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Be part of the art

Cori Schubert

Malerin aus Berlin

Cori Schubert stammt aus Sachsen, lebt in Berlin - zu dem Sie eine Art Hassliebe entwickelt hat - und erschafft abstrakte Malerei zwischen Stadt und Natur.

 
„Ich bin nah dran am Leben!“

Impressionen

 

Alle Fotografien von Swantje Neubohn, www.swantjeneubohn.de

Interview

Du stammst aus Löbau, warum hat es dich nach Berlin verschlagen?

Der Weg führte ja nicht direkt nach Berlin. Ich bin in Löbau/Oberlausitz im Sachsen der damaligen DDR geboren, aufgewachsen in einem kleinen Örtchen an der Spree und dort zur Schule gegangen.

Ich bin ein Wendekind, manche sprechen von einer vergessenen Generation. Ich bin in der DDR zur Schule gegangen. Dann kam die Wende – es gab große Orientierungslosigkeit Anfang der 90er auf dem Land, viele gingen sofort „in den Westen“, das wollte ich nicht. Es gab schnell sich radikalisierende Jugendliche in extremen Fronten (links. Und rechts) Mir ging es nicht um Karriere und wirtschaftliche Sicherheit, mir ging es um meinen Weg in Freiheit als junger kreativer Mensch.

Die Oberlausitz ist sehr speziell, kulturell und geografisch als Dreiländereck zu Tschechien und Polen, es war damals ja sogar die EU-Grenze! Ich verlebte dort meine Kindheit und erlebte das Ende eines Regimes, welches uns eigentlich alle im Griff hatte. Revolution war im anderen Teil von Sachsen, in Leipzig mit den Demos passiert. Im „Tal der Ahnungslosen“ stand ich selbst noch 1989 im FDJ-Hemdchen auf der Bühne und rezitierte Gedanken und Gedichte, welche nicht meine waren, meistens voller Melancholie!

Ich zog also nach Leipzig und später nach Berlin. Es zog viele Freigeister in die Welt. Weggehen als Suche und Befreiung. Leipzig war eine Stadt, welche sich soeben in allen Bereichen der Kultur zu entfalten begann. Eine bunte Welt voller Möglichkeiten entstand, eine Vielzahl von Subkulturen so kurz nach der Wende. Es zogen auch viele Kreative und Experimentierfreudige aus „dem Westen“ nicht ohne Grund dorthin. Für mich war es genauso der Beginn von etwas total Neuem, den wilden Leipziger Jahren, und trotz all der Freiheit muss ich gleich hinzufügen, dass es nicht um Drogenkonsum und Exzesse ging – es ging wirklich um Kultur, um Musik, Tanz, Kunst, Veranstaltungen, Lesungen, Vernissagen, Aktionen, Lebensformen, Miteinander!

Circa 1999 ging es weiter für mich, ab nach Spanien und Portugal. Anlass waren allergische Reaktionen gegen Farben und Lösungsmittel, Hautprobleme, Augenprobleme, Depression. Ich bin mit Rucksack und Auto gereist, auch mit dem Bus, und das Leben war ein kleines „Roadmovie“. Viele Werke habe ich zu der Zeit aus Platzmangel verschenkt oder sie sind eben auch in der Mülltonne gelandet. Ich dachte einfach, Malerei ist nix mehr für mich, aber es ging weiter.

Im Sommer 2000 ging mein damaliger Freund aus Leipzig nach Berlin zu einem Fotografen in den Prenzlauer Berg. Aber Berlin war nicht nur Zufall. Eigentlich war es mir seit Langem klar. Es war der Melting Pot, hatte Anziehungskraft. Trug noch den Ost-Charme der 80er, 90er, aber war weltoffener als eben Leipzig damals. „Leipzig kommt“ hieß es von allen Werbeplakaten, die Kunst etablierte sich ganz schnell zum Verkaufshit. Dieses Karrieredenken und die kommerzielle Zielstrebigkeit fehlten mir vollkommen, der Hype gefiel mir nicht

Ich war als Kind schon in Berlin, in der Hauptstadt der DDR meine Tante, Onkel, Cousin besuchen. Und spätestens mit 13 bekam ich immer Herzklopfen und wusste, dass ich hier mal leben möchte. Es war bei aller Euphorie eine düstere Zeit und mir kommen Bilder in den Sinn, welche auch mehr grau in grau sind, man kennt diese ja von Berlinfotos, ein Kinderzimmer mit vermauerten Fenstern zum Beispiel. Friedrichshain-Kreuzberg , der neue (und alte) bunte Bezirk, welcher sich aus Ost und West zusammensetzte, reizte mich, und ich bin auch zufällig dort gelandet, weil ich zur Untermiete eine Wohnung im Hinterhaus bekommen hatte. Der Partybezirk vertrieb mich aber auch immer wieder aufs Land, Spanien, Italien, Uckermark, Sachsen ...

Ich würde sagen, es war eine „Hassliebe Berlin“ entstanden, manchmal sieht man das in den Bildern. Ich habe mich ja rein stilistisch und auch technisch mal zwischen Stakkato und dann wieder lyrisch bewegt, darin steckt für mich zum Beispiel Stadt und Land (Natur). Ich bin ja sehr ländlich aufgewachsen, der Wald war oft mein Ziel als Kind. Ich brauche beides, könnte mir aber je älter ich werde auch einen Umzug aufs Land vorstellen.

Du hast von 1994 bis 2000 Kunst studiert. Wie ist es dazu gekommen und was ist seitdem so passiert?

Ich habe schon immer gemalt und gezeichnet, auch in meiner Familie war das ganz normal, Opa, Papa, jüngere Schwester. Ich wusste auch von der „Leipziger Schule“ und der ansässigen Kunsthochschule und dass es schwer war, einen Platz zu bekommen, und sich viele lange, lange vorbereiteten, da angenommen zu werden. Ich wollte aber nur eins: immer „meinen Weg“ gehen, und zwar wie es meinem Temperament entsprach. Ateliers und Werkstätten von den Professoren mal besuchen, aber einem Dogma wollte ich nicht folgen!

Darum immatrikulierte ich mich erst für theoretische Fächer – klassische Archäologie, europäische Kunstgeschichte an der Universität Leipzig und dann für das Fach „Bildende Kunst“. Ich brauchte keine Klasse von Neo Rauch, ganz ehrlich – die abstrakte offene Denkweise und Herangehensweise, wie zum Beispiel in „Konkreter Kunst“, im Realismus, hatte ich zur Genüge durch eine DDR-Kindheit, wir mussten im Kunstunterricht solche Menschen an Maschinen malen.

2000 bin ich nochmals neu gestartet, habe mich einfach exmatrikuliert damals und war in Berlin ansässig geworden. Ich traf circa 2002 einen sehr kreativen und gebildeten Menschen aus der Schweiz, er war ein Topmanager und auf dem internationalen Markt. Wir entwickelten eine Freundschaft, auf einer Art musischer Ebene und Brieffreundschaft, ich dachte immer an Wahlverwandtschaft. Jedenfalls bestärkte er mich auf meinem Weg, weil ich alles infrage stellte und ziemlich erschöpft war. Dabei entstanden Werke, welche ich ihm dann mitgab, nach Frankreich oder in die Schweiz – es war ein Mäzen für mich und richtig guter Freund. 2003 war ich zweimal im Krankenhaus, und dann immer zur Genesung bei Freunden auf dem Land, in Portugal oder Sachsen-Anhalt. Es war ein holpriger Weg, aber ein sehr intensiver, ich machte weiter – ich erhielt auch einen größeren Auftrag für die Etagengestaltung einer kleinen Klinik in Berlin-Friedrichshain. Es war neu, in solch einem Kontext zu malen, und ich beschäftigte mich intensiver mit Farbpsychologie.

Was macht deine Arbeit einzigartig?

Ich arbeite spontan, habe einen unmittelbaren Bezug zu dem, was mich im Moment begeistert, bewegt, ängstigt, sehe mich nah dran am Leben! Das kann natürlich auch das weite Meer sein, oder der Stadtstress, oder der Nebenjob, oder die U-Bahn, oder der Grashalm. Ich fühle, was mich umgibt, ich nehme wahr und mir ist erst in den letzten Jahren klar geworden, dass das nicht bei jedem Menschen so ist. Ich möchte sensibilisieren, auch für Musik, für Energien, für Rhythmen, für Themen, letzten Endes zur Selbstreflexion, ohne diese kann ich mir ein Miteinander gar nicht vorstellen. Ich bilde mir auch ein, dass man Bilder fühlen kann, nicht nur visuell/intellektuell wahrnehmen.

Nenn mir 3 Künstler, die dich beeinflussen.

Heute beeinflussen ? Kann ich nicht sagen, mich beeinflussen andere Dinge mehr, zum Beispiel Musik. Was ich seit Langem höre, ist Sakamoto, vor allem „1996“! Seit ungefähr 2004 beeinflussen mich Zen und Yoga. Früher, ursprünglich waren es Klein, Hartung, Beuys, Kiefer, der Expressionismus, das Informel ... Ich mag Tàpies, und auch Gerhard Richter. Als Kind/Jugendliche habe ich mich für Dalí und Caspar David Friedrich und Picasso begeistert. Beeinflussen würde ich das nicht nennen, eher inspirieren.

Du hast Archäologie studiert, spiegelt sich das in deinen Arbeiten wider?

Es gab eine Phase, in welcher ich erst Schichten auftrug, Farbe, Papier, Ähnliches, um dann wieder freilegen zu können. Das Kratzen und Finden im Material ... auch Sand und Naturmaterialien oder versteckte Gegenstände waren dann mit im Bild, aber oft unsichtbar darunter, als Relief erkennbar. Oder ich beschäftigte mich mit der Vergangenheit – Erinnerungen, Herkunft. Der direkte Einfluss des „Altertums“ in meinen Bildern ist jedoch nicht zu finden, ich hüte mich davor, Symbole zu benutzen! Es ging mir eher um eine anthropologische Seite von Kunstentstehung – ich als Mensch im künstlerischen Selbstversuch mit immer neuen Erkenntnissen.

Im Netz bin ich auf das Zitat „nie wieder so dumm sein wie weißes Papier“ gestoßen, was hat es damit auf sich?

Es ist ein Zitat aus einem Song von „Element of Crime“, einer Berliner Band aus den 80ern/90ern. Sie haben in den 80ern extra für die Ostkids und Jugendlichen angefangen, statt des angesagten englischen Texts wieder in Muttersprache zu singen, damit sie im Osten auch gut verstanden werden können. Es ist ein Zitat, welches ich auf viele Momente im Leben beziehen kann, damit ich wachsam bleibe. Weißes Papier kann beschrieben werden, wir alle sind doch in unserer Kindheit beschrieben, geprägt worden, und konnten es nicht vermeiden, es sollte eben nur bewusst sein. Mir fällt ganz viel Assoziatives dazu ein, es macht natürlich auch wütend. Inhaltlich ging es in dem Song um etwas anderes, der Satz ging mir nur viele Jahre nicht mehr aus dem Kopf. Und da ich auf weißes Papier oft gemalt habe, wurde ich zwangsläufig immer wieder daran erinnert, einfach darüber nachdenken zu müssen.

In welchem Gemütszustand bist du am kreativsten?

Ich kann in jedem Zustand kreativ sein, deshalb kommen dabei ja so unterschiedliche Arbeiten raus. Es ist für mich aber manchmal eine Mischung aus Neugierde, Wut und auch Melancholie, nicht als etwas dunkle Sicht auf die Welt, sondern als Form, ernster und tiefer reinschauen zu können. Ein bisschen Entdeckergeist muss auch immer dabei sein. Und der Zustand an sich ist ... WACH! Nach schlaflosen Nächten kann ich mich nicht kon-zen-trieren, also nicht arbeiten,

Ich bin immer hoch konzentriert, präsent, auch wenn es sehr locker und wie banal dahingeschwungen wirkt. Und danach manchmal auch sehr erschöpft nach dem Malen oder Zeichnen.

War deine Familie kreativ tätig?

Ja, wie vorhin erwähnt, Großvater, meine Eltern in jüngeren Jahren und meine Schwester auch. Bei uns zu Hause waren Türen, Wände, Tische und Klamotten selbst gestaltet und Bilder wurden sowieso gemalt, der Großvater spielte fast jedes Instrument und hatte eine ganze Sammlung Musikinstrumente von Klavier, Schlagzeug bis hin zu Laute und Trompeten, nur Streichinstrumente fehlten, glaube ich. Im Esszimmer meiner Großmutter hing ein Selbstporträt des Großvaters, und ich glaube, es hängt heute noch, obwohl beide schon nicht mehr leben.

Wäre ein Leben ohne Kunst lebenswert?

Was für eine Frage – da antwortet doch jeder mit nein!

Nur kurze Zeit – denk ich zum Beispiel zwangsläufig als Mama. Als ich mich um mein Baby kümmern musste/wollte, Tag und Nacht, da war ich so erfüllt und ausgefüllt, da gab es keine Zeit für Kunst! Höchstens mal kleine Skizzen, aber es befriedigte mich nicht, da die Konzentration und Präsenz nicht zu halten war über einen längeren Zeitraum, ich in meinen „Wachzustand“ nicht hineinkam, um wirklich künstlerisch tätig sein zu können. Ich war zu dieser Zeit ein völlig anderer Mensch, ich funktionierte auf rein biologisch emotionaler Ebene. Heute ist es immer noch schwierig, beide Welten in mir zusammenzubekommen, eine Seite für die Kunst, die andere Seite als Mama.

Wie wichtig ist dir die Wirkung deiner Werke, wenn sie dann fertig sind?

Wirkung ist Wirkung, wenn es auf mich zurückwirkt, dann automatisch auf andere. Wichtig ist, dass Werke irgendwie für sich sprechen und anregen können. Im generellen Schaffensprozess ist mir die letztendliche Wirkung aber total unwichtig. Oft bin ich selbst überrascht und neugierig auf die Bilder – es ist eben ein intuitiver Prozess. Ich glaube, ich beherrsche nicht die Kunst, sondern sie beherrscht mich.

Was war dein schönstes Erlebnis mit deiner Kunst?

Dazu fällt mir wieder mehr ein:

  1. Eine lebensgroße Zeichnung auf Papier auf dem Fußboden, mit welcher ich mich rumgerollt und getanzt habe und dabei zeichnete.

  2. Der zweijährige Sohn ging an den auf dem Boden stehenden Bildern in meinem Arbeitsraum vorbei und sagte nach längerem Überlegen: „Mehr Farbe?!“

  3. Ein Kommilitone ist das erste Mal bei mir im Atelier und steht vor einem minimalistisch/abstrakten Bild und meint: „Das bin ich!“ und erklärt mir lange, warum er in den Linien und Konstrukten so viel über sein Denken und Leben erkennen kann, und ihm stehen Tränen in den Augen.

  4. Ein Besucher zum offenen Atelier: Schaut, redet Smalltalk und geht … und nach circa 5, 6 Jahren meldet er sich und erzählt mir die Geschichte aus seiner Biografie, zu welcher das Werk ihn angerührt hat nachzudenken, es war eine traurige Geschichte.