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Be part of the art

Christian-Steffen Loth

Maler und Zeichner aus Leipzig

Christian-Steffen Loth arbeitet mit Grafik- und japanischen Kalligraphiestiften, Fineliner, Graphit- und Buntstiften. Sein Stil erinnert an Pointillismus und Reduktionismus. Wir sprachen mit ihm über seinen Weg zur Kunst, seine Inspirationsquellen und seine Motive.

 
„Ich habe einen starken Bezug zu Dingen, die von hoher Beständigkeit sind.“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Swantje Neubohn, www.swantjeneubohn.de

Interview

Wann und warum hast du dich entschieden, dich der Kunst zu widmen?

Meiner Erfahrung nach kann ein Mensch kaum von „eigenen“ Entscheidungen, eher von Unterscheidungen sprechen, wenn er eine Aussage über sich selbst treffen soll. Denn das filigrane differenzieren ist die einzige Eigenschaft, die mir aus dem Stegreif einfällt, die den Menschen zu dem macht was er ist und ihm ermöglicht, gewisse Parameter zu korrigieren, während er seinen Weg geht, welcher nichts mit einer reinen eigenen Entscheidung zu tun haben kann. Dahingehend möchte ich sagen, dass die Begegnung mit meinem Lehrer, Norbert Wagenbrett, eine entscheidende Rolle auf diesem Weg gespielt hat.

Wie bist du auf Kunst gestoßen?

Ich erinnere mich, dass ich immer mit viel Hingabe und Enthusiasmus nach Antworten gesucht habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass man an Punkte gelangt, in denen sich das behäbige Philosophieren durch Metamorphose in etwas greifbares, Tatsächliches, also in einen Fakt verwandeln. Da gibt es also Quellen und Ströme, deren Wesen beobachtet werden kann. Wenn man aufmerksam ist, erkennt man darin die ganze Absicht. Die Erkenntnis, das Formulieren und letztlich die Umsetzung sind die Prozesse, denen ich folgen möchte. Deshalb begreife ich mich selbst als Schüler der Kunst.

Beschreibe deinen Stil in wenigen Worten.

Ich beziehe diese Frage jetzt auf die 100x70cm-formatigen Zeichnungen mit Tusche. Es gab um 1960, eine Anzahl von Künstlern in Polen, welche einen interessanten Ausdruck hatten. Diese Stilrichtung der Kunst nannte sich Reduktionismus. Einer der Vertreter war Stefan Gierowsky. Ein guter Freund hat mich darauf aufmerksam gemacht, als dieser mir ein Kunstmagazin aus der DDR, von 1968, gezeigt hat. In dem wurde der Maler Stefan Gierowsky vorgestellt. Stefan Gierowsky arbeitete an einigen Bildern mit Ölfarben und verdichtete stringent zur Bildmitte. Er malte den Zwischenraum und ließ winzige Kreise entstehen, die linear in das Bildzentrum laufen und immer kleiner werden. Meine ersten Bilder hatten eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Kunst von Stefan Gierowsky und von da an konnte ich in etwa einordnen, welcher Stilrichtung meine Ideen folgten.

Wo oder wie findest du Inspiration?

Mich interessieren Zusammenhänge. Zusammenhänge im Innersten verhalten sich ähnlich, wie Verdichtungen von Linien oder Mustern. Ich stelle mir vor, meine Bilder wären abstrakte „Nahaufnahmen“ von winzigen Schwankungen, Eruptionen oder Explosionen, welche wie fließende und Tausende Wellen aussendend, in und um uns herum stattfinden. Bewegung und Zeit sind dabei elementare Bestandteile für mich. Materie ist die Komponente, die dadurch verwandelt wird. Für mich kommt die Inspiration auch durch die Bilder selbst. Während des Zeichnens und danach.

Es ist ähnlich wie Kochen. Ein paar Tomaten allein auf dem Schneidebrett können eine gewisse Tristesse vermitteln, selbst wenn sie aus dem eigenen Garten stammen. Legt man Knoblauch und Minze dazu, sieht die Welt schon anders aus. Hat man einige Zeit später einen wohlschmeckenden Sud bereitet, geht einem das Herz auf und das ist dann der Zeitpunkt für die Inspiration.

Womit zeichnest du deine Arbeiten?

Zu 90% mit Grafikstiften und japanischem Kalligraphiestift, was die großformatigen Bilder betrifft. Ansonsten mit Fineliner, Graphit- und Buntstiften. Manchmal auch mit wasserbasierenden Tuschefarben, Pinsel und Aquarellfarben oder Aquarellstiften.

Wie lange arbeitest du an solch einem Bild?

Für die großformatigen Bilder benötige ich eine Unmenge von Zeit. Es kommt dabei auch auf die Technik an. Einige sind nicht nur mit einer Sorte Stift gezeichnet. So kann der Zeitraum, den ich benötige, zwischen 3 Wochen und 6 Monaten schwanken. Hinzu kommen äußere Einflüsse und die mentale Verfassung.

Liegt die Kreativität bei dir in der Familie?

Eher nicht.

Wie kommst du zu deinen Motiven?

Ich beziehe diese Frage wie oben, auf die 70x100cm-Formatzeichnungen mit Tusche. Ich habe einen starken Bezug zu Dingen, die von hoher Beständigkeit sind. Ich beschäftige mich gerne mit Gedankenexperimenten wie, Verhältnisse zwischen extrem Massereichen und kaum sichtbaren Objekten, innerhalb oder außerhalb derselben. Extrem lang andauernder Zeiträume oder Räume extremer und Räume minimalster Ausdehnung. Dabei stoße ich auf ganz simple Tatsachen und Strukturen, welche die Grundlage bestimmter Abläufe sind. Die Verbindung aus ganz abwegigen, für den Alltag unbrauchbaren Überlegungen und realen Gesetzmäßigkeiten ergibt eine besondere und hochverdichtete Substanz. Diese würde ich dann wohl als meine Ursuppe bezeichnen, aus der sich durch langwierige Prozesse Ideen entwickeln.

Könntest du dir etwas anderes vorstellen, das dich ähnlich ausfüllt?

Für mich gibt es kein Zurück mehr. Wenn man einmal einen Blick auf diese Vielfalt von Möglichkeiten geworfen hat, welche entstehen, wenn man wie oben beschrieben bestimmten Impulsen folgt, dann ist es für mich kaum vorstellbar, freiwillig eine Schritt zurück zu machen, nur um, vielleicht aus der irrigen Hoffnung heraus, einen leichteren Weg zu finden. Am Meer zu wohnen und immer die helle Sonne um sich zu haben, Tag für Tag ..., da würde mir etwas fehlen.

Was für Kunst hängt in deiner Wohnung?

Meine eigenen Bilder. Außer diesen habe ich noch ein, zwei meines Meisters und ein, zwei eines Freundes aus Berlin aufgehängt.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Auch wenn das jetzt absolut konträr ist, zudem was ich bis jetzt von mir gegeben habe, sehe ich mich in 10 Jahren am Meer mit Sonne und Frauen. Ich will einfach nicht aufhören zu träumen.