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Be part of the art

Kim Senta Vogel

Illustratorin und Künstlerin aus Berlin, Deutschland

Kim Senta Vogel wechselt bei ihrer Arbeit ständig zwischen Illustration, Collage und digitaler Bearbeitung. „Das ist meine kreative Freiheit“, sagt sie, „der Computer ist für mich genauso wichtig wie Stift und Pinsel“. In ihrer Serie „Past“ übermalt sie Seiten aus Büchern, die andere Menschen auf die Straße gestellt haben.

 
„Ich möchte, dass die Menschen innehalten und ein Gefühl entsteht“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Denise Kuchy, www.denisevandeesen.com

Interview

Was ist für dich Kunst?

Kunst ist meine Zuflucht, die verlässliche Konstante in meinen Leben. Sie hilft mir über Krisen hinweg und macht gute Zeiten noch besser.

Was war deine erste bewusste Begegnung mit Kunst?

Ich schätze, das war der Kunstunterricht in der Grundschule. Zum ersten Mal wurde mir klar, dass ich nicht nur für mich male. Bis dahin hatte ich gemalt, um in eine andere Welt zu tauchen, still und leise. Nun wurden meine Bilder plötzlich von anderen bewertet und somit wurde mir auch klar, dass ich damit etwas bei anderen Menschen auslösen kann, dass sie Sprachrohr sind für die Dinge, die ich ausdrücken will und wofür mir die Worte fehlen.

Könntest du dir etwas anderes vorstellen, das dich ähnlich ausfüllt?

Ja, mein Sohn und Sport, aber ich möchte auf nichts davon verzichten.

Wie hat sich deine Kunst entwickelt?

Sie entwickelt sich ständig weiter. Ich habe immer Phasen, z. B. war sie noch vor einem Jahr eher abstrakt. Außerdem habe ich immer Lieblingsfarben, die ich dann ausschließlich nutze. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel man dabei noch dazulernt, es kommt nie zum Stillstand – das ist ganz wunderbar, fürs Herz und für den Verstand.

Was tust du, wenn du keine Kunst machst?

Ich kümmere mich um meinen Sohn. Leider sind unsere Zeichensessions immer nur kurz, er spielt dann doch lieber mit Dinosauriern und Ritterburg. Ansonsten mache ich Sport, lese oder gehe mit Freunden aus.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Ich mache mir einen Kaffee und checke erst mal E-Mails, dann verplempere ich noch etwas Zeit im WWW. Entweder ich fang dann an zu zeichnen oder ich digitalisiere die Zeichnungen vom Vortag. Das ist der beste Fall, ab und zu verplempere ich aber zu viel Zeit und dann setze ich mich abends noch mal hin, wenn mein Sohn im Bett ist.

Du bist Designerin und hast auch ein Buch geschrieben über „automatisches Design“. Was ist denn das, automatisches Design?

Es geht darum, „geistige Räume zu öffnen“, durch automatische Verfahren, die Angst vorm weißen Blatt nehmen und einen Einstieg in die kreativen Fähigkeiten liefern, um dadurch zu Problemlösungen und neuen Bildwelten zu finden. Es ist abgeleitet vom „Automatischen Schreiben“ der Surrealisten, welches eine Methode des Schreibens bezeichnet, bei der Bilder, Gefühle und Ausdrücke unreflektiert wiedergegeben werden – kurz gesagt: Kreativität entsteht durch das bewusste Ausschalten des Kopfes. Die Technik des automatischen Schreibens kann auf die Bereiche des Designs angewendet werden, um neue Bildwelten zu schaffen – es entsteht automatisches Design.

Spielt es in deine Arbeit als Künstlerin hinein?

Absolut, manchmal habe ich eine sehr konkrete Idee, wie die Arbeit aussehen soll, manchmal beginnt es aber mit dem weißen Blatt und hier hilft gerade das Ausschalten des Kopfes und einfach anzufangen. Was daraus ersteht, muss nicht das Endergebnis sein, aber es kann der Anfang von etwas Neuem sein. Es geht darum, nicht alles zu verkopfen, sondern dem Zufall und/oder Unterbewussten seinen Raum zu geben.

Ist dir wichtig, was deine Kunst im Betrachter auslöst?

Ich möchte mich auf keinen Fall anpassen oder gefällig sein, ich möchte aber, dass die Menschen innehalten und ein Gefühl entsteht.

Wie reagieren die Menschen auf deine Kunst?

Eigentlich bekomme ich nur gutes Feedback, aber vielleicht sind da nicht alle ehrlich.

Hast du eine Misson mit deiner Kunst? Falls ja, bitte formuliere sie bitte mal.

Nein, ich mache das, was mir gefällt, und hoffe damit auch den ein oder anderen zu berühren.

Du illustrierst, machst Collagen, malst und arbeitest auch digital. Welches davon ist momentan deine liebste Technik und warum?

Ich kann mich unmöglich für eine entscheiden. Ich wechsele sie ständig oder kombiniere sie. Ich bin froh, alle zu nutzen zu können. Das ist meine kreative Freiheit. Der Computer ist für mich genauso wichtig wie Stift und Pinsel. Auch wenn ich erst mal per Hand anfange, gibt er mir die Möglichkeit, Dinge zu ändern oder neu zusammenzustellen. Es gibt Dinge, die nur per Hand gelingen, und für andere braucht es den Computer. Hier finde ich es nur wichtig, dass etwas Rohes bleibt. Ich mag nicht, wenn es zu glatt ist.

Woher kommt die Inspiration für deine Bilder?

Ich schau mir viel im Web an. Ich bin ein Social-Media-Junkie. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht online bin. Ich hole mir aber auch gerne geistiges Futter in Ausstellungen und Büchern. Berlin ist inspirierend, das Chaos und das alltägliche Leben.

Bitte erzähle uns etwas über deine Reihe „Past“, in der du Buchseiten übermalst.

Ich sammle Bücher ein, die Menschen auf die Straße stellen. Ich liebe die Patina und Typo der alten Bücher. Ich mag die Vorstellung, dass aus etwas Altem etwas Neues entsteht.

Gibt es andere Künstler, die dich inspirieren?

Ja, schon. Ich folge vielen Illustratoren und Künstlern in sozialen Netzwerken. Nach einer Ausstellung habe ich meistens richtig Lust, mich hinzusetzen und zu arbeiten. Ich könnte aber niemanden konkret nennen bzw. möchte mich nicht festlegen. Mich inspirieren auch Künstler, die weit weg von meinem eigenen Stil sind, das bereichert meinen persönlichen Kreativ-Kosmos.

In welchem Gemütszustand bist du am kreativsten?

Tatsächlich lässt sich mein Gemütszustand durch „das Kreativ-sein“ ändern. Zeichnen und malen hilft mir Krisen zu bewältigen, und es macht mich glücklich. Man sieht wohl aber meinen Arbeiten den Gemütszustand an, in dem sie entstanden sind.

Kannst du dich leicht von deinen Werken trennen?

Nein, es tut immer ein bisschen weh, sie wegzugeben. Irgendwie sind sie aus einem selbst geboren und damit ein Teil von mir.

Wohin geht deine künstlerische Reise als Nächstes?

Ich möchte so viele Projekte umsetzen, dass ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll. Außerdem habe ich die handgeschriebene Typo wieder für mich entdeckt. Meine damalige Typo-Professorin hat uns das erste Semester nur handschreiben lassen und das bis zur Sehnenscheidenentzündung, das hat sich aber ausgezahlt.

Welches war dein schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Als ich mein erstes Bild verkauft habe, das war noch vor meinem Studium. Ich habe damals 200 DM bekommen und war stolz und glücklich, dass meine Kunst gemocht wird.