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Be part of the art

Dave the Chimp

Zeichner und Illustrator aus Berlin

Dave the Chimp lebt und arbeitet in Berlin. Mit seinen Human Beans, farbenfrohen Bohnen-Männchen in Alltagssituationen, setzt er Statements und revolutioniert die Straßenkunst. Dave illustriert für Magazine, präsentiert seine Werke in Büchern und erstellt Drucke und Plakate. Seine bisherigen Ausstellungen reichen von Berlin über London bis nach Mailand.

 
„Kunst ist für mich etwas Magisches.“

Videoporträt

Impressionen

 

Alle Fotografien von denise van Deesen, www. denisevandeesen.com

Interview

Dave the Chimp – dein Name ist in der Street- und Urban-Art-Szene weit verbreitet. Wie ist er entstanden?

Ich war früher ein B-Boy, kein richtiger Breakdancer, aber wir gingen als Gruppe von Freunden auf Loft-Partys und wurden aus irgendwelchen Gründen „The Chimps“ genannt. Mein Name ist Dave, also wurde ich „Dave the Chimp“ gerufen.

Du kommst ursprünglich aus England. Wie bist du nach Berlin gekommen?

Ich bin 2008 nach einer meiner Ausstellungen in Kreuzberg nach Berlin gezogen. Ich musste einfach weg aus London, denke ich. Es war dort viel zu stressig für mich, in London muss man zu hart arbeiten. Und wenn du Kunst machst, brauchst du einfach Zeit zum Nachdenken. In London funktioniert das nicht, du bist einfach nur die ganze Zeit am Arbeiten. Ich kam also eigentlich her, um Zeit zum Nachdenken zu haben. Und ich denke, es funktioniert. (lacht)

Würdest du dich selbst als Street-Art-Künstler bezeichnen? Wenn nicht, wie dann?

Ich würde mich nicht als Street Artist bezeichnen, da ich so viele verschiedene Dinge mache. Ich arbeite viel in der Skateboard-Szene, entwerfe Grafiken für Skateboard-Firmen, aber designe auch Skulpturen für Ausstellungen. Ich mache auch Fanzines und viel Comic Strips, habe als Regisseur für Musikvideos und TV-Spots gearbeitet. Ja, ich male auch in den Straßen, darin liegt aber nicht mein Fokus. Ich habe keinen richtigen Hauptfokus, ich mache einfach alles, was an dem Tag gerade interessant ist.

Was war zuerst da: die Leidenschaft zum Skaten oder die Leidenschaft zur Kunst?

Ich denke, ich zeichne schon länger. Das Skateboarden zeigt dir viele verschiedene Seiten der Kunst, die du normalerweise bei einer Kunstausbildung nicht durchlaufen würdest. Es hat mich wirklich inspiriert, da ich viele verschiedene Dinge dadurch wahrgenommen habe – von Punkrock, Cut-and-paste-Artwork bis zu super Zeichnungen. Das Skateboarden hat mich auch zum Screen Printing gebracht. Ich denke, dass mein Kunstinteresse schon vor dem Skateboarden bestand, aber das Skateboarden war die Sache, die alles zusammengefügt hat.

Du veröffentlichst deine Werke auf der Straße meist ohne Tags, warum?

Normalerweise ist es in der Graffiti-Szene üblich, seinen Namen zu veröffentlichen, da man sich so Respekt für seine Arbeit erhofft. Ich habe kein Interesse, namentlich zu erscheinen, damit mir andere folgen. Ich veröffentliche meine Kunst auf der Straße in erster Linie für mich, das ist wie Skateboarden. Es hilft mir, den Kopf frei zu kriegen und Stress und Sorgen abzubauen.

Du fokussierst nur das, was du gerade tust und bist frei. Natürlich ist meine Kunst auch für andere Leute, ich möchte, dass sie etwas sehen und das Gesehene bei ihnen eine Reaktion auslöst. Nicht, dass sie etwas sehen und denken „Oh, das ist von diesem Typen“, denn: Das ist absolut unwichtig. Kunst sollte dir etwas geben, eine Lebenserfahrung sein und dich zum Nachdenken anregen.

Du lebst mit deiner Familie in Berlin. Wie beschreibst du deinem Sohn deinen Job?

Bei uns zu Hause ist es recht abgefahren, da wir eine Menge Künstler im Freundeskreis haben. Meine Freundin ist auch Künstlerin, Fotografin und Regisseurin. Mein Sohn wächst zwischen all den verschiedenen Malereien und Zeichnungen auf. Es gibt viele Totenköpfe bei uns zu Hause und Masken aus Afrika, Mexiko, Indien. Manchmal denke ich, es ist vielleicht zu gruselig für ihn. Aber er ist hart im Nehmen. (lacht) Ich denke, es gefällt ihm sogar. Aber ob er wirklich versteht, was ich so tue … keine Ahnung. Ich bin nicht mal sicher, ob ich weiß, was ich tue, von daher ist’s egal. (lacht) Manchmal macht unser Sohn uns auch Probleme, weil er denkt, dass es völlig o. k. ist, an die Wände zu malen. Das kommt davon! (grinst)

Man verbindet dich direkt mit den Human Beans. Auch bei uns in Hamburg sieht man die kleinen Bohnen-Männchen an verschiedenen Ecken. Aus welcher Idee heraus sind sie entstanden?

Ich fing an, die Human Beans zu malen, als ich nach Berlin gezogen bin. Das Straßenbild hier ist völlig anders als in London. Wenn in London beispielsweise ein Fenster kaputtgeht, nageln sie ein Stück Holz davor, bis es repariert wird. Dieses Stück Holz kann da für Monate, gar Jahre bleiben. Das ist ein Untergrund, auf dem ich immer gemalt habe. Da das nichts Permanentes ist, hatte ich nicht das Gefühl, etwas Reales, reale Probleme zu fokussieren. Aber in Berlin hat man das so nicht. Wenn in Deutschland etwas kaputtgeht, wird es recht schnell wieder repariert. Außerdem ist Berlin über und über mit Graffiti bedeckt und ich wollte gerne mit etwas arbeiten, das es schon gibt. Es war zudem eine Reaktion gegen die Besessenheit der Street-Art-Szene, Wände groß zu bemalen. Es ist, als würde man, wenn man malt, nichts sein, wenn man nicht groß malt.

Mir kam es wie Reklame vor. Das ist sehr beklemmend. Ich meine, manchmal ist es schön, aber manchmal will man es nicht sehen: eine große tote Ratte oder ein verrotteter Kadaver, die 10 Stockwerke hoch sind. Beim Malen von kleinen Sachen kann ich schnell sein, ich kann viele Teile malen und ich komme wieder zurück zu den Wurzeln: Umherlaufen mit offenen Augen und die Umwelt entdecken, die eigenen Dinge ausblenden, das Telefon beiseitelegen und der Welt um einen herum Aufmerksamkeit schenken. Denn die Welt ist erstaunlich. Da gibt es so viel Schönheit und überall sind gute Dinge, selbst die Blumen, die durch Straßenrisse hervorsprießen.

Es wirklich gesund, rauszugehen und Teil der Welt zu sein. Wir sind in erster Linie Tiere, wir sind nichts Besonderes, weil wir menschlich sind, wir sind nur Tiere. Tiere sollten draußen sein. Es ist gut für die eigene Gesundheit – also geht raus! Die Human Beans sind meine Art und Weise, Leute zu erforschen. Und sie erinnern mich an England, weil die Engländer weiße Bohnen mögen. (lacht)

Deine neue Serie zu den Human Beans „The Protestors“ ist momentan besonders in Berlin zu finden. Was möchtest du mit ihnen ausdrücken?

Ich spreche nur sehr wenig Deutsch. Als ich nach Berlin kam, habe ich aufgehört, Zeitungen zu lesen und ich schaue seit fast 15 Jahren kein TV mehr. Ich hörte kein Radio und konnte die Reklame in den Straßen nicht lesen, außer sie war sehr flach gehalten. Ich war also total befreit von all dem visuellen Müll durch die Celebrity-Kultur heutzutage, diesem Bullshit, der so unglaublich unwichtig ist.

Ich war früher politisch unterwegs, aber bin davon komplett weg, weil es mich unglücklich gemacht hat, die ganze Zeit über das Schlechte in der Welt nachzudenken. Aber dann habe ich realisiert, dass wir genau darüber nachdenken und dass die Leute aufwachen sollten. Wir zerstören einen Planeten, auf dem in 20 Jahren keinerlei Öl mehr unter der Erde zu finden sein wird, und alles, was wir verwenden, vom Benzin bis hin zu Farben oder Düngemitteln füs Essen, ist aus Öl. Eines Tages, wenn es verschwunden ist, werden wir aufgeschmissen sein, wir werden uns gegenseitig bekämpfen, also müssen die Leute jetzt aufwachen und an die Zukunft denken und ihr Leben ändern. Man kann nicht alles immer haben. Man kann nicht diese abgefahrenen Autos haben und diese Supermärkte gefüllt mit Lebensmitteln – man muss es ein wenig runterschrauben.

Die „Protestors“ sind dafür da, die Menschen zum Nachdenken über verschiedene Dinge zu animieren. Die Zeichen sind immer unterschiedlich, sie sind leicht zu ändern und was immer in meinem Kopf ist, kann ich auf ein neues Zeichen malen. Und es ist leicht für andere Leute, Zeichen zu setzen. Man kann QR-Codes, Videos oder Websites generieren, die als Plattformen für Menschen dienen, die etwas zu sagen haben. Das ist deren Ziel. Manchmal sind die Dinge nur dafür da, um witzig zu sein. Manchmal nur albern – Spaß haben. Man will es nicht zu ernst haben. Es kann aber nichts ernst genug sein im Leben.

Wie kann man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen? Lebst du in den Tag hinein oder planst du gerne im Voraus?

Ich führte früher ein sehr geregeltes Leben. Bis ich erkannt habe, dass das gar nicht gesund ist. Es ist besser, im Hier und Jetzt zu leben, mit einer gewissen Verantwortung. Ich habe eine Familie, also kann ich nicht machen, was ich will. Ich kann nicht einfach sagen: Oh, es ist Zeit für den Pub und mich zu betrinken. Ich muss meinen Sohn aus dem Kindergarten abholen. Und ich denke, wenn man gesund bleiben möchte, muss man versuchen, in diesem Moment zu leben. Man lebt zu sehr in der Vergangenheit, man kann Dinge nicht ändern. Die Vergangenheit ist Vergangenheit, es ist passiert, also vergesst es. Die Zukunft … man kann seine Zukunft aus dem Hier und Jetzt gestalten. Also ja, ich versuche, in der Gegenwart zu leben, auch wenn mir das nicht immer gelingt.

Was bedeutet Kunst für dich?

Das ist sehr schwer zu beantworten. Es ist, wie die Frage zu beantworten: Was ist Liebe? Es hat eine unterschiedliche Bedeutung für verschiedene Menschen. Es hat verschiedene Bedeutungen zu verschiedenen Zeitpunkten. Kunst ist für mich etwas Magisches. Etwas, das einen berühren kann.

Es kann über Jahrhunderte hinweg mit einem kommunizieren. Etwas, das 500 oder 2.000 Jahre alt ist, gibt einem ein bisher unbekanntes Gefühl, eine Emotion. Kunst ist, denke ich, nicht nur eine Malerei oder eine Skulptur an sich.

Ich mag es eigentlich nicht zu sagen, dass ich Kunst mache, weil ich finde, dass es an anderen liegt zu entscheiden, ob es Kunst ist oder nicht. Ich versuche mit den meisten Sachen, die ich mache, Magie zu erzeugen. Oft ist es sehr schwer. Oft gelingt es mir nicht, bis andere Menschen damit interagieren. Ich habe in einer Galerie eine Installation aufgebaut. Ein Spukschloss für Kinder mit Requisiten und … es funktioniert nur, wenn die Kinder hineingehen und anfangen zu spielen, denn so wird eine komplett neue Energie projiziert und so ist es zu Kunst geworden, da es etwas Neues geschaffen hat, etwas Energiereiches. Ich denke, wenn man etwas erschafft, das jemandem eine Emotion vermittelt, die tiefer geht, das eigene Leben berührt oder einen zu etwas Kreativem inspiriert, dann wird es zu Kunst.

Was können wir von dir in der nächsten Zeit erwarten? Gibt es neue spannende Projekte, von denen du uns berichten magst?

Man kann mehr von dem erwarten, was ihr von mir kennt, nur noch besser! Es ist schwer, diese Frage zu beantworten, da sich Projekte mit der Zeit ergeben. Ich plane die Herausgabe eines Magazins, das viel redaktionellen Inhalt bietet sowie Comic Strips und weiteres Random-Bildmaterial. Ich arbeite an einer Malerei, an Auftragsarbeiten. Und da gibt es immer noch mehr Dinge, die ich nebenbei produziere. Wenn ich irgendwo zu viel Farbe übrig habe, verwende ich sie weiter und fertige etwas anderes daraus. Nächstes Jahr im Frühjahr wird es anlässlich des 20. Geburtstages der Backjumps in Berlin eine große Ausstellung geben. Also vielleicht male ich etwas auf die Wand eines Gebäudes. Vielleicht zeige ich dort große Skulpturen.

Aber am allerwahrscheinlichsten werde ich eine weitere „Ghetto Wrestler Party“ organisieren. Wir machen diese Party für Leute, die keine Wrestler sind. Sie ziehen sich Kostüme an und kämpfen dann gegeneinander. Das ist großartig. Das ist für mich Kunst, das kann man nicht vorhersagen. Man weiß nicht, was dort passieren wird. Es liegt an anderen Leuten, hier kreativ zu werden. Es bringt sie dazu, mit anderen Charakteren zusammenzukommen und Kostüme zu tragen. Das ist immer mit Fantasie verbunden und ist sehr inspirierend. Es kann komplett wahnsinnig werden und man weiß nicht, wie es weitergeht. Es passiert komplett im Hier und Jetzt. Das wird ein Spaß.

Dinge verändern sich die ganze Zeit. Meine neuen Skateboard-Grafiken erscheinen in Kooperation mit verschiedenen Firmen am laufenden Band. Ich bin Art Director einer neuen Skateboard Firma, SOLID, für Kinder zwischen drei und 13 Jahren. Ich bin für alle Grafiken und Logos verantwortlich, wähle die Farben der einzelnen Komponenten aus und designe die Formen der Skateboards. Wir entwerfen speziell angefertigte Boards für die unterschiedlichen Altersgruppen. Alle Leute, mit denen ich zusammenarbeite, sind schon seit Ewigkeiten Skateboarder. Also kann man sagen, wir wissen genau, was geht. Yeah, das ist ein spannendes Projekt, weil ich machen kann, was ich will. Ich werde Sachen kreieren. Ich entwerfe Designs, die Kindern den Kopf verdrehen, wie mir in den 80ern diese bekannten Künstler wie Jim Phillips und Mark Gonzalez oder andere Inspirationen der Skateboard-Szene. Also ist das auf jeden Fall ein weiteres großes Projekt. Aber Dinge ändern sich von Tag zu Tag.

Dave the Chimp hat auch Fotografien von Christian Roth illustriert bzw. bemalt. Diese Werke sind bei ARTvergnuegen unter dem Künstler Christian Roth verzeichnet. Klicke einfach auf unten stehenden Link, um sie zu finden.

Fotografien von Christian Roth und Dave the Chimp

Kunstwerke