Top
Kundenbereich schließen

Willkommen im Kundenbereich

Melde dich mit deinen Zugangsdaten an.

  • Unikate & limitierte Sondereditionen
  • Exklusive Kundenevents
  • Lieblingsartikel merken
  • Bestellungen & Daten verwalten
Be part of the art

Henry J. Wintherberg

Maler und Bildhauer aus Mainz

Henry J. Wintherberg mixt Öl, Acryl und Pigment, Gips und Gesso, Pinsel und Spraydose — und verbindet Malerei, Drucktechnik und Reproduktion. Wir sprachen mit ihm über seine Arbeitsweise, seinen größten Fan und Künstler, die ihn inspirieren.

 
„Meine Arbeit hat viel mit Farbe und Materialität zu tun, mit Abstraktion, Reproduktion und Überlagerung.“

Impressionen

Interview

Henry, wie bist du überhaupt zur Kunst gekommen?

Ich weiß gar nicht, ob die Kunst zu mir kam oder ich zur Kunst oder ob das von Anfang an schon in mir drin war. Ich kann mich zumindest an keine Zeit in meiner Kindheit oder Jugend erinnern, in der ich nicht irgendwas gemalt habe. In der ich nicht einen Stift in der Hand hatte und rumexperimentiert habe. Ganz zum Leidwesen meiner Eltern und Lehrer habe ich einfach alles, egal ob Stifte, Bänke oder Möbel, angemalt und verschönert. (lacht)

Wenn du kein Künstler geworden wärst, hättest du dir auch was anderes vorstellen können?

Ich glaube, der Künstler passt schon ganz gut zu mir. Von daher weiß ich nicht, ob ich was anderes gefunden hätte, was auch passend ist. Ich glaube, irgend so ein Weltverbessererding steckt noch in mir drin. Auch wenn es ein bisschen klischeehaft ist. Wenn das künstlerische Talent gefehlt hätte, dann hätte es etwas mit Politik, Umwelt und Gesellschaft zu tun haben müssen. Da steckt ein Idealist in mir. Das hat viel mit Erziehung zu tun, also was mir an Ethik, Normen und Moral mitgegeben wurde. Ich habe beispielsweise eine Adoptivschwester aus Äthiopien. Das ist etwas, was einem die Eltern mitgeben, dass man Verantwortung für andere trägt. Und das hat mich schon sehr stark geprägt.

Dein Name Henry J. Wintherberg. Ist das tatsächlich dein richtiger Name oder ein Künstlername, den du frei gewählt hast?

Das ist ein Künstlername. Der erste Teil des Namens kommt von meiner Tante aus Amerika, die meinen eigentlichen Namen nie richtig aussprechen konnte. Immer wenn sie mir geschrieben hat, hat sie mich Heinrich genannt, und Henry ist davon eine Abwandlung. Und auch in meiner Jugend, ich war oft in Frankreich, konnten die Franzosen mit meinem Namen nichts anfangen und haben mich immer Henry genannt. Der zweite Teil kommt von meinem verstorbenen Bruder Jochen und von meinem Opa Jakob.

Du arbeitest sehr vielseitig und mit unterschiedlichen Materialien. Hat sich dein Produktionsstil im Laufe der Zeit stark verändert?

Na ja, was heißt stark verändert. Für mich ist der Unterschied zwischen den Werken nicht so groß, weil die Art und Weise, wie ich an ein Werk herangehe, und die Technik, die dahintersteckt, die gleiche ist. Das sieht vielleicht optisch manchmal ganz unterschiedlich aus, aber wenn man näher ins Detail geht und sich mit der Technik beschäftigt, dann erkennt man die Analogien. In der Herangehensweise wie auch in der Umsetzung – und von daher bleibe ich meiner Arbeit treu, auch wenn ein Werk viel abstrakter ist als die anderen Sachen davor. Ich finde auch, dass eine Entwicklung des Stils sein muss. Ich experimentiere gerne und versuche neue Techniken. Ich teste viel mit Material und probiere aus, wie unterschiedlich sich die Farben verhalten.

Hast du künstlerische Vorbilder, alt oder neu?

Natürlich fallen mir da viele Namen ein, weil ich mich nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch mit der Kunst beschäftige. Formal sind für mich natürlich Maler als Vorbild stärker, aber auch Bildhauer und Konzeptkünstler liegen mir. Richter, Polke, Baselitz, Richard Serra zum Beispiel oder auch Neo Rauch. Von den Neuen Wilden Albert Öhlen. Wenn man weiter zurückgeht, Robert Rauschenberg und natürlich Joseph Beuys. Aber ich tue mich mit dem Wort Vorbild etwas schwer, weil es oftmals etwas von kopieren hat.

Vielleicht kann man dann besser sagen: Welche Künstler haben dich inspiriert?

Ja genau, das trifft's besser. Inspiriert im Sinne von etwas zu schaffen, was nachhaltig ist, was bleibt und was eine eigene Sprache und Stil hat. Was beim Betrachten einfach unglaublich inspirierend ist, deshalb bin ich eigentlich auch ganz breit aufgestellt, was ich mir gern ansehe. Nachhaltig beeindruckt hat mich aktuell Julian Rosefeldt mit dem Manifesto, mit dem, was dahintersteckt; und das Thema der Manifeste ist auch etwas, was mich gerade beschäftigt. Von daher gibt es eine Menge Vorbilder, die mir im Sinne einer Inspirationsquelle ein Vorbild sind.

Wie würdest du deinen Stil und deine Technik beschreiben?

Mein übergreifendes Thema ist immer die Überlagerung. Die Vielschichtigkeit und die Verfremdung von Dingen, die sich in der Arbeit mit verschiedenen Materialien widerspiegelt. Der wichtigste Teil ist aber die Überlagerung. Schichten übereinander zu legen und dadurch eine Veränderung herbeizuführen, die, wenn man es auseinanderdividiert, eigentlich wieder was ganz anderes ergeben. Das ist mein übergreifendes Thema, welches sich in all meinen Arbeiten wiederfindet. Mein Stil hat viel mit Farbe und Materialität zu tun, mit Oberfläche und Haptik. Der technische Teil ist vielleicht ein bisschen außergewöhnlich, weil er nicht nur strikt analog ist. Da steckt ganz viel in der Vielzahl der Schichten. Wenn man auseinanderdividiert, stecken dahinter 100–200 Schichten, die übereinander liegen und zusammen ein Werk ergeben.

Gibt es Momente der Unsicherheit bei dir, wenn du arbeitest? Oder wenn jemand auf deine Bilder negativ reagiert?

Nein, bei der Betrachtung eigentlich nicht. Zum einen finde ich es nachvollziehbar, wenn man nicht auf den ersten Blick erkennt, was dahintersteckt. Vieles, was ich an Thema mittransportiere und mitbringe, ist ja auf den oberflächlichen ersten Blick gar nicht erkennbar. Es geht oft darum, durch eine Schönheit und Einfachheit jemanden in das Werk reinzuziehen und dann in der Tiefe in die unschönen Dinge zu kommen. Von daher kann ich nachvollziehen, wenn man es erst mal nicht als schön erachtet oder nicht versteht und nicht so wertschätzen kann. Ich selber zweifele aber nicht, ich könnte in der Tiefe jedem das Werk erklären. Ich denke auch, dass jeder, der sich länger damit beschäftigt, Dinge erkennen kann. Die Zweifel kommen eher im Prozess, wenn das Werk entsteht. Ich finde das aber auch ganz wichtig, denn Qualität kommt daher, dass man selber reflektiert, was man getan hat, und prüft, ob es den Anspruch, den man hat, auch erfüllt.

Wer ist dein größter Fan und wer dein größter Kritiker?

Mein größter Fan ist wahrscheinlich meine Mutter. Sie trägt quasi eine rosarote Brille, und ich kann produzieren, was ich will, sie ist und bleibt mein größter Fan. (lacht) Mein größter Kritiker sollte ich selbst sein, ist aber auch in vielen Fällen meine Freundin und mein Atelierkollege.

Kannst du beschreiben, was gute Kunst für dich ist?

Das ist natürlich immer individuell geprägt, aber ich würde mal sagen, wenn sie bewegt. Wenn sie in irgendeiner Form bewegt und zum Nachdenken anregt.

Kannst du dich noch erinnern, wann du gemerkt hast, dass Kunst dein Ding ist? Dass du es durchziehen willst und jetzt und auch für immer machen willst?

Es war immer in mir drin. Das war immer das, was ich machen wollte, und das habe ich auch immer ganz klar und ganz deutlich gewusst, dass es genau das ist, was ich will.

Kommst du aus Mainz?

Nein, ich komme aus der Westpfalz. Früher hat man Hinterpfalz dazu gesagt. Richtung Saarland, ländlich, schön grün, viele Tiere und Traktoren und ansonsten gibt’s da nicht so viel. Als Jugendlicher hatte ich schon immer den Drang verspürt, raus in die Welt zu gehen, und bin dann bis nach Mainz gekommen. (lacht)

Wie wichtig ist dir der Ort, um kreativ arbeiten zu können? Oder könntest du auch überall auf der Welt arbeiten und glücklich dabei sein?

Prinzipiell könnte ich an jedem beliebigen Ort der Welt arbeiten, glaube ich. Jetzt ist Mainz nicht unbedingt gerade der Standortvorteil generell, aber das ist ein anderes Thema (lacht). Ich glaub, für mich ist wichtig, dass das Umfeld stimmt. Ich kann mit dem Fahrrad von zu Hause ins Atelier radeln und wenn ich möchte, kann ich dazwischen oder danach in der Kneipe ein Bier oder Wein trinken und habe nette Menschen um mich. Eine sympathische Umgebung ist ausschlaggebend, ich bin nicht zwingend an Mainz gebunden.

Wie hältst du Ideen fest? Viele Künstler laufen ja mit einem Heft herum, in das sie ständig ihre Ideen reinkritzeln. Wie machst du das?

Ich bin da sehr konfus, was das angeht. Nicht im Sinne, dass ich Dinge nicht mehr wiederfinden kann, ich halte Ideen vielfältig fest. Ich schreibe digital Notizen auf, ich habe ein analoges Heft, in dem ich skizziere und notiere oder ich fotografiere Elemente, die ich wiedergeben möchte.

Deine Arbeitsweise ist sehr aufwendig. Kannst du anhand eines Kunstwerkes beschreiben, wie viele verschiedene Arbeitsmittel du einsetzt, um ein fertiges Bild zu haben?

Es ist sehr aufwendig und zeitintensiv. Im Prinzip fängt es so an, dass ich weiß, was ich produzieren möchte. Das ist der Grundstein, ganz zu Beginn. Wenn ich an die Leinwand gehe, ist es meist nicht eine Leinwand, sondern es sind mehrere Leinwände nebeneinander, einfach um Zeit zu sparen. Dann trage ich Schichten auf die Leinwand auf. Da sind ganz viele Materialien mit drin. Am Anfang der Bleistift, der die groben Skizzierungen macht. Ein Kohlestift, weil er ein bisschen kräftiger ist. Dann male ich darauf mit Öl, Acryl und Pigmenten, die eine andere Lasurtechnik ermöglichen. Um Strukturen zu erhalten, arbeite ich Gips, Kreide oder auch Beton ein. Wenn dann eine Schicht auf den Leinwänden trocken und produziert ist, weiß ich schon, dass die eine die andere überlagern wird. Dann wird die Schicht reproduziert. Das heißt, sie wird in einem Raster mit circa 20–30 Fotografien abfotografiert und die werden dann wieder digital zusammengesetzt und ergeben eine Schicht. Das fertige Werk an sich hat dann am Ende 180–200 Schichten, die sich transparent überlagern.

Gibt es neue Projekte, die du noch umsetzen willst?

Etwas zu schaffen, was bleibt, ist auf jeden Fall ein Ziel. Grundsätzlich weiß ich, dass ich mir die Freiheit bewahren will, zu experimentieren. Mal gucken, wo das hinführt. Ich weiß, dass ich an neuen Orten ausstellen will. Für mich spielt die Räumlichkeit eine große Rolle. Mich interessieren spannende Räume, die ungewöhnlich sind. Für mich ist immer reizvoll, was nicht normal ist.