ist.

Sprichst du gern über deine Kunst?

Ich spreche gerne über Kunst generell, nicht nur über meine.

Was war dein bisher schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Jede Ausstellung ist für mich ein schönes Erlebnis, aber besonders schön war eine Ausstellung in Kiew 2012 – zehn Jahren nach der Ausreise. Da kamen mehrere führende Künstler, Dichter, Journalisten zur Vernissage.

Was tust du, wenn du nicht malst?

Wenn ich nicht male, lese ich, oder gelegentlich schreibe ich Essays, Artikels, Übersetzungen.

Was würdest du tun, wenn die Kunst nicht wäre?

Wenn die Kunst nicht wäre, dann würde ich sie erfinden.