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Gan-Erdene Tsend

Maler aus Münster

Gan-Erdene Tsend lebt seit 2001 in Deutschland. Er wurde in der Mongolei geboren und ist dort auf dem Land aufgewachsen. In seinen Ölmalereien findet man häufig Spiegelungen. Was es damit auf sich hat, erklärt uns Gan im Interview. Außerdem sprechen wir über die Beziehung zwischen Bild und Betrachter und über die Entstehung seiner figürlichen Arbeiten.

 
„Ich wurde geboren, um Kunst zu schaffen.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Mathias Dorner-Müller, www.dorner-mueller.com

Interview

Gan, du bist in der Mongolei geboren. Wann bist du nach Deutschland gekommen und wie kam es dazu?

Ich bin in der Westmongolei geboren, in Murun. Das ist eine Provinzhauptstadt. Ich bin aber in der Heimat meines Vaters aufgewachsen, im südlichen Teil der Mongolei, auf dem Land. Seit 2001 wohne ich in Deutschland, in Münster. Bis 2010 habe ich auch hier studiert.

Wann stand es für dich fest, dass du Künstler werden willst? Oder warst du schon immer Künstler?

Ja, ich habe schon früh mit der Kunst angefangen, schon in der Schule. In der siebten Klasse habe ich extra Malkurse belegt und in der Mongolei auch eine Kunsthochschule besucht.

Kommst du aus einer künstlerischen Familie?

Mein Vater ist Arzt und meine Mutter Bauingenieurin. In meiner Familie gibt es keine Künstler, aber handwerklich sind sie alle sehr begabt. Vielleicht kommt daher mein Talent.

Wer hat denn dein Talent entdeckt?

Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Sie wollten immer, dass ich mich weiterentwickele, haben mich auch beim Kunstunterricht immer unterstützt. Ich war immer fleißig, habe viel gemalt, Experimente gemacht. Das war sehr schön, meine Eltern haben mich immer sehr unterstützt.

Wie genau entstehen deine Werke?

Ich arbeite nur mit Ölfarben und verwende verschiedene Malweisen. Ich arbeite gerne sehr nass, aber auch sehr dick oder mal mit trockenen Farben. Manchmal arbeite ich auch mit Spachteln, eigentlich mit allem Möglichen.

Wie kommst du zu deiner Motivwahl?

Die Motive, die ich momentan male, habe ich erstmal ganz konzentriert vorbereitet. Dabei muss ich leider viel denken, manchmal träume ich auch nachts davon. Dann wird es deutlicher. Ich sammle dazugehörige Materialien wie Fotografien, Fotodokumentationen und Skizzen. Ich reise ganz viel herum und gucke, was mir auffällt. Die meisten Arbeiten, die ich mache, sind vorher geplant.

Du arbeitest also sehr konzeptionell?

Ja, genau.

Sehr oft sind Menschen in deinen Werken zu sehen. Kennst du diese Menschen? Oder sind das fiktive Personen?

Die figürlichen Arbeiten sind Konzept und Philosophie, hier ist eigentlich nur die allgemeine menschliche Zivilisation, also diese gesellschaftliche Struktur, dargestellt. Aber diese Menschen kommen alle aus meinem Freundeskreis. Ich habe viele meiner Freunde und Verwandte gemalt. Meine Frau habe ich auch oft gemalt. Ich muss nur etwas sehen. Figürliche Malerei nur aus dem Kopf entstehen zu lassen, ist immer schwieriger, wegen dieser ganzen plastischen Formen. Deshalb brauchte ich die Modelle.

Du arbeitest häufig mit Spiegelungen. Was fasziniert dich an diesem Thema?

Diese Spiegelungen, diese Serie, die hat mich sehr stark bewegt. Daher habe ich großen Mut und großes Vertrauen sie auch weiter zu entwickeln. Ich habe dabei viele Dinge entdeckt, auch viele soziale Strukturen. Wirtschaftliche, politische, familiäre und auch persönliche Hintergründe erforscht. Ich wollte das alles transparenter machen. Die beiden Ebenen, Realität und Irrealität, Wunschleben oder Erfahrung, bleiben offen. Die Frage ist offen, der Betrachter muss für sich selbst entscheiden, ob es ein Wunschleben oder die Gegenwart beziehungsweise die Vergangenheit ist, die dargestellt wird. Ich gestalte nur die Unterschiede, die Differenzen zwischen zwei Welten.

Findest du es gut, wenn Menschen in deinen Bildern ihre eigene Geschichte sehen?

Ich finde, das ist der einzige Weg, wie ich mit den Leuten kommunizieren kann. Ich bin sehr zurückhaltend, sehr ruhig. Ich spreche nicht so gerne über meine Arbeit. Aber meine Malereien, die ich auch momentan mache, sind der einzige Weg Leute zu unterhalten und mit ihnen zu kommunizieren, Meinungen austauschen. Durch diese plastischen Formen, realistischen Malereien, sind meine Bilder leicht zu erkennen, aber ich hinterlasse immer verschlüsselte Fragen. Die Betrachter können dadurch selbst etwas herausfinden.

Wie wichtig ist das Thema Verlust für dich?

Die Themen Verlust und Erinnerungen sind gerade sehr stark in unserer Gesellschaft vertreten. Deswegen beschäftige ich mich damit. Momentan die Flüchtlinge, letztes Jahr die Ukraine, viele beschäftigen sich mit den beiden Themen. Durch Verlust und Erinnerungen entstehen auch Zweifel und Angst. Damit beschäftige ich mich auch. Diese ganzen Themen möchte ich durch meine künstlerischen Arbeiten mit anderen teilen.

Du malst Steppen. Sind das die Steppen der Mongolei?

Ich bin auf dem Land bei meiner Großmutter aufgewachsen. Daher kenne ich auch das Nomadenleben sehr gut, die Nomadenkultur. Ich bin auf dem Pferderücken aufgewachsen, mein bester Freund war mein Pferd. Ich male viele Landschaften aus meinem Heimatland, das sind meine Kindheitserinnerungen. Das sind keine bestimmten Orte, das ist meine innere Spiegelung, meine Erfahrungen, meine Erinnerungen.

Also holst du die Orte deiner Kindheit zurück?

Ich bin seit fast vierzehn Jahren in Deutschland. Deutschland ist meine Heimat geworden, aber manchmal habe ich auch Heimweh. Durch die Erinnerungen aus meiner Kindheit fühle ich mich wie damals, wie ein kleiner Junge auf dem Land. Das tut mir gut und gibt mir viel Energie. Deshalb male ich sehr gerne diese Motive.

Auf Reisen in die Mongolei hast du viele Fotos gemacht. Nutzt du diese Fotos als Vorlagen für Gemälde oder gibt es auch Fotografien von dir?

Es kann sein, dass es später auch Fotografien und Fotocollagen von mir gibt. Im Moment beschäftige ich mich aber mehr mit Malerei, Ölgemälden, Objektmalereien. Ich reise viel, auch viel auf dem Land, dokumentiere viel mit dem Handy oder mit Skizzen. Das nutze ich für meine Malereien.

Du spielst in deinen Gemälden mit realen und surrealen Elementen. Gibt es etwas in der Realität, was dir fehlt, was du in deinen Bildern ersetzt?

Die Bilder, die Landschaften, die Heimatsthemen entstehen aus meiner Fantasie. Ich erschaffe meine eigene Welt. Dadurch bekomme ich Energie für den nächsten Tag. Aber diese Fantasien, zum Beispiel die Spiegelungen, die mongolische Landschaft, die sind alle nur im kritischen Sinne Überlegungen und Beobachtungen. Das sind alles nur kurze Filme, kurze Abschnitte von meinem Gedächtnis.

Hast du künstlerische Vorbilder?

Ja, natürlich. Ich schaue häufig, was meine Kollegen machen. Ich mag Claude Monets Farben gerne, dieses Licht von Farben. Deshalb habe ich auch lange abstrakte, farbige Bilder gemalt. Ich mag viele Künstler sehr gerne, die kann ich jetzt nicht alle aufzählen. Andere Künstler sind wichtig, aber ich versuche immer meine eigene Handschrift zu entwickeln und nicht etwas von anderen Künstlern abzumalen. Deshalb bin ich bei Vorbildern zurückhaltend und entwickele lieber etwas Eigenes.

Kannst du dir vorstellen etwas anderes als Kunst zu machen?

Nein, ich wurde geboren, um Kunst zu schaffen. Ich glaube, ich habe eine Aufgabe. Ich bin nicht sehr gläubig, aber ich glaube, ich habe eine Aufgabe von einer höheren Macht, ihre Schönheit und ihre Kritik weiterzuvermitteln.