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Be part of the art

Julian Opitz

Zeichner aus München

„Ich fluche häufig und gerne“, sagt Julian Opitz. Seine bisweilen bissigen Zeichnungen seien deshalb aber noch lange keine Abreaktionen. Vielmehr sollen sie auf humorvolle Weise „zum Austausch animieren“, verrät uns der Münchner im Interview.

 
„Mir geht es darum, das Eigene, Nervige und Nette, das Komische oder auch Absurde einzufangen“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Miu Reck, www.miureck.com

Interview

Du erschaffst Kunstwerke mit den Titeln „Maulheld“, „Gucci Gockel“ oder „Self inflating Douchebag at its Climax“. Man kann sie beinahe allesamt als bissige Kommentare zu konkreten Personen verstehen. Der Douchebag etwa sieht verdächtig nach Donald Trump aus. Welche Personen inspirieren dich noch?

Im Falle von Donald Trump würde ich eher von „beschäftigen“ sprechen. Die politische Großwetterlage reibt mich derzeit ganz schön auf. Das erklärt, wie der US-Präsident neben einigen Vertretern der hiesigen politischen Zunft zum Zeichenmotiv werden konnte. Positiv inspiriert fühle ich mich eher durch Kreative, Künstler, Kabarettisten. In den letzten Jahren habe ich einige dieser Persönlichkeiten porträtiert. Die meiste Inspiration schöpfe ich aber aus meinem unmittelbaren Alltag.

Dann ist da noch der „feingliedrige Arschflügler“. Ist diese Kreation einer reellen Person gewidmet?

Nein, der Arschflügler ist einer sehr reellen Stubenfliege gewidmet, die mich in meinem Arbeitszimmer zur Weißglut gebracht hat. Da war es naheliegend, in ihren provokant dreinblickenden Facettenaugen irgendwann nur noch ein dralles Hinterteil zu sehen. Das aber immerhin hat sie sehr gekonnt durch die Luft geschwungen.

Zeichnest du anstatt zu schimpfen? Oder fluchst du zusätzlich?

Ich fluche häufig und gerne. Zugegebenermaßen ist auch das Zeichnen recht effektiv, um sich abzureagieren. Mein Programm ist das aber eigentlich nicht. Ganz im Gegenteil. In der Regel versuche ich mich zeichnerisch auch den „schwierigeren“ Stereotypen und Verhaltensweisen anzunähern. Ganz versöhnlich. Mir geht es darum, das Eigene, Nervige und Nette, das Komische oder auch Absurde einzufangen – ohne zu beleidigen oder einfach zu urteilen. Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Du hast Kommunikationswissenschaft studiert. Wo hast du so gut zeichnen gelernt?

Das Zeichnen, so wie ich es heute betreibe, hat viel mit Übung, Geduld und Leidensfähigkeit zu tun. Die Technik musste und muss ich mir Strich für Strich erarbeiten. Und aus Fehlern lernen. Eine entsprechende Ausbildung habe ich nicht.

Liegt die Kunst bei dir in der Familie?

Ja, das tut sie wohl. Mein Vater, ein gelernter Architekt, ist Künstler und hat in der Vergangenheit als Karikaturist für verschiedene Zeitungen gearbeitet. Meine Mutter hat ebenfalls eine kreative Ader. Sie arbeitet als Schneiderin und stellt Textilien her. Handwerklich haben mich die beiden komischerweise kaum unter ihre Fittiche genommen und nur wenig beeinflusst. Wohl aber in ihrer Art, die Welt zu sehen – kritisch, aber mit Humor und einer ordentlichen Portion Selbstironie.

Wie entstehen deine Kunstwerke?

Die entstehen im Kopf. Gedanklich spiele ich ständig mit Formen und Worten, sammle Eindrücke und mache schnelle Skizzen. Solange, bis aus diesem kleinen Hamsterrad ein Zeichenmotiv herausspringt. Das wird dann zunächst mit Bleistift vorgezeichnet, anschließend mit Tuschestift ausgeführt und häufig mit Buntstift koloriert.

Entsteht der Titel, wenn die Zeichnung fertig ist? Oder gehst du vom Titel aus?

Beides kommt vor. Manche Begriffe oder Wortschöpfungen kommen mir mehr oder weniger spontan in den Sinn – und wollen dann unbedingt gezeichnet werden. Der „Testosterossa“ zum Beispiel, oder das „Betthopferl“. Da kann ich einfach schwer widerstehen. Und dann gibt es Dinge, die ich sehe und zeichnerisch miteinander verbinde. Eine mühsam vorankriechende Schildkröte und ein zum Trotz gereckter Stinkefinger etwa, der sich anstelle ihres Kopfes aus dem Panzer reckt. Einen passenden Titel zu finden, ist dann quasi der letzte Schliff.

Nicht alle deine Werke sind Zeichnungen. Was hat es beispielsweise mit den Objekten „Flamingo“ und „Schweineschnauze“ auf sich?

Angefangen hat dieses zweite Betätigungsfeld mit Buntstiftstummeln. Nach etlichen Zeichnungen hatte ich eine große Zahl komplett heruntergezeichneter Stifte. Wegwerfen konnte ich die nicht und so bin ich dazu übergegangen, Stiftstummel in bemalte Setzkästen einzubauen, kreatives Recycling quasi. Zuletzt habe ich dann selbst kleine Plastiken geformt und in dieselben Kästen eingesetzt. Das Rudimentäre und Abstrakte dieser Arbeiten liefert für mich einen schönen Kontrast zu den sehr, sehr kleinteiligen Zeichnungen.

Gibt es eine Mission, ein übergeordnetes Ziel, das du mit deiner Kunst verfolgst?

Eine Mission im eigentlichen Sinne habe ich nicht. Aber ich versuche, mit meinen Arbeiten aktiv teilzunehmen am gesellschaftlichen Diskurs, Erfahrungen widerzuspiegeln und zu kommentieren, das Komische und Absurde aufzudecken, in seinen vielfältigen Formen. Man könnte das als Plädoyer für mehr Selbstironie sehen. Es geht mir also nicht schlicht um Dekoration.

Wie wichtig sind dir die Reaktionen auf deine Kunst?

Wenn sich Menschen durch meine Zeichnungen angesprochen fühlen, schmunzeln müssen, das Gesehene diskutieren und gerne auch unterschiedlich deuten – dann ist das Ziel erreicht. Meine Bilder sollen kommunizieren und zum Austausch animieren. Die Reaktionen sind also essenziell für das, was ich tue.

Wie reagieren denn die Leute?

In der Regel reagieren die Menschen sehr aufgeschlossen und humorvoll. Oft genug sind gerade jene, die gewisse Ähnlichkeiten mit einer meiner Figuren und Karikaturen aufweisen, besonders davon angetan. Das hat mich anfangs sehr überrascht. Es freut mich aber auch besonders, schließlich scheint die vorhin beschriebene zeichnerische „Annäherung“ in solchen Fällen richtig gut zu funktionieren.

Lässt du dich auf Diskussionen über deine Kunst ein?

Jederzeit gerne. So sind schon häufig neue Ideen entstanden.

Man findet deine Kunst unter der Marke jompitz. Deinen Vor- und Nachnamen kennend, stellt sich einem die Frage: Woher kommt das M?

Das verbindende Wort lautet „Mumpitz“. Die weitere Entstehungsgeschichte des Begriffs „jompitz“ ist jedoch so banal, dass ich sie niemandem zumuten möchte.

Welche anderen Künstler inspirieren dich?

Großartige Karikaturisten wie Honoré Daumier oder Thomas Theodor Heine, grafisch arbeitende Künstler wie Henri de Toulouse-Lautrec oder Egon Schiele, der schelmische Witz von Paul Klee. Natürlich sind das alles übermenschlich große Kunstfiguren. Erwin Wurm ist ebenfalls großartig.

Wer sollte sich unbedingt mal ein Kunstwerk von dir an die Wand hängen – und welches?

Ich habe mich schon des Öfteren gefragt, was Recep Tayyip Erdoğan wohl zu meiner Zeichnung „Das Sensibelchen vom Bosporus“ sagen würde. Da habe ich den Staatsmann als beleidigte Ballerina im Tutu dargestellt und das Ganze rosa gerahmt. Für so einen Brecheisen-Autokraten war und ist Herr Erdoğan ja doch recht empfindlich. Natürlich hat ein Präsident aber Besseres zu tun, als sich mit Satire – zumal aus dem Ausland – auseinanderzusetzen.

Wie viel Zeit verbringst du mit der Kunst?

Beinahe all meine verfügbare Freizeit. Ich habe ja auch einen „ernsthaften“ Beruf.

Was war bisher dein schönstes oder amüsantestes Erlebnis mit deiner Kunst?

Als ich mich auf der Kunstmesse ARTMUC 2014 zum ersten Mal einem großen Publikum gestellt habe, standen plötzlich drei japanische Studentinnen an meinem Stand. Ganz aufgeregt haben die mit dem Ausstellungskatalog gewedelt. Darin hatten sie eines meiner Bilder entdeckt, das sie wohl unbedingt in Echt sehen und besuchen wollten. Als sie dann direkt davorstanden, haben sie ganz entzückte hohe Laute von sich gegeben, massenhaft Fotos und Selfies geschossen. Das alles war ein so skurriler wie wunderbar größenwahnsinniger Moment. Bei dem Bild handelte es sich um die „Bavarian Beauty“, eine Zeichnung, die generell ziemlich begehrt war. Allerdings scheint sie mir für Nicht-Bayern relativ schwer zugänglich zu sein. Das machte die damalige Situation natürlich noch komischer.

Was tust du, wenn du nicht zeichnest?

Beobachten – und neue Eindrücke sammeln.